first eatact: fisherei

auch während des kochbuch schreibens (manuskriptabgabe in 14 tagen!) muss man/ich essen.

und weil mir und euch sonst die zeit davonrennt, endlich auch darüber schreiben, übermüdung hin oder her:

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seit der eröffnung der fisherei vor 4 wochen war ich 4x dort. jede woche 1x.

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wir könnten hier auch einfach gleich wieder schluss machen, dann käme ich endlich ins bett. denn ihr wisst ohnehin, was nach dieser einleitung zu tun ist: bis inkl. 18. 12. gibt es jeden di/mi/do von 17-21.30 uhr fish & chips in der fisherei am salzgries 15 in 1010 wien, die tagsüber das reisinger’s ist.

die zusammenhanglose und lückenhafte (denn die geschichte, wie’s zu diesem pop-up-lokal im eigenen lokal kam, wollte ich eigentlich auch noch erzählen, falle aber so schon vor müdigkeit unter den schreibtisch) langversion meiner ode an den knusperfisch lautet:

2008 waren wir in thailand. in bangkok habe ich knusprigen wels mit erdnüssen und grünem mangosalat gegessen. seit dem ersten bissen in den backteig der fisherei habe ich überlegt, woran mich diese zum deppert werden irre knusprigkeit erinnert. es war dieser fish in bangkok, der mir (auch wegen der anderen zutaten) nicht aus dem geschmacksgedächtnis geht, hoffentlich nie gehen wird.

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in meiner kindheit habe ich cocktailsauce und sauce tartare schon geliebt und diese liebe ist zum glück immer frisch und aufrichtig geblieben. adelheid reisinger und michael vesely von der fisherei/vom reisinger’s machen eine cocktailsauce, die sie verschämt (oder klug!) hausdip nennen, mit genau der ahnung von cognac, die nur echte cocktailsaucensüchtige (wie ich) (er)kennen. sauce tartare ist ja eigentlich wie brot, man braucht nichts dazu. so wie die der fisherei. wobei: die chips, sprich nicht ganz knusprigen (das gehört bitte so!) erdäpfel in dicker-als-pommes-form und die wedges eignen sich schon sehr gut als zuspeise zur trara. die mayonnaise macht michael vesely – nonaned – selbst und täglich frisch.

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erbsen. erbsen bleibe ich mein leben lang treu. erbsen mit minze doppelt. das ist sowas wie maroni und rosmarin (copyright gebrüder obauer). eine wilde liebschaft. zwischen den beiden. und mir.

2012 waren wir im dezember in england, haben zuerst am land das erste und beste (nicht: erstbeste!) victoria sandwich der welt (daylesford organic) gegessen. dann in der stadt mit unserer freundin anja, geschmackssicher seit 20 jahren (oder wahrscheinlich länger, aber wir kennen uns erst seit 20 jahren), fish & chips (und noch viel mehr, aber das hat nun wirklich nix mit fish & chips zu tun). und zwar bei poppies. anja hat mir dort den schmäh mit dem längs aufschneiden des fisches gezeigt: in die fischfalte den malzessig träufeln, weicht den teig nicht auf, schmeckt super. die fish & chips und alles, was wir dazu gegessen haben, waren perfekt. aber ich dachte, das wäre normal. ist es wohl nicht, denn poppies hat heuer die national fish & chip awards gewonnen (und stehen für 2015 schon wieder auf der shortlist). so ist das, wenn man zum schmied geht.

kabeljau. was für ein fisch. diese dicken, saftig auseinanderbrechenden stücke. so habe ich ihn auch im frühjahr 2008 in grönland frisch bekommen. in grönland. alleine die erinnerung daran (und dass ich damals schon versucht hatte, einen tisch im noma zu bekommen, weil man sowieso via kopenhagen zurückfliegen muss, aber leider ging niemand ans telefon, ein feiertag, wie ich erst zurück in wien herausfand). 2008 thailand und grönland. auch nicht schlecht.

schluss mit dem überarbeitungsbedingten herumgemäandere, die fakten:

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fish & chips im einzig wahren chippie der stadt, des landes, der fisherei, die tagsüber (und wohl leider nach dem 18. 12. auch wieder abends) reisinger’s heißt

di/mi/do von 17 bis 21.30 uhr

no reservations!

kabeljau (mit haut), der fisch kommt vom besten fischhändler weit und breit, eishken estate, herkunft fao 27, vielleicht genau dort her, wo ich ihn auch in grönland gegessen hatte, wer weiß

ein bierbackteig, so krachend knusprig, ohne dabei auch nur eine spur hart zu sein, so gut, wie man ihn nicht beschreiben kann, er wird jede woche besser, weil lässiger und damit nicht ganz so akkurat abgetropft und damit mehr verwirbelungen und verzwirbelungen und verknusperungen

chips = perfekt = muss

wedges = detto (ich weiß nach 4x immer noch nicht, welche ich lieber mag)

hausdip = cocktailsauce, muss

sauce tartare = muss

mushy peas = sehr gut, aber bitte ich hätte sie gerne heiß

malzessig = pflicht, gerne auch auf den chips

zitrone = zusätzlich zum malzessig auf dem fisch, seiser-style (sauer!)

chili-mayonnaise = in der ersten woche zu brav, seither sensationell, mit räucherpaprika und ordentlich scharf

dazu ein ipa (der cider ist mir zu süß)

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danach das beerengelee mit vanillesauce

vorausgesetzt, ihr habt einen süßspeisenmagen, denn seid vorgewarnt: die portionen sind sehr großzügig!

