kavaliersdelikt kupfern?

[seiserschmarrn, der vierte]

am freitag abend war ich auf der suche nach kuchenrezepten. das kommt häufig vor, weil ich gerne und oft kuchen backe, für mich der inbegriff von was süßem. weil mir die roten rüben, die seit monaten teil unseres ernteanteils vom ochsenherz gärtnerhof sind, langsam bei den ohren herauswachsen, und am freitag schon wieder welche dabei waren, ist mir der schokokuchen mit roten rüben eingefallen, der die letzten jahre durch food blogs geisterte. wie immer in so einem fall suche ich zuerst auf englisch und lande schnell bei der quelle, auf die sich die meisten beziehen: nigel slaters großartiges buch tender volume I (auf deutsch: tender. gemüse: von der aubergine bis zur zwiebel).

ich hol‘ mir also das buch aus dem regal. es gehört zu den leider nicht gut offen liegen bleibenden. ich lese mir das rezept für an extremly moist chocolate beetroot cake auf s. 78 f. und vor allem slaters anmerkungen einmal durch und nehme wieder das ipad zur hand. aus reiner neugier suche ich auch noch einmal auf deutsch nach dem kuchen. erster eintrag ist dieses rezept von essen & trinken. das ist die meines wissens größte kochzeitschrift deutschlands. ich habe sie seit 1994, seit ich ausgezogen bin, abonniert, weil meine mama sie schon lange davor abonniert hatte. das war eine lieb gewonnene fortsetzung und bis heute tue ich mir schwer, das abo zu kündigen, weil ich über die bald 20 jahre trotz aller kritik ein naheverhältnis zu diesem magazin aufgebaut habe. einige meiner lieblingsrezepte stammen aus e&t, sei’s die sommerliche nektarinencreme mit vin santo, der kabeljau mit senfsauce u. a.

jedenfalls ist das rezept für den schoko-rote-bete-kuchen aus dem e&t heft 2/2011 1:1 von nigel slater abgekupfert. die englische ausgabe von slaters buch ist 2009 erschienen, die deutsche 2012. ein schelm, wer böses (nämlich: da kommt eh nie jemand drauf, gibt’s ja nicht auf deutsch) dabei denkt. quellenverweis oder die nennung von nigel slater oder seinem buch als inspiration gibt’s keine. das ist ein armutszeichen für das magazin und die ganze branche. denn wir alle, die wir beruflich entweder ganz oder zum teil davon leben, dass wir rezepte entwickeln und publizieren, müssten wissen, wie man korrekt mit inspiration umgeht. es gibt zwei möglichkeiten:

  1. abwandeln. und zwar nicht nur, wie es bei diesem rezept in der zubereitung passiert ist, durch weglassen wichtiger informationen (konkret: slater beschreibt, wie sich der kuchen anfühlen muss, wenn er aus dem rohr kommt. e&t tut das nicht.) sondern auch bei den zutaten: eine eigene idee hineinbringen. vielleicht 2 el geriebenen mohn dazu, anderen zucker, weniger zucker, was auch immer.
  2. die quelle nennen. warum das vor allem im deutschsprachigen raum, und zwar nicht nur bei printprodukten, so wenig gemacht wird, ist mir schleierhaft. ist es unehrenhaft, nicht selbst die idee gehabt zu haben? print kann sich immer noch mit „zu wenig platz“ oder „von uns wird erwartet, dass wir originäre rezepte liefern“ aus der affäre ziehen. billig. denn genau deshalb hinterlässt’s einen schalen nachgeschmack und viel zweifel, wenn sowas passiert.

selbstverständlich ist es nicht die aufgabe der redaktion, jedes rezept auf seinen ursprung hin abzuklopfen. die redaktion muss sich auf ihre mitarbeiter/innen verlassen können. offenbar gilt das (ab)kupfern (branchenintern nennen wir abschreiben kurz „kupfern“) als kavaliersdelikt. sind ja nur rezepte, geistiges eigentum gibt es nur dann darauf, wenn die zubereitung so formuliert ist, dass von einem unverwechselbaren, persönlichen stil ausgegangen werden kann. zutatenlisten sind sowieso nicht geschützt. sehr gut erklärt ist das thema rezepte & rechte übrigens hier. urheberrechtlich ist das, was e&t gemacht hat, folglich korrekt. und ja: die interpretation der anleitung zählt. aber: ich erwarte mir von jeder redaktion, dass es einen verhaltenskodex gibt, der allen mitarbeiter/inne/n zur kenntnis gebracht wird, den sie unterschreiben und an den sie sich zu halten haben.

ich kenne das problem, bei einem auftrag nicht all das schreiben zu können, was ich möchte. nicht bei jedem rezept seine genese erzählen zu können. aber dann sind wir doch so fair und erbringen eine kreative leistung, nämlich die des abwandelns, die zumindest die auseinandersetzung mit dem rezept fordert.

was in kochbüchern und kochzeitschriften gängige praxis ist, nämlich häufig die (inspirations)quelle für ein rezept zu unterschlagen, ist in food blogs die regel. hier wird blumig und durch diy-bilder mit liebreizender deko aus allen möglichen perspektiven der eindruck erweckt, es handle sich um den soeben entdeckten essbaren stein der weisen. wozu? aus platzgründen kann das unterschlagen der quelle ja nicht argumentiert werden.

ich finde es viel spannender nachvollziehen zu können, wo ein spezifisches rezept seinen ursprung hat und wer was mit welchem ergebnis verändert hat. wertfrei. ich kann mir immer noch aussuchen, welche version mir zusagt und ob ich selbst etwas abändere (wie z. b. die zuckermenge bei slaters rezept, wie ich’s gestern gemacht habe). englische food blogs (und häufig auch kochbücher!) machen das oft vorbildlich.

david lebovitz z. b., in paris lebender amerikanischer profi-koch, -pâtissier und autor mehrerer sehr beliebter back- und dessertbücher, nennt meist nicht nur quellen, sondern auch, was ihn mit dem autor oder der autorin verbindet, welche geschichte es dazu gibt. auch bei genau diesem kuchenrezept von nigel slater, das er auf seinem viel gelesenen blog gebracht hat, gibt’s verweise und lob für die arbeit des kollegen. auch food52 geht korrekt mit dem rezept um. so gehört sich das.

mich ärgert es nämlich, regelmäßig über rezepte ohne quellenangaben zu stolpern, die ich aus anderen kochbüchern kenne. manchmal schaue ich nach, um meinen verdacht zu bestätigen. er bestätigt sich immer. sich mit fremden federn zu schmücken ist respektlos und ein armutszeugnis.

warum mich das so ärgernt? vielleicht, weil ich nicht will, dass mir das mit meinen eigenen kochbüchern und rezepten passiert. vielleicht aber noch mehr, weil ich weiß, was es neben all der freude an diesem job für eine arbeit ist, ein gelungenes rezept zu (re)produzieren, so zu verschriftlichen, dass es lange und für möglichst alle nachvollziehbar bleibt.

wir veröffentlichen rezepte deshalb, weil wir wollen, dass sie gekocht und gebacken werden. eine quellenangabe ist eine einfache möglichkeit, dafür „danke“ zu sagen.

kommentare

47 kommentare zu “kavaliersdelikt kupfern?”

