paris im dutzend 4: pierre hermé

gleich nach aoki mussten (innerer zwang) wir weiter zu pierre hermé. und dort habe ich drei dinge gelernt:

  1. warum es so viele fotos von noblen pariser pâtisserie-fassaden gibt
  2. warum es so viele fotos von leuten mit sackerln von den noblen pariser pâtisserien vor den zugehörigen pariser pâtisserie-fassaden gibt
  3. warum es so viele fotos von leuten gibt, die aus noblen faltkartons von noblen pariser pâtisserien essen, vorzugsweise auf a) parkbänken, b) niederen mauern, c) auf parkbänken oder niederen mauern im jardin du luxembourg


richtig, ich bin auf dumme ideen gekommen. weil wir wieder mal nicht im inneren des allerheiligsten fotografieren durften…


…diesmal aber mit einem sehr netten verkäufer, der jeder und jedem einzelnen von uns vieren ein großes stückerl einer mmmhhhmaracuja-praline zum kosten gab…


…weshalb wir vergnügt und mit vollem mund nicht in der lage waren, ein ordentliches mama-tochter-bild zustande zu bringen, ohne dass eine von uns beiden entweder mümmelte oder blöde grimassen machte…


…und wir samt beute im sackerl zuerst eine pflichtkirche absolvierten. der web- und sängermeister bestand drauf, saint-sulpice zu besichtigen, aber das war eine gute entscheidung, weil man dort vortrefflich über nullmeridian- und gnomon-halbwissen diskutieren konnte, während sich langsam ein pikantes hüngerchen in unseren bäuchen ausbreitete (zur erinnerung: es war sonntag vormittag, wir waren zuvor bloß am marché bio raspail und bei aoki). das führte uns in eine winzige bar mit gar köstlichen tapas (genau, die mit dem schweinderl), aber über die wird im 5. teil des pariser dutzends berichtet. danach ging’s mit dem hermé-sackerl weiter richtung zweiter pflichtkirche…


…mit sorgenvollem blick nach oben, weil wir ja weder in der einen noch in der anderen kirche, sondern maximal davor unsere süßen meisterwerke verspeisen konnten…

…ein scheußliches plastikzelt vor dem wahrzeichen, ja derfen’s denn des? klar, es geht um ein weiteres wahrzeichen: brot. und dazwischen nochmal ispahan (hermés berühmte kreation, die ich seit was weiß ich wie vielen jahren kosten will)…


…dass es sich bei dem zelt um die größte bäckerei der welt handelt, entspricht eher französischem größenwahn als der wahrheit…


…und leider waren’s dort auch schon beim zusammenpacken, denn ich hätte gerne zugeschaut beim formen der brote…


…ein junger bäcker überprüft die konsistenz (s)eines baguettes…


…und natürlich dürfen ausstellungen samt auszeichnungen nicht fehlen…


…wir werden aber mehr oder weniger höflich vor die tür/das zelt gebeten, weil dort drin offenbar eine zunftfeier der bäcker und bäckerinnen bevorsteht…


…aber ihr wollt ja bestimmt bloß wissen, wie hermés ispahan schmeckt. den stundenlangen transport hat’s gut überstanden, ebenso wie das benachbarte gar köstliche ding aus schokolade und praliné und generellem wohlgeschmack…


…womit wir beim lerneffekt dieses einkaufs wären: man kann solche kunstwerke nicht im stehen essen, weil wo stellt man dann die schachtel ab? es bedarf also einer parkbank oder eines mäuerls. (der jardin du luxembourg ist ums eck, deshalb ziehen sich viele mit ihrer beute dorthin zurück.) man kann solche kunstwerke aber auch nicht seine würde bewahrend essen, weil es a) kein besteck dazu gibt, man b) auf den knien eine schachtel zu balancieren hat, was c) einen teil der aufmerksamkeit in die unteren extremitäten lenken lässt, d) je nach witterung (regen von oben? wind von der seite? aufgewirbelter sand von unten?) schnell vorzugehen ist, e) auf die oberbekleidung acht gegeben werden muss, was zusätzlich zur spannung in den unteren extremitäten eine gewisse starre haltung im oberkörper und den oberarmen zur folge hat, f) man den rechts- und linkssitzenden sowie den vorbeiflanierenden den anblick von lychee-creme in der nase oder hauchdünnen im bart hängenden schokotäfelchen ersparen möchte, g) man so vom macaronburger abbeißen will, dass den mitreisenden familienmitgliedern nicht der appetit vergeht und ihnen darüber hinaus auch was übrig bleibt, h) man mit einem bissen alle komponenten erfassen möchte, i) man kein bröselchen des gesamtkunstwerkes den ohnehin nicht wählerischen tauben zu überlassen gedenkt, j) auf gar keinen fall eine himbeere verlustig gehen darf etc. – bitte in der eigenen fantasie fortsetzen.
geschmeckt haben ispahan (himbeer, rose, lychee, legendär) und pralinédings großartig (soweit ich das mit den verbleibenden prozenten meiner aufmerksamkeit beurteilen konnte), aber ich hätte das ganze gerne nochmal ohne wind, bei tisch, mit einem gaberl und vor allem einem ordentlich tee dazu…

