welcher fisch?

diese frage habe ich mir auch (so wie aktuell eline auf küchentanz und ente auf entegutallesgut) gestellt und deshalb in der juni-ausgabe der maxima eine magazingeschichte über fischfang, überfischung, nachhaltige fischerei und die wahl des richtigen fisches geschrieben.

hier ist sie zum nachlesen (beim klick auf das bild öffnet sich ein pdf):

manchmal vergesse ich, dass ich als journalistin das privileg habe, viel zeit für recherche aufbringen und dementsprechend viel wissen ansammeln zu können. und ich vergesse, dass alle anderen menschen, die einem beruf nachgehen, oft nicht die zeit haben, das alles zu lesen, was wir so schreiben.

die essenz aus meiner geschichte daher nochmal in stichworten:

1. die beste wahl ist heimischer fisch aus (verantwortungsvollem!) wildfang, der ist schwer zu bekommen, daher:

2. die zweitbeste wahl ist heimischer fisch aus bio-aquakultur, z. b. von der arge biofisch

3. die drittbeste wahl ist heimischer fisch aus aquakultur mit nachvollziehbaren qualitätskriterien, z. b. waldviertler karpfen

4. wenn es seefisch sein soll, dann entweder arten, die nicht überfischt sind und nicht mit schleppnetzen gefangen werden (nachfragen! die meisten fischhändler werden darauf keine antwort wissen, aber je öfter gefragt wird, desto schneller werden diese infos verfügbar sein), z. b. hering, makrelen, sardinen und sprotten aus dem atlantik – recht viel mehr gibt es da leider nicht mehr aufzuzählen. bei allen anderen fischarten sind entweder das msc-siegel oder der hinweis auf bio-aquakultur ein muss! bei beiden gibt es mittlerweile genügend auswahl. vor allem im tiefkühl-sortiment tut sich da gerade sehr viel, neu in den supermärkten sind die (noch dazu hübsch verpackten) msc- und bio-fische von followfish.

5. im ausschlussverfahren sollten folgende fische (und meeresfrüchte), wenn keine näheren angaben zu fangart, msc-siegel oder bio-aquakultur zu erfahren sind, weder gekauft noch in restaurants bestellt werden:

  • thunfisch (ausnahme: weisser thunfisch, gibt’s auch mit msc-siegel, auch in der dose, z. b. den von connétable)
  • lachs (atlantik, west-pazifik, chile)
  • kabeljau (atlantik) bzw. dorsch
  • alaska-seelachs
  • scholle
  • heilbutt
  • rotbarsch
  • victoriabarsch
  • pangasius
  • schwertfisch
  • seezunge
  • hai
  • rochen
  • shrimps
  • garnelen
  • tintenfisch
  • oktopus

der kleine fischführer vom wwf (pdf) ist die meiner meinung nach übersichtlichste entscheidungshilfe. am besten mehrere exemplare direkt beim wwf bestellen oder mit einem (farb)drucker ausdrucken und ins geldtascherl stecken.

kommentare

20 kommentare zu “welcher fisch?”

  1. limonium sagt:

    Hallo Katha,

    ich meine, vor mehreren Monaten gelesen zu haben, daß der Lachs aus norwegischer Aquakultur (im Gegensatz zu früher) ein auch ethisch-ökologisch akzeptables Lebensmittel geworden sei – die Haltungsbedingungen und die Kriterien für den Einsatz von Medikamenten hätten sich verbessert. Weißt Du etwas dazu?

  2. katha sagt:

    kannst du dich erinnern, wo du das gelesen hast, limonium? ich kann es nicht nachvollziehen. diese mega-lachsfarmen haben ja einen ganzen strauss an problemen im schlepptau: riesenbedarf an fisch als futter für die lachse (eines der kaum bekannten probleme bei der zucht von raubfischen, fördert damit weiterhin die überfischung), verseuchtes futter, krankheiten, medikamentenrückstände, die natürlich nicht auf die zuchtfarmen beschränkt bleiben etc. konventionelle aquakultur halte ich für grundsätzlich keine gute idee. das ist das pendant zu intensivmast bei hühnern oder schweinen.

