das wunder von estragon

heute genau vor einem jahr habe ich das kräuterkistl in betrieb genommen. über den winter musste es darben, es wurde kein einziges mal gegossen. vor ein paar wochen dann bekam es einen radikalen kurzhaarschnitt, was das hier zur folge hatte:

die melisse lässt sich nicht mehr blicken (obwohl ihr der grosse sieg prophezeit wurde), die nudelminze macht vorsichtige versuche und nützt pimpinelle und estragon als tarnung. der rosmarin ist offenbar eingegangen, dafür haben wir eine rosmarin-palme in die erde versetzt, die zuvor monate (!) in einem wasserglas auf dem fensterbrett verbracht und dort einen dicken wurzenballen entwickelt hat. das scheint zu funktionieren. der orangenthymian hat sich zeit gelassen, kommt jetzt aber doch noch. die pimpinelle musste ich schon wieder stutzen, weil wenn ich die blühen lasse, wucherst sie im halben stuwerviertel. das grosse wunder aber ist der hochverehrte französische estragon, mein lieblingskraut, der angeblich so empfindliche. er hat sich als erstes nach dem winter gezeigt und wie! diese estragonplantage macht mir die allergrösste freude! dabei habe ich die paar blättchen vom jahr eins im tiefkühler gehortet, als wären sie eine verbotene delikatesse. wenn ich das gewusst hätte, hätte ich schon längst ein estragonmenü zur feier des wunder von estragon gemacht. spargel mit béarnaise, georgisches lamm mit estragon und weisswein, frische beeren mit estragoneis oder solche sachen halt.

kommentare

20 kommentare zu “das wunder von estragon”

  1. Boris sagt:

    Ich such schon lange einen Ableger von echtem französischem Estragon.
    Angebot:
    Können wir einen USA Sauerteig „Oregon Trail“ gegen einen winzigen Estragon Ableger (nur per Ableger / Wurzelteilung vermehrbar) tauschen?

  2. katha sagt:

    ja klar, boris, aber einfacher kommst du zum französischen estragon in ordentlicher menge, wenn du dir ein stöckerl in der wunderbaren gärtnerei bach im 22. holst, dort ist der in meinem kistl wohnende nämlich auch her!

  3. Boris sagt:

    danke für den tipp – bin schon morgen im 22ten bei der gärtnerei bach.

    übringens:

    bestehe ich ultimativ darauf einen der knallroten le creuset bräter zu gewinnen – ohne extra esskultur vorher lobhudeln und kiloweise weihrauch verbrennen zu müssen
    – das hast du als etablierte solide koch-ikone schlicht nicht notwendig –
    um diesen le creuset direkt an gaby mit den fünf zu stopfenden mäulern weitergeben zu dürfen.

    ihr posting, sich den bei der kinderzahl fünf den topf schlicht nicht leisten zu können, hat sicher nicht nur mich bewegt. gewichtigere argumente kann es einfach nicht geben als mich/sie einen der beiden roten boliden gewinnen zu lassen.

    oder noch einfacher …
    du schickts „meinen“ le creuset direkt an gaby
    :-)

  4. Ellja sagt:

    mhhhhh… da fällt mir ein, da hab ich doch noch…irgendwo.. ein himmlisches rezept für estragon-hühnchen….

    lg ellja

  5. Thea sagt:

    Mein französischer Estragon hat jetzt schon den zweiten Winter überstanden, wunderbar. Der Rosmarin schien es auch geschafft zu haben. Er begann wunderbar zu blühen, wohl ein letztes Aufbäumen, um dann sein Leben einzustellen… Nun trösten mich Oregano und Schnittlauch mit kräftigem Wuchs.
    Liebe Katha, was ist denn Nudelminze? Witziger Name, nie gehört.

  6. teeodora sagt:

    und dass sogar die dromedare aus dem morgenland
    anreisen, um das estragon-wunder zu bestaunen, das
    wundert hier wohl niemand!

  7. Martina sagt:

    o.k., dann muss ich morgen wohl nochmal zum Bach (ich kann dir nur zustimmen – eine wirklich wunderbare Gärtnerei) hab mir da letzte Woche grad ein paar Pfefferonipflanzerln geholt und mich über die vielen Salbeisorten gefreut – an Estragon hab ich leider nicht gedacht…
    Und, Stichwort Stuwerviertel: wir sind ja wirklich Nachbarn- naja, könnten es zumindest sein! (Siehe Kommentar zum Jubiläum) ;-)
    LG von Stuwerviertlerin zu Stuwerviertlerin

  8. uli sagt:

    habe den franz. estragon übrigens zum 1.mal bewusst in der steiermark als würze einer köstlichen süßspeise kennen gelernt! – er heißt dort übrigens perchtram,und die mehlspeise pfingsttorte –
    fröhliches kochen!
    lg uli

  9. sisko sagt:

    @ thea betr. Nudelminze: Folgendes habe ich in der Wikipedia gefunden:

    Braune Minze oder Nudelminze (M. gentilis) = (Bastard aus M. arvensis x M. spicata) (wird zur Zubereitung der Kärntner Nudel verwendet)

  10. Boris sagt:

    Ich bin heute nach ein paar „Gspritzten“ am Naschmarkt hängengeblieben und schaffte es auf Grund der leicht toxikologischen Wirkung der vergorenen Beeren nicht zur Gärtnerei Bach.