nachtrag: macarons, natürlich, sehr viele verschiedene und am abreisetag gleich nochmal für zuhause. nicht alle schmeckten mir, aber inifiniment caramel (salzkaramell!) und mogador (maracuja!) waren die, die ich sofort wieder kaufen und (ja, auf der straße, im stehen und gehen) essen würde.


…rechts übrigens zum vergleich eine ispahan-ähnliche kreation von aoki. das original schmeckte uns besser und saß offenbar sicherer in seinem noblen karton im noblen sackerl.

seitdem schätze ich unsere österreichischen café-konditoreien noch viel mehr, denn in den meisten davon (als ausnahme fällt mir auf die gachn nur die kameel-pâtisserie ein, aber man kann die sachen zwei häuser weiter im kameel bestellen) gibt’s die möglichkeit, vor ort platz zu nehmen, sich in ruhe, mit dem lieblingsgetränk dazu und die würde (und den guten ruf) bewahrend dem genuss dieser mit so viel aufwand gemachten süßen dinge widmen.

kommentare

19 kommentare zu “paris im dutzend 4: pierre hermé”

  1. Micha sagt:

    Ich glaub, ich muss auch mal wieder nach Paris – für ein sündiges Schlemmerwochenende, oder so… Macht auf jeden Fall total Lust auf einen Parisbesuch – leben wollte ich da aber mit Sicherheit nicht.

  2. eline sagt:

    Ich dachte bei einem Bild schon, du verfütterst das knallige Törtchen an die Pariser Tauben!

  3. sisko sagt:

    St-Sulpice: Der Web- und Sängermeister kann sich eben auch nicht ganz der Faszination von Verschwörungstheorien entziehen.

  4. uli sagt:

    bei wmf gibt(gab?) es ein wunderbar handliches und tüchtiges picknickbesteck,
    das wie ein pc-stick aussieht und am band um den hals zu tragen ist;)

  5. katha sagt:

    wer den schaden hat, braucht wie immer für den spott nicht zu sorgen. das mit dem reisebesteck musste ja kommen, uli! wir hätten eh eins, und die reisestäbchen, die wir auch in malaysia nie ausgepackt hatten, hätten sich bestimmt auch gut im ispahan gemacht…

  6. Aber so haben wir auch was davon. Herrlich!!!

  7. uli sagt:

    so geht es guten tipps – sie werden als spott gelesen:(

  8. katha sagt:

    „um den hals zu tragen ist“ mit einem „;)“ dahinter, uli, nanana, jetzt nimmst mich auf den arm!

  9. Ellja sagt:

    Als ich damals aus dem selben Gschäftl kam, zwei sperrige Schachtelsackerl in den Händen hat es so zu schütten angefangt, dass wir erstmal nur verzweifelt in einem nächsten Hauseingang Schutz suchen mussten. Natürlich kein Schirm dabei und mit sommerlichem Rock und FlipFlops unterwegs. Und dann noch dieses dringende Bedürfnis, unbedingt gleich eins kosten wollen, aber geht nicht, weil ich eher darauf achten musste, dass mir nicht die Sackerl wegrinnen…. na, das war ein Stress. Ich hab dann bis zum Hotelzimmer gewartet und dann auf dem Bett gleich ein paar verputzt…. die mit passionsfrucht gehörten auch zu meinen favoriten. Und die mit Pistazien-Kirschen-Zimt.