  3. limonium sagt:

    Ich meine, es wäre in der „Zeit“ gewesen, Rubrik „Wissen“…

    Ah! Da hab‘ ich’s:
    http://www.zeit.de/2007/49/OdE6-Welternaehrung

    Ein sehr lesenswerter Artikel. Ganz so einfach, wie ich es in Erinnerung hatte, ist es also doch nicht. Aber immerhin scheint es Hoffnungsschimmer auch jenseits des Biolachses zu geben… Entscheidend bleibt die Vigilanz des Verbrauchers.

  4. katha sagt:

    danke.
    in kurzform hatte ich den inhalt des zeit-artikels offenbar vorweggenommen.
    villa organic (um die es in dem von dir zitierten artikel geht) betreibt bio-aquakultur und eben nicht konventionelle.

  5. entegut sagt:

    Prost Mahlzeit!
    Welchen Fisch darf man dann noch essen? Goldfisch in Eigenzucht?

    Mir ist bis jetzt keines der von dir erwähnten Gütesiegel aufgefallen.
    Bei Followfish kann man nachverfolgen, woher der Fisch stammt. Aber wo kaufe ich die Produkte von Followfish?

    Deine Liste von Fischen, die man nicht bestellen soll – gilt das nur für Ö oder weltweit?

  6. katha sagt:

    sind schon einige, wenn man die msc-zertifizierten und die bio-fische alle einbezieht, ente. aber einfach ist es nicht, da gebe ich dir recht, vor allem bei frischfisch sind diese gütesiegel leider noch viel zu selten zu finden.
    heimischen fisch gibt’s aber in so einer vielfalt, dass dir nicht so schnell fad werden sollte: saibling, forelle, karpfen, reinanke, schleie, hecht, zander, waller,…

    schau dir für seefisch den wwf-fischführer (link am ende meines artikels) an, der beantwortet viele fragen.

    die liste gilt im prinzip weltweit, es sei denn, man kennt sich wirklich gut aus. wer vor ort im urlaub – ob am mittelmeer oder sonstwo – fisch kauft, der von kleinen fischern gefangen und verkauft wird, braucht sich keine gedanken zu machen.

    die msc-fische gibt’s sogar schon von iglo, und zwar eine ganze menge (auf jeden fall hoki, wildlachs und dorsch, ebenso fischstäbchen), auch eigenmarken von hofer, rewe und spar haben msc-zertifizierten fisch im sortiment.
    youkon lachs ist ebenso msc-zertifiziert.

    followfish und andere bio-fische gibt’s nicht nur in biosupermärkten, sondern seit wenigen monaten auch bei den grossen supermarktketten (in ö auf jeden fall bei merkur, laut followfish-händlersuche auch eurospar).

  7. limonium sagt:

    In D führt selbst Aldi Nord seit kurzem MSC-Fisch – aber nicht jeder Fisch bei Aldi hat das Siegel.

  8. eines verstehe ich nicht, angeblich geht Kabeljau wieder, da er sich nach den Fangrestriktionen der vergangenen Jahre gut vermehren konnte.

    Was noch unbedingt dazu sollte: Rochen.

    Die Listen scheinen von Land zu Land variieren, Tintenfisch gibt’s bei uns ohne Restriktionen….
    Und, da es ja die meistens eh nicht in Ö, D und der CH gibt, was soll’s!
    Ich esse keinen roten Thunfisch mehr, auch keinen Rochen, das ist meine einzige Einschränkung.

  9. katha sagt:

    danke, bolli, auf den rochen hatte ich vergessen, du hast natürlich recht (ist ja ein naher verwandter des hais). leider. eines meiner besten fischgerichte war ein rochenflügel…

    mir ist von einer kabeljau-entwarnung nichts bekannt, aber wenn wir schon ins detail gehen: skrei ist eine gute wahl, kabeljau aus der arktis (z. b. aus grönland) auch. aber da wird’s schon wieder schwer, das herauszufinden.

    die listen sind allgemeingültig, weil sie sich ja auf die weltweiten fanggebiete der fische beziehen. natürlich gibt’s kleine fischereien vor ort, die nicht zur fischindustrie zählen. aber das ist ja die ausnahme.

    bei den tintenfischen muss man wahrscheinlich differenzieren, aber grosse kraken gelten meines wissens nach auch als überfischt.

