wie schmeckt nach vegan? tag 6/7

frühstück

gefüllte banane (wer sagt, dass man die nicht zum frühstück essen kann?)

gyokuro

vormittagsverkostung

2 arbequina-öle bei ignacio, einer kleinen spanischen feinkost-weinhandlung, zu der ich schon ewig wollte, es aber erst heute (sardellen!) geschafft habe, mit erstaunlich gutem weißbrot von grimm (das steht hier nur, damit ich nicht vergesse, mir dort einmal einen laib zu holen und in gewohnter umgebung zuhause zu probieren)

mittagessen

klare schwammerlsuppe aka umamibombe von der schwiegermama mit grießknöderln aus „österreich vegetarisch“ aka butterkugeln vom web- und sängermeister, perfektes winterschneemittagessen

nachmittagskaffee

3 augen vom marillenkuchen (jetzt leider schon wieder aus)

ein geklauter bissen von des web- und sängermeisters meyerhupfstück

espresso

5-uhr-tee

earl grey von mama, heute frisch duftend in der post gewesen, danke, mama!

6-uhr-tarocco

freundschaftlich geteilt mit dagmar (frau adlerauge, die uns allen zum großen meyer-zitronenglück verholfen hat) und dem web- und sängermeister

abendessen

eines meiner lieblingspastagerichte: tagliatelle mit kohlsprossen & spinat (beides vom ernteanteil), meyer zitrone, fromage blanc, parmesan

konkret geht das so: pasta zustellen, kohlsprossen kurz dämpfen, geputzten, gewaschenen spinat dazu, keine minute lang mitdämpfen, währenddessen butter bräunen, knofelzehe dazu, gemüse tropfnass in die braune butter, salz, schwarzer pfeffer, meyer zitronenabrieb, fromage blanc (oder ziegenfrischkäse, den ich normalerweise nehme), tropfnasse tagliatelle noch kurz vor al dente, guter schuss olivenöl, eine knappe minute ziehen lassen, auf heiße teller, reichlich parmesan drüber (ich glaube aber, so oder so ähnlich habe ich euch das eh schon einmal erzählt, geht auch super mir grünkohl)

noch eine tarocco

das allerletzte stückerl meyerhupf

ominovore erkenntnisse

versucht einmal, anhand eurer kundenkartendaten bei eurem üblichen lebensmittelhändler eure verbräuche an bestimmten lebensmitteln in erfahrung zu bringen. mit der kundennummer und einem lichtbildausweis ist das kein problem, aber sehr erhellend. ich warte noch auf ein paar daten, dann werde ich die butter-eier-obers-verbräuche des jahres 2013 bekannt geben (wahrscheinlich ;-)).

ich bin froh, dass es in den letzten vier wochen hier auf esskultur bei mittlerweile rund 550 kommentaren zu meinem veganen selbstversuch bzw. der zeit danach bis auf diesen keine weiteren dieser art gegeben hat, sondern dass es möglich war (und ist), freundlich und respektvoll miteinander zu diskutieren bzw. auch seine meinung zu hinterlassen. dieser kommentar hier wurde heute von einer leserin nicht bei einem der veganen (oder post-veganen) tagebucheinträge gepostet, obwohl er dort hingehört hätte, sondern bei der kulinarischen notiz über das erscheinen von „österreich vegetarisch“ vom herbst 2012:

Wie kann man nur ein vegetarisches Kochbuch schreiben, wenn man nicht hinter der Gesinnung KEIN FLEISCH ZU ESSEN steht? Das heisst, sich selber in die Tasche zu lügen oder einfach den falschen Titel gewählt? Ohne Fleisch aus Österreich wäre besser gewesen. Dann  auch noch die Unverschämtheit  zu besitzen über Veganversuch zu schreiben und dieses dann mit Kalbsbäckchen zu untermauern ist unter aller Kritik.  Ich werde mir dieses Buch sicher nicht kaufen auch wenn vielleicht gute Rezepte darin enthalten sind. Nur journalistisch etwas aufzubereiten und zu vermarkten ist einfach zu wenig.
Karin