  1. Janneke sagt:

    Ich denke auch, dass niemandem ein Zacken aus der Krone fällt, wenn er den Link zur Quelle angibt. Ich denke aber auch, dass vor allem „neue“ Food Blogger noch gar nicht das Bewusstsein für richtigen Umgang mit Quellen haben, vor allem wenn sie nicht aus der Journalismus-Branche kommen…

    Vielleicht könnten wir ja am FoodCamp im Mai einen Kodex entwickeln (ähnlich wie die Reiseblogger), an dem sich alle Food Blogger orientieren können!

  2. creezy sagt:

    Essen & Trinken bezieht ja gelegentlich auch Inspirationen von LeserInnen. Wenn die dann nicht mit dem Rezeptvorschlag die Quelle mit liefern, ist auch einer Redaktion kaum möglich, diese zu benennen.

    Generell aber sollten natürlich Redaktionen grundsätzlich Quellen nennen, in dem Punkt könnten sie von Bloggern tatsächlich lernen. Es hat etwas mit der eigenen Ehre zu tun, es zu tun.

  3. Foodfreak sagt:

    Für mich war und ist es eine Selbstverständlichkeit, Quellen – selbst wenn sie „nur“ zur Inspiration dienten – anzugeben. In Magazinen wird leider ganz massiv gekupfert, und nicht nur fremd sondern auch bei sich selbst (die liebe Zweit- und Drittverwertung), und dann denke ich mir oft, Mensch das hast du schon mal woanders gelesen… bin da mit dir völlig einer Meinung.

  4. Nathalie sagt:

    Aber auch etablierte, langjährige Kochblog-Kolleg/innen schreiben keine Quellen- oder Inspirationsangabe. Es werden ganze Rezepte eins zu eins aus Büchern oder Zeitschriften übernommen, gerne auch aus ausländischen, aktuellen Zeitschriften (hier auch: „Liest bestimmt keiner.“).

    Diese Blogs werden dann gerne gelobt, auch von der Presse.
    Damit habe ich mich inzwischen (fast) abgefunden.

  5. pepe sagt:

    Ich dachte eigentlich, ich hätte das mit den Quellenangaben von Anfang an korrekt durchgezogen in meinem Blog. SIcherheitshalber hab ich nun noch einmal alle Rezepte durchgesehen und festgestellt, daß ich a) bei den von Co- bzw. Gastautorinnen und -autoren beigesteuerten Beiträgen generell keine Quellen habe (teilweise mögen es „originäre“ Rezepte sein, bei den meisten hege ich aber diesbezüglich gewisse Zweifel) b) auch bei zwei von „meinen“ Rezepten die Quellenangabe nicht so deutlich ist, wie ich es in Erinnerung hatte.

    Wenn ein Rezept aus einer einzelnen Quelle abgeleitet und adaptiert ist, dann ist die Attribuierung einfach. Oft geht es mir aber so, daß ich fünf oder sechs verschiedene Bücher nach entsprechenden Rezepten durchforste, dann vielleicht auch noch drei oder vier Blogs, und dann erst ein Rezept synthetisiere. Wen nenne ich? Alle? Und weiß ich das ein, zwei Monate später alles noch, wenn ich den Blog-Eintrag schreibe?

  6. Juliane sagt:

    Mir fällt das auch zunehmend negativ auf, dass auf vielen Foodblogs die Quelle nicht genannt wird. Und ich aber genau weiß, dass der Kuchen aus diesem oder jenem Kochbuch stammt. Da frage ich mich auch: warum? Vielleicht haben die Blog-Kolleg/innen Angst, Urheberrechte zu verletzen und verklagt zu werden, wenn sie schreiben, dass das Kuchenrezept aus dem Buch XY stammt und ein Verlagsvertreter das liest – aus Unkenntnis der Rechtelage bei Rezepten? Oder sie wollen ihre geheimen Quellen nicht preisgeben? Ich finde das jedenfalls nicht in Ordnung. Ich gebe immer an, aus welchem Buch/Zeitschrift/anderen Blog ich das Rezept habe. Sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

    Dass aber auch so große Magazine von anderen Autoren abkupfern, war mir bisher nicht aufgefallen. Die massive Zweitverwertung von Rezepten (z.B. zuletzt beim neuen Magazin „Deli“) hingegen schon.

    Viele Grüße und „schöner Tag noch“,
    Juliane

  7. Ulrike sagt:

    Ich habe keine Probleme den/die AutorIn des Rezeptes zu nennen, warum auch. Nur wenn ich wirklich nicht mehr weiß, von wem ich diesen handgeschriebenen Zettel bekommen habe, lasse ich die Weg.

    Ansonsten kann ich mich den Ausführungen Nathalies anschließen, hochgelobt kupfert einfach ab.

  8. Thea sagt:

    In den allerersten Anfängen der dann für einige Zeit größten Koch-Community war auch ich ein Mitglied. Wie es sich gehört, habe ich immer mehr als genau meine Quellen genannt. Eines Tages – eine „Umstellung“ – waren sämtliche Quellenangaben verschwunden. Zu einem von mir eingestellten Brotrezept erhielt ich irgendwann eine ziemlich unverschämte Mail, in der mir geistiger Diebstahl und Sich-mit-fremden-Federn-Schmücken unterstellt wurde. Umgehend habe ich den Herrn aufgeklärt und gleichzeitig das inzwischen völlig indiskutable „Forum“ für kochende Chefs verlassen. Es gab dann ja auch schon die ersten mich sehr ansprechenden Foodblogs.
    Katharina, in allen Punkten gebe ich Dir recht.

  9. Mich interessiert gerade nur, nennt Nigel Slater in seinem Buch eigentlich eine Quelle? Er wird ja sicher auch nicht das Rezept erfunden haben….Ich habe das Buch nicht.

  10. M. sagt:

    Genau dieses hemmungslose Plagiieren irritiert mich an der Foodblog-‚Szene‘ so. Dieses Das-merkt-eh-keiner-es-kochen-eh-alle-mit-Wasser, das auch in gehypten Foodblogs gmittlerweile üblich geworden ist/zu werden scheint, nervt nicht nur, es ist indiskutabel. Was ist dabei, die Quelle(n)zu nennen?

