essen nach dem tod

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in der nacht von sonntag auf montag, in der nonia hier bei uns im wohnzimmer vor dem klavier gestorben ist, haben wir feines früchtebrot von einer bäuerin aus loosdorf in niederösterreich gegessen, mit bio-sauerrahmbutter aus salzburg. von der butter hat nonia noch ein paar stunden zuvor ein kleines stückchen bekommen. es hat ihr geschmeckt, obwohl es ihr da schon so schlecht ging. auch den beinschinken danach hat sie noch haben wollen, wenn auch nicht ganz so stürmisch wie zuvor ihr ganzes leben lang.

ich habe auch am montag, am dienstag und gestern gegessen. eigentlich, so dachte ich, könnte ich tagelang nichts essen, wenn nonia einmal sterben würde. offenbar sind sich meine hündin, die bis vor dreieinhalb tagen noch an meiner seite war, und ich doch so ähnlich, wie es viele freundinnen und freunde schon immer behauptet hatten. warum nicht auch dann freude am essen haben, wenn es gerade gar nicht so lustig ist, einem was weh tut oder ein lebewesen fehlt, dessen anwesenheit über 13 jahre lange liebgewonnene selbstverständlichkeit geworden ist?

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ausserdem: gerade beim kochen und essen bleiben viele erinnerungen an sie lebendig. gestern früh, als wir frisches banana bread machten, war eine teigschüssel übrig, die normalerweise nonia zur inspektion und vorreinigung überlassen worden wäre. jedes mal, wenn sich ein stück butter (egal ob süss- oder sauerrahm) dem ende zuneigte, wanderte der rechteckige authentics-teller in einer automatischen handbewegung auf den weichen teppich unter dem esstisch. das geräusch von der gleichzeitig atmenden und die nase fest aufs butterfritzchen (so hiessen bei uns zeitweise hund und butterdose) pressenden schnauze nonias, kombiniert mit dem klicken ihrer zähne auf dem porzellan, wenn sie vorsichtig versucht hat, das butterfritzchen umzudrehen, um auch auf der unterseite jede eventuell vorhandene butterspur abzuschlecken, werde ich beim anblick dieser porzellandose nie mehr vergessen. und das ist gut so.

was die bratäpfel auf dem foto ganz oben angeht: sie haben wunderbar geschmeckt, nach der 75-prozentigen bitterschokolade, dem rosmarin und der butter. neben dem tisch lag nonia, sie hat zusammengerollt geschlafen, es ging ihr wohl schon recht schlecht, obwohl sie uns das bis zum schluss kaum merken liess. das letzte foto von ihr habe ich während des essens genau dieser bratäpfel am mittwoch letzter woche von ihr gemacht.

kommentare

3 kommentare zu “essen nach dem tod”

  1. Bolli sagt:

    Lecker! Ich liebe Bratäpfel und weiss gar nicht, weshalb ich die nie mache……….

TRACKBACKS
  1. […] falls es doch was warmes sein soll: puristische bratäpfel. (hier gibt’s ein foto davon, aber achtung, der kontext ist ein trauriger.) dafür säuerliche […]

  2. […] rosmarin-bratapferl mit dirndlpüree und nervenkeks das war meine nachspeise beim imbiss des club of plenty, und ich war erstaunt, wie gut (wie ausgezeichnet) die kombination funktioniert hat. für die bratäpfel säuerliche, auf keinen fall mehlige, sondern saftig-knackige äpfel vierteln, das kerngehäuse entfernen (geht am besten mit einem parisienne-ausstecher, genau, der für die kugerl), schale dran lassen. eine rein oder auflaufform buttern, alle apfelviertel sollen nebeneinander platz haben. äpfel in die form schlichten. butterflöckchen auf jedes apfelvierterl geben (deshalb ist der parisienne-ausstecher ideal, weil jetzt eine schöne kuhle im apfelvierterl ist), rosmarinzweige über die äpfel legen – nicht zu viele, pro (ganzem) apfel einen kleinen zweig. mit einem guten schuss apfelsaft (naturtrüb, schön aromatisch) untergießen. das verhindert zum einen das anbrennen der äpfel, zum anderen bleiben sie durch den sich entwickelnden dampf schön saftig und trocknen nicht aus. bei ca. 180 grad 20-30 minuten backen, bis die vierterl weich sind. (die rosmarin-idee stammt von den obauers, gemeinsam mit bitterschokolade ergibt das unseren bratapfel-klassiker.) […]



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