ich hole ihn hier noch einmal hervor, weil er ein problem verdeutlicht, das ich immer sehe, wenn es um „gesinnung“ und essen geht: mangelnde achtsamkeit. und, sorry, mangelnden weitblick. denn auch wenn ich auf aggressive und unhöfliche kommentare grundsätzlich nicht inhaltlich eingehe, so möchte ich schon eines klarstellen: jeder schritt zu mehr grünzeug auf dem teller und weniger schlecht gehaltenen viechern ist einer in die richtige richtung. davon bin ich überzeugt. wie ich diese schritte gehe, ob ich sie tanze oder hüpfe oder schlurfe oder stampfe, ob sie klein sind oder groß oder manchmal einer vor und zwei zurück, ob sie mit hüftschwung oder steif sind, in hosen oder im rock, das sei mir und jeder und jedem unbenommen.

nachtrag: gerade vorhin hat eine esskultur-leserin und food-bloggerin aus deutschland folgende nachricht in meiner facebook-chronik veröffentlicht:

Ich will dir schnell erzählen, dass meine Mutter vollkommen verrückt nach der Pomeranzenmarmelade ist. Heute hat sie am Telefon wieder davon geschwärmt, dass es eine reine Freude ist. Nach eigenen Angaben ist sie süchtig danach. Nächste Woche wird sie 75 Jahre alt und als ich ihr erzählte, dass ich ihr dann wieder ein paar Gläser mitbringe, hat sie sich ganz doll gefreut. Deshalb danke ich nochmals herzlich für das Pomeranzenmarmeladenseminar, das uns hier so viel Freude bereitet.

ich glaube, dafür bin (auch) auf der welt. das meine ich mit übers essen freuen und es wertschätzen und die freude drüber teilen. danke, jutta!

kommentare

15 kommentare zu “wie schmeckt nach vegan? tag 6/7”

  1. Foodfreak sagt:

    ich habe dein veganes Abenteuer mit milder Verwunderung und Respekt betrachtet, Kommentare wie der erste vorgestellte sind mir nicht fremd, da muss man (leider) ein dickes Fell haben. Pomeranzenmarmelade habe ich auch gerade wieder gekocht, eine der kleinen Freunde im Foodie-Dasein, In diesem Sinne; mach weiter so,

  2. hiwwelhubber sagt:

    Katha, nicht aufregen über dergleichen Kommentare, das ist einfach jener Fanatismus, der nur noch s/w sehen läst…

    aber du hast ja schon die richtige erwiderung getan: freute teilen, in sehr persönlicher weise!

  3. nada sagt:

    liebe katha, das ist einmal mehr gelegenheit für mich, mich bei dir zu bedanken, weils grad so passt. danke für die rezepte, in den kochbüchern und hier. danke für die bewusstseinsbildung, sorgsamer mit nahrung umzugehen. danke für die herausforderung und gleichzeitig ermutigung, dinge zu probieren, die für dem mainstream meschugge klingen, wie selber brot backen oder orangenmarmelade ohne geliermittel kochen. und ganz ein besonderes danke für deine wertschätzende haltung dem kleinsten schritt und dem mickrigsten versuch gegenüber, deine haltung gegenüber menschen, die es halt nicht so können oder denen das essen halt nicht ganz so wichtig ist wie dir und die auf ihre weise ein wenig mehr auf qualität (jetzt im besten wortsinn gemeint) achten. und danke dafür, wie du mit menschen umgehst, die ziemlich selbstgefällig diesen respekt vor anderen einstellungen und vor dir schmerzlich vermissen lassen. es ist immer wieder schön, dich zu lesen.

