paris im dutzend 2: marché biologique raspail

reisen macht süchtig – und es frustriert. in paris haben die grünmärkte nämlich sonntags offen. natürlich wollte ich nicht zu irgendeinem davon, sondern zum größten biomarkt der stadt, der wiederum nur sonntag vormittags seine stände aufschlägt. wer aus der métro (m12, station rennes) steigt, steht mitten auf dem schmalen streifen am boulevard raspail im 6. arrondissement, auf dem der markt aufgefädelt und nur durch ein paar bepflanzte inseln unterteilt ist, an denen man kurz verschnaufen kann, bevor man sich wieder in die sich stetig weiterschiebende masse einreiht. die pariserinnen und pariser kommen mit wagerln und körben, an vielen der stände bilden sich schlangen wie bei ladurée, obwohl hier die arbeit nach dem einkauf erst beginnt.

paris ist je nach zählweise ein bisschen oder fünfmal größer als wien. so einen biomarkt haben wir hier aber leider nicht. die kleinen bio- oder slow-food-ecken auf dem nasch- oder karmelitermarkt können mit dem sortiment auf dem marché bio raspail nicht mithalten.

was mir aufgefallen ist:

  • die – vorwiegend älteren, jedenfalls wenigen jungen – leute gehen gezielt zu ihren ständen, es wird kaum gustiert oder flaniert.
  • am stand selbst gibt’s kein gemütliches markttratscherl, sondern eher kritisches nachfragen und scheinbar emotionsloses abwickeln des geschäftsvorganges.

  • mir fehlte auf anhieb kein sortimentsbereich: gemüse und obst dominieren natürlich, aber auch bäcker und konditoren, käsehändler (mit viel mehr milchprodukte-auswahl als bei uns), fleischer, geflügelhändler und fischhändler haben wir gesehen. dazu kommen nordafrikanische standln, solche mit italienischer feinkost, ein paar mit klassischer naturkost wie hülsenfrüchten oder ölen. marmeladen, honig, getränke, kräuter und blumen sind auch hier randsortimente, aber es gibt sie.

  • auffallend, wie sollte es anders sein, die käseauswahl, vor allem im frischkäsebereich von ziege und schaf.

  • es gab bitte grillhendln, aber solche aus bio-freilandhaltung! eine marktlücke, die in wien jemand mit ein bissl unternehmensgeist füllen und hierzulande wahrscheinlich sogar erfolgreich damit sein könnte.

  • fertiggerichte von jenen bevölkerungsgruppen, die ursprünglich aus nordafrika zuwanderten, sahen nicht nur fantastisch aus, sondern wurden auch viel und in großen mengen gekauft: couscous und salate, suppen, pikante quiches und tartes aus blätter- und mürbteig, kichererbsen in allen verarbeitungsstufen. auch in diesem bereich lassen unsere märkte aus. bei den südosteuropäisch dominierten standln am naschmarkt gibt’s frischkäse und oliven in tausend varianten (natürlich nicht bio), aber fertige gerichte, die nichts mehr brauchen als eine gabel und ein glas wein – leider nein.

  • und (vorsicht, ironie) welch ein wunder: bei den bäckern dominiert handwerklich hervorragend gemachtes gebäck aus weißmehl. das wird bei uns zwar auch schön langsam, aber körndlbrot ist bei biobäckereien halt noch immer die regel.

kommentare

17 kommentare zu “paris im dutzend 2: marché biologique raspail”

  1. Ellja sagt:

    Ein Bio-Grillhendl-Stand mit frisch gegrilltem Henderl…mhhh…würd ich sofort kaufen! CousCousSalat to go? Du hast Recht, warum gibts all das bei uns noch nicht?

  2. eline sagt:

    „…. warum gibts all das bei uns noch nicht?“
    Weil der gemeine Österreicher Zuwanderer und ihre Kultur, also auch ihr Essen, nur sehr selten schätzt. Leider.

    Ein schöner Marktbericht, katha. So einen vielfältigen Biomarkt kenne ich sonst nur aus England. Die Boebachtung, dass mehr ältere Kunden waren als junge finde ich sehr interessant.

