fisch auf rezept?

diese pressemeldung hat mir heute gerade noch gefehlt:

Einladung zum Pressegespräch am 5.11. – „Der weltweit erste Fisch aus der Apotheke“
Utl.: „Bitte einmal Vitamintabletten und einen Lachs“

Wien (OTS) – So kann in Zukunft der Einkauf in der Apotheke aussehen. Denn das Fleisch des Eismeer-Saiblings von Alpenlachs(R), auch „Kavalierlachs“ genannt, hat einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und ist damit ein nachgewiesen wirkungsvolles Mittel gegen gefährliche Blutfette wie Cholesterin. Da Omega-3-Fettsäuren nicht nur die Blutgefäße gesund halten, sondern darüber hinaus auch die Leistung von Herz und Gehirn verbessern, sind sie eine echte Alternative zu vielen Nahrungsergänzungsmitteln. Aufgrund seiner positiven Auswirkung auf die Gesundheit ist der Eismeer-Saibling von Alpenlachs(R) daher jetzt auch in ausgewählten Rat & Tat Apotheken in ganz Österreich erhältlich.

ich versuche mir das grade vorzustellen: eine kühlvitrine (oder sind die fischpackerl im gleichen kühlschrank wie die kühlpflichtigen medikamente gelagert?) in der apotheke, mit frischfisch und auch geräuchertem, ganz oder in filets, wieviel deka hätten die frau hofrat denn gerne? nein, leider geht der nicht auf rezept, aber schaun’s, der schmeckt viel besser als die becel-margarine. brauchen’s ein rezept dazu? nein, der geht wirklich nicht auf rezept, da ham’s mich falsch verstanden, ich meine ein kochrezept!

wer kommt auf solch schwachsinnige ideen? wenn das eine ente sein soll, dann die beste, die mir seit langem untergekommen ist. wenn nicht, dann brauche ich urlaub und neue einkaufsquellen für frischfisch. alpenlachs und wilder fisch (gehören beide soravia) können mir dann nämlich gestohlen bleiben, obwohl ich über damals noch peter brauchls alpenlachs und die kärntner reinanke hymnen auf esskultur.at geschrieben habe.

auf speising.net nimmt man das ganze mit humor.

ps: „gefährliche blutfette wie cholesterin“ – damit funktioniert übrigens u. a. unser gedächtnis, mit den gefährlichen blutfetten. zu wenig cholesterin macht blöd. und das meine ich nicht polemisch, sondern ernst. es gibt bereits studien, die niedrige (hdl-)cholesterinwerte mit gedächtnisdefiziten in verbindung bringen.

kommentare

23 kommentare zu “fisch auf rezept?”

  1. Eline sagt:

    Krieg jetzt bloss nicht den Blues, das kann nur ein Ente sein! Wie soll das denn logistisch funktionieren, ganz abgesehen davon, dass hier mal die strengen Lebensmittelhygiene-Verordnungen für uns arbeiten würden. Warum soll sich eine Apotheke, die sowieso genug Umsatz macht, das antun?

  2. lamiacucina sagt:

    Omega-3-Fettsäuren aus Krill gewonnen gibts doch schon längst in Kapselform in den Apotheken.

  3. the oxonian austrian sagt:

    Das mit Omega-3 Fettsaeuren ist sowieso so eine Sache. Ben Goldacre hat sich in seinem Blog (der teilweise auch als Kolumne im Guardian erscheint) mehrfach ueber den Omega-3 Wahn ausgelassen, v.a. da eine Verbesserung der Gedaechtnisleistung bei Schulkindern nicht nachweisbar war. Vor einem Jahr oder so war hier in UK die Rede davon, Schulkindern mehr oder weniger zwangsweise Omega-3 Kapseln zu verabreichen, diese Diskussion ist wieder verstummt. Wen es interessiert: http://www.badscience.net/index.php?s=omega

  4. katha sagt:

    wir haben vorhin beim abendessen mit einem befreundeten arzt darüber diskutiert (es gab skrei mit senfsauce, blattspinat und salzerdäpfeln, danach ein nougatmousse mit safranbirnen und haselnusskrokant, falls das wen interessieren sollte), eline, und die geschichte mit dem fisch in der apotheke ist umso absurder, je detaillierter man sie sich ausmalt. auch wenn ich der ente aufgegessen sein sollte, ich wünsche mir, dass es eine ist.

    ja, robert, aber doch nicht frischfisch! mit haut und gräten und augen und so weiter! neben dem schweinegrippe(tschuldigung: h1n1-)-impfstoff vielleicht?

    auch pollan schreibt über omega-3 (vor allem im verhältnis zu omega-6), aber da schien mir einiges doch recht schlüssig dran zu sein, lieber auslandsösterreicher. allerdings geht’s bei ihm um das natürliche vorkommen und nicht um die isolierten fettsäuren in kapselform (oder im brot oder joghurt). das finde ich grundsätzlich reine geschäftemacherei.

    bei der gelegenheit: kann sich noch wer an die lebertran-kapsel erinnern? da ist mir auch der alpenlachs aus der apotheke lieber, selbst wenn er sich als federvieh herausstellen sollte.