  11. katha sagt:

    gute idee, janneke, das auf dem foodcamp zu thematisieren! für den rest gilt: unwissen schützt nicht, das stört mich maßlos, dass viele glauben, im internet irgendwie drauflospublizieren zu können, ohne sich über den rahmen oder die folgen gedanken machen zu müssen.

    guter punkt, creezy. und von blogger/inne/n lernen: wenn das bloß generell gelten würde, aber da gibt’s ja genug, die auch nicht sorgfältig arbeiten.

    freut mich, dich gleich nach der langen reise wieder mal hier zu lesen, foodfreak. stimmt, du machst das schon immer vorbildlich.

    mir wär‘ das ja peinlich, nathalie, und wenn ich schon weiß, dass es aufgrund von irgendwelchen zwängen nicht geht, quellen in print zu zitieren, dann würde ich zumindest versuchen, meine eigene note ins rezept zu bringen.

    das soll ja auch kein zwang sein, pepe, aber ich finde gut, dass du selbst bei dir nachgeschaut hast (habe ich jetzt auch nochmal bei mir gemacht, meine esskultur-weste bleibt weiß). den prozess, den du beschreibst, kenne ich gut. ich hab‘ kein problem damit, einfach ein paar quellen aufzuzählen, die mich inspiriert haben. bist du sicher, dass du dich auch monate später an keine einzige mehr erinnern kannst? das glaube ich nicht, wenn es ein rezept ist, das dich fasziniert.

    du hast recht, juliane, dass es eine selbstverständlichkeit sein sollte. aber wie weiter oben geschrieben: unwissen, unkenntnis lasse ich nicht gelten. wenn ich publiziere, muss ich mir gedanken darüber machen, ob das, was ich tue, in ordnung ist. (dehnbarer begriff, absichtlich gewählt.)

    schön, dass du wieder mal da bist, ulrike, du machst das so konsequent, dass es mir manchmal fast unangenehm ist, weil ich mit ideen und so weiter immer korrekt zitiert, verlinkt etc. öfter mal bei dir vorkomme. da denke ich mir dann manchmal: naja, wer anderer wird ja auch die idee gehabt haben. aber: ich freue mich sehr darüber, jedes mal, und ich find’s super, dass du das machst.

    quellenangaben sind verschwunden, thea? eigenartig. ich hab’s ja nicht so mit geschlossenen foren. je mehr offenheit, desto besser, wenn alle respektvoll miteinander umgehen.

    nein, tut er nicht, bolli, hat mich auch interessiert. ich glaube auch nicht, dass bei jedem rezept in jedem kochbuch eine quelle stehen muss, das ist natürlich blödsinn. vor allem, wenn jemand glaubwürdig ist und sein zugang, seine handschrift sich durchzieht. du weißt, was ich meine, wenn ich schreibe, dass die kreative leistung des verbesserns, veränderns, abwandelns gemacht werden soll. das ist ja der oben genannte punkt 1., den ich zumindest fordere.

    das ist es ja, was ich mich frage, m., was haben wir für ein problem damit, die leistung anderer zumindest durch einen link oder durch die nennung des namens zu honorieren?

  12. pepe sagt:

    @katha Na nicht keine einzige, aber sicher nicht mehr alle (und ja, da leiden dann die Blogs wieder darunter – wenn das nämlich gegooglte Rezepte waren, finde ich die bei einer neuen Recherche vermutlich nicht mehr). Die Auswahl wird dann also entsprechend unfair.

    Und wir reden jetzt auch nicht über „faszinierende“ Rezepte. Die merkt man sich eh. Aber wenn man, nur so als fiktives Beispiel, 10 verschiedene Variationen von Biskuitteigrezepten gelesen hat, weiß man die hinterher auch nicht mehr alle. Mir geht’s generell (also nicht nur auf Rezepte bezogen) oft so, daß ich irgendwo etwas gelesen hab, aber nicht mehr sagen kann, wo das war.

  13. katha sagt:

    biskuitteig ist ein gutes beispiel, pepe: den gibt’s seit vielen generationen, er steht in tausenden kochbüchern. wenn du da jetzt nicht plötzlich was weiß ich reismehl reingibst, dann ist das ja auch nicht relevant. aber rote rüben im schokokuchen sind wirklich (noch) nicht common sense, und außerdem, wie gesagt: 1:1, nicht abgewandelt.

  14. pepe sagt:

    Eben. Es gibt wie bei allem eine Grauzone. Die roten Rüben im Schokoladenkuchen sind natürlich ein Alleinstellungsmerkmal, das man nicht so einfach übergehen kann.

    Wobei für mich bei Abwandlungen sich eh auch die Frage stellt, ab wann’s wirklich ein eigenständiges Rezept wird. Weil wenn ich z.B. beim Gemüsefond aus Modernist Cuisine statt der französisch angehauchten Gemüseauswahl des Buchs die hierzulande als „Suppengrün“ angebotene Mischung mit Knollensellerie und Liebstöckel verwende, ist das deswegen noch nicht neu.

  15. Johnny Walker sagt:

    Ich bin relativ neu in dem Ganzen, bin jedoch ziemlich schnell selbst Opfer einer bestimmten Art von „Kupfern“ geworden. Mir wird ein ganzes Event/Bewegung streitig gemacht. Es scheint echt Foodblogger zu geben die keinen Respekt haben und nur an sich selbst denken, obwohl keine Schande in einem Verweis besteht.

    Finde ich echt gut, dass es mal zur Sprache gebracht wird.

  16. Gut, dass Katharina hier einmal den Finger in die Wunde legt. Leider ist Kupfern nicht nur Teil des Geschäfts der Kochbücher und Zeitschriften sowie der Foodblogger. Auch Köche kupfern gnadenlos bei anderen Köchen (meistens die Avantgarde), ohne auch nur daran zu denken, die Quelle ihrer „Inspiration“ anzugeben. Auch hier wäre der Respekt, also ein „Dankeschön“ für das Verwenden von urheberrechtlich leider nicht geschützten geistigen Eigentum, in Form einer Quellenangabe nichts, wo jemandem ein Zacken aus der Krone fallen würde.