  4. Julia sagt:

    nicht ärgern, nur wundern, sagte meine oma immer. wenn unterschiedliche (ess)-gesinnungen aufeinander treffen, prallen welten aufeinander. warum, frage ich mich immer… ich glaube, weil der mensch schubladen braucht. und wenn er die nicht vorfindet, ist er verwirrt, der hund. dann bellt und beisst er und verliert das ziel aus den augen, nämlich den anderen mit all seinen auswüchsen zu respektieren. ich habe übrigens die schublade „frutti-di-marier“ aufgemacht. finden viele blöd, ist mir aber wurscht ;)

  5. Anja sagt:

    Ich habe Deine Posts in den letzten Wochen täglich gelesen. Und ich konnte Deine Probleme mit dem veganen Essen sehr gut nachvollziehen – ich bin ebenfalls ein absoluter Appetit-Esser. Der Gedanke das nicht tun zu können, nähme mir zu viel Genuss. Dazu kommen Kommentare wie dieser. Ich kann Absolutismus und damit verbundene Missionierung niemals ertragen. Und gerade hier löst es bei mir eine starke Abwehrhaltung aus.
    Was den Verbrauch an Lebensmitteln angeht – wir sind eine 4-köpfige Familie. Ich kaufe jede Woche mindestens 16 Eier und 3 Stück Butter. Also ja. Die Mengen über das Jahr addiert klingen schon sehr beachtlich.

  6. concuore sagt:

    danke fürs Teilen sowohl vegan als auch danach. Das es nur so wenig abfällige Kommentare gegeben hat zeigt doch auch, dass Du richtig kommunizierst.

    Daneben:
    Was sind das für „Kundenkartendaten“? So etwas wie Payback und co?

  7. katha sagt:

    danke euch allen, sehr!

    nada, stell bitte dein kulinarisches köchinnenlicht nicht unter den scheffel, ich freu mich sehr, dass wir uns auch endlich in real life kennengelernt haben, und danke für den speck! (und irgendwann hätte ich bitte sehr gern ein bratl aus dem holzofen …)

    concuore, in meinem fall sind das konkret billa vorteilsclub, friends of merkur und die denn’s kundenkarte. also kundenbindungsprogramme der großen (und kleineren) lebensmitteleinzelhandelsketten.

  8. Dan sagt:

    Die Idee, sich von den Supermärkten die erhobenen Kundenkartendaten zu holen, finde ich sehr gut. Das geht in Richtung quantified self und ist sicher interessant und aussagekräftig. Allerdings würde es mich wundern, wenn die großen Ketten wie Billa und Merkur da mitmachen würden.

    Der Kommentar, den du zitierst, ist für mich symptomatisch für die Tendenz einiger Leute, Essen als eine Frage der Weltanschauung zu sehen. Egal, ob es nun um Veganismus, Diäten, Paläodiät oder andere Trends am Ernährungssektor geht: problematisch wird es aus meiner Sicht, wenn jemand versucht, anderen diese „Glaubensrichtung“ aufzudrängen, ohne eine sinnvolle wissenschaftliche Argumentation dafür zu haben.

  9. duni sagt:

    So Kundenkartln hab ich nicht; ausserdem kauf ich mal bei den beiden Biomärkten in der hood, am Wochenende auf dem Markt, ab und an im Biosupermarkt, da ist es schwer, eine genaue Aussage zu treffen, was ich wann wo kaufeund wie sich das so übers Jahr läppert. Olivenöl zB beziehen wir im Kanister aus Umbrien, aber da verschenken wir auch einen Teil, kaufen andre Geschmacksrichtungen in Flaschen zu .

  10. irmi sagt:

    für die pomeranzen-liebhaberInnen: bei casa caria (7; kandlgasse 23) gibt es jetzt gerade ein frische ladung von bergamotten, pomeranzen, tarocco-orangen usw. vom bauern ihres vertrauens aus kalabrien.
    wer also pomeranzenmarmelade kochen mag, der kann sich dort, wenn er/sie sich sputet, mit feinen früchten eindecken…
    http://www.casacaria.com/

  11. mom sagt:

    Mich macht der zitierte Kommentar einfach (und ich meine das nicht sarkastisch) traurig. Dass da jemand durch die Welt geht und nicht würdigen kann, dass Platz genug für unterschiedlich radikale Ansätze ist. Diese Alles-oder-Nichts-Haltung, die macht mich traurig. Wieviel jemand, der so drauf ist, ausblenden muss, wenn er so durchs Leben geht, um sein Schwarz-Weiß-Denken aufrechterhalten zu können.

