macht mohn froh?

kochrezepte aus dem internet, wer braucht denn sowas? ich habe ein paar hundert kochbücher (davon ein andermal, das könnte eine längere geschichte werden) – in denen ich dann, wenn’s knopf auf spitz geht, nix finde. meist sind schlecht gemachte oder nicht vorhandene register daran schuld. ich gestehe, dass ich deshalb seit einigen jahren nicht nur bei obauer & willan, oliver & witzigmann und so weiter in meiner kulinarischen bibliothek nachschaue, sondern lebensmittel-kombinationen und rezepte google. da recherchieren (neben der neugierde) die wichtigste zutat für meinen job ist, bin ich gut im rezepte finden, einschätzen und im geiste probekochen.

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heute abend hatte ich ein aha-erlebnis. es gibt da draussen auf der welt leute, die sich ähnliche gedanken wie ich machen, die kulinarische notizen führen, gerne kochen und die rezepte generös weitergeben. lamiacucina von robert aus der schweiz ist so eine seite, die mich inspiriert, die anspruch hat und damit auch gar nicht hinter dem berg hält. wenn robert (den ich noch gar nicht persönlich kenne) kocht, dann hat das hand und fuss. vor nicht einmal einer woche hat er ein rezept für mohntörtchen mit quittenkompott veröffentlicht. er schreibt auch dazu, woher das rezept stammt (was grossartig, aber leider nicht selbstverständlich ist).

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jedenfalls liebe ich quitten (was man auch an diesem foto erkennen kann) und mohn. im waldviertel wird der spezielle graumohn angebaut, dessen besonders feines, elegantes aroma mit dem gewöhnlichen blauen nur den nachnamen gemein hat. ein packerl waldviertler graumohn wartet seit ein paar wochen neben wal- und haselnüssen auf seinen auftritt. heute war premiere.

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und während wir die mohntörtchen (ich würde sie warme mohngupfe nennen) auf die teller stürzen, dass die kamera beschlägt und das quittenkompott mit sehr viel vanille daneben löffeln, läuft in mir ein kleiner film ab: wie grossartig, dass es das internet gibt! wie schön, dass ich so mühelos menschen kennenlernen darf, die ähnliche massstäbe an ihr täglich brot (kuchen? gupf?) anzulegen scheinen! wie verblüffend einfach und schnell eine kulinarische idee ihren weg zu vielen anderen menschen finden kann, seit es blogs (online-tagebücher, so wie esskultur.at zu kulinarischen themen) gibt! wie wunderbar, dass ich direkt auf eine idee reagieren, meine freude darüber kundtun und dem urheber/der urheberin dafür danken kann!

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vielleicht macht aber auch nur der mohn so froh?
oder sind es doch die quitten?

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geheuer ist mir die ganze sache nicht, weil mich so ein stapel schmutzigen geschirrs normalerweise nicht ruhig schlafen liesse. die küche muss sauber sein, damit die nächste kocherei freude macht. jetzt finde ich sogar den anblick einer gelben schüssel hinter säuberlich abgeschleckten gäbelchen und löffelchen schön.

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ich hab’s, es ist die euphorisierende vanille!

kommentare

8 kommentare zu “macht mohn froh?”

  1. lamiacucina sagt:

    da wir uns persönlich nicht kennen: Ich bin im Moment erkennbar an einem Gesicht, das bis hinter die Ohren errötet ist. Viel Lob für ein bescheidenes Rezept, das war gewiss die Wirkung der Vanille. Die klingt aber bis Montag wieder ab. Dann ist wieder courant normal. Danke trotzdem. Ich freue mich auf jeden Deiner immer gut recherchierten und humorvoll präsentierten Einträge. Perlen, die sich vom Rezepte-tagebuch-allerlei abheben.

  2. Barbara sagt:

    Schön geschrieben!

    Beim Durchlesen musste ich einige Male schmunzeln und nicken… ;-) Roberts Mohntörtchen mit Quittenkompott würden mir auch schmecken! Ich denke, es könnte auch die Kombination aus Mohn und Vanille sein, beiden werden ja sehr angenehme Nebenwirkungen nachgesagt.

    Wenn Du eine Zutat kennst, die hilft, dass man nach dem Kochen gleich aufräumt, wäre ich über eine Information darüber sehr sehr sehr dankbar! ;-)

  3. Niko sagt:

    …in der Tat macht Mohn froh. Frisch gemahlener Mohn, am besten mit Milch aufgebrüt, hat eindeutig euphorisierende Wirkung. Für mich deutlich stärker noch als die von guter Bitterschokolade.
    Und Vanille hat (wissenschaftlich erwiesen) eine starke aphrodisische Wirkung, die Aromen stecken übrigens in der Schote, nicht im Mark …
    Grüße, Niko

  4. Bolli sagt:

    und wieder sehe ich Quitten, die es hier nicht gibt…wie gemein!

    Abwaschen gehört Verboten.

    Maldon Sel habe ich auch, aber ich bekomme mein Salz von einem producteur von Noirmoutier, nicht so ein industrielles Produkt…..Maldon sel ist aber in der Tat gut!

  5. zorra sagt:

    @Barbara
    Ich kenne die Sofort-Abwaschzutat. Sie lebt und heisst Ameise. Wenn ich mein Geschirr stehen lassen würde, und sei es auch nur 1 Stunde, würden diese kleinen Biester meine Küche übernehmen.

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  1. […] wirklich verdächtige Objekt wurde unkontrolliert durchgelassen. Aufgegeben hat es katha von esskultur. Dieses Paket hat mich ebensosehr gefreut. Jetzt kann ich, mitten in der Mohnwüste lebend, mal aus […]

  2. […] ist seine unmittelbarkeit. über online entdeckte rezepte war auf esskultur.at schon einmal eine hymne zu […]

  3. […] Qualität. Was ich nicht wusste: Mohn wird im Waldviertel gequetscht und nicht gemahlen. Von katha/esskultur habe ich erfahren, gequetschter Mohn wird schneller ranzig. Also habe ich die Sackerln sofort zum […]



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