red h(e)aven

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wenn es einen kulinarischen indikator für bilderbuchsommer wie den heurigen gibt, dann den pfirsich. üblicherweise schmecken pfirsiche nicht, mehlig oder sauer. pfirsiche mögen es gerne warm, aber ich mag keine pfirsiche mit langen transportwegen und aus unbekannter herkunft. wenn, dann esse ich einen reifen, aromatischen heimischen bio-pfirsich. dieser logik folgend, habe ich bis vor zwei jahren gar keine pfirsiche gegessen. dann kam herr brunner. ihr erinnert euch?

Bildschirmfoto 2013-08-09 um 20.09.26

das war vor zwei jahren. aber das pfirsichdrama, das 2011 so schön begonnen und so unvermittelt geendet hatte, ging 2012 weiter. anfang august 2012 rief ich herrn brunner an, der das ziemlich lustig fand, und mir sagte (ich höre es, wie wenn es gestern gewesen wäre): „ich hab‘ mich schon gewundert, dass sie nicht anrufen. jetzt hab‘ ich keinen einzigen pfirsich mehr.“ das brachte innerfamiliäre schande über mich, denn schwiegermama t., gemeinsam mit schwiegerpapa h. die produzentin des besten pfirsichkompottes auf dem erdenrund, hatte sich auf mich und mein produktscouting verlassen. foodhunterin k aber hatte versagt. es war ein langer, harter winter ohne ein einziges glas pfirsichkompott, dafür mit häufigen spitzen, die eindeutig in meine richtung zielten.

für heuer hatte ich mir mitte juli „pfirsiche anrufen“ in den kalender eingetragen. wegen der arbeit an meinem neuen kochbuch (more to come) wurde daraus ende juli. herr brunner, den ich ob des vorjahresdebakels noch immer nicht persönlich kannte, begrüßte mich am telefon mit den worten: „jetzt hab‘ ich mir gerade ihre nummer raussuchen wollen. die pfirsiche sind reif! in drei tagen genau richtig für sie, bis mitte august.“ es wurde im familienrat nicht lange gefackelt (ich würde den teufel tun, einen weiteren pfirsichkompottlosen winter zu riskieren) und am heißesten tag des jahres (dem noch heißere folgen sollten) eine kleine pfirsichexkursion ins weinviertel anberaumt.

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alle, die nicht in/um wien wohnen, gehen jetzt bitte weiter, es gibt hier nur schmerzhaftes, unerreichbares zu sehen – in sehr vielen bildern mit expliziten inhalten.

alle wiener/innen hingegen sollten ihren terminkalender und ihren routenplaner konsultieren, denn diesen samstag, 10. august und ab montag, 12. bis vorraussichtlich donnerstag, 15. august, gibt es noch jeden abend von 18 bis 20 uhr die gelegenheit, reife bio-pfirsiche von familie brunner ab hof in prottes, nördlich von gänserndorf, ca. eine dreiviertelstunde von wien, zu kaufen:

frischobsthof familie brunner
josef-seitzstraße 6
2242 prottes
tel. +43 2282 4856
mobil +43 650 410 5529 (hubert brunner sen.)

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alle wiener/innen, die das terminlich oder fahrzeugtechnisch nicht schaffen, haben eine weitere möglichkeit: der biohof adamah hat brunners pfirsiche im sortiment, noch bis mindestens ende kommender woche, entweder im kistl oder bei den zahlreichen bauernmärkten. über adamah hatte ich schließlich selbst vor zwei jahren meine ersten red h(e)aven bezogen und bin ekke lughofer bis in alle ewigkeit dankbar, mir den kontakt zu brunners vermittelt zu haben. denn: familiensegen, langer, kalter winter und so.

