was hat salat mit wein zu tun?

graupert_meinklang_hinten.jpg

die antwort ist leider nicht lustig, sondern brisant: es geht um pestizidrückstände – nicht nur auf/in konventionellen lebensmitteln.

wer sich mit bio auf der sicheren seite geglaubt hat, dürfte seit dieser nachricht unbehagen beim einkauf verspüren: ein test des österreichischen magazins konsument von biologischem und konventionell angebautem salat ergab, dass ausgerechnet ein im wiener vorzeige-biosupermarkt maran (der auch meine bevorzugte einkaufsstätte ist) gekaufter salat am höchsten pestizidbelastet war. der test wurde zweimal innerhalb von zwei wochen gemacht. andere biosalate schnitten übrigens sehr gut ab, darunter der von ja! natürlich (im test bei merkur gekauft), der als einziger biosalat beim ersten und zweiten test pestizidfrei war. biomarkt maran schob die verantwortung für den stark pestizidbelasteten, französischen salat zuerst auf den lieferanten ab, den deutschen bio-grosshändler dennree. heute hiess es dann, dass die angeforderten analysewerte der betroffenen charge tadellos gewesen wären, man aber in zukunft 1. die lieferanten besser überprüfen wolle und man 2. lebensmittel ausserhalb der saison weniger oder gar nicht mehr anbieten wolle. hoffentlich honoriert das auch die kundschaft, die zwar oft bio kauft, aber keine ahnung hat, wann was wo wächst und reif ist und daher jederzeit jedes lebensmittel im regal vorfinden möchte.

gestern kam dann noch eine aussendung von global 2000, jener umweltschutzorganisation, die sich gerade beim thema lebensmittelsicherheit durch seriöse tests und studien einen guten ruf erworben hat: konventioneller wein sei besonders stark mit gefährlichen pestiziden belastet. nur biologischer angebauter wein wäre frei davon.

gerade wein war eine der letzten bastionen (schnaps bzw. edelbrände und bio wird die nächste diskussion) der verfechter/innen des konventionellen anbaus. der geschmack war tatsächlich lange besser, gesundheitlich gab es – angeblich – keinen unterschied, ausserdem handle es sich sowieso um ein genussmittel. biowein, so hiess es bis vor wenigen jahren, sei sauer, schmecke schlecht und habe keine zukunft. ein paar vorreiter/innen wie nikolaihof saahs in der wachau, geyerhof maier im kremstal oder meinklang michlits im burgenland haben damals schon längst erfolgreich biowein produziert, und zwar nach den strengsten richtlinien, die in der bio-landwirtschaft möglich sind: demeter.

graupert_meinklang_vorne.jpg

vor wenigen jahren haben sich in österreich anerkannte spitzenwinzer wie loimer, ott, graf hardegg, heinrich, weninger, nittnaus und andere zusammengetan, um auf biodynamischen weinbau umzustellen (artikel in a la carte, artikel im falstaff, artikel in vinaria). offenbar zur richtigen zeit. schade finde ich nur, dass sie allesamt kaum auf den richtungswechsel hinweisen. ob das damit zusammenhängt, dass man die klientel nicht verschrecken möchte?

es bleibt abzuwarten, was – nicht repräsentative – testergebnisse wie jenes von global 2000 veröffentlichte in zukunft bewirken. ob jene winzer und winzerinnen, die mit „naturnaher bewirtschaftung“ oder „im einklang mit der natur“ auf ihren websites und broschüren werben, sich dem bio-weinbau anschliessen oder ob es den konsumentinnen und konsumenten beim wein auch in zukunft herzlich egal ist, wie er eigentlich gemacht wird, hauptsache er schmeckt.

ob salat oder wein, verkauft wird, was gekauft wird. wer salat will, sollte einen blick auf einen saisonkalender werfen. dass erdbeeren nicht im dezember wachsen, hat sich schon herumgesprochen. wer mit gutem wein nicht nur angeben oder sich besaufen will, möge doch bitte nachfragen, wie er hergestellt wird.

bioweine_hallwag.jpg

eine hervorragende unterstützung ist dabei das buch bioweine – die besten produzenten und ihre weine von wolfgang hubert, erschienen 2007 im hallwag verlag. hubert erklärt zuerst auf 30 seiten biologischen weinbau und stellt im anschluss auf 200 seiten biowinzerinnen und biowinzer aus deutschland, österreich, der schweiz, frankreich, italien, spanien, dem restlichen europa und übersee vor. das macht er kenntnisreich (hubert hat schon 1995 ein buch über biowein veröffentlicht), kurzweilig und vor allem aktuell.

kommentare

3 kommentare zu “was hat salat mit wein zu tun?”

  1. Osteria sagt:

    Ja, leider kommen immer mal wieder Tests zum Ergebnis, dass man sich leider auch bei Bioprodukten nicht immer auf der sicheren Seite wiegen kann. Wie z. B. im vergangenen Herbst mit der Schokolade… ich persönlich bin dann immer recht verunsichert. Schade eigentlich.

  2. lamiacucina sagt:

    Bio-produkte wurden vor 20 Jahren noch von wenigen, aber überzeugten „Spinnern“ hergestellt. Heute ist der Bedarf so hoch, dass sich eine Menge Geschäftemacher unter die Produzenten gemischt haben, denen das moneymaken näher steht als die Bio-Idee. Schwarze Schafe wird es darum immer wieder geben, da hilft nur eine regelmässige Kontrolle. Hier funktioniert das recht gut. Dann gibt es halt Länder, wo die Kontrollsysteme jede Menge Schlupflöcher aufweisen. Wenn man das weiss, kann man sein Kaufverhalten danach richten.

  3. katha sagt:

    lamiacucina, du hast ja recht. die neuen bio-winzer wollen nicht mal bio auf ihr etikett schreiben. das finde ich gar nicht gut. auch, weil das mit dem verlassen auf die kontrollen so noch schwieriger wird.

einen kommentar schreiben