  17. Die Grundproblematik besteht wohl auch darin, dass wir in einer Gesellschaft der ungenierten Nachmacherei, Abkupferei und Fakerei leben. Das Straßenbild ist geprägt von gefälschten Marken und kaum jemand stößt sich mehr daran, wen wundert es dann ,dass auch Rezepte respektlos eins zu eins ohne Quelle übernommen werden, wobei ja das Problem darin besteht, dass handtaschenfaken zwar verboten ist, auf Rezepte gibt es aber kein einklagbares Copyright, außer man lässt sich ein Rezept schützen, und das ist meines Wissens auch kaum möglich. LG Claudia

  18. So ist es leider, liebe Claudia. Ein Leitartikel im Spiegel – zwei Wochen später ist die Story im profil oder anderswo. Eine Werbekampagne gegen Alkohol am Steuer in England – ein Jahr später wird der Spot von einer Wiener Agentur nachgestellt. Geistiges Eigentum und Ideen, die wichtigste Wirtschaftswachsumsmaschine sind generell nicht schützenswert. Die Gratismentalität des Netzes hat zu dieser Einstellung noch einiges beigetragen. Ich habe eine zeitlang in einer Onlineredaktion gearbeitet. Hier gehört das Plündern von Inhalten anderer Redaktionen und Seiten fast zum Arbeitsauftrag, denn für eigenständige Recherche fehlt Zeit und Geld. So glaube ich auch, dass den Redakteuren von e&t kein großer Vorwurf zu machen ist. Es hat sich eine dumpfe Mentalität der Nichtachtung von geistigen Urheberrechten breit gemacht. Nur die Fotografen haben es geschafft, ihre Copyrights zu verteidigen.

  19. susa sagt:

    Ein paar Gedanken:

    Es ist mir selber schon passiert, dass mir Ideen zur Zubereitung eines Gerichtes gekommen sind, ich mich ans Kochen und Probieren gegeben habe und ich nachdem ich das Rezept geteilt hatte, feststellen musste, dass andere sie so oder ganz ähnlich auch schon hatten. Vieles liegt einfach in der Luft und wird von vielen Menschen aus ganz unterschiedlichen Ecken aufgegriffen.

    Und so richtig neu ist ja kaum etwas, eigentlich nichts. Gibt es wirklich im Bereich der Küche der Koch/Backrezepte Dinge, die so neu sind, so anders, so einzigartig, dass sie nicht schon einmal irgendwo gekocht und auch dokumentiert wurden. Insofern befremdet mich oft der Anspruch von Köchen (und sehr vielen Foodbloggern) auf die Einmaligkeit ihrer Rezepte und ihre Urherberschaft derselben.

    Nichtsdestotrotz kann man sehr oft mit 3 Klicks durchs Internet feststellen, wo ein Rezept herrührt und wo diese Quelle wiederum ihre Quelle hat. Dann mutet es schon seltsam peinlich an, wenn diese Quellen mit keinem Wort erwähnt werden. Insofern würde ich ein Argument, dass es einer Redaktion nicht möglich sei, festzustellen, dass es ein Rezept bereits gibt, nicht gelten lassen. Mir wohl die Frage stellen, ob sie diesen Aufwand leisten wollen/können.

  20. Micha sagt:

    Mit I-net ist es ein Leichtes, ein Rezept kurz zu googlen – da gibt es wenig Ausreden. Für mich war dieses *Mit fremden Federn schmücken* schon immer ein Ärgernis. Wenn ich da nur an Kunstakademie-Zeiten zurückdenke… jeder wollte ein Original-Genie sein, als hätte es davor nur ein wabberndes Nirvana gegeben.

    Natürlich KANN es vorkommen, dass man eine Quelle nicht mehr benennen kann. Aber oft hat man doch den Eindruck, dass System dahinter ist. Oder die Befürchtung, dass es einen selbst schmälert, wenn man sich zum Abkufpern bekennt.

    Auch was das Bloggerleben angeht (nehmen wir nur das übersichtliche Feld der deutschsprachigen Foodblogs), da stimme ich Juliane zu, werden Querverweise auf Blogger-Kollegen immer seltener.

    *Nachahmung ist die schönste Form der Bewunderung* heißt es. Schade, dass der Egoismus einzelner zumehmend Blüten treibt.

  21. Ulrike sagt:

    Also Rote Beete mit Schoko zu kombinieren, das habe ich aus dem Good Food Magazin 2010, nachgebacken und die Quelle genannt ;-), hat also Janet von Nigel …?

  22. Nadja sagt:

    Ich als Germanistin (und Zitiergeschädigte) gebe immer die Quelle mit Amazonlink oder Verweis zum Blog an, wenn es eine gibt. Das gehört sich einfach so und es nicht zu tun, find ich eine ziemliche Frechheit, ist ja schließlich Diebstahl am geistigen Eigentum. Einfach so Rezepte erfinden ist schließlich eine Kunst, die gewürdigt werden sollte!

    Liebe Grüße
    Nadja

  23. chris sagt:

    Also ich werde hier etwas sagen und das wird viele nicht erfreuen,

    viele Rezepte sind kopiert und man nennt es mehr oder weniger nicht, da man es nicht von Nöten haltet. Ich persönlich finde Quellenbezeichnung als störend!!!

    das Rote Rüben Schokorezept gibt es schon seit ca. 2008 in Australien, da habe ich es das erste mal gesehen! und jetzt….

    mich stört es nicht, viele Leute kommen gleichzeitig auf die selben Ideen weltweit.

    in der Welt der Gastro wird genommen und gegeben, viele sind schon seit Generationen so unterwegs und das Rad kann man nicht Neu erfinden.

    auf alle Fälle ich verstehe die Aufregung nicht!?!

  24. Nathalie sagt:

    @katha
    Der „Traum“ mancher, vielleicht auch vieler neuer Kochblogger ist es, ein Buch herauszubringen oder „sonst irgendwie berühmt“ zu werden. Wenn Du aber immer schön die Quellenangabe hinschreibst, wirst Du nie ein „eigenes“ Kochbuch veröffentlichen können. Ein Grund für das Fehlen von Quellenangaben?
    (Ich schreibe nicht nur immer die Quelle, sondern bei Abwandlungen auch die Inspirationsquelle.)

  25. Antje Radcke sagt:

    Danke für deinen Beitrag, *katha*. Freue mich riesig, dass dieses Thema einmal angesprochen wird. Letztens hatte ich zwei Aha-Erlebnisse in Sachen Abkupfern:

    1. Ein für mich relativ neuer (englischsprachiger) Food-Blog aus Malta hatte mich begeistert – und ich suchte per Google nach einer bestimmten dort verwendeten Zutat, die ich nicht kannte. Und der erste Treffer war ein völlig anderer Blog mit exakt demselben Rezept (und einem deutlich früheren Erscheinungsdatum). Seitdem lese ich den Malta-Food-Blog mit deutlich weniger Begeisterung.

    2. Eine andere Bloggerin schilderte ausführlich ihr Scheitern mit einem Gebäck, das von der Beschreibung her eigentlich nur aus meiner Küche stammen konnte. Nun hätte ich ja vielleicht froh sein können, dass sie mich in diesem Fall nicht genannt hatte – da aber mein „Butterscotch auf Mascarpone-Mürbchen“ aus meiner Sicht perfekt geraten war, hätte sich eine tolle Diskussion über Methoden und Techniken, Do’s and Don’ts entwickeln können. Ging aber nicht – auch weil die Dame die Kommentarfunktion gleich ganz ausgeschaltet hat.

