kulinarische gefahrenstandlinie

ich wollte eigentlich „niederungen“ schreiben, aber beim kurzen nachlesen der wortherkunft kam mir die „gefahrenstandlinie“ unter, die mir noch besser gefällt. wortschatz anreichern hat noch nie geschadet.

wenn in der nautik damit jene örter (!) gemeint sind, bei deren überschreitung sich ein schiff einer gefährlichen stelle nähert, so passt das bild ganz gut zu jenen situationen, in denen mein gesamtes in gut 20 jahren angewachsenes kulinarisches wissen inkl. kulinarischer bibliothek mit mittlerweile knapp 900 titeln den bach hinunter (oder über bord? bilder über bilder…) geht. das passiert leider öfter, als mir lieb ist: wenn ich viel zu tun habe und in meinem büro hinter den schreibtischen angebunden bin (oder mich zumindest so fühle). dann merke ich viel zu spät, dass ich hunger habe. dann will ich nicht länger als etwa 20 minuten mit der zubereitung verbringen. dann werde ich schon beim gedanken an fehlende zutaten grantig. und dann fallen mir nicht mal eine handvoll alternativen zu pasta mit tomatensauce oder eierspeis mit kernöl und schnittlauch ein. als kulinarik-journalistin ist das doch paradox, oder? meine theorie: das gehirn ist zu dem zeitpunkt schon so auf sparflamme, dass es den reichen wissens- und erfahrungsschatz nicht mehr anzapfen kann. ja, das klingt jetzt recht dramatisch. ist es für mich auch. ich ärgere mich dann und bin unrund – und das bei überquellenden vorratsschränken, einem wie immer gut gefüllten kühlschrank (leider sind in solchen situationen keine fertiggerichte drin, nur zutaten, aus denen man irgendwas machen muss) und dem vermutlich bestsortierten gewürzregal in einer privatküche weit und breit (keine grosse kunst, wenn die mama mit gewürzen & kräutern handelt), bei letzterem nehme ich wetten an.

nein: müsli, butterbrot oder gar irgendwelche komischen fertiggerichte auf vorrat sind keine alternativen. schokolade sowieso nicht, die mag ich nur ganz selten. gestern abend zum beispiel: bitterschokolade mit vinschgauer marillengelee gefüllt. (sobald ich die bezugsquellen weiss, mehr davon.)

und nein: kochbücher zur schnellen küche will ich dann auch keine sehen. obwohl ich besonders die drei von donna hay zu genau diesem thema (meine spontane küche: 200 schnelle rezepte aus dem vorrat, schnelle küche mit stil und schnelle küche für gäste) sehr mag und empfehlen kann. aber dort bekomme ich bloss wieder lust auf etwas, wofür ich erst einkaufen muss – und dafür ist in solchen momenten keine zeit.

es muss schon was gscheites sein, dummerweise ist das bei mir immer etwas anderes. mal was frisches mit viel grünzeug, mal was knuspriges, mal was asiatisches, mal was süsses flauschiges, mal was würziges, mal was säuerliches, mal was heisses, mal bloss nichts heisses, mal was bodenständiges, mal was zartes und so weiter.

ich weiss ja nicht, ob dieses problem ausser mir noch jemand hat.

falls ja, schlage ich erstens erfahrungsaustausch vor und zweitens eine massnahme, die mir oft hilft: das schreiben einer liste. ich habe gerade (ohne hunger, daher sind auf anhieb knapp 50 87 gerichte zusammengekommen) eine mit dem titel „schnell kochen“ begonnen. sie enthält eine auflistung jener gerichte, die schnell und ohne rezept zuzubereiten sind, die wir also schon irgendwann gemacht haben oder die wir dank unserer koch-erfahrung mit ein bisserl improvisation auch dann hinkriegen, wenn das hirn auf sparflamme läuft. der web- und sängermeister bekommt online-zugriff darauf. die gefährlichen stellen „hunger“ und „grant“ hinter der kulinarischen gefahrenstandslinie müssen nämlich auch in beziehungen sicher umschifft werden. mit so einer liste als kompass ist der kurs bestimmt zu halten.

kommentare

13 kommentare zu “kulinarische gefahrenstandlinie”

  1. lamiacucina sagt:

    in diesem Zustand greift man am besten auf bewährte Gerichte zurück, die man mindestens einmal schon gekocht hat. Die findet man im eigenen Blog. Nicht in Kochbüchern und nicht im Web.