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die geschichte nahm vor ort im pfirsichhain noch eine unvorhersehbare wendung: in all der hochsommerlichen pfirsichidylle sprach herr brunner von „weich“, wenn er einen erntereifen pfirsich an einem seiner mustergültigen bäume demonstrierte, meine finger (auch die des web- und sängermeisters sowie jene von schwiegermama und schwiegerpapa) registrierten allerdings eindeutig „hart“. ich fragte dreimal nach: „herr brunner, sie wissen ja, sie sind mein pfirsichheld, aber sind die wirklich so, wie ich sie haben will? reif?“ herr brunner antwortete „sicher sind die ausgereift, sonst fressen’s die wespen, außerdem kriegen sie ganz leicht druckstellen, die müssen sie nur ein paar tage liegen lassen, dann sind sie weich“ und muss sich beim dritten mal gedacht haben, die frau seiser mag ja ganz nett sein, aber einen sauberen pascher hat sie schon. und er hatte recht.

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wir kauften familie brunner, die seit 1986 genau diese gelbfleischige, aromatische sorte „red haven“ pfirsiche im nebenerwerb anbaut, und zwar auf ca. 500 bäumen, bio-zertifiziert seit 15 jahren, also knapp 20 kilo unserer meinung nach harte pfirsiche ab, durften einen ringlottenbaum beernten (siehe letztes foto, da esse ich gerade gierig eine frucht, anstatt anständig mit meinem pfirsichhelden zu posieren), bekamen von schwiegertochter michi einen zaubertrunk aus frisch gepressten pfirsichen, walderdbeeren, brombeeren und limette, während sohn hubert und herrn brunners frau gerti sich in den nächsten der drei gärten zum pflücken der (harten…) pfirsiche aufmachten. in der zwischenzeit wurde auch herr brunner zu hubert und das, obwohl ich weiterhin meine zweifel an der reife der pfirsiche hegte.

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von freitag bis sonntag befühlte ich alle paar stunden die pfirsiche. die stimmung war angespannt. in telefonaten zwischen schwiegereltern und uns wurde das wort „pfirsich“ vermieden. der großteil der früchte saß schließlich dort im kühlen keller und wartete aufs eingerext werden.

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was soll ich sagen: gerade vorhin habe ich nach 8 tagen den letzten pfirsich gegessen. kein einziger wurde schlecht. jeder einzelne hat fantastisch geschmeckt. ich habe noch nie in meinem leben so viele pfirsiche innerhalb einer woche gegessen. sie haben drei tage gebraucht. und dann wurde einer nach dem anderen genau richtig essreif. wir waschen sie kurz kalt ab, schneiden sie in viertel, plötzlich lösen sich die saftigen, keine spur mehligen pfirsichfruchtfleischviertel vom stein, die haut kann man mit einem messer problemlos im ganzen vom viertel abziehen. reif waren sie auch schon, als wir sie gekauft hatten, aber essreif, dafür haben sie genau die prophezeiten paar tage gebraucht. mein berufliches misstrauen hätte ich mir schenken können. natürlich hatte hubert recht. der baut schließlich seit 27 jahren pfirsiche an. dass eine daherg’rennte pfirsichessexpertin wie ich seine pfirsichanbauexpertise in frage stellt, darauf hat er bestimmt nicht gewartet.

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aber alles wurde gut, die pfirsiche wurden natürlich auch in mehreren auflagen des pfirsich-paradeiser-salates, in frühstücken (bircher müesli oder schafheumilchjoghurt mit pfirsich und gerösteten haselnüssen) und in mascarponecreme mit cantuccini, vin santo und pfirsich eingesetzt. und ratet, was mitte juli 2014 als bis dato einziger termin im juli im kalender steht.

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wer nicht wie ich schon zufrieden, pfirsichsatt und pfirsichglücklich ist, mit heißen hochsommertagen, die durch unzählige pfirsichpausen nicht nur erträglich, sondern eine aromatisch-saftige wonne waren, die/der mache sich auf den weg zu herrn pfirsichhelden brunner, hubert, und grüße ihn und seine familie schön von mir. oder zu adamah – dann heißt’s aber morgen früh aufstehen.