    Mir scheint, viele haben das Wesen des Bloggens nicht wirklich verstanden. Bei meinen Blogposts frage ich mich zwar manchmal, ob ich es nicht übertreibe mit den (Inspirations-)Quellenangaben. Aber seit ich das zu einer Selbstverständlichkeit gemacht habe, meine Quellen immer zu nennen (auch dann, wenn das Ursprungsrezept kaum noch zu erkennen ist), wird mein Blog deutlich stärker frequentiert und die Kommentare nehmen zu – weil viele inzwischen gemerkt haben, dass das Bloggen aus Geben und Nehmen besteht.

    Und meine eigenen Kreationen, die auf „gedruckte“ Quellen zurückgehen, veröffentliche ich nur, wenn sie a) deutlich abgewandelt sind und b) die Quelle eindeutig genannt wird.

    Vielleicht sollten wir mal so eine Art Verhaltenskodex für Food-Blogger/innen entwickeln…

  26. Selbst erfundene Rezepte sind wahrscheinlich höchst selten und es ist selbstverständlich, dass man seine Quellen oder Inspirationen mit dazu schreiben sollte. Das gebietet die Netiquette. Warum e&t so offensichtlich abkupfert…? Peinlich, peinlich. Aber ich sehe das Ganze nicht so negativ – ich finde eigentlich sehr viele Querverweise gerade auch bei den deutschsprachigen Foodbloggern. Es gehört doch fast zum guten Ton, bei jedem mitzulesen und auch die Verbeugung zu hinterlassen, wenn man sich eine Inspiration abgeholt hat. Zumindest ist es so bei den Blogs, die ich lese, aber vielleicht lese ich sie ja gerade deshalb?! Schönen Sonntag!

  27. katha sagt:

    da bist aber jetzt schon ein bissl pepstlicher als der papst, pepe. du machst dir ja im gegensatz zu so vielen diese gedanken, aber übertreiben müssen wir alle nicht, mit einem elendslangen appendix. bei blogs lässt sich das allerdings so schön verlinken, das ist ja gar kein problem.

    danke, johnny walker.

    natürlich gilt das für lokale genauso, alexander, da wird’s aber bis auf extremfälle, die wir alle kennen, wirklich schwierig. wenn da wer 1:1 kupfert, dann frage ich mich, wo der oder die sein/ihr hirn abgegeben hat, oder, noch mehr, was er/sie unter kochen versteht. reproduzieren ohne freude am kreieren?

    genau, claudia, es gilt ja auch als gesellschaftsfähig, auf der jagd nach dem billigsten schnäppchen, das „ausschaut wie“ zu sein. eigenartige mentalität.

    es geht mir weniger um den konservativen schutz des geistigen eigentums als um die geste des honorierens der (vor)arbeit anderer.

    stimmt, alexander, bei fotos haut das wesentlich besser hin (übrigens auch das mit den honoraren…).

    danke für deine gedanken, susa, aber genau das „so ähnlich“ ist doch der spielraum, den wir haben! das ist ja alles kein großes problem, solange nicht offensichtlich 1:1 gekupfert wird, weil man zu faul zum arbeiten oder zu blöd zum ändern ist. (sorry für die deutlichen worte.) deinen letzten satz habe ich mir gedacht, aber das thema nicht so weit ausreizen wollen. denn es geht (mir) auch hier nicht um die kontrolle derer, die vielleicht flunkern, sondern um die vorbildwirkung derer, die zitieren.

    solange „nachachmen“ nicht synonym mit „abkupfern“ verstanden wird, bin ich ganz deiner meinung, micha.

    gutes beispiel, ulrike, denn das von dir zititerte brownie-rezept ist so völlig anders als slaters, das ist die freiheit, die wir beim rezepte schreiben und abwandeln haben. aber ja, vielleicht hat janet ursprünglich bei nigel… (guter geschmack, immerhin)

    das klingt fast nach einer noch radikaleren ansicht als meine, nadja, es gibt da (beruflich) schon zwickmühlen. bei blogs gebe ich dir recht.

    quellenangaben als störend zu bezeichnen finde ich (nicht nur in diesem zusammenhang) ziemlich befremdlich, chris. aber was mich viel mehr interessiert: was war das für ein rezept aus australien? spannend!

    ich weiß nicht, ob dieser schluss zulässig ist, nathalie. ich weiß, du vermutest, dass das die motivation dahinter ist, dass viele blogger/innen nicht zitieren. aber glauben sie wirklich, sie kämen alleine durchs weglassen von quellenangaben zu einem buchvertrag? kein verlag lässt sich doch von einer rezeptliste blenden, die nichts eigenständiges, zusammenhängendes, keine handschrift aufweisen kann. aber gut, träumen darf man ja ;-)
    (und stimmt, du machst das wie einige deiner vorkommentator/inn/en auch immer schon vorbildlich.)

  28. die deutschen food-blogger haben das auch schon thematisiert. tina von lunch for one hat schon einen ersten entwurf verfasst: http://www.lunchforone.de/about-me/kodex-ethische-grundlagen/

  29. Tina sagt:

    Die Angabe meiner Inspiration – egal ob es nun aus Mama’s Rezeptsammlung stammt oder von einem lieben Bloggerkollegen- gehört für mich zum guten Ton.

    Sind wir mal ehrlich, wieviele der täglich gekochten oder gebackenen Rezepte haben wir uns selber ausgedacht? Die Grundidee wird zu 95% irgendwo abgekupfert, egal ob es die Kombinationsidee ist oder ein Rezept einfach abgewandelt wird.

    Es ist wirklich schade, dass die wenigstens noch verlinken. Ob es an der Buchidee liegt, die Nathalie nennt, bin ich mir aber nicht sicher. Faulheit? Man möchte nicht als „nachkocher“ dastehen?

  30. Verena sagt:

    Ob Kochrezepte unter Urherberrecht fallen oder nicht ist doch sekundärt. Es geht wie du so treffend ausführst um den Respekt gegenüber der Leistung von anderen. Und sind wir ehrlich, ohne die Inspiration die wir durchs Lesen, Bewundern, Verfolgen der zahlreichen anderen Food-Blogs erhalten, wärne die meisten von uns nicht mit einem eigenen Blog im Netz.
    Web wird oft als Selbstbedienungsladen missverstanden, ob für Bilder, Texte, Meinungen, Rezepte. Web macht das partizipieren an der Leistung von anderen möglich – auch dadurch, dass wir auf diese verweisen.
    Und für mich als Leserin der Mehrwert: Ich habe so schon oft wieder neues entdeckt.
    Einmal mehr ein grosses Dankeschön für dein offenes Engagement!