  5. entegut sagt:

    Mhhhmmm, jetzt bin ich eine Runde durch die Wohnung gegangen und habe versucht meine Gedanken zu sortieren. Pro oder Contra.
    Ich möchte nicht sagen, die Idee ist kompletter Schwachsinn. Ganz im Gegenteil, sie ist genial.
    Andererseits der Gedanke Fisch in der Apotheke zu kaufen, ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Aber warum nicht? Man kann auch Gewürzmischungen dort kaufen. Ich weiß nicht, wie Soravia den Fisch verkauft. Kommt er allerdings auf Bestellung in einer Kühlbox mit crashed ice und die Kunden übernehmen die Kartons genau so, wie wenn sie eine Packung Aspirin C ausgehändigt bekommen, warum also nicht!
    Ich würde sogar so weit gehen, dass das dichte Apothekennetz sich bestens für Dienste der Post eignen würde. Wobei das Geschäft der Brief und Paketwirtschaft bringt den Pharmazeuten vermutlich zu wenig Reibach, die sind höhere Margen gewöhnt.

    Ich bin pro-gestimmt.
    Vielleicht kommt dann wieder der Trend zum „echten“ Fischgeschäft, so wie ich es aus meiner Kindheit kenne.

  6. katha sagt:

    warum den umweg über die apotheke nehmen und nicht gleich jetzt die wenigen verbliebenen fischgeschäfte mit bestem heimischen fisch stärken? weil man über apotheken weit mehr – apothekerpreise? – verlangen kann? wenn das fischgeschäft vor dem trend zum fischgeschäft zusperren muss, dann wird später – so wie bei den bäckereien – niemand mehr wissen, wie man mit der heiklen ware fisch umgeht. auch wenn sie dann in ein paar jahren schicke fischläden in a-lagen aufsperren. warum eine branche stärken, die sich wahrlich nicht um konjunkturprobleme sorgen muss und noch nie musste?
    gewürze in der apotheke kaufen? würde ich niemals. ich bin die tochter einer drogistin, die mit 400 losen kräutern und gewürzen handelt und als solche ist mir ein gesundes (!) distanziertes verhältnis zu apotheken quasi angeboren. mir stellen sich beim gedanken an lebensmittel aus der apotheke alle haare auf. und dann fällt mir jetzt grade eigenartigerweise noch „soylent green“ als furchtbarste aller zukunftsvisionen ein. nein danke.

  7. Claus sagt:

    jeder Bericht, und sei er noch so durchgeknallt, kann hilfreich sein, diese Vitaminundsonstigekapseleinschmeissenden Lebensmittelignoranten zum Nachdenken zu bringen – meine ich, blauäugig wie ich nun mal bin…

  8. hihi – schon etwas schräg. geben wirds auf jeden fall nur den geräucherten, verpackten fisch.

  9. katha sagt:

    also doch keine ente. danke für die info, stephan.
    dass sich slow food dafür hergibt, finde ich gar nicht gut. gar nicht.

  10. wie kommst du auf die idee, dass sich slow food wien dafür hergibt? das hat nichts mit uns zu tun. ich bin nur informiert. (-> vielfalt.com ;)

  11. katha sagt:

    barbara ist bei der pressekonferenz als „präsidentin“ von slow food wien dabei. nanana, nix damit zu tun haben schaut anders aus, sorry.

  12. barbara ist beruflich als moderatorin dort und nicht als gesprächspartner von seiten slow food wien. das wurde von soravia falsch ausgesendet. es schaut also wirklich anders aus :-)

  13. entegut sagt:

    katha, es gibt ohnehin „nur“ ca. 10 Rat-und-Tat Apotheken in Wien, die den Fisch vertreiben sollen. Ich glaube auch, dass es sich hier um einen PR-Gag handelt. Der Fisch wird vermutlich nicht auf Dauer über Apotheken vertrieben. Den Platz und die Kühlmöglichkeit haben Apotheken gar nicht.
    Es ist einfach nur eine kluge Verquickung, dass Essen auch gesund sein kann und nicht nur satt macht. Zugegeben, es ist eine ziemlich schräge Aktion. Aber wie du auch hier erkennen kannst, reagiert der Konsument auf schräge Aktionen und nicht auf klassische „Frischer Fisch“ Ankündigungen.

