paris im dutzend 5: l’avant comptoir


am sonntag in paris was gescheites zu essen zu finden ist ungefähr so schwierig wie in wien. wir streiften also mit unserem hermé-sackerl durch den 6. und weil ich da noch nicht gelegenheit hatte, katias mail zu lesen, wusste ich nicht, dass sie mir an erster stelle das empfehlen würde, wo es uns nun hinzog. im le comptoir, das uns gefallen hat, gab’s aber vorerst keinen platz für uns, es war bitte mitten am nachmittag. die kellnerin begleitete uns ins l’avant comptoir nebenan, eine kleine bar, in der wir doch ein glas trinken und ein paar bissen essen könnten, bis sie uns holen würde.

das holen war nicht mehr notwendig, wir blieben in der winzigen stehbar fast zwei stunden lang, waren völlig von den socken von der qualität der hors d’oeuvres, wie die tapasartigen kleinen gerichte hier genannt werden. darüber hinaus lernten wir einen französischen gastronom mit önologiestudium kennen, der südlich von paris ein weinbistro hat und der uns in ein gespräch über vins naturels verwickelte, während er erzählte, dass er am vortag mit seiner freundin ein kleid für cannes kaufen war, weil sie filmproduzentin sei und dort sein müsse. ihn interessiere das eh nicht. dann fragte er, wo wir noch in paris vorhätten zu essen. ich zählte brav saturne, l’arpège und le châteaubriand auf, was er wohlwollend zur kenntnis nahm und mir sagte, ich solle im septime anrufen. die hätten vor zwei wochen aufgesperrt und er hätte das gefühl, das könnte uns gefällen. ich hatte ja keine ahnung, dass das einer der neuen hot spots in paris ist, habe aber erneut brav gefolgt, bin, nachdem ich mit meinem iphone ein foto vom display seines iphones gemacht hatte, auf dem die telefonnummer vom septime stand, auf die straße raus und habe dort angerufen. und einen tisch für mittwoch mittag bekommen, knapp vor unserem rückflug nach wien.

der gastronom und seine bekannte, eine halbjapanerin, die uns samt visitenkarte mit händisch nachgetragener privater e-mail-adresse zu sich in die schweiz eingeladen hat, fragten, ob wir lust auf eine flasche bubbles hätten, aber kein champagner, ergänzte er. ich habe wirklich keine ahnung, was wir dann (und davor) alles getrunken haben, weil ich mich mit französischem wein genau überhaupt nicht auskenne. mit dem essen umso mehr, und das war so gut, dass ich alleine für die waffeln mit artischockencreme und rohschinken (für die blunznterrine auch) direkt vom flughafen ins l’avant comptoir fahren würde. mit dem taxi. genau vor die tür. und dann war da noch die butter: rohmilchbutter, gelb, weich, dazu warmes, frisches brot, grober senf und kleine gurkerl, jede/r kann sich nehmen, mit dem selben messer, dem selben gaberl, das würde in österreich einen kollektiven herzinfarkt bei den zuständigen behörden auslösen. das schwein schaut gütig, finde ich, und obwohl ich die produzenten nicht kenne, hatte ich den eindruck, dass es sich um allerbeste qualität (die dementsprechende tierhaltung voraussetzt) handelte. es ist aber auch völlig wurscht, weil diese bar ein ganz und gar bezaubernder ort ist. wie die das machen und was für einen ruf das comptoir in paris hat, entzieht sich meiner kenntnis und ich habe auch nicht vor, es zu recherchieren. so stelle ich mir jedenfalls esskultur vor. die essenz davon sehe ich auf meinem pariser lieblingsbild.

kommentare

14 kommentare zu “paris im dutzend 5: l’avant comptoir”

  1. Wow, klingt das gut – und ich hab noch nicht gefrühstückt. Ein Rezept für die Blunzenterrine hast du wohl nicht zufällig bekommen? :-)
    Wir lieben nämlich alles mit Blunzen. Kennst du die Blutwurst-Tarte aus dem Kochbuch „Schwein und Sohn“? – die ist zum Reinlegen!

  2. eline sagt:

    Das Schwein im Logo erinnert an das St. John in London.

  3. Birgit sagt:

    DAS hätte mir auch gefallen! Kommt auf meine Liste – falls ich es jemals wieder nach Paris schaffen sollte. Ich liebe solche zufällig entdeckten Orte, die sich als wunderbare kulinarische Kleinode herausstellen. Und das Kennenlernen von interessanten Menschen jenseits unseres Alltagshorizontes sind dann noch das Tüpfelchen auf dem i.

