nachtrag zum bitteren seiserschmarrn

am freitag vormittag hat mich eine dame von vöslauer angerufen. nicht vom marketing, sondern die leiterin der qualitätssicherung. es gehe um meine auf esskultur veröffentlichten anregungen bezüglich vöslauer balance bitter. vöslauer nehme das ernst und sei dankbar für jede konstruktive kritik. so weit, so professionell.

doch dann sagt mir die dame, ich möge bitte kurz auf der website vorbeischauen, was ich parallel zum telefonat tue:

vöslauer hat innerhalb von vier werktagen reagiert und tatsächlich alle zutatenlisten für alle produkte online gestellt.

wir haben dann noch über produktentwicklung gesprochen und die dame von der qualitätssicherung hat auch in diesem bereich nicht lange gefackelt: mit der produktentwicklung sei vereinbart, dass bei der nächsten „runde“ zumindest probiert werde, mit rein natürlichen zutaten einem getränk/einem near-water-getränk/einer limonade zu geschmack zu verhelfen. man habe bisher einfach nicht in diese richtung gedacht.

ich halte den auszug dieses telefonates aus zwei gründen in einer eigenen kulinarischen notiz fest:

1. finde ich den umgang von vöslauer mit meiner nicht gerade zimperlichen verkostungsnotiz vorbildlich. denn: das unternehmen hat reagiert, und zwar nicht sofort und pikiert oder sofort und mit unmengen warenmustern (soll’s auch geben), sondern nachdem bereits etwas geändert wurde, nämlich die kompletten zustatenlisten online gestellt wurden. ich halte es für fair, hier von dieser reaktion und verbesserung zu berichten.

2. ohne social media wäre so etwas nicht möglich gewesen: früher hätte ich über diese produkte gar nicht geschrieben. denn in einem print-medium ist kaum platz für derart ausführliche auseinandersetzungen. und die feedback-schleife war viel mühsamer. was ich damit sagen will: nicht sudern, sondern probleme benennen, hartnäckig bleiben und einfach darüber reden. denn schon meine oma wusste: durch’s reden kommen d’leut z’sam.

kommentare

21 kommentare zu “nachtrag zum bitteren seiserschmarrn”

  1. queenofsoup sagt:

    so solls sein, gefällt mir – die bisherige änderung hat ihnen natürlich noch nicht wehgetan, insofern wars nicht so schwer. aber für ein so großes unternehmen ist jeder trippelschritt mühsam – und wer weiß, was noch passiert.

  2. excellensa sagt:

    Da gibt es nur eins: weiter so. Ich finde es toll, dass ein seiserschmarrn solche Reaktionen auslösen kann. Glückwunsch.

  3. kelef sagt:

    fast möchte man anfangen an wunder zu glauben. jedenfalls wirklich vorbildlich, die vöslauer-abteilung. alle achtung.

  4. Eline sagt:

    Toll, wenn man so widerlegt wird!
    gratulation zu dieser Wirksamkeit!

  5. katha sagt:

    das ist richtig, queenofsoup, aber da’s keine verpflichtung zu solchen informationen im web gibt, finde ich das schon mal sehr gut. image hin oder her, es macht arbeit, jemand muss sich kümmern.

    ich war auch verblüfft (und erfreut), excellensa. danke. interessant ist das aber für unternehmen nicht wegen mir, sondern wegen der öffentlichkeit hier, also wegen euch leserinnen und lesern.

    ja, frau kelef, ich war wieder einmal erstaunt, wie viel so ein paar sätze bringen können. und was ein unternehmen mit guten leuten und rückgrat bewegen kann, wenn’s fürs erste auch nur zutatenlisten auf der website sind.

    danke, eline. ich finde das auch toll. und es bedeutet für mich, noch viel öfter auf diese vielen kleinen dinge hinzuweisen, die mir ständig, und ich meine wirklich jeden tag, unterkommen. solche reaktionen von gstandenen unternehmen lassen hoffnung aufkommen.

  6. Angelika sagt:

    Tolle, top-professionelle (so selten!) Reaktion von Vöslauer!

    Und ad 2) Das spricht mir aus der Seele: Blogging ist und bleibt wichtig, weil da einfach Raum ist – und hoffentlich Zeit zum Lesen. Bloggen wirkt Oberflächlichkeit entgegen. Und die wichtigste Funktion von Facebook ist (sollte sein), den roten Teppich zu solchen Blogs zu legen.

    Tolle Arbeit, Katharina!

    Liebe Grüße, Angelika

  7. katha sagt:

    danke, angelika! fb als roten teppich zu sehen, auf die idee bin ich so noch nicht gekommen, obwohl ich’s in der praxis auch so handhabe: teilen, was ich gut oder zumindest lesenswert finde.

