vorsicht, retro!

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gefüllte bananen. jetzt ist es heraußen. wie oft habe ich den vergangenen jahren ein foto davon gemacht, euch aber nie eines gezeigt? dabei gibt’s kaum ein tröstlicheres, schnelleres, befriedenderes essen als gefüllte bananen. (ungefüllte, d. h. einfach aus der schale gegessene bananen mag ich nicht. meine abneigung geht so weit, dass ich unrund werde, wenn jemand im zug oder irgendwo auf einer bank neben mir eine banane isst. alleine der geruch, brrr.)

warum sie so heißen? keine ahnung. woher das rezept ursprünglich kommt? keine ahnung. es muss aus den siebzigern sein, denn ich kenne es seit meiner kindheit. meine mama, die von sich behauptet, nicht kochen zu können (einspruch!), hat die zutaten, mit denen dieses dessert zubereitet werden muss, jedes mal betont:

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für 1 gefüllte banane nehme man

  • 1 reife, d. h. außen durchaus schon braun gesprenkelte, aber noch nicht weiche banane (bio und fairtrade, logisch)
  • saure dunkle mamalad, sprich: rote ribisel, schwarze ribisel, zur not himbeer oder weichsel und, update aufgrund eines twitter-kommentares, preiselbeer – auf keinen fall erdbeer, marille o. ä. (im idealfall gelee, aber zu süß darf es nicht sein)
  • geriebene, blättrig geschnittene oder gehackte haselnüsse (wenn vorher geröstet, umso besser)
  • frisches, bestes schlagobers (pro banane ca. 50-70 ml)
  • geriebene bitterschokolade – ich nehme seit jahren die green & black’s hot chocolate, das ist geriebene bitterschokolade mit kakaopulver “umhüllt”, einer meiner liebsten schokoladigen vorrate neben dem kakaopulver derselben marke (auf keinen fall irgendein instant-kakaogetränk oder nur kakaopulver, beides gibt nicht den richtigen biss)

für 1 gefüllte banane gehe man wie folgt vor

  1. banane schälen und der länge nach halbieren. fortgeschrittene erkennt man daran, dass die bananenhälften genau gleich dick sind.
  2. marmelade auf den hälften verteilen, ich würde sagen ca. 1 knapper teelöffel pro hälfte, am besten mit einem bastardmesser (das ist eine andere geschichte, jedenfalls eines vom normalen essbesteck, kein spitzes küchenmesser, das wird nix) oder einem kleinen gummihund. die banane ist schlitzig und mag nicht unbedingt eine enge beziehung mit der marmelade eingehen. fortgeschrittene erkennt man daran, dass die marmelade in windeseile gleichmäßig und nicht gebirgsartig verteilt ist.
  3. großzügig mit haselnüssen bestreuen. (auf dem bild seht ihr geröstete, grob gehackte, das ist von der textur her besonders fein.)
  4. schlagobers nicht ganz steif schlagen und auf keinen fall süßen oder sonstwie würzen. (aber ein wenig fester als auf dem bild wäre noch okay.)
  5. schlagobers mit einem kleinen löffel als nockerl auf die bananenhälften setzen. spritzsack verboten, hässliches draufpfropfen verboten. fortgeschrittene erkennt man daran, dass sich das obers von der menge her genau ausgeht und keines der nockerl ganz von der banane rutscht.
  6. großzügig mit geriebener schokolade bestreuen.
  7. mit dem essen nicht zu lange warten, denn das obers muss noch kühl sein! (am besten mit einem dessertlöffel, bei der gabel ist man nämlich vor nuss- und schokoladeherabfällen nicht gefeit.)

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für mich dient die gefüllte banane meist als notspeise, wenn kein brot aufgetaut und kein knäcke im haus ist, keine restln im kühlschrank sitzen und ich zu müde bin, um noch schnell pasta oder couscous zu kochen. meist ist das spät abends.

ausnahmslos jedes mal freue ich mich, wenn ich den teller vor mir stehen habe und zu essen beginne. ausnahmslos jedes mal denke ich mir, ob das ein acquired taste ist oder ich die frohe kunde von dieser glücksspeise verbreiten muss. jetzt ist es so weit. bevor ihr glaubt, ich habe noch immer fieber, probiert’s einfach aus.