  2. Ellja sagt:

    so ein Register führe ich schon seit Jahren, das sich nennt „Büroküche für 2 Platten“ (Herdplatten natürlich). Beim durchsehen hab ich schon mal festgestellt, dass Nudelgerichte und Salate wirklich überwiegen ;-) Auch eine Mikro steht bei mir im Büro, aber die wird von mir nie angerührt, wozu auch, unnützes Zeugs. Da mein Büro nicht auch gleichzeitig mein Zuhause ist, habe ich an Kochgeschirr: 1 Pfanne, 1 Kochtopf, 1 Kasserole, Kochlöffel, Pfannenwender, Schneebesen.
    Gewürze: Salz, Pfeffer. Himbeeressig, Balsamessig, Olivenöl, Butter im Kühlschrank. Honig, Zucker, Teebeutel. Das wars… der Rest ist mittägliches Improvisieren und Einkaufen. Geht so 2 x die Woche ganz gut :-).

  3. Dieses Problem kenne ich nur allzu gut. Bei mir gibt es dann meistens Pasta mit irgendwas, Reis mit irgendwas oder Salat mit irgendwas – könnte ich vielleicht mal die Liste haben? :)

  4. theodoraa sagt:

    das problem kenne ich nur zu gut :D bei mir gibt es dann entweder nudeln mit irgendwas oder reis mit irgendwas oder (mein favorit) omelette in 100facher abwandlung. und ja -so eine liste würde mir wohl auch helfen *hihi* gibt es die auch zu erstehen? ^^ herzliche grüße

  5. duni sagt:

    Das mit der Liste klingt gut, nur würd ich die nicht linear strukturieren( also alle möglichen Schnellgerichte untereinander geschrieben) ,sondern eher wie ein Baumdiagramm. Du hattest in der Schule vielleicht Stochastik ; wenn Du Dir nicht genau vorstellen kannst, was ich meine, dann ungefähr so: Fang mit Grundprodukten an, die Du immer bevorratet hast, weil Du sie magst bzw. weil sie bevorratbar sind. Dann kommen die Zweige, also Zutaten oder Zubereitungsarten,die unkompliziert /schnell sind. Mit jeder weiteren Ebene kommen neue Aspekte dazu, vielleicht verschiedene Richtungen( Hausmann, Mittelmeer, Vegetarisch, Thai) oder Gartechniken; eventuell auf weiteren Ebenen Ergänzungen nach Tagesvorlieben oder was eh grad rumliegt . Ziel ist es, ein kombinatorisches Universum zu schaffen, das Deinen Geschmack und Deine Vorlieben repräsentiert.

  6. gourmet sagt:

    schau dir einige Bilder zum thema essen auf Tastspotting oder der Google Bildersuche an und schöpfe etwas neues, Freestyle. :) So mach ich das immer.
    Gruß Dirk

  7. Bei mir erschöpt sich in solchen Momenten die Kreativität oft schon beim bloßen Blick in Vorrats- und Kühlschrank. Da bin ich froh, wenn überhaupt zusammenpassende Lebensmittel und Würze gefunden und zu was in Bälde Essbarem verarbeitet werden können… Wer die Wahl hat, hat die Qual.

  8. da hab ichs gut, ich bin nie grantig, hab selten hunger & komm mit einem schreibtisch aus ~/~

    -> weil ich immer fetter werde, esse ich seit wochen nur noch salat, anfangs mit wenigen zutaten: häuplsalat und/oder chinakohl, karotte, gurke, tomate, radieschen, schnittlauch, petersilie, zwiebel. nach einigen tagen wurde das langweilig, habe angefangen, den salat nach & nach aufzupimpen.

    gerade esse ich einen salat, der wahrscheinlich im brennwertbereich eines 280gramm-schnitzels angesiedelt ist und sowas von schmeckt und mir das gefühl gesunder ernährung gibt – es ist eine offenbarung, ein gedicht!
    zu obiger grundausstattung habe ich kleingeschnittene maultaschen zugeführt, dazu schafskäse-würfel, dosenthunfisch, feingeschnittenen kochschinken, geröstete sonnenblumenkerne, gekochte geviertelte eier, gatower rübchen-julienne, einen geriebenen apfel und gefüllte oliven – den salat abgebunden mit drübergetreuten hefeflocken.

    ja, meine gefahrenstandlinie und ich leben gesund & schnell zubereitet ist es auch..

