kochen mit herz

in diesen zwei bildern, aufgenommen bei uns zuhause ende november, steckt so viel, was mir wichtig ist. es braucht nur einen moment des innehaltens:

rahmherz-2036

  1. neues ausprobieren (herz)
  2. ein blatt papier (be-schreiben)
  3. meine hände (ohne die geht gar nix, weiß ich seit dem letzten bandscheibenvorfall noch viel besser)
  4. farbe (meyerzitronengelb, um ganz ehrlich zu sein. und esstischholzrotbraun. und schnittlauchgrün)
  5. das ganze tier (wider die filetgesellschaft!)
  6. zitrusfrüchte (zitronen, aber nicht irgendwelche, sondern meyer zitronen)
  7. mit grün (weil aus schönbrunn)
  8. aus persönlich bekannter herkunft (heimo hat sie abgeschnitten)
  9. netzwerke (aus altruismus, wahrscheinlich ein unüblicher verwendungszweck)
  10. die neue schale (von feine dinge)
  11. aus zweiter wahl (weil dann ist da mehr leben drin)
  12. der alte suppenteller (von meiner oma)
  13. mit seiner geschichte (und damit meiner)
  14. das rezept (von richard)
  15. mit seiner geschichte (aus unserem neuen kochbuch „winter“, dem ersten band der jahreszeiten-kochschule)
  16. die kapernbeeren (weil sie im rezept stehen)
  17. und der diskussionsstoff, den sie liefern (sind kapernblütenknospen gut und kapernfrüchte böse? sagt wer? warum? was ist wahr?)
  18. reiselust (denn wie sonst komme ich zur notwendigen kaperninformation aus erster hand auf den liparischen inseln?)
  19. unser esstisch (mit seinen geschichten)
  20. die perspektive (aus der beide bilder aufgenommen wurden)
  21. dass das obere bild nicht ich gemacht haben kann (sondern mein mann)
  22. alles bio (auf beiden bildern, ich wahrscheinlich inklusive)
  23. dass selbst ein halbes herz locker für vier reicht (die kaum hinterfragte kochbuchnorm und zugleich das gäste einladen)
  24. ob ein herz eine innerei ist? (muskel? geschmack? funktion? was ich noch alles lernen will!)
  25. knödel (heimat, auch wenn es scheiben sind – wie war das mit der erde und der scheibe und der kugel?)
  26. schnittlauch (weil ohne kräuter gar nichts geht in der küche, mit ihnen aber nur geht, was geschmacklich sinnvoll ist)
  27. konsistenzen (die mir so wichtig sind)
  28. in form knusprig gerösteter serviettenknödelscheiben (fast noch besser als die erstverwendung)
  29. in butter geröstet (natürlich)
  30. und cremig (da gehört auch die einmach dazu – die vermeintlich altmodische)
  31. und elastischer biss (das herz)
  32. samt exaktem schnitt (die frisch geschliffenen messer)
  33. und säure (ohne die cremig gar nicht zum ausderhalten wäre vor lauter fad)
  34. und duft (womit wir wieder ganz oben bei den meyer zitronen wären, denn reichlich davon sind unten im rahmherz drin)

rahmherz-2103

gedanken dieser art fallen mir zu jeder speise ein. auch deshalb schreibe ich kochbücher. weil ich möchte, dass so viele menschen wie möglich das kochen und für sich selbst sorgen und exzellent essen als ermächtigung, als große freude und als kleine möglichkeit, das miteinander und umeinander ein bisserl besser zu gestalten, entdecken. und weil ich doppeldeutige botschaften sehr gern habe: kochen wir doch einfach mit mehr herz!

für den anfang (doppeldeutig!) spendiere ich euch unser rezept für das zitronen-rahmherz, das ich genau so zubereitet habe (aus 1/2 rinderherz mit etwa 800 g):

rezept zitronen-rahmherz (pdf)

(aus dem kochbuch „winter“, dem ersten band der jahreszeiten-kochschule von richard rauch & mir, erschienen bei brandstätter im oktober 2016)

kommentare

10 kommentare zu “kochen mit herz”

  1. Thea sagt:

    Oh, danke für das Herz. Insgeheim hatte ich schon eine Weile gehofft.
    Und ja, zweitverwertet gefallen und schmecken mir die Knödel auch noch besser.
    Und so weiter und so fort.
    Zustimmung allenthalben.
    Dir, Euch ein subjektiv angenehmes, zufriedenstellendes, schönes neues Jahr.