  10. lamiacucina sagt:

    kürzlich habe ich noch was mit Seezunge gekocht. Das darf ich nur noch mit Warnhinweis publizieren. Danke für die nützliche Zusammenstellung.

  11. Eline sagt:

    Danke fuer das Backup, katha.
    Den besten Thunfisch habe ich an der italienischen Riviera gegessen. Ein lokaler Fang, ein relativ junges Tier. Er wurde roh mit etwas Orangenschale , Olivenoel und Salzflocken serviert. Den saftigsten Seehecht gab es in Yorkshire, 50 km von einem Fischereihafen entfernt, die delikateste Dorade an der Costa Brava, den zartesten Sil in Schweden, die arktische Lachsforelle in Finland war unvergesslich und eine Dover Lemmon Sole ist unvergleichlich.
    Ist es nicht viel schoener, Fisch ab und zu vor Ort zu geniessen, als alles immer und ueberall zur Verfuegung zu haben?

  12. uli sagt:

    ich werde künftig meine ebenso verfressene wie wählerische hündin fisch (und nicht nur diesen) vorkosten lassen:

    unbedacht-unkontrolliert gekaufte shrimps, eigentlich frisch und gut schmeckend, hat sie verweigert, obwohl sie fisch über alles liebt!

    auch bei obst und gemüse unterscheidet sie meist zwischen bio und nicht-bio, etwa durch übriglassen der schalen.

  13. Chris sagt:

    Siehe dazu auch folgende Artikel:
    http://www.bio-leben.at/2009/09/09/nachhaltiger-fischgenuss-ohne-reue
    http://www.bio-leben.at/2008/09/27/iss-mehr-fisch
    http://www.bio-leben.at/2008/09/30/fast-alle-speise-fische-sind-bedroht

    Man möge mir die Eigenwerbung verzeihen, aber ich habe mich bisher schon ziemlich viel mit dem Thema Fisch beschäftigt und möchte dieses Wissen sehr gerne weitergeben.

  14. Chris sagt:

    Weil wir grad bei dem Thema sind …
    http://gourmetpilot.blogspot.com/2009/11/wal-und-thunfisch.html

    Zufällig nach deinem Blog-Eintrag gelesen und ordentlich gewundert über so viel Ignoranz.

  15. Ellja sagt:

    Und wie schauts denn mit den Nuri_Sardinen aus? Darf man die? Da war nämlich im Rondo wieder mal ein appetitlicher Artikel, da hätt ich bald wieder Lust drauf ;-)

  16. Eline sagt:

    ellja,

    Nuri darf man nicht nur, die muss man kaufen. Seit ich aus dem tollen Artikel vom Rondo weiss, dass mehr als 50 % der Produktion in Österreich gekauft werden, sehe ich mich von einem Hauch von Nationalstolz, den ich sonst nie aufbringen kann, gestreift ;-)

  17. uli sagt:

    und vor 20jahren(?- etwa) konnte die nordsee noch mit dem slogan werben:
    esst fisch – haltet die meere sauber!

  18. katha sagt:

    danke für alle eure hinweise zum fisch-thema, das noch lange nicht gegessen ist.
    nur kurz zu den sardinen: so einfach ist die antwort nicht, aber wahrscheinlich sind die portugiesischen ok. mittelmeersardinen sind zu vermeiden. die tiere – so unscheinbar sie aussehen – werden bis zu 15 jahre alt. und sie sind wichtiges delfinfutter.
    die informationen zu bedrohten und überfischten arten ändern sich ständig. wer wirklich gerne fisch isst, sollte sich regelmässig informieren oder auf die (derzeit noch) unbedenklichen heimischen fischarten umsteigen.

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