  9. katha sagt:

    stimmt, robert, aber da esskultur.at ja kein pures koch- oder rezepteblog ist, wird’s schwierig mit der hilfefunktion.

    klingt gut organisiert, ellja, und ich finde das übrigens grossartig, dass leute wie du die initiative ergreifen und im büro – oft unter widrigen umständen – kochen. bei mir ist zuhause gleich büro, vielleicht bin ich deshalb zu gut ausgestattet und bevorratet?

    in das “mit irgendwas”-stadium falle ich auch immer wieder mal zurück, kaffeeklatsch & theeodora. so eine liste bringt nur dann was, wenn sie, wie robert auch richtig anmerkte, von dir selbst kommt. fang’ einfach eine an, sie wächst mit der zeit!

    duni, die idee liest sich verlockend, danke für den input. höhere mathematik war nie meins, ich gestehe. aber ich stelle mir das in form einer mind map vor und dann geht das schon. allerdings: das wird auch schnell wieder sehr komplex, weil meine vorräte eher einem gut sortierten feinkostladen entsprechen. ich bleibe vorerst bei der listenform, sortiert in kalt, warm, süss, ganz schnell, mit wartezeiten. mal sehen, wie sie sich bewährt.

    nein, das funktioniert bei mir in solchen situationen nicht, gourmet, ebensowenig wie das bereits angesprochene kochbücher konsultieren. weil ich dann bloss lust auf etwas bekomme, wofür ich erst noch zutaten besorgen müsste. und dafür ist in den beschriebenen momenten keine zeit.

    siehe weiter oben, peggy, ich hab’ so viel zuhause, dass ich in dem moment, von dem ich geschrieben habe, einfach überfordert davon bin. da wäre die büroküchenbestückung von ellja vielleicht besser. ich denke an das sprichwort “den wald vor lauter bäumen nicht sehen”…

    schön für dich, gerald, ich funktioniere anders. die salat-variationen gibt’s eh auch bei mir, allerdings nie so wild durcheinander, das mag ich gar nicht. und nach salat heute geht morgen alles, bloss kein salat.

    allen danke ich für die mit”leiden”schaft und die tipps.
    alleine das hier niederschreiben hat geholfen und die liste wächst.

  10. Eline sagt:

    Ich hab oft Hunger, grantig bin ich aus anderen Gründen, der Schreibtisch steht im gleichen Haus wie die gut ausgestattete Küche. Dein Dilemma habe ich nicht, mir fallen immer einfache Gerichte ein, ich koche fast täglich am Abend was für Zwei. Wen der Kühlschrank leer ist (wie gstern nach dem Urlaub), gibt es was aus dem Tiefkühler (selbstgemacht, nix Fertiggericht). Das Kochen, auch wenn es nur ein Käseomelett ist, entspannt mich. Im Sommer Salate mit kurz gebratenem Fleisch, Fisch oder Schafs- oder Ziegenkäse, diverse Obst und Gemüse-Gazpachos, Pasta, Risotto. Im Winter warme Suppen, Pasta, Risotto.

  11. limette sagt:

    :o woher weißt Du … ??
    Wie auch immer, bei mir heißt die Lösung in solchen Momenten meistens Spaghetti aglio e olio (mit Engelshaar-Spaghetti: 4 Minuten) oder Tomatensauce mit Zitronenschale von 101cookbooks (6 Minuten) oder Pasta SardellenTomatenKapernOliven (8 Minuten). Gerne auch mehrere Tage hintereinander dasselbe :D Bei höheren Außentemperaturen das, was Du so schön „Heiße Ziege“ nanntest. Oder heiße Pasta in eine Schüssel mit Olivenöl, Tomaten- und Mozzarellastückchen sowie Basilikum werfen und kurz ziehen lassen. Da kann man sogar noch Telefonate führen, das schmeckt in jeder Wärmestufe, zum Glück ;-)

  12. katha sagt:

    genau das ist das problem, eliane und limette, mir ist das zu wenig abwechslung: salat mit irgendwas, pasta mit irgendwas, risotto mit irgendwas. es gibt so viele feine gerichte und zubereitungsarten, die mir in diesen momenten aber selten einfallen. am abend kochen wir auch so gut wie immer. aber – und das habe ich oben wohl zu erwähnen vergessen – es geht mehr um die mittags-/frühnachmittagsmahlzeit, die in planung und umsetzung oft nicht so hinhaut, wie ich mir das wünschen würde.

  13. duni sagt:

    Vielleicht wäre es sinnvoll, ab und an beim Abendkochen bewußt Reste mit zu produzieren, die sich anderntags in schmackhafte, schnelle Mittagssachen verwandeln lassen: Der sonntägliche Schweinsbraten wird dann Montags zum Knödlgröstl mit Zwiebeln und Ei; der übrig gebliebene gedämpfte Fisch zum Pflanzerl. Das Problem ist nur, dass man oft nicht zwei Tage hintereinander „das gleiche“ mag bzw es aufwendig ist, sich ein komplett neues setting dafür zu überlegen.
    Wenn ich in der Arbeit bin, esse ich mittags meist nur ein Pausenbrot ,bin ich daheim ,falle ich gern in ein Zeitloch und koche dann doch aufwendiger als geplant, erwäge noch ein spontanes Dessert oder eine Minivorspeise… Das ist zwar unseren Mittagsmahlzeiten zuträglich, aber nicht meiner Arbeit…

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