    Wo Schatten ist ist auch Licht – daurch hab ich wieder was gelernt:

    Am sonst honorigen Gemüsestand angrenzend an den ersten Stand neben der Fischhandlung UMAR wird angeblich echter „französischer Estragon“ im Pflanztopf verkauft.
    Ein Blatt kauen schaffte Sicherheit: Völlig geschmackloses Gras das nur vom Wuchs her der französischen Estragon irgendwie ähnlich ist. (Es handelt sich um völlig geschmacksneutralen russischer Estragon) Das ist völlig wertloses Glump.

    Also bitte nicht täuschen lassen – vor dem Estragon Kauf immer kosten.
    Oder gleich zum Bach pilgern.

  11. Gabi sagt:

    @Boris: Lieb, daß Du Dich um uns Sorgen machst. Aber das ist schlichtweg nicht notwendig. Wir müßen zwar aufs Geld schauen (aber wer eigentlich grad jetzt nicht?), aber zum Jammern ist es (derzeit :) ) nicht. Mit guter Planung ist es machbar, daß wir unsere Kinder größtenteils biologisch ernähren können. Daher sparen wir halt dann an anderen Dingen oder sehen uns (wie z.B. bei Brätern) nach kostengünstigeren und qualitativ ähnlichen Dingen um.

    Also, keine Sorge, uns gehts recht gut. :)
    LG, Gabi

  12. Thea sagt:

    @ Sisko: Danke für den „Bastard“ ;-)

  13. katha sagt:

    kaum ist man mal ein paar stunden weg, sind hier schon die kräutln los!

    ja, danke sisko, nudelminze ist unabdingbar für kärntner nudeln. und über die wird ein andermal berichtet. bin gerade im „ruhrpott“ und da ist es einfacher, eine gescheite pizza zu bekommen, als irgendwas authentisches lokales.

    also bitte noch ein bissl geduld, thea, dann folgt die volle nudelminze-aufklärung (samt „keferfil“… – wieder was zum googeln ;-))

    verstehe ich auch nicht, teeodora. aber eine einzige ausser dir, die hier nie ein sterbesnwörtchen verlieren würde, weil sie eine frau der bilder und gesprochenen worte ist, die hat die tiere sicher mit wohlwollen gesehen…

    hey nachbarin, martina, das müssen wir präzisieren, wenn ich wieder in wien bin! und vielleicht zum eisvogel gehen. berichte, wie dein bach’scher estragon duftet!

    das klingt extrem spannend, uli, bitte mehr darüber, wenn du da was weisst! bertram ist ja auch die alte bezeichnung in der hildegard-medizin dafür. dem muss ich noch nachgehen.

    richtig, boris, immer riechen vor dem estragon-kauf. ich finde das ja eine sauerei, dass die „französischer“ draufschreiben, wenn’s keiner ist. und die gärtnerei bach hat bestimmt auch nächste woche noch welchen. noch liest ja nicht ganz wien esskultur.at

    liebe gabi, das finde ich sehr, sehr sympathisch, was du hier schreibst. und dass das rezept mit der doppelten menge auch so gut funktioniert, ist gut zu wissen. danke, dass du deine erfahrungen damit hier mitteilst!

  14. Johannes sagt:

    Estragon?………..Traumhaft, verwende ich auch sehr sehr gerne! Viel Spaß noch mit dem edlen Kraut!

  15. the oxonian austrian sagt:

    Pflicht ist, wenn man mit frischem Estragon etwas kochen will, eine toskanische Ribolita zu machen.

  16. Buchfink sagt:

    Zitronenmelisse mag in meinem Blumenkasten auch nicht wachsen, komisch, im Boden wuchert er ja wahnsinnig. Ich hoffe sehr, dass ich dem französischen Estragon noch begegne, letztes Jahr im Urlaub an der Loire haben sie mir auch den russischen als französischen angedreht.

  17. Liebe Katha,

    ich teile absolut deine Begeisterung für den Minigarten auf dem Fensterbrett! Obwohl ich mich bisher noch nicht so recht als Estragon-Fan bekehren konnte, fand ich die Reportage samt Kommentaren spanned.
    Bei mir zeigen sich bisher die Spitzen von Zitronengras (nur wenige Samen aufgegangen), Zitronenmelisse und Pimpinelle.
    Zitronenthymian hätte ich auch gern wieder frisch vom Fensterbrett, hatte aber beim Samenhändler meines Vertrauens, keinen Samen gekriegt… Für mehr Variationen reicht auch der Platz nicht. Bin gespannt auf die Ergebnisse…

    Mit Überwintern hatte ich bisher nicht allzuviel Glück. Nur Lavendel (draußen gelassen) und Rosmarin (drin überwintert) scheint es ganz gut zu gehen…

  18. entegut sagt:

    Ich bieg einmal schnell eine Ecke bei diesem Blogbeitrag um, weil ich dir auch gerne meine Kräuter zeigen möchte. Wenn ich wieder mehr Zeit habe, dann steht ein Bericht auf dem Programm. (Der Rosmarin hat leider bei mir nicht überlebt und ich bin gerade auf der Suche nach einem kräftigen schönen Buschen. Denn eine Kräuterecke ohne Rosmarin geht wohl gar nicht.)

  19. Maria Rauter sagt:

    Hallo!
    Ich suche schon seit längeren einen Perchtram aber ich kann ihn nirgends auftreiben.
    Wer kann mir helfen ???
    wohnhaft in der Steiermark in Kindberg

  20. katha sagt:

    was genau suchst du, maria? pflanzen oder getrockneten estragon? ersteres sollte über gärtnereien oder jungpflanzenmärkte (schau bei der arche noah) gar kein problem sein. denn ich nehme an, du meinst wie in kärnten auch bertram als synonym für estragon, nicht für bertramwurzel (die kulinarisch nicht wirklich interessant ist).

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