trine hahnemann: die skandinavische küche. originalrezepte aus mittsommerland.

wenn ich weiter in dem bisherigen tempo bücher aus meiner kulinarischen bibliothek vorstelle, nämlich alle fünf monate eines, dann sind wir schätzungsweise im jahr 2342 auf dem aktuellen stand, vorausgesetzt, es kommen in der zwischenzeit keine neuen dazu. dieses buch hier – die skandinavische küche – wird nicht so lange brauchen, bis es viele ins herz geschlossen haben, weil es drei wichtige dinge vereint:

1. die einteilung nach saison,
2. die wunderbaren fotos und
3. skandinavische rezepte.

der einzige wermutstropfen sei gleich zu beginn verraten: es ist ein ziemlich grosses trumm. wer wenig platz in der küche hat, wird das buch (oder mich) verfluchen – oder sich endlich einen kochbuchhalter (gibt’s z. b. bei butlers aus plexiglas für wohlfeile 17 euro – dort ist auch meiner her – oder in verschiedenen ausführungen und materialien bei amazon) besorgen.

die skandinavische küche kommt (schon wieder) aus dem christian verlag. sie ist in die zwölf monate des jahres unterteilt. auffällig ist, dass keine der jahreszeiten zu kurz zu kommen scheint, alle haben kulinarisch auch für verwöhnte und abwechlsung liebende gaumen etwas zu bieten. wer das buch aufschlägt, wird von diesem bild begrüsst:

ich bin ein bekennender salzfreak (nicht so schlimm wie meine mutter!), da wäre es mir völlig egal gewesen, ob nach diesem foto auch noch sinnvolle rezepte kommen. sie kommen:

jedes rezept wird mit einem persönlichen gsatzerl der dänischen autorin trine hahnemann eröffnet. die zutaten sind fast alle problemlos zu haben, die rezepte meist einfach und trotzdem immer mit einer kleinen überraschung versehen. bei dem räucherlachs oben ist es der kümmel im salat, der sich ganz hervorragend zum eher fetten fisch und dem sahnemeerretich macht.

auch der humor kommt nicht zu kurz: man achte auf das rechte bild in s/w.
jedem der zwölf kapitel ist ein doppelseitiges foto vorangestellt, das grosse lust auf urlaub im norden macht:

im mai z. b. serviert trine hahnemann

roggen-focaccia mit lachsburger
gebackene forelle mit neuen kartoffeln und räucherlachscreme
grüner und weisser spargel aus dem ofen
blumenkohlsalat mit mandel-zitronen-dressing
möhrensalat mit petersilie und pinienkernen
köttbullar (fleischbällchen) mit sommerkohl und lingonsylt (preiselbeerkompott)
kalbfleisch mit karamellisiertem rhabarber und pikanten salaten
rhabarbersirup
rhabarber-trifle

ich habe mir beim ersten durchsehen 42 der insgesamt 109 (von mir gezählten) rezepte markiert, 15 davon mit sternchen, also die für mich ganz, ganz wichtigen. darunter

marinierter brathering
kardamombrötchen
kümmelbrot
gebratene makrelen mit frischem sommersalat
rote beerengrütze
fischküchlein mit kräuterremoulade und dillkartoffeln
hühnerleberpastete mit aquavit
apfel-trifle und natürlich
zimtschnecken

ein weiteres rezept für schwedisches luciabrot brauche ich nicht unbedingt, wie die meisten leserinnen & leser von esskultur.at schon länger wissen.

ich würde gerne auch noch die originalbezeichnungen der gerichte wissen (damit ich sie vor ort bestellen kann…). aufpassen muss man mit den mengenangaben, die reichen je nach rezept für vier bis acht personen. übrigens animiert dieses buch mit den lässigen, für mich unglaublich schönen bildern zum feiern. und mich macht’s auch noch ein wenig wehmütig: ein eigener garten, in dem ich schon in der früh barfuss eine runde drehen und die ersten kräutlein verkosten oder so wie früher als kind mit meiner oma nach dem tautreten eine walderdbeere essen würde. am nachmittag oder frühen abend kommen dann freundinnen und freunde vorbei und wir kochen endlich – endlich! – all die hunderten sternchenrezepte aus meiner kulinarischen bibliothek, meinem rezeptarchiv und meinen notizen von gesprächen mit köchinnen und köchen nach.

vorerst bleibt es bei den freuden eines gut gemachten glossars und eines guten, alphabetischen registers. ich fände es übrigens einen sinnvollen service, wenn die buchverlage auf ihren websites die möglichkeit bieten würden, die inhaltsverzeichnisse der bücher anzuschauen. ich bin sicher, dann würden wesentlich mehr exemplare verkauft werden. ohne inhaltsverzeichnis (und/oder rezeptverzeichnis) kann ich mir viel zu wenig vorstellen, wie das buch in etwa funktioniert. von den musterseiten sprechen wir lieber gar nicht – ausserdem liefere ich die ja auf esskultur.at. selten, aber dann zahlreich.