  3. katha sagt:

    wir haben ja in österreich bis auf den würstlstand und an den seen mit viel glück ein paar steckerlfischbratereien überhaupt keine street-food-kultur oder gscheites essen zum mitnehmen.

    ich würde das auch alles liebend gerne kaufen, ellja, aber wenn’s in wien nicht passiert, dann wohl nirgendwo in österreich.

    seit meinen größeren asienreisen überlege ich ja immer öfter, wie man food trucks oder ähnliche mobile alternativen zu fix installierten würstl- und kebabständen verwirklichen und als vehikel (im wahrsten sinne) für andere küchenstile nützen könnte. es muss hier halt einfach auch schlechtwettertauglich sein.

    in frankreich läuft das ja auch nicht friktionsfrei ab, eline, aber wahrscheinlich stimmt deine pessimistische einschätzung trotzdem. ich will das bloß nicht wahrhaben. wie gerne würde ich z. b. richtig gute, türkische speisen verkosten…

    mich hat der altersdurchschnitt auf dem markt verwundert (bei uns ganz anders) und ein wenig traurig gestimmt. wo kaufen die jungen leute ein, die mit den kindern?

  4. Sabine sagt:

    Auf den Marché Raspail wollte ich immer schon mal, vielen Dank für diese Impressionen. Ein Traum, so einen Markt als Einkaufsmöglichkeit in der Nähe zu haben. Diese Vielfalt ist schon sehr beeindruckend. Vom Bio-Grillhähnchen bis hin zu Bio-Baguettes – das erscheint mir wie das Bio-Schlaraffenland.

  5. lihabiboun sagt:

    Ach Frau Katha, noch jemande, den die französischen Märkte verhext haben! Das Dorf mag noch so winzig sein, die Märkte sind (fast) immer große Klasse. Kochen ist ein Erlebnis in diesem Land, deswegen fährt frau ja auch immer hin ….

  6. hach, mein Markt!

    Und, das mit den älteren Menschen ist mir da ehrlich gesagt noch nie aufgefallen, wenn ich da hingehe ( allerdings gegen zwischen 8:30 und 9:30) sehe ich eigentlich nur Leute in meinem Alter…..Um die 40.Du musst allerdings wissen, dass die Pariser bei schönem Wetter aufs Land fahren, besonders die mit Kidis, das ist eine typische Pariser Eigenart.
    Und, mittlerweile gibt’s ja auch recht viele marchés bio in Paris, auch in der Woche, der Raspail ist leider ab 10:00 nicht mehr praktikabel wegen der vielen Touris…..

  7. Claudia sagt:

    Hach, wie ich Dich um den Besuch des Marktes beneide. Ich glaube, ich muss meine Reisen viel mehr danach planen, wann wo Märkte sind … Danke fürs Mitnehmen!

  8. micky sagt:

    toller bericht, liebe katha.
    da krieg ich auch total wieder lust auf paris und seine tollen märkte.
    ich geh sogerne auf die märkte auf meinen reisen und insbesondere fotografiere ich dort gerne die menschen und die art ihrer einkaufskultur. ein fotoband darüber ist bis dato aber an den persönlichkeitsrechten gescheitert und an meiner scheu, irgendwelchen menschen in den zeppelinhallen von riga oder den feldständen in baikanur zetteln zum unterschreiben zu reichen, daß sie mit abbildungen einverstanden sind:I

    Was mich aber bei solchen Besuchen immer besonders frustriert: ich kann ja kaum was kaufen oder vor Ort gebrauchen, da ich auf Reisen zumeist im Hotel wohn und keine Küche dabei hab. Dabei verleiten die Genüsse vor Ort oft zum gustieren, kaufen und verarbeiten grrrr

  9. uli sagt:

    nix zu markt und frankreich zu sagen – auch bio (meines wissens) sind die backwaren nicht:
    aber türkisch, hausgemacht, frisch und ganz anders als in den diversen geschäften:
    cafe ylk auf der währingerstraße neben votiv-kino probieren!