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ps: die bilder sind unbearbeitet. red h(e)aven schaut wirklich so aus.

kommentare

26 kommentare zu “red h(e)aven”

  1. Und jetz möchte ich SOFORT diese Pfirsiche haben…! Ich schicke meine WienerInnen dorthin und hoffe in Hamburg auf ein Carepaket mit ein eingemachten Leckereien… :-)

  2. Beate sagt:

    In meiner Kindheit gab es einen Pfirsichbaum in unserem Garten, bis ihn ein Unwetter in 2 Teile gespalten hat. Es war eine dieser Sorten, die man heute kaum mehr findet, die mit der unglaublich pelzigen Haut. Hatte man sich entweder durch Abreiben und Waschen oder durch Schälen bis zum Fruchtfleisch vorgearbeitet war es nur noch ein intensivster Pfirsichgeschmack und Saft. Pfirsiche und Erdbeeren kaufe ich ganz selten, weil gerade bei diesen Früchten die Realität sich selten mit der Vorstellung wie sie sein sollten deckt.

  3. katha sagt:

    ich würde beweisfotos anfordern, kitchenproofed, denn sonst sagen die wiener/innen, sie haben bloß ein paar bekommen und sie leider selbst essen müssen ;-)

    so ist es, beate, darum auch diese ode an den pfirsich.

  4. kaltmamsell sagt:

    So schlecht vor Neid war mir schon lange nicht mehr. Möglicherweise muss ich mir aus Selbstschutz eine Pfirsichallergie einreden.

  5. katha sagt:

    ach geh, kaltmamsell, denk dir einfach, die sind eh hart. (in bayern werden doch wohl auch wo anständige pfirsichhelden zu finden sein?!)

  6. Buchfink sagt:

    Ich muss Kaltmamsell Recht geben, denn ich wohne auch in Bayern und es ist äußerst schwierig, richtig reifes Sommerobst, z. B. Nekarinen oder Pfirsiche zu finden, auch im Bioladen nicht. Wenn du hart gekauftes Obst in die Schale legst, kannst du davon ausgehen, dass es fault bevor es reif ist. Sehr sehr schade.

  7. Lena sagt:

    Wie schön! Auch ich bin seit heute im Pfirsichhimmel. Vorhin beim Lieblingsmarktstand eigene Pfirsiche gekauft, es waren sogar gelbe und weiße. Was will frau mehr?

  8. katha sagt:

    das ist hier grundsätzlich nicht anders, buchfink, leider. diese pfirsiche waren ein glückstreffer, einer, der sich zum glück wiederholen lässt.

    und, sind sie schön aromatisch und süß, lena? wo bist du zuhause? oder anders gefragt: wie heißt dein marktstand bzw. der markt? dann können leser/innen, die aus deiner gegend kommen, vielleicht kommende woche noch ihr glück versuchen.

  9. Gregor sagt:

    Tolle Geschichte :)
    Muss ich unbedingt ausprobieren …

  10. Hihi, genau die hab ich wohl auch, weil ich gestern dem Adamah am Naschmarkt alle Pfirsiche abgekauft hab, die er gehabt hat. Ich hab mich durch den ganzen Naschmarkt gekostet und die vom Adamah sind’s geworden. Ein Teil wurde schon verkompottet, nun ist Chutney dran, der Rest ist schon drei Mal verplant. Danke für den Tipp mit dem Ab-Hof-Verkauf, den werde ich wohl in Anspruch nehmen!

  11. katha sagt:

    da musst du dich aber sehr beeilen, gregor, sonst geht’s dir so wie mir letztes jahr.

    glückliche turbohausfrau! ich würd‘ vor dem rausfahren zur sicherheit anrufen, weil wenn adamah schon keine großen mengen (mehr) hatte, gehen’s vielleicht schon zur neige. was sind die drei pläne?

  12. Im Nigel Slater-Obstkochbuch sind ein paar Sachen, die ich unbedingt ausprobieren musste/noch muss. Beim Adamah ist die Frage, ob er nur am Markt nicht so viel mit hatte oder ob er generell nimmer so viel hat. Und ehrlich gesagt muss ich nach 5 Kilo Pfirsich in 2 Tagen schon eine gewisse Pfirsichermattung meinerseits eingestehen, ;)

  13. katha sagt:

    pfirsichermattung gibt’s bei mir nicht, der web- und sängermeister hat gestern nochmal 10 kilo ab hof geholt. slater liegt somit nicht im kastl, sondern einsatzbereit, danke für den hint.