  10. Beate sagt:

    Hab heute Hotel und Flug für Paris im September gebucht. Die Isphahans von Pierre Hermé stehen ganz oben auf der Liste. Letztes Jahr hat mir der Metro- Streik einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber für dieses Jahr bin ich doch zuversichtlich.
    Ich warte schon gespannt auf deine Berichte 5-12 damit ich dann optimal informiert aufbrechen kann ,-).

  11. uli sagt:

    nicht auf den arm tu ich nie)- um den hals kann man sie nehmen=tragen, damit sie wie ein stick u nicht wie ein besteck aussehen in der hülle.

  12. dickakroell sagt:

    zu Saint-Sulpice – ich sag nur: Manon …

    zu den Wiener Cafe-Konditoreien: eine hat aber aus mir nicht nachvollziehbaren
    Gründen erst vor kurzem den Gästen den Stuhl unterm Hintern weggezogen, nämlich Fercher. Bei unserem letzten Wien-Aufenthalt im April war er endlich
    mal offen, dafür war aber der Cafe-Bereich gesperrt.

  13. katha sagt:

    siehst du, ellja, genau das meine ich.

    das geht sich aus, beate! reservier‘ schon mal im septime…

    ich schau‘ mir das bei dir einfach mal an, uli, okay?

    der erste teil wird direttissimo an den web- und sängermeister weitergeleitet, dickakroell. und was fercher betrifft: die chefin war leider schwer krank. sie ist zwar wieder da, aber das arbeitspensum musste einfach zurückgeschraubt werden, deshalb gibt’s derzeit gar keinen kaffeehausbetrieb mehr, die konditorei hat aber nach wie vor geöffnet.

  14. Elisabeth sagt:

    Hallo,

    mich würde ja interessieren, was für ein großartiges Plakat auf dem letzten Bild zu sehen ist.
    Der Künstler ist leider nicht zu entziffern. Gibt es da mehr Infos? Wäre toll.

    Elisabeth

  15. katha sagt:

    keine ahnung, elisabeth, bin zuerst dran vorbeigerannt und dann nochmal zurück, um’s zu fotografieren. war eine zeichnung an der stange eines straßenschildes.

  16. Nach Paris werde ich es in nächster Zeit wohl nicht schaffen… In Wien lassen sich Macarons allerdings besonders gut im Süssi genießen, finde ich. Und sitzen lässt es sich dort obendrein auch sehr fein.

    Lieber Gruß,
    Sarah

  17. ChezMatze sagt:

    Hab das natürlich wieder mal viel zu spät gelesen, was mich jetzt dazu bewogen hat, endlich mal den rss-feed zu abonnieren…

    Ich muss zugeben, dass es mir bei diesen Kreationen immer ein wenig so geht wie beim Döner: Ich mag nicht in der Öffentlichkeit meinen Mund so weit aufreißen, mich total bekleckern, die Hälfte des Produkts auf dem Boden verteilen. Da kann ich mich nämlich ein wenig ungeschickt anstellen. Ein wenig. Ich verziehe mich mit den kleinen Süßigkeiten immer gern aufs Hotelzimmer und esse nur Tortenstücke ohne harte Kruste im Café.

    Übrigens – das passt eher zu Sadaharu Aoki – gab es vor nicht allzu langer Zeit an der Madeleine in Paris den wahnsinnigen Laden „Minamoto Kitchoan“. Gibt’s dort leider nicht mehr, sondern in Europa nur noch in der Piccadilly Street in London. Das war japanische Pâtisserie, wie ich sie in der Qualität noch nie gegessen hatte. Sah bei „Toraya“ nicht ganz so toll aus, aber die gibt es wenigstens in Paris weiterhin.

  18. katha sagt:

    im süßi war ich immer noch nicht, sarah – was isst du dort außer macarons gerne?

    zu spät gibt’s nicht, matze, das wollen die blogs mit ihren täglichen newsnewsnews bloß suggerieren. ich verwehr‘ mich gegen diesen erneuerungsdrang, wenn’s nix zu sagen gibt (oder einfach keine zeit dafür ist, das gescheit zu machen). mir reichen ja die pâtisserien für eine lange zeit allesamt, was mir beim ratzka im salzburg im leben nicht einfallen würde.

TRACKBACKS
  1. […] paris was gescheites zu essen zu finden ist ungefähr so schwierig wie in wien. wir streiften also mit unserem hermé-sackerl durch den 6. und weil ich da noch nicht gelegenheit hatte, katias mail zu lesen, wusste ich nicht, […]



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