  2. sehr schöne Gedanken! und ich stimme dir zu und koch auch an, wider der Filetgesellschaft. So sehr ich den Weinlungenbraten oder das Filet Wellington gern habe, aber die wahre Kunst ist doch aus Restln was gutes zu machen.
    so ein Herz eines ausgewachsenen Rindes ist schon mächtig. und erst die Lunge! Live gesehen nach der Schlachtung.
    Mama macht oft Suppe aus Herz. Sie hat sich übrigens sehr über das Kochbuch gefreut und hat beim Auspacken gemeint, sie wirds sicherlich benutzen. Ich bin schon gespannt, was sie nun wirklich daraus kocht.

  3. Wie schön, wenn man langsam wieder vom Außenseiter zum In-Sider wird. Herz (und andere Innereien) stehen schon seit ich selber koche immer wieder auf meiner Kochliste. Irgendwann wirst Du dann auch bei gespicktem Herz, gefülltem Herz, panierten Herzschnitten, etc., etc. kulinarisch landen. Dann darf es auch mal Kalbsherz oder Lammherz sein. Ich wünsche Dir ein vergnüglich kulinarisches Jahr 2017.

  4. kaltmamsell sagt:

    Und schon sind wir hier am Diskutieren über die Definition von „Innereien“.
    Zunge ist ja auch ein Muskel, ebenso Magen.
    Am seltsamsten ist doch die Zuordnung des Schwanzes.
    Wann begannen die Menschen überhaupt, in Innerei und Nicht-Innerei zu trennen?
    Danke!

  5. Sabine sagt:

    Danke. Für genau solche Artikel und vor allem Kochbücher, denn beides inspiriert mich immer wieder und ganz enorm. Schön, dass es Dich und dieses Blog gibt! Hab ein tolles Jahr 2017. Ohne Rückenschmerzen, hoffe ich!

  6. katha sagt:

    danke, thea! und frag mich doch einfach, sowas geht immer ;-)

    gute idee, die suppe, weltbeobachterin! (schmeckt dann auch ein bisschen lebrig – wie herz eben schmecht?) und freut mich, dass die mama sich gefreut hat. bin neugierig, was sie als erstes ausprobieren wird. filet wellington habe ich übrigens schon als kind geliebt, wird wieder mal zeit!

    dir auch margit, danke! ich koche gern innereien, aber einer von uns beiden in diesem haushalt isst sie nicht so gern (und herz schmeckt definitiv lebrig). daher gibt’s sie selten. die vorzüge von herz sind mir wohlbekannt, vor allem vom lamm – und vom reh! beides esse ich wahnsinnig gern, wenn ich’s wo bekomme. und noch lieber als nur das herz ist mir das beuscherl (vom kalb auch, aber am liebsten eben vom lamm oder reh), also herz und lunge.

    es ist ja eben eigentlich völlig wurscht, kaltmamsell, nur weil wir das eine von kind auf zu meiden gewohnt sind (die meisten zumindest), verlernen wir leider den geschmack davon und fremdeln dann später.

    danke, liebe sabine, dass du das schreibst, freut mich sehr! ich freu‘ mich auf genau diese art von (ruhig seltenen, mich unterbietest du ohnehin nicht mehr ;-)) artikeln, wie du sie in deinem rückblick vorankündigst.

  7. sie schmeckt schon anders, aber mich störts nicht. Das Herz gibt es meist kalt zur Jause. Rehherz hatte ich noch nie, wo kriegt man sowas?
    Ich bin auch schon gespannt, was sie schon gekocht hat bzw. kochen wird. Filet Wellington, der versteckte Lungenbraten. Viel Arbeit, aber er ist es wert.

  8. katha sagt:

    ich fürchte, nur wenn man jäger/innen in der familie hat, weltbeobachterin, oder ein gutes verhältnis zu einem anständigen wildhändler.

  9. Anne sagt:

    Danke für die Gedanken und das wunderbare Rezept! Der Mann und ich hatten gestern einen schönen Kochnachmittag mit (Kalbs-)Herz und ein sehr leckeres Abendessen.
    Der Mann isst und kocht gerne Innereien, für mich sind Herz, Magen und Zunge schon ungewohnt, aber selbst zubereitet gern gegessen. Lunge, Nieren, Milz oder Kutteln ißt nur er. Wir erklären uns das mit Kindheitserfahrungen und Vorlieben; ich würde immer den süßen Strudel einem Salonbeuschel vorziehen.

  10. katha sagt:

    danke für die rückmeldung, anne, das freut mich!

einen kommentar schreiben