quizfrage – in memoriam meinrad neunkirchner (2)

warum ich so viel von meinrad neunkirchner gelernt habe?

mein lieblingsbeispiel, bitte schön:

freyenstein-5981

an einem sommertag vor einigen jahren, ich weiß nicht mehr, wann es genau war (das bild stammt nicht von jenem abend – es sind aber auf jeden fall von meinrad zubereitete und im garten des freyenstein fotografierte flusskrebse), war ich alleine im freyenstein essen.

meinrad ist lustig aufgelegt, führt schmäh, bringt mir die gänge selbst aus der küche. als er mir die krustentier-nage (eine cremesuppe von heimischen flusskrebsen aus der nähe von tulln, auf die ich mich immer schon wochen vorher gefreut habe) einstellt, bekomme ich eine aufgabe (das hat er oft gemacht): „was ist da für ein kräutl drin?“

ich koste konzentriert, die nage schmeckt perfekt. total harmonisch, keine spitzen, keine kontraste, einfach pure wonne, keine übertriebene röstaromatik, kein dominierender alkohol, kein gemüse, kein gewürz, kein kräutlein im vordergrund. ich schwitze, der ehrgeiz packt mich. moment, doch! ich werde euphorisch, möchte wie in der schule aufzeigen und rufen, ich weiß es! ich weiß es!

meinrad kommt endlich zum abservieren, prüfung. „na?“ ich, mit stolzgeschwellter brust, aufrecht, siegessicher: „minze! da war minze drin!“

er: „eh klar, aber welche?“

(an die auflösung erinnere ich mich nicht. es könnte kentucky- oder karoominze gewesen sein. wir reden hier nicht von pfeffer- oder nanaminze. jedenfalls: das war meinrad. und wenn man diese art von fragen gestellt bekam, also grundsätzlich für fähig gehalten wurde, so eine frage überhaupt beantworten zu können, dann durfte man schon ein wenig stolz sein. natürlich wusste ich die antwort nicht. aber ich wusste, der meister nahm mich ernst und ebenbürtig. und das war mehr wert als jede richtige antwort.)

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