das buch in kürze

ich bin überzeugt davon, dass saisonalen kochbüchern wie diesem hier die zukunft gehören. wenn sie für mitteleuropa ganz dezent exotisch wirkende rezepte mit zutaten, die aber grossteils hier wachsen und alle einfach zu bekommen sind, beinhalten, noch viel mehr. wer skandinavien liebt, wird dieses buch eh schon haben (weil es bisher nichts vergleichbares auf deutsch gab). wer gerne frisch, saisonal, durchaus kräftig gewürzt und mit leichtem hang zu fisch kocht, wird es haben wollen. verschenken würde ich es wegen der ausserordentlich schönen fotografie und des beeindruckenden formates sofort – aber nur an menschen, von denen ich weiss, dass sie dem norden etwas abgewinnen können. es ist kein coffee table book (obwohl es so aussieht), sondern eines, das in der küche verwendet werden soll. ausgiebig, empfiehlt die frau esskultur.

trine hahnemann: die skandinavische küche. originalrezepte aus mittsommerland. christian verlag 2008.

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kommentare

10 kommentare zu “trine hahnemann: die skandinavische küche. originalrezepte aus mittsommerland.”

  1. uli sagt:

    ohne liebe zum norden – aber zu fisch, salz, würze! – find ich den tipp interessant

    ps nur meerrettichsahne klingt auch gelesen schrecklich;)!

  2. entegut sagt:

    Ich habe eine „importierte“ Freundin, bei der kann ich immer skandinavisch schlemmen, daher wird das Buch für mich nicht so interessant sein.

    Was den Kochbuchhalter anbelangt, habe ich seit letzten Herbst ein ultimatives Stück aus Acryl erstanden. Man kann darin die Bücher aufgeklappt einschieben, sie blättern daher nicht um und außerdem schützt das Acryl vor eventuellen Verschmutzungen. Die Butler-Seite funktioniert gerade nicht, ich habe mein Stück nach elendslangem Suchen bei WMF am Stephansplatz gefunden. :-) (Das Küchengerätegeschäft „Waniek“ Ecke Tuchlauben und Hoher Markt hatte den Kochbuchhalter auch, aber da hätte ich am nächsten Tag nochmals kommen müssen, denn vorher wäre der Chef nicht in die Auslage gestiegen. Übrigens ein schönes, schrulliges Eldorado dort, um neue Trends und Altes im kunterbunten Durcheinander aufzuspüren.)

  3. katha sagt:

    meine finger haben beim schreiben der „meerrettichsahne“ eh gebockt, uli, aber mein berufsethos verbietet mir, da draus einen oberskren zu machen, wenn er im buch nicht so tituliert ist ;-)

    glückliche ente! woher ist deine freundin? aus dänemark, schweden,…? eine freundin von mir ist halbschwedin, bei ihr zuhause gab’s immer unvorstellbare köstlichkeiten, seither (und seit ich in schweden war), liebe ich die küche/n des nordens. was den kochbuchhalter betrifft: butlers geht sicher bald wieder (vor ein paar stunden hat’s noch funktioniert), es ist genau so ein ding, wie du es beschreibst. ich hatte damals vor ein paar jahren auch lange gesucht und dann diesen gefunden – den’s bei butlers zum glück immer noch gibt. bei wmf war er bestimmt teurer…

  4. uli sagt:

    ethos versus bockige finger – so ähnlich hab ich es mir vorgestellt:)

  5. uli sagt:

    endlich die wunder-mayonnaise ausprobiert – funktioniert auch mit einem normalen, altersschwachen mixstab! und scheint gerad für die eierschweren festzeiten, zu denen es bei uns den gleichnamigen salat gibt, ideal!
    also schon jetzt: frohe ostern!

  6. katha sagt:

    das freut mich, liebe uli! wird’s jetzt immer diese variante geben?

  7. johanna sagt:

    tolle fotografie – sieht so aus, als waere das nicht nur ein kochbuch, sondern auch ein bildband … da kann man sich so richtig vom sofa aus auf skandinavien-reise begeben! muss ich mir unbedingt ansehen!

  8. katha sagt:

    richtig, johanna. gibt’s auch auf englisch, soviel ich weiss – falls dir das lieber ist.

    dachte ich mir, uli!

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  1. […] laeso sydesalt – dänisches salz (das auf dem zweiten foto hier) […]



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