traunviertler (ess)kulturerbe

geselchtes bestelle ich nie. genausowenig wie schweinsbratl. die beiden kann man als traunviertlerin nur selbst machen. das hat weniger mit der fleischqualität zu tun, sondern vor allem mit den beilagen. es heisst: xöchts, knedl und a kraut. aber welche knedl?

griessknodel.jpg

griassknedl müssen’s sein, und zwar aus grobem holzhackergriess (gibt’s in bioläden oder reformhäusern, z. b. von vollkraft). sie sind kompakt bis trocken und schmecken ein bisserl nussig und nach dem schweineschmalz, mit dem sie meine oma immer zubereitet hat. zum glück habe ich vor rund 20 jahren einmal mitgeschrieben:

griessknodel_rezept_oma.jpg

sie hat natürlich keine waage, sondern die hände als massstab genommen. aber mit

1/4 kilo holzhackergriess
1 el schweineschmalz
2 el brösel
salz
geselchte suppe

funktioniert’s. das habe ich schon zig mal so gemacht und mittlerweile brauche ich weder waage noch löffel.

griessknodel_rezepte.jpg

interessanterweise stehen in dem kochbuch, das ich packen würde, wenn es brennt und ich das haus verlassen müsste vom essen auf dem lande (franz maier-bruck) zwar einige oberösterreichische griessknödelrezepte, aber das von meiner oma nicht. auch christoph wagner hat im oberösterreichischen kuchlkastl eine variante davon beschrieben. nicht die von meiner oma. folglich darf das rezept als beitrag zum traunviertler (ess)kulturerbe angesehen werden.

xochts_tisch.jpg

man röste die brösel im schweineschmalz, brenne damit den griess ab, salze ihn, mische das ganze sehr gut und sorgfältig durch, giesse mit so viel geselchter suppe (vom geselchten, das schon eine zeit lang kocht) auf und mische sehr gut, bis man, wenn man mit dem kochlöffelrücken über die masse streicht, eine glatte oberfläche hat. eine viertelstunde rasten lassen. mit nassen händen kleinere oder grössere knödel formen und in siedendes salzwasser einlegen. meine oma hat immer einen probeknödel gekocht. nachdem mir einmal alle knödel zu griesssuppe zergangen sind, weiss ich, warum. da kein ei als bindung im teig ist, kommt es auf die richtige konsistenz (verhältnis griess-fett-suppe und rastdauer) an, ob die knödel halten und wie dicht sie nach dem kochen sind. mittlerweile geht’s bei mir ohne probeknöderl – worauf die köchin natürlich stolz ist. gekocht werden sie, bis sie aufsteigen und sich drehen. auf einem suppenteller mit darin liegendem, umgedrehtem kleinen teller abtropfen lassen, dabei ziehen die knödel nochmal ein bisserl an. zum xöchtn (vom bio-freilandschwein, versteht sich) mit sauerkraut servieren. dazu darf man most trinken. was denn sonst?

xochts_most.jpg

der von der roten pichlbirne (den meisten zur weihnachtszeit als „kletzen“ bekannt) ist mein liebling. er kommt zwar schon aus dem niederösterreichischen mostviertel, aber das darf man – im gegensatz zu den griassknedln – nicht so eng sehen.

kommentare

14 kommentare zu “traunviertler (ess)kulturerbe”

  1. Nathalie sagt:

    Griassknedl sind bei uns in der Form eher unbekannt. Geselchtes aber nicht. Da werde ich im Januar mal die Knedl ausprobieren. Ich hoffe nur, ich bekomme Holzhackergriess.

  2. katha sagt:

    es handelt sich dabei eigentlich um normalen weizenvollkorngriess, nathalie, das besondere ist der grobe vermahlungsgrad. deshalb heisst er wohl auch so. ich hab‘ schon schwierigkeiten, ihn in wien zu bekommen. (und die motten, die lieben ihn leider auch…)

  3. mein gott sand däs weihnachtliche hoamweh-rezepte..

  4. uli sagt:

    grießknödel gab es bei uns immer zu erbsenpüree!!!!!!!!!mmhhmm
    das rezept klingt überzeugend;)danke

    und meinen kramperl hat sich nächtens lotte geholt, in hündischer heimtücke: von hagmann in krems, auch nicht schlecht!
    ps die rote marzipanzunge dürfte nicht so gut gewesen sein wie der gebackene rest, denn sie blieb übrig, wie alle nahrung, die nicht von ursprünglicher qualität!