  31. chris sagt:

    befremdend?
    wenn jemand seinen Egomanen immer und überall genannt haben will, kann es nie zu einem Kulturgut werden! in meinen Augen ist Essen ein Teil der Kultur und somit Eigentum der Öffentlichkeit- damit auch die Rezepte! Oder sind alle Kochbücher immer wieder neue Erfindungen? dann ist das was Monsanto mit Ihren Genmanipulationen macht auch nichts anderes! Jede Abwandlung eines Rezeptes währe somit eine Verletzung und das kann nicht sein!
    Nah wer hat des Wiener Schnitzel erfunden und warum gibt es da keine Quellenangabe? Ach das ist über Jahrzehnte schon so und deshalb verzichtete man darauf? erst durch das Abkupfern entstehen Tends! weil auf einmal viele Leute ihre Ideen dazu bringen und es kann Anfangen zu Arbeiten.
    ja wenn es ein Signatur Dish ist kann ich es verstehen! Aber ansonst nicht!

    Jeder sollte das machen was ihm Freude bereitet und alles andere lassen!

    schönen Abend noch!

  32. So. Ich hab mir das alles jetzt ein paar Mal durchgelesen. Ich finde, Quellenangeben sind für mich selbstverständlich und ja…Ehrensache. Außer bei steinalten Familienrezepten nenne ich immer die Inspirationsquelle.Ich habe mich schon in manchem Blog gewundert, dass niemals Quellen angegeben werden – alles Genies, die das Rad neu erfunden haben? Und ich gebe auch zu, dass ich mich ein bisschen ärgere, wenn hochgelobte Blogs (mit Buchvertrag) Dinge als ganz toll vorstellen,die andere auch schon seit 100 Jahren so kochen. Ich gebe selbstverständlich immer Quellen an, weil, irgendwoher habe ich ja meine Ideen. Andererseits lasse ich so gut wie nie ein Rezept unverändert. Ich habe andere Ideen, oder irgendwas passt mir nicht, oder ich ersetze Zutaten…ab wieviel neuen Ideen ist das Rezept denn „meins“? Eine ziemliche Grauzone. Und vielleicht eine Frage, wie groß das Ego ist….

  33. Ein wahrlich interessantes Thema, zu dem ich nochmals dazusenfen muss. Ich persönlich mache keine Quellenangaben, weil ich schlichtwegs noch nie , wirklich noch nie ein Rezept eins zu eins nachgekocht habe.Beinahe alles was ich in meinem Blog poste stammt von meiner seligen Omi, bei der ich die Kocherei erlernte und ich finde es unnotwendig mich in jedem Beitrag bei ihr zu bedanken, da sie es nicht mehr lesen könnte. Die restlichen Kreationen stammen von mir, weil ich mich auf Grund der Thematik meines Blogeinhaltes ausgiebig mit der Umsetzung der Rezepte auseinandesetze. Tja, natürlich lass ich mich inpirieren, aber nur eine Idee umsetzen halte ich nicht für geistigen Diebstahl. Wogegen ich mich wirklich verwehre, das ist kopieren und abschreiben ohne Quellenangabe und Hinweis. Und das sollte vorallem nicht passieren, wenn die Abschreiber und Kupferer professionelle Schreiberlinge sind.LG Claudia

  34. Eline sagt:

    Quellenangaben bei Rezepten sind so eine Sache. Bei Grundrezepten, wie Topfenblaetterteig, Strudelteig, Wiener Schnitzel, … finde ich Quellenangaben genau so unnoetig wie ich es peinlich finde, wenn jemand die Urheberschaft an so einem Basic-Rezept beansprucht. Das machen nicht nur Blogger gerne sondern auch die geschickten Vermarkter traditioneller Regionalkueche, wie Frau Harzan, JO oder Ottolengi. Minestrone ist Minestrone, auch wenn Jamie Oliver draufsteht, und die vielen Klassiker der levantinischen Kueche werden von Ottolengi auch nur variiert und zusammengewuerfelt.
    Bei echten Eigenrezepten von grossen Koennern gibt es ja oft Streit um die wahren Kreateure. So ist es immer noch ungeklaert, welcher Sternekoch erstmals Jakobsmuscheln, Rosinen, Kapern und Karfiol kombiniert hat: Vongerichten, Haas oder doch wer anderer?
    Rein rechtlich ist man ja schon aus dem Schneider, wenn man nur eine winzige Variante in ein Rezept einbaut – eine Prise eines anderen Gewuerzes und schon hat man ein Eigenrezept. Ich finde das hoechst unsauber, aber man kann kaum was dagegen machen. Ich koche kaum nach Rezepten anderer, wenn dann verweise ich darauf. Wenn mich ein Gericht inspiriert, dann verweise ich auf den Koch oder die Koechin, das Restaurant, das finde ich selbstverstaendlich, auch wenn letzlich mein Gericht ganz anders wird.

  35. missboulette sagt:

    katha, jetzt muss ICH aber etwas grinsen. im nachhinein liest sich mein letzter beitrag wie eine kleine „pflichtantwort“ auf diesen hier. aber keine angst, mein dank brauchte nicht angestupst zu werden, wurde vorher verfasst und war ehrlich empfunden. ;) denn ich muss zu meiner schande gestehen, dass ich erst jetzt auf deinen wichtigen beitrag gestossen bin (asche auf mein haupt – bin kein taeglicher blogger/leser).
    wichtig und richtig all deine ausfuehrungen, wobei ich auch oft einfach ein fehlendes bewusstsein vermute als boesen vorsatz (mal von den schwarzen schafen abgesehen). aber nimmt nan sich vor nach dem „vorbild“ der meist englischsprachigen blogs direkt unter dem rezepttitel quelle und auch via link zu benennen, sollte dieser wichtige punkt nicht so leicht einer bequemlichkeit/nachlaessigkeit zum opfer fallen. diese „via“ links finde ich im uebrigen genauso wichtig, sie dienen der darstellung der inspirationsquelle, auch wenn sie vielleicht nicht die rezeptquelle an sich sind. sobald etwas eine idee oder einen (koch)impuls in mir entzuendet, ist es doch wert, genannt zu werden. alles rechtlich nicht erforderlich zwar, aber seit wann sind ausschliesslich juristische vorgaben der massstab fuer den umgang miteinander? wie du schon meintest: es ist die verneigung/wertschaetzung vor der leistung anderer.
    und am we gehe ich tatsaechlich nochmals alle meine nachkoch-posts durch, ob sich irgendwo ein fluechtigkeitsfehler eingeschlichen hat. ;)