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danke, mama!

update, weil soeben erst eingefallen: die zuppa inglese in meinem seit mindestens 20 jahren liebsten italienischen restaurant der welt (wie schon vor über 5 jahren auf esskultur empfohlen), dem pomodoro in salzburg, hat nicht zu leugnende ähnlichkeiten mit der gefüllten banane. ich kann dort kein anderes dessert essen (und ich hoffe, irgendwann das rezept dafür zu bekommen – alkohol spielt jedenfalls eine gewichtige rolle darin). im übrigen kann ich dort auch nichts anderes als sofort nach dem eintreffen große antipasti essen. und dazwischen… aber das ist eine andere geschichte.

kommentare

25 kommentare zu “vorsicht, retro!”

  1. pepe sagt:

    Wie machst Du das, (süße) Bananen zu essen, obwohl schon der Geruch so … eigenartig ist? Ich teile diese Abneigung nämlich und ich müßt mich wirklich überwinden, so etwas zu essen. Kochbananen sind dagegen kein Problem, ebenso das seltame Aroma dieser Schokobananen …

  2. Das Mädel vom Land sagt:

    Ich gestehe, ich kenne diese Speise nicht, Katha. Ich hatte einmal eine Zeit, da hab ich (fast) von “Schokobanane” gelebt – Bananenstücke, Schlagobers, Nüsse, Schokosauce. Manchmal mit Eis, mehr nicht. Aber ja, deine gefüllten Bananen hören sich super an!

  3. katha sagt:

    auf diese frage hatte ich gehofft, pepe! denn die antwort ist einfach: 1. führst du nur stückweise mit dem löffel banane zum mund und 2. dominiert hier olfaktorisch eine schöne melange aus schokolade, röstaromen von den nüssen, obers, frucht der marmelade und eben nur ein bisserl banane. perfekt!

    das freut mich, mädel vom land! ich glaube, das geheimnis ist die saure mamalad. denn banane mit schoko ist eh ein klassiker, bei dem mir aber immer etwas fehlt.

  4. ich finde kindheits-gerichte inkl ihrer hübschen tradierungsdetails toll. ich glaube wir haben alle erinnerungen in diese richtung. oft auch in optischer weise. ich habe es z.b. geliebt, bei meiner oma die frankfurter würstl von dem EINEN teller mit goldrand zu essen, das in der mitte ein bild der aflenzer kirche hatte. die waren dann einfach doppelt so gut! :)

  5. katha sagt:

    die speisen selbst habe ich oft schon modifiziert, barbara (und willkommen!), denn früher war’s z. b. bei der gefüllten banane bestimmt mannerschoki. aber die so oft unbewusste macht der olfaktorischen/sensorischen und aller anderen kindheitserinnerungen, die soll man bloß nicht unterschätzen.

  6. Frau Ziii sagt:

    Katha, ich fürchte, es wird ein bisserl dauern bis sich Deine Leserschaft davon erholt hat ;-) aber mein Vertrauen in Dich ist grenzenlos… ich probier’s aus!

  7. teeodora sagt:

    ich hab nicht gewusst, dass “gefüllte banane” als kochen durchgeht, aber nachmittag gleich welche machen müssen! danke fürs erinnern!

  8. katha sagt:

    ich hab’s befürchtet, frau ziii, aber das halte ich aus ;-)

    was soll ich jetzt sagen, liebe teeodora, die anonymität meiner leser/innen zu respektieren ist oberstes gebot ;-)

  9. als alter Bananensplit Fan find ich dieses Rezept sowieso voll boardig! Werd´s meinen Kindern heute servieren, so viele Bananen da.