    @stephan: Den Job dort als Moderatorin anzunehmen, gemeinsam als bekanntes Gesicht von „Slow Food“ lässt doch einige Schlüsse zu. Als Präsidentin von Slow Food wird sie, auch wenn sie dort „nur“ als Moderatorin fungiert, automatisch in Verbindung gebracht. Ob das Soravia nun so oder so aussendet ist im Prinzip g’hupft wie g’hatscht.

  14. Eline sagt:

    Moderatorin und/oder Slow Food-Präsidentin? Das ist ein Argumentation wie von Politikern, die setzen auch immer einen anderen Hut auf. Für mich hat das eine schräge Optik und bestätigt meine Vorurteile bezüglich Vereinen jeglicher Art.

  15. uli sagt:

    eine rose ist eine rose ist eine rose………..
    gilt für fast alles im leben.

    apotheke ist gut, fisch ist gut, wie gut muss erst fisch aus der apotheke sein!?

    nein danke: weder eine aspirinpackung mit fischgeruch, noch eine fischverpackung mit dezentem verbandstoffaroma kommt mir ins haus!

    die idee ist nicht mal als werbegag geeignet, find ich.

  16. limonium sagt:

    Der kabarettreife Knüller ist ja die „echte Alternative zu vielen Nahrungsergänzungsmitteln.“

    Das Original als ultimatives Ersatzpräparat…

    Wenn man beginnt, Michael Pollan zu lesen (danke vielmals für den wunderbaren Buchtip!), wird das eigene Verhältnis zu allen ach-so-notwendigen Nahrungsbestandteilen (jetzt sind’s gerade mal die Omega-3-Fettsäuren) auf einmal wunderbar entspannt. Und man schaut plötzlich ganz unverstellt auf die Lebens-Mittel als solche. Den Fisch mal nur um des Fisches willen und nicht auch noch wegen irgendwelcher gesunden Fettbestandteile essen. Herrlich.

  17. Eline sagt:

    Jetzt war es auch für den Normalbürger in der Zeitung zu lesen – geräucherter Kavalierlachs soll es sein – also sowieso nix für mich, ich bin kein Kavalier – selten blöder Ausdruck und selten blöde PR. Die Reinanke von Soravia kaufe ich aber trotzdem, so lange es sie gibt.

  18. teeodora sagt:

    hab gestern in einer rat&tat-apotheke nachgefragt.
    die sonst sehr kompetente mitarbeiterin antwortete:
    ja wie soll denn das gehen – sollen wir jetzt eine
    nordsee-filiale werden? natürlich haben wir omega-3
    in kapselform, aber als fisch??
    das heisst also, die info ist in auch in der besagten
    apotheken-gruppe noch nicht bis an die „pudel“ (=
    counter) vorgedrungen – aber das war halt „am land“!

    übrigens: lt. ö1 wollen die österreicher als weihnachts-
    geschenke heuer mehr lebensmittel kaufen – hochwertige
    und/oder biologische. ein vorschlag:kavalierlachs aus der
    apotheke für den opapa statt socken oder für die tant
    statt 4711 neuseeländisches wild vom reisebüro —
    „heimat österreich“, kann ich da nur sagen

  19. andrea sagt:

    Hab das heut im Radio gehört… wozu brauch ich denn dazu die Apotheke?? bekomm doch die Marke „Alpenlachs und die Reinanken Marke „Wilder Fisch“ doch exklusiv bei Merkur.

  20. Oh nein, bitte nicht! Industrie-Lebensmittel sind schon schlimm genug, aber pharmazeutische Lebensmittel? Hier wird ja alles auf den Kopf gestellt!
    Irgendwann, wird dann wohl alles, was gesund ist (selbstverständlich zu überteuerten Pharma-Preisen) nur noch in der Apotheke zu beziehen sein und der Zugang zu gesunden, ursprünglichen Lebensmitteln noch weiter eingeschränkt als bisher schon.

  21. peppinella sagt:

    sehr befremdlich. vor allem, da der fisch wohl doch keine ente ist. bei uns im ort gibt es so’ne art discount-apotheke mit billigprodukten. die vertreiben dann wohl demnächst fischstäbchen oder fishburger nebenher…

  22. katha sagt:

    die geschichte war übrigens keine ente. ich hab‘ mich also nicht umsonst aufgeregt. auch, wenn sich das tolle vermarktungskonzept offenbar apothekenintern noch nicht so herumgesprochen hat, siehe teeodoras perfide nachfrage…

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