  36. Frau Ziii sagt:

    Ich finde, dass das eigentlich Spannende ja immer die Geschichte um ein Rezept ist, wie es zu einem Gericht kommt oder wo dieses herkommt. Rein rechtlich gesehen sind die Zutaten eines Rezeptes gar nicht schützbar. Da braucht KochInn nicht einmal was zu verändern. Das hat einen Grund. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen es gibt, die täglich kochen, ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich pfurz wer als erstes die Rosinen in die Pfanne zu den Jakobsmuscheln gehauen hat oder die Roten Rüben in Schokolade tunkt (Copyright by Frau Ziii ;) Ebenso sind Diskussionen lächerlich, wenn es um Rezepte geht, die zum Standardrepertoire ganzer Generationen gehören.
    Ich teile die Meinung von Chris. Hätte es nicht diese Unmenge an Magazinen, Foodbloggern und sonstigen Verbreitern des Kuchenrezeptes gegeben, würde es heute noch unbeachtet in Slaters Kochbuch stehen. Köche wie JO oder Ottolenghi (und auch Slater) sind ja nicht berühmt, weil sie Rezepterfinder sind. Dass JO die Minestrone nicht erfunden hat, wissen eh alle. Soll er jetzt alle Menschen bedenken, die jemals ein Minestronerezept veröffentlicht haben? Diese Köche sind Stars, weil sie, aufgrund ihres sicheren Griffs, trendtaugliche Rezepte aufspüren, verändern, anpassen und für deren Verbreitung sorgen. Außerdem können Sie kochen und die Betonung liegt auf dem Wort außerdem. Sie verfügen zusätzlich über Fähigkeiten, die über das Kochen hinausgehen und ganze Heerscharen von Menschen an den Herd ziehen. Andere (Sterne)köche können halt außer Kochen oft nix. Das reduziert sie eben auf die Arbeit in einem Restaurant und, im besten Fall, eines Buchautors mit Ghostwriter. Ob er der erste Muschel-Rosinen-Kombinierer war oder nicht, interessiert nur wenige.

    Aber, und hier gebe ich Katha recht, es ist eine Frage des Respekts, den ich als Verbreiter (meinem) Urheber entgegenbringe, indem ich auf die Quelle verweise. Quellenverweise gehören zu den guten Umgangsformen und die hat bekanntlicher Weise nicht jeder. Wobei für mich als Foodblogger die Diskussion um das objektive Urheberrecht weniger ausschlaggebend ist, sondern vielmehr, wer oder was für MICH den Ausschlag gegeben hat. Als störend finde ich Quellenverweise in Foodblogs daher auf keinen Fall und so komme ich wieder auf den Anfang zurück. Das eigentlich Spannende ist das Drumherum… und jeder, der dies umgeht, aus welchem Grund auch immer, bringt sich und andere um einen wesentlichen Teil des Vergnügens. Und wenn es dem JO seine Minestrone war, die mich zum Kochen gebracht hat, na bitte. In diesem Sinne hätte sich Slater sicher eine Erwähnung verdient, ob jetzt er oder der Gigl oder der Gogl der Erfinder war.

  37. Hesting sagt:

    Ich hab ja gestern doch noch eine Oster-e&t bekommen (die waren schon weggepackt, weil heute die neue Ausgabe kommt) und muß gestehen, daß ich ausgerechnet bei den Rezepten für den Kranz und die Zitronenmousse auch stutzig geworden bin. Manche Schritte finde ich viel zu schwammig beschrieben und in der Hobbyküche nur bedingt umsetzbar.

    Jutta „Schnuppschnüss“ hatte die Anzahl der Werbeseiten ja vor ein paar Tagen aufgeschlüsselt. Im Zusammenhang mit den fraglichen Stellen in den Rezepten bin ich geneigt, an ein Platzproblem zu glauben. Vermutlich kennst Du das ja auch: Du hast etwa eine Seite Text, darunter eine oder mehrere Unterschriftsfelder. Das letzte Unterschriftsfeld rutscht auf die 2. Seite. Fummelst Du dann nicht auch so lange herum, bis alles auf eine Seite paßt?

    Keine Entschuldigung, nur eine Theorie meinerseits.

  38. Quellen zu nennen zeigt Respekt – umzuwandeln eine Erweiterung des Geschmackshorizonts dieses Gerichts.
    Wenn ich offline für wen ein Rezept aufschreibe (was auch schon mal passiert) nenne ich den Blog dazu.

    manche Verlage versuchen das foodbloggen von „ihren Rezepten“ vorzubeugen. Beim AV-Verlag steht explizit im Impressum einiger Bücher folgendes: Abdruck und Speicherung in elektronischen Medien nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung durch den Verlag.
    das finde ich sehr problematisch, da gute Rezepte ein Weltreise antreten und man den Ursprung nicht immer zurückverfolgen kann. und selbst wenn man aus diesem Buch direkt das Rezept hat, dann liest das Impressum doch fast keiner, außer Bibliothekare die das Buch katalogisieren.

  39. Ein Chocolate Beetroot Cake ist mir zum erstenmal in America The Beautiful Cookbook von 1990 aufgefallen, dort ist es unter California eingereiht.
    http://www.amazon.com/America-Beautiful-Cookbook-Phillip-Schulz/dp/000215854X/

    „The recipe was brought to California from the Midwest by covered wagon more than a century ago and is just as miraculous today as it was then.“

    Quellenangabe ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Ich will ja auch selbst nach Jahren noch wissen, woher ich das Rezept habe – und sei es nur, um etwas im Original nachgucken zu können.

  40. Barbara sagt:

    Wie so oft teile ich Deine Auffassung und Meinung. Du kannst das nur viel besser formulieren als ich das je könnte. ;-)

    Mir fällt seit Jahrzehnten auf, dass Rezepte in Printmedien und deren Online-Angebot 1:1 abgekupfert werden, das scheint Usus. Beim Bloggen achte ich darauf, Quellen zu nennen, wenn ich mich daran erinnere. Manchmal liest man ja auch etwas, vergisst das wieder und Wochen oder Monate später macht man irgendetwas und nutzt unbewusst oder unerinnert etwas als Inspiration, an das man sich nicht mehr aktiv erinnert.

    Mein (subjektiver) Eindruck ist, dass in der deutschsprachigen Foodblogger-Welt früher mehr nachgekocht und mit Quellenangabe veröffentlicht wurde und inzwischen mehr erscheint, das suggeriert, dass es auf dem eigenen Mist gewachsen ist, was es aber oft nicht ist. Ich persönlich freue mich auch, wenn jemand etwas nachmacht und auf mein Rezept verweist; wie Du schreibst, das ist ein „Danke“ für die Mühe, die ich mir mache.