  12. Anna sagt:

    Ich habe über Buddenbohm auf diese Seite gefunden und bin sehr glücklich darüber.Ich habe deinen veganen Versuch mit verfolgt und die Kommentare und auch gleich mal das Rezept mit dem Quinoa-Salat ausprobiert. War lecker, zufällig vegan. Über Buddenbohms Kochbeschreibungen bin ich auf das Buch „Deutschland vegetarisch“ gestossen und habe einige der Rezept schon gemäß seiner Anleitungen ausprobiert. Das war alles super lecker. Das Buch habe ich dann zu Weihnachten bekommen. Ich habe noch nie aus einem Kochbuch so viele Rezepte ausprobiert (und ich habe einige Kochbücher). Mittlerweile besitze ich auch „Österreich vegetarisch“! Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Spätzle gemacht (viel Arbeit – aber jetzt will ich nie wieder gekaufte essen!). Was ich an diesen Büchern schätze ist die Übersichtlichkeit, interessante Arten zu würzen und bei allem bodenständig, d.h. ich bekomme die meisten Zutaten einfach oder habe sie sogar im Haus. Beim Kürbisstampf kann man den Kürbis super durch Mohrrüben und Pastinaken ersetzen und hat damit die Winterversion :-) Jetzt lese ich mich langsam durch den restlichen Blog. Ich habe diesen Kommentar gelesen und dachte: wie kann man nur so verbohrt sein. Deswegen melde ich mich mal aus meiner stillen Leserecke, um zu erzählen, wie gut mir dein Blog gefällt.

  13. judith sagt:

    das ist zwar jetzt völlig irrelevant, aber ich muss jetzt sofort gefüllte banane essen. und das geht mir – seit ich schwanger bin – ungefähr mit jedem zweiten rezept so, das du hier bringst :)

    über deinen veganen selbstversuch hab ich nie was geschrieben, fand es aber höchst höchst höchst interessant! bis dahin dachte ich immer, das veganer die wahren helden sind. und nu? komm ich drauf, dass mein jahrelanger weg, kritisch und zu sein und nahrungsmittel im zweifelsfall teurer zu kaufen, weil sie bio, fairtrade, regional und aus artgerechter haltung sind, doch der für mich richtigere ist. kein schlechtes gewissen mehr, weil ich hin und und wieder unbändige lust auf wiesenhendl, mit liebe gemachten eiern und co habe. merci soo viel!

  14. oachkatz sagt:

    Die Frage ist halt immer wieder, wo die Prioritäten liegen, was das Leben für den Einzelnen lebenswert macht. Soweit ich ihn durch diesen Blog kenne, liegt mir der Ansatz von katharina sehr: Optimierung von Genuss durch und unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit, Schutz und Respekt gegenüber unserer Lebensumwelt, unserer Ressourcen, behutsamer Umgang mit Lebensmitteln.
    Andere interessiert diese Art von Genuss nicht. Ganz spannend dazu in der taz vom letzten Wochenende: http://www.taz.de/Functional-Food-oder-Genuss/!131656/, spannend vor allem auch die Kommentare in der Onlineversion.

  15. katha sagt:

    danke für eure kommentare.

    willkommen, anna, und weiterhin viel vergnügen mit den büchern, das freut mich! und genau das, was du schreibst, nämlich manchmal gar nicht einkaufen gehen zu müssen, und sich trotzdem was frisches kochen zu können, das war auch eines der ziele, das ich mit dieser reihe im hinterkopf hatte.

    danke, judith, hat sie dir geschmeckt? und das, was du schreibst, finde ich bemerkenswert, weil es auch mir zeigt, dass ich nicht alleine mit dem grübeln und dann so entscheiden, wie ich es eben tue, bin.

    danke, oachkatz, für deine feine zusammenfassung. diese soylent-geschichte finde ich übrigens ganz fürchterlich erschreckend, aus mehreren gründen, wir haben das auch vor ein, zwei wochen mal auf facebook diskutiert.

einen kommentar schreiben