  10. Kathi sagt:

    Also bei uns hieß das “banane lukullus” und war mindestens
    1x in der woche am teller.
    Danke dass du kindheitserinnerungen weckst.

  11. Und ich hab grad extra Bananen und Schlagobers gekauft, um das nachzumachen. Ich glaub, meine beschwipsten Preiselbeeren passen da gut drauf.

  12. hallo :)

    es sieht so lecker aus, dass ich sofort Lust bekommen habe, in die Küche zu gehen und so etwas spezielles zu zaubern! Gut, ich mache es :D

    Tolles Rezept!

  13. katha sagt:

    ich erwarte aber jetzt schon eure beweisfotos, gell?

    alexandra, wie kamen’s an?

    und kathi, danke, danke, danke für diesen wertvollen hinweis, so müsste sich auch die rezeptherkunft rekonstruieren lassen. tante google findet dieses gericht tatsächlich auf speisekarten!

    und, turbohausfrau? berlin biocatering?

  14. Ich mag Bananen üüüüberhaupt nicht, ist das gewiss, dass man gerade diese Bananen dann essen kann?
    Ich überleg wem ich sie hier im Haus unterschieben könnte, wenn ich sie nicht essen mag? *grübel*

  15. Bananensplit kam super an, wie immer, und zwar in der einfachen Variante Schlag & Schoko. Beweisfoto auf roughcutblog.com

  16. Wie jetzt “berlin biocatering? Ich steh am Schlauch, hilf mir mal runter bitte.
    Köstlich war’s auf jeden Fall! 3 Tage hintereinander. :D

  17. katha sagt:

    na wenn du bananen überhaupt nicht magst, giftigeblonde, dann wird wohl kein rezept mit banane was für dich sein, meinst du nicht?

    bananensplit ist aber mit eis, alexandra, und den mag ich bzw. mochte ich nie, weil das vanilleeis in wirtshäusern immer furchtbar schmeckt (vanillin). außerdem schmilzt das dann unschön und überhaupt. ich bleib’ bei meiner gefüllten banane.

    im ernst, turbohausfrau? würde ich das machen, könnte ich sie mein leben nimmer sehen. und das möchte ich unbedingt vermeiden.

  18. hallo katha,

    tatsächlich sind wir ein kleines kollektiv, dass sich ökologischen essen in berlin verschrieben hat. immer nur rezeptbücher blättern, wird aber schnell öde, im web ist es viel spannender und man hat noch den kleinen “bonus” es mit richtigen leuten zu tun zu haben…

    in diesem sinne bis bald einaml wieder
    ulrike

  19. Peter Demel sagt:

    Ich bin eigentlich kein Fan von Bananen-Speisen, aber die Idee mit der Marmelade,…das schmeckt wirklich gut. Und danke für die hilfreichen Tipps (für fortgeschrittene!).
    Bin echt begeistert!

  20. katha sagt:

    danke fürs freudige feedback, peter demel (der name hat aber nix mit der zuckerbäckerei zu tun, oder doch?), man muss es ausprobieren, um z. b. das mit der marmelade zu wissen.

TRACKBACKS
  1. [...] unseren Nachbarn aus Österreich gibt’s gefüllte Banane auf dem Teller, dort ist man auch der nachfolgenden Meinung: “dabei gibt’s kaum ein [...]

  2. [...] wollte. Ver­mut­lich hat auch Katha­rina Sei­ser wie­der ein­mal recht und das liegt alles am wirk­lich erbärm­li­chen Geruch von Bana­nen. Im Sant­ner schei­nen sie ja ein Fai­ble für abgrün­dige Eis­sor­ten zu haben: Neben dem [...]

  3. […] ein produkt, über das ich hier auf esskultur eh schon öfter geschrieben habe (z. b. bei den gefüllten bananen, in deren gedenken ich diese “nachspeise” heute gegessen habe und deren genaue […]

  4. […] gefüllte banane (wer sagt, dass man die nicht zum frühstück essen kann?) […]

  5. […] gefüllte banane (geht immer, esskultur-rezept) […]



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