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noch 9 wochen lang

bin gespannt, ob mir der plan gelingt.

und bin jetzt schon unrund angesichts der weihnachtswoche (vielleicht doch noch ein karpfen-special? …) und allen folgenden: entzug?

oder findet ihr, adelheid und michael, doch noch eine möglichkeit, die fisherei dauerhaft in wien zu installieren?

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kommentare

10 kommentare zu “first eatact: fisherei”

  1. Jetzt tätat much dann aber doch noch interessieren, wie es zum PopUp-Store-in-Store gekommen ist.

  2. Vielen Dank für den tollen Bericht!
    Gestern wollten wir uns endlich auch einmal überzeugen was den da mit unserem Fisch passiert.
    Unser Kabeljau ist gut (zumindest bemühen wir uns immer das beste anzubieten) aber was da in der fisherei daraus gezaubert wird ist sensationell!

    Dessert ist sich leider nicht ausgegangen, da wir die diversen Dips ein paar mal nachbestellt haben und somit am Schluss wirklich nichts mehr ging.
    Werden wir aber hoffentlich bald nachholen!

  3. mischa reska sagt:

    Sicher PopUp weckt mehr Aufmerksamkeit.
    Kann es kaum erwarten, dass ich hinkomme…
    Aber was gibt es für einen Grund so was tolles wieder zu beenden?

  4. pepe sagt:

    Wir waren gestern jetzt auch endlich dort (gleich um 17 Uhr, da kriegt man auch problemlos ein Platzerl), es war wie angekündigt ganz großartig. Katharinas Bericht kann ich nur noch hinzufügen, daß die Chili-Mayonnaise bei uns als erstes aus war und von der Sauce Tartare ein bisserl übrig geblieben ist. Da fehlt mir einfach die Kindheitsaffinität, glaub ich. (Oh, und ich mag die Wedges lieber als die Chips, aber der Abstand ist nicht groß.)

  5. maronivie sagt:

    ich möchte kurz anmerken, dass es etwas gemein gegenüber den seit jahren solide großartigen fish’n’chips im old oak am ende des rennwegs ist, hier drei milliarden krönchen an den pop up stand in der innenstadt zu vergeben :)

  6. katha sagt:

    thomas, das fragst du am besten michael, wenn du fish & chips essen gehst ;-)

    sowas finde ich ja super, elisabeth, im besten sinne eine beziehung zwischen lieferantin und gastronom pflegen.

    weil es ihnen vielleicht fad wird, dreimal pro woche ausschließlich fisch und erdäpfel zu backen und mayonnaise zu rühren, mischa? aber vielleicht können wir sie ja überzeugen …

    um 17 uhr, guter plan, pepe, allerdings müsste ich da schon den tag danach ausrichten. das mit den wedges werde ich überprüfen, ich glaube, ich tendiere in die gleiche richtung.

    stimmt, ist etwas gemein, maronivie, weil die dort auch wirklich gut sind (ich war nur ein mal dort, das ist ein paar monate her, hat mir aber gut geschmeckt). aber die trara ist im reisinger’s defintiv besser, und mehr saucenauswahl gibt’s auch ;-)

  7. Sonja sagt:

    trotz übermüdung so ein langer, interessanter beitrag…das schaffst auch nur du, liebe katha! aber das thema verdient’s, ich will dort auch unbedingt hin. vielleicht sehen wir uns ja..gratuliere übrigens zum eintopf-kochbuch. gefällt mir sehr!

  8. Ob wir mit der fisherei weitermachen hängt im wesentlichen davon ab, ob wir nach dem Kassasturz Ende Dezember daran glauben, dass es sich längerfristig rechnen könnte. Fad wird uns nämlich noch lange nicht! Dazu ist es schon eine Herausforderung an sich, in einer Location zwei Lokale zu betreiben. Noch dazu, weil ein Lokal wie die fisherei auch einen völlig anderen Gastronomietyp, mit eigenen Regeln und Gesetzmäßigkeiten, darstellt: Mehr Personal (vier bis fünf Personen in einer rund 4 m² großen Küche/Theke), deutlich mehr Couverts, dafür de-facto nur eine Speise (versus 2 Suppen, 2 Salate, 5-6 Hauptspeisen und 3 Desserts zu Mittag im Reisinger’s). Nur eine Speise – das klingt easy, ist es aber nicht. Denn wenn du nur ein einziges Gericht anbietest, muss dieses eben perfekt sein. Sollte bei einer Speisekarte, die mehrere Gerichte umfasst, eines davon einmal nicht ganz so toll gelungen sein, kann man es zur Not auch von der Karte nehmen (haben wir schon gemacht, und mehrere Tage lang das zu stark gebeizte Rindfleisch eben selbst gegessen). Bei einer einzigen Speise geht das nicht. Da wäre es hilfreich, wenn man diese eine Speise in Ruhe vorbereiten und abschmecken könnte. Ätsch – bei fish&chips geht das nur bedingt, denn jede Portion wird einzeln rausgebacken. Wir lernen jeden Tag Neues über das Verhalten von Teig und Öl versus Zeit und Temperatur :-) Unser Ehrgeiz ist es, den knusprigsten Teig Wiens hinzubekommen. Einen, den man gerne auch so essen würde. Und das ist gar nicht fad.

  9. peppinella sagt:

    Leider sind die meisten wirklich guten Sachen immer so weit von hier weg. Das gilt auch für deine und Claudio’s Lesungen. Verdammt.

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  1. […] groß ist meine Freude über Katharinas Empfehlung eines Fish’n Chips-Pop-up-Restaurants, dessen temporäre Existenz mit meinem Wienbesuch […]



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