  4. katha sagt:

    ach, das bekommst du auch ohne hin, küchenschabe. willkommen!
    habe schwein & sohn – schmach und schande – noch immer nicht, und als ich endlich bestellen wollte, war’s vergriffen. es wurde aber unter „das saugute kochbuch“ (warum eigentlich nicht unter dem ursprünglichen titel?) neu aufgelegt. und nach so vielen hinweisen von so vielen seiten ist die blunznterrine wohl grund genug, es zu kaufen.

    st. john ist ein ort, der mich schon so lange anzieht, eline. das wird mir gefallen, was meinst du? das dortige schwein „fliegt“ über die wiese (oder hängt schon am spieß, den man bloß nicht sieht).

    und du würdest bestimmt zauberhafte fotos mitbringen, cosycooking ;-)

  5. Buchfink sagt:

    Ich finde, die zufälligen kulinarischen Erlebnissse, die eigentlich so gar nicht erwartet wurden, sind die schönsten, an die man sich noch lange erinnert. Vielen Dank für die schöne Geschichte!

  6. Ellja sagt:

    Huch, da beschleicht mich grad so ein leises gefühl, doch auch mal was wirklich verpasst zu haben….. do kriag i jo an richtigen gustaaaaa! :-)

  7. padrone sagt:

    Baradresse ist abgespeichert. Die Zeit, das Essen, den Wein genossen (ich weiß das) UND klasse Fotos gemacht…!

  8. eline sagt:

    Ein bisserl posh ist das St. John und seine Ableger inzwischen geworden, leider. Inzwischen können andere Restaurants die neue britische Küche auch sehr gut und manchmal besser. Aber trotzdem ist es noch einen Besuch wert, alleine schon wegen dem fröhlichen Schweinderl. Aber unbedingt das St.John im alten Räucherhaus am Smithfield Market besuchen, es hat das schönste Ambiente. Leider wurde die Bakery aus Platzmangel abgesiedelt. Man wurde früher schon am Eingang vom Duft des frischgebackenen Brotes empfangen.

  9. katha sagt:

    darüber muss ich mal in ruhe nachdenken (und in der vergangenheit nachschauen), buchfink, weil die mit der vorfreude schon auch was haben, aber es könnte stimmen. gerne. und danke auch hier nochmal fürs einfordern.

    dann steht’s ja wohl schon auf der liste fürs nächste mal paris, ellja, stimmt’s?

    willkommen, padrone, und danke für die essbaren blumen!

    nie im leben würde ich, seit ich deine england-affinität kenne, dorthin fahren, ohne dich zuvor um alle wichtigen adressen für den jeweiligen ort gebeten zu haben, eline. stell‘ dich schon mal drauf ein ;-)

  10. Epicurea sagt:

    ein tolles blog ueber das ich da hier gestolpert bin und da bin ich schon auf den bericht ueber das septime gespannt! bon appetit!

  11. ich schaffe es nie in den avant-comptoir, weil wir immer einen Platz bei Yves Camdeborde bekommen, aber seit er bei TF1 bei Top Chef oder so einen Schrott mitgemacht hat, meiden wir seine Läden. Das ist der Beginn vom Ende finde ich.

  12. katha sagt:

    willkommen, epicurea, und ich wünsche dir schon mal viel geduld, septime wird nämlich nummer 12 werden, so will es die chronologie.

    das kann, muss aber nicht stimmen, bolli. aber ich bin sicher, dass du damit nicht hinter dem berg halten wirst, wenn es sich in diese richtung entwickelt.

  13. hallo katha,

    danke für den freundlichen empfang – gefällt mir hier ;-)

  14. ChezMatze sagt:

    Tolle Erlebnisse sind das! Der Wein, den Du abgebildet hast, ist jedenfalls der Morgon von Marcel Lapierre, einem der Pioniere der französischen „Naturweinszene“. Er hat von diesem Cru des Beaujolais jeweils eine geschwefelte und eine ungeschwefelte Version gemacht (leider ist er letztes Jahr gestorben). Wie man auch immer dazu steht – jedenfalls war Marcel Lapierre einer der wichtigsten Vorreiter im Beaujolais und in ganz Frankreich für das Nachdenken darüber, wie viel Technologie in einem Wein eigentlich drin sein muss. Habe den Wein selbst vor kurzem getrunken, ein süffiger Tropfen ohne großen Tiefgang, wie ich fand, aber optimal zu wurstigen Gerichten.

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