    Teils gab es schon Rezepte, die durch massenweise Blogs gingen, z.B. die ungarischen Kakao-Schnecken, die rote Linsensuppe mit Limettenschmand oder Ottolenghis gegrillte Auberginen mit Safranjoghurt. Überall wird das Rezept anders interpretiert, abgewandelt, sieht anders aus. Das macht Spaß und das macht für mich das Bloggen aus.

  41. katha sagt:

    willkommen, sugarprincess yushka. die blogs, die ich lese, handhaben das interessanterweise sehr unterschiedlich. mir wäre lieber, es wäre anders.

    danke für den link, zwergenprinzessin. das ist ein guter ansatz, aber bei vielen gibt’s noch überhaupt kein problembewusstsein.

    dein letzter satz. das halte ich für ein grundsätzliches problem, tina. was zur hölle ist am „nachkochen“ schlecht? es nimmt mir arbeit ab, wenn ich keine zeit habe, ich brauche viele fehler nicht selbst machen, es gibt vorhersehbare ergebnisse. nicht jede/r muss das rezeptrad neu erfinden. viele sind zufrieden, wenn sie ein gutes rezept erfolgreich nachkochen. ich im übrigen auch oft.

    danke, verena, für deine rückendeckung! der feine unterschied recht und respekt, der wird auch hier in den kommentaren nicht überall gemacht, was mich wundert.

    der vorletzte satz zählt, chris, aber eines lasse ich nicht gelten: urheberrecht mit egomanie gleichzusetzen. das ist, mit verlaub, blödsinn.

    grauzone, genau, magentratzerl. auffällig wird’s dann, wenn nie irgendwelche quellen oder inspiration genannt werden. das gefällt mir nicht.

    das sind auch zwei verschiedene dinge, claudia. was gegen eine hommage an deine omi spricht, weiß ich nicht, aber gegen 1:1 kupfern spricht viel. zumindest ich möchte mich gerne in der früh in den spiegel schauen können oder am abend das gefühl haben, nicht aufgrund einer leistung, die eigentlich andere erbracht haben, bezahlt zu werden.

    dieses „anpinkeln“ (markieren) von gerichten durch irgendeine ausgetauschte oder besonders auffällige zutat finde ich auch affig, eline. mir geht’s ja weniger darum, in stein gemeisselt und für alle ewigkeit den urheber/die urheberin eines gerichtes zu sehen, denn das ist ja bekanntlich unmöglich, sondern bei rezepten nachvollziehen zu können, warum und woher etwas wie entstanden ist. im internet ginge das problemlos, aber dieser eine satz scheint sich mit dem ego vieler autor/inn/en tatsächlich nicht zu vertragen.

    deshalb musste ich ja so grinsen, missboulette! ich weiß doch, dass deine strudelgeschichte nichts mit diesem seiserschmarrn hier zu tun hat. umso schöner, wie gewissenhaft und trotzdem unverkrampft, wie fröhlich und respektvoll du mit diesem thema umgehst. genau so meine ich das!

    im ersten absatz machst du’s dir zu leicht, frau ziii. denn wie schon mehrfach betont geht’s nicht um den (unmöglich und unsinnig zu bestimmenden) alleinigen urheber (waren eh nur männer genannt) eines gerichtes, sondern um die herleitung und den respekt gegenüber der kreativen arbeit anderer. auf was bestehendem basierend neues zu entwickeln ist sehr einfach. da lässt sich leicht reden. warum nicht nennen, dass und warum man die idee von dort und dort gut findet. oder, jetzt wird’s spannend, was man nicht gut findet und warum! denn: das bringt weiter. alle, die kochen.
    denn, und in deinem zweiten absatz sind wir wie so oft eh einer meinung: das drumherum ist spannend, und wie! und wenn wer nur das rezept lesen mag, selbst schuld.

    das, was du beschreibst, hesting, hat aber nicht unbedingt was mit kupfern, sondern mit den zwängen des (print)mediums zu tun. kürzen schadet selten, wobei ich bei kochrezepten vorsichtig mit dieser aussage bin. ich weiß schließlich, wovon ich rede ;-)

    ich würde das nicht als das verbot, rezepte aus den betreffenden büchern auf blogs zu posten, interpretieren, weltbeobachterin. sobald ich meine eigene note reinbringe, bin ich sowieso aus dem schneider. und wer würde schon ein rezept 1:1 aus einem buch auf ein blog stellen, ohne irgendeine anmerkung zur zubereitung?

    siehst du, petra, für kommentare wie deinen zahlen sich solche diskussionen aus. denn jetzt haben wir tatsächlich was gelernt. wie gerne würde ich bei vielen spannenden rezepten ideen zurückverfolgen, woher sie kommen, warum, wie sie ursprünglich gemacht wurden etc.

    danke, barbara, für deine gedanken dazu. ich hab‘ ja auch schon solche rezepte nachgekocht, aber ich versuche dann immer, bei der ursprünglichen quelle anzusetzen, so z. b. bei carlo bernasconis zucchinikuchen. und natürlich nenne ich buch und ideenspender – auch wenn ich das bei meiner variante gar nicht müsste, die ist nämlich in zutaten und zubereitung deutlich abgewandelt ;-)

  42. Michael sagt:

    es gibt immer mehr leute die einen sinn für creative commons (schöpferische allgemeingüter) entwickeln und die das abkupfern als sehr sehr unangenehm und stillos empfinden.

    es wird immer eine unsitte bleiben und ganz verhindern wird man das nie können, aber dagegen anschreiben und die ungustln nennen ist ein kleiner, in der summe aber recht wirksamer mechanismus.

    ansonsten: danke für den deinen super blog, verfolge ihn seit jahren, aber nicht wenn ich hungrig bin: dann würd ich überhaupt nicht mehr aushalten, so gut sind ideen und rezepte!

    alles liebe michael

  43. katha sagt:

    danke, michael, für die langjährige gefolgschaft und die rückenstärkung!

TRACKBACKS
  1. […] musste ich an Katha von Esskultur denken, die neulich einen sehr lesenwerten Artikel über das Abkupfern von Rezepten geschrieben hat. Sie hatte sich verständlicherweise darüber geärgert, dass in […]

  2. […] einmal mehr: Rezepte als leicht zu kopierendes Allgemeingut ohne Quellenangabe zu betrachten ist kein Kavaliersdelikt. Aber ich merke, ich schweife schon wieder komplett […]

  3. […] Esskultur hat einen interessanten Artikel zum Thema Kavaliersdelikt: kupfern geschrieben. Deshalb habe ich mich auf die Suche nach dem […]

  4. […] musste ich an Katha von Esskultur denken, die neulich einen sehr lesenwerten Artikel über das Abkupfern von Rezepten geschrieben hat. Sie hatte sich verständlicherweise darüber geärgert, dass in […]



einen kommentar schreiben