  10. queenofsoup sagt:

    siehst du, micky, deswegen ist es ratsam, möglichst nie im hotel zu übernachten sondern sich immer kleine ferienwohnungen mit kochgelegenheit zu mieten, auch wenns nur ein paar wenige tage sind. ich verreise allerdings seit jahren fast nur mehr mit meinem lieblingsmesser im gepäck, weil dort das werkzeug meistens sehr mau ist.

    ich war letztens in london auf einem ganz kleinen biomarkt in kensington, hinter einem hochhaus auf einem parkplatz (ganz nah haben sich die touristenmassen richtung portobello road gewälzt) und dort natürlich schwer eingekauft. hat die securities in heathrow sehr amüsiert wie ich am flughafen mini bio kidney-pie und violetten broccoli ausgepackt hab, aber sie haben mir alles gelassen, die netten menschen :)

    und dank deinem artikel, katha, bin ich jetzt nach fast 4 wochen ununterbrochen in europa rumkoffern schon wieder reiselustig – yay!

  11. creezy sagt:

    Ein sehr schöner Bericht! Das war für mich – die ich so schlimm auf Frankreichmarkentzug bin – sehr heilsam und fast wie mitlaufen! Nur wie ich jetzt den Heißhunger auf frz. Ziegenkäse an einem Feiertag los werden soll …

  12. katha sagt:

    hier „hach“t es aber heftig! gut, dass es nicht nur mir so geht. gibt’s eigentlich ein buch, in dem die schönsten, besten und jedenfalls kulinarisch wertvollsten märkte der welt versammelt sind?

    das mit dem nicht einkaufen können, micky und queenofsoup, das kenne ich. bloß war ich schon lange nicht mehr länger an einem ort auf urlaub, so dass sich eine wohnung mit küche ausgezahlt hätte. gehört aber zu den plänen der näheren zukunft.

    danke für den tipp, uli. was gibt’s dort? was kannst du empfehlen?

  13. micky sagt:

    gerade eben komme ich von einem langen sportwochenende in Tihany/Plattensee (Ungarn) zurück. Ich liebe diesen Ort sehr innig, das kulinarische beschränkt sich in den Restaurants aber auf gebackenem und Convenience-Zeug, das war furchtbar. Ich hatte es so gut in Erinnerung, aber offenbar hat sich ja auch meine Wahrnehmung von Quantität zur Qualität verschoben. Und noch häufiger als das lästige Surren der Mücken hörte man in der Gastronomie dort das klingeln der Mikrowelle (igitt)
    Da habe ich es seeeehr geschätzt, ein Appartment mit Küche zu haben, nur mit dem Brotangebot vor Ort kam ich nicht ganz zurecht.
    In Paris hatte ich mal ein tolles Appartment in der Rue saint-honoré, direkt zwischen Les Halles und Louvre. Die Küche war toller als daheim, aber ausser Frühstück hab ich Sie nie genutzt. Nach dem Studium dieses Artikels würd ich total gern wieder dorthin … und auf diesen Markt. Die Reislust ist schon ein Hund ….

  14. uli sagt:

    simit und die brioche-ähnlichen backwaren sind täglich frisch hausgemacht und gut,werden auch gefüllt serviert, und das auf nette, familiäre art!
    manchmal gibt es auch aufläufe, die man nur mitnehemen darf, wenn man verspricht, sie nich in der mikrowelle zu wärmen………

    vor dem kino ausprobieren!

  15. katha sagt:

    thx, uli, ist notiert!

  16. Helmut Sladky sagt:

    Ich werde nie vergessen,wie ein älterer Herr am Käsestand total mit dickem Schimmel überzogene Ziegenkäsepyramiden verglich, welchen er denn nehmen soll. In Wien wären die alle nicht verkaufbar gewesen. Wir lieben diesen Markt.

TRACKBACKS
  1. […] in unseren bäuchen ausbreitete (zur erinnerung: es war sonntag vormittag, wir waren zuvor bloß am marché bio raspail und bei aoki). das führte uns in eine winzige bar mit gar köstlichen tapas (genau, die mit dem […]



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