  8. Lisa sagt:

    Wunderbar, wie wirksam Worte werden!

    Andere Frage:
    seit ein paar Tagen erfahre ich über diverse Mails, dass es viele foodblogs gibt, von denen ich nichts wußte, weil nämlich die Aufforderung kommt: bitte votet für mich, beim AMA-foodblog award.
    http://www.foodblogaward.at
    Ab heute kann man bis 31.7. täglich voten.
    Frage: hab ich da was übersehen? Oder machst Du nicht mit? (Hätte eine Theorie für letzteres.)

  9. katha sagt:

    so geht’s einem, wenn man werbung machen will, lisa, und dann vergisst, anzugeben, wofür ;-) ohne link auf deinen blog wird’s für die leser/innen, die gewillt sind, deinem aufruf zu folgen, schwierig werden…
    zu deiner frage: du hast nichts übersehen, du hast richtig gesehen.

  10. Lisa sagt:

    ich hab gar keinen foodblog (wenn ja, wär ich so deppert, ihn bei Dir bewerben zu wollen??), hab mich nur gefragt, ob das bei Dir (für mich the Empress of All Foodblogs) Absicht ist, also war meine Vermutung eh zutreffend.

  11. katha sagt:

    jössas, lisa, mea culpa! nenne mich urlaubsreif und offiziell bin ich auch schon auf (kürzest)urlaub, aber immer noch da, weil mitten in der arbeit.

    das klammerlob darf ich trotz unmöglicher schlussfolgerungen vorhin behalten? gefällt mir nämlich. danke dir!

  12. das finde ich klasse!

  13. Anna sagt:

    danke katharina für die kritik !!!
    das finde ich vorbildlich von vöslauer, wäre schade, wenn ich mein lieblingsmineralwasser hätte wechseln müssen grüße aus der ferne

  14. padrone sagt:

    Oder: „Das Reden macht d´Sach aus“. Respekt was Du Dir erarbeitet hast! Und schön, wenn man sieht/erfährt wer hier so alles mitliest. Und offensichtlich nicht nur liest…

  15. das ist ganz toll – hätt ich nicht gedacht, dass vöslauer so reagiert. mach bitte weiter so, da gibts noch so viel zu tun …

  16. katha sagt:

    danke für eure rückenstärkung, zwergenprinzessin, anna, padrone und küchenschabe. jetzt mach‘ ich mal buch nr. 2 fertig und dann schauen wir uns die nächsten baustellen an.

  17. Sarah sagt:

    Hallo Katharina,
    ich habe mal eine nicht so food-related Frage, könnte mir aber vorstellen, dass du auch etwas dazu weißt, vielleicht Tips oder Links hast: Was hälst Du von Kosmetik (also Natur- versus Chemie-)? Ich persönlich ziehe Natur- und Minimalismus vor (gerne Hauschka), habe aber mit manchen Produkten (z.B. Shampoo) Probleme, weil die chemischen ein sooo viel besseres kurzfristiges Ergebnis erziehlen (die mögliche Langzeitwirkung kenne ich nicht, finde ich aber tendenziell gruselig bei Chemie). Ich suche nach einem Ratgeber-Blog / Produktevergleich oder einfach etwas mehr Informationen zu den „Zutaten“. Danke für Deinen Blog!
    /Sarah

  18. Maren sagt:

    Liebe Katharina,
    ich lese sehr gerne Rezepte. Aber ich hatte bisher noch nie sooo viel Spaß dabei! Deine Art zu Beschreiben ist unglaublich. Ich bin gerade neu dazugestoßen (über Deinen noma-Bericht) und freue mich unglaublich über diese erfrischende Art der Präsentation. Toll finde ich auch die berücksichtinge Übersetzung in das Deutsche. So kann auch ich das Eine oder Andere nach-(kochen/backen)!

    Liebe Grüße aus Hamburg

    Maren

  19. Stephi sagt:

    Die Reaktion Vöslauers hin oder her, das größte Lob geht an Dich. Wie Du selbst geschrieben hast, ist es schon erstaunlich wie kritiklos neue Lebensmittel empfohlen werden. Vor allem in Printmedien. Ich habe da immer die Vermutung, dass das eine Art Productplacement ist…
    Also mach bitte weiter so!

  20. katha sagt:

    sorry für die späte antwort, sarah. ich verwende seit jahrzehnten ausschließlich naturkosmetik, habe aber keine ahnung, wo du dich da seriös informieren könntest. am ehesten findest du über naturkost.de anständige informationen.

    willkommen, maren, und danke für deine große freude an/über esskultur!

    diese art von rückendeckung ist wichtig, stephi, danke. bei mehr zeit hätte ich eine elendslange liste zum thema abzuarbeiten. so muss es derzeit bei dem einen oder anderen beispiel bleiben.

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