  14. oachkatz sagt:

    Eigentlich bin ich nicht neidisch, jetzt aber schon. Ich träume von den riefen italienischen Pfirsichen meiner Kindheit. Überlege nun, wie ich es einrichten kann, im Juli ’14 in prottes aufzuschlagen um dann Unmengen an Pfirsichen irgendwie nach Berlin zu schaffen oder einfach vor Ort aufzuessen …

  15. katha sagt:

    guter plan, oachkatz!

  16. hiwwelhubber sagt:

    … ich glaube, wir haben wirklich Glück bei uns im Rheingraben (auch wenn die Sommer hier gerne ziemlich heiss und stickig sind) – hiesige Pfirsiche gibts von gelb über weiss bis dunkelrot vin jetzt bis ca. Anfang September, und die Aprikosen – pardon: Marillen – mit gut einem Monat früher bis gerade jetzt auch in Hülle und Fülle – ok: letztere sind in der Wachau vielleicht wirklich NOCH besser…

    Schöne Grüsse vom HH.

  17. evelyn sagt:

    was bin ich froh, auch als steiererin auf wunderbare – reife pfirsiche zugreifen zu können!
    ein genuß – süß und wirklich heaven!

  18. Britta sagt:

    Ein schöner Artikel für den tollen Pfirsich :-)

    Und ich bin wieder froh, dass ich mitten in einer Obst- und Weinbaugegend wohne, bei uns gibt es oft gute Pfirsiche, diesen Sommer sind sie allerdings wirklich gut.
    Leider, leider habe ich aber noch keinen echten Weinbergpfirsich bis jetzt gesehen – das sind nämlich nicht die platten, sondern dunkelrote, sehr aromatische und nicht so süße Früchte. Gibt es sogar hier sehr selten und wenn ich mal welche ergattere, freue ich mich sehr darüber :-)

  19. Claus sagt:

    Das mit dem Nachreifen hab´ ich auch nicht gewußt! Ich geh´ dann mal hier auf die Suche. Wär´ doch gelacht…

  20. katha sagt:

    da hast du wirklich glück, hiwwelhubber. gutes, heimisches, reifes obst zu bekommen, ist in österreich ein bisserl wie lottospielen.

    bio. evelyn? magst die adresse für mitlesende aus der steiermark verraten? (für heuer wird’s eh zu spät sein, aber für kommendes jahr vielleicht.)

    danke, britta. und auch du gehörst zu den glücklichen mit deiner pfirsichversorgung. den weinbergpfirsich finde ich ja ein bisserl überschätzt. ich habe bei pfirischen aufgehört, nach sorten oder irgendwelchen spezialitäten ausschau zu halten, denn die trefferquote (sprich: einen reifen, saftigen, süßen, aromatischen zu erwischen) geht dabei gegen null. dass ich familie brunners pfirsiche entdeckt habe, war reiner zufall.

    nachreifen tun sie auch nicht wirklich, claus, sondern einfach nur nachgeben, weicher werden. sie müssen reif (kein grüner schimmer auf der haut, leicht vom stängel gehend) geerntet werden! hast du welche gefunden?

  21. brigitte sagt:

    ich habe heuer die niederösterreichische pfirsichernte (wegen unglücklichen umständen) schon wieder verpasst!

    ein last-minute-tipp für leute, denen es wie mir gibt: die sehr sehr guten südsteirischen weingartenpfirsiche reifen ende august/anfang september

  22. katha sagt:

    wenn man weiß, wo, brigitte ;-) hast du denn produzenten- und/oder einkaufstipps dafür?

  23. brigitte sagt:

    ah, jetzt bin ich zu spät dran, aber fürs nächste jahr dann: z.b. obstbau edegger, wildbach, bezirk deutschlandsberg

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  2. […] pfirsiche noch mindestens eine woche direkt ab hof oder bei adamah. in der kulinarischen notiz red h(e)aven habe ich 2013 meiner pfirsichfreude freien wortlauf gelassen und alles, was ihr wissen müsst, […]



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