  5. Claudio sagt:

    Unglaublich, da ist man Nachbarn und ich hab im Leben noch nie alle diese lustigen Wörter gelesen, geschweige denn gegessen!

  6. entegut sagt:

    grießknödel habe ich auch im Programm, allerdings nicht mit dem Holzhackergrieß, den ich sofort suchen werde.
    Das Xsöchte macht jetzt wirklich Gusto!
    Zertrümmert wird bei uns mit Hirschbirne von Gölles. :-D

  7. lamiacucina sagt:

    zuviel Xöchts gibt Xüchti. Ich halte mich an die Knedl.

  8. kaltmamsell sagt:

    „Ich nähre mich von reinem Selchgift,“ wird schließlich in der Tante Jolesch zitiert. Das hier ist für mich eine völlig neue Knödelvariante; da ich G’seichts mit Kraut liebe, eine wundervolle Ergänzung.

  9. katha sagt:

    tja, lieber lokalreporter, du bist zwar in der hauptstadt, aber dort können’s sowas nicht mal aussprechen, geschweige denn buchstabieren…

    zu erbspüree, uli? kann ich mir grad gar nicht vorstellen. aber erbspüree klingt für mich auch ein bissl nach erbswurstsuppe, aber du klärst mich bestimmt auf. ich freue mich übrigens über lottes „fang“ ;-)

    gell, claudio, da lernt man nie aus. gibt’s in der schweiz denn kein xöchts? und wie wird’s zubereitet? als beilage gibt’s bestimmt was mit -li…

    liebe ente, schau‘ mal beim staudigl in der wollzeile oder bei maran, die sollten den griess beide haben. hirschbirne von gölles ist eine gute ergänzung, man könnte mit hirschbirnmost anfangen und mit hirschbirnbrand aufhören. eine runde sache.

    xüchti, robert? das muss ich jetzt googeln, moment: ah! rheuma, klar. habe ich nicht bestellt, kriege ich also auch nicht. und bei meiner xöchts-frequenz (ein bis zwei mal im jahr?) wird das auch so bleiben.

    sehr lustig, liebe kaltmamsell, ich habe mir vorige woche nämlich endlich torbergs tante jolesch gekauft, bin aber nach der lektüre von zwei anderen büchern (fünf neue bücher für vier tage urlaub…) noch nicht zum lesen gekommen. da freue ich mich umso mehr drauf. ich hoffe, sie finden den groben griess in bayern. sonst schnüre ich ein packerl. versprochen.

  10. Claudio sagt:

    Ja, sogar zwei -li gibts! Bei unserem traditionellen Weihnachtsessen (24.12.): Schüfe-li (geräucherte Schweineschulter) und zwar einmal ohne Knochen im Brotteig gebacken und einmal mit Knochen, sanft gesotten, wird mit Härdöpfelsalat (Kartoffelsalat), Rande-Salat (rote Bete-Salat) und Nüss-li-Salat (Feldsalat/Vogerlsalat?) serviert.

  11. katha sagt:

    mmmhhh! klingt ja sehr gut! brotteig selbst gemacht? sauerteig? schinken im brotteig gibt’s hier auch, aber eben nicht geräucherten. nüss-li-salat-li (gemein) kenne ich, vogerlsalat ist richtig. 100 punkte! hardöpfel finde ich super. ist den erdäpfeln auch sehr ähnlich…

  12. johanna sagt:

    ah! da kommen heimatgefuehle auf!!! ich mag mein gselchtes ja uch ganz gerne mit gampererknoedln, kennst du die? eine art brotknoedel (schwarzbrot) aber im ofen gebacken, anstatt gekocht die semmelknoedel. aeusserst g’schmackig!
    ich hab mich uebrigens letzte woche zur londoner dependance des leberkaspepi begeben und schockiert festgestellt, dass sie mir den leberkaese in meiner semmel vorher abgebraten haben… aber wie man so schoen sagt, beggars can’t be choosers!

  13. katha sagt:

    liebe johanna, gampererknödel kenne ich nicht, und komischerweise steht auch im maier-bruck kein wörtchen davon. klingen aber gut! hast du ein rezept? für den leberkas wirst wohl mal wieder herkommen müssen – und dann gemma gemeinsam hin.

TRACKBACKS
  1. […] redakteur alois schörghuber – sympathischerweise auch noch mostviertler (siehe beitrag über das traunviertler (ess)kulturerbe ganz zum schluss) – hat mich gerade hier in der kulinarischen bibliothek dazu interviewt. […]



einen kommentar schreiben