kochen im kino: julie & julia

„shouldn’t i find something to do?“
„what is it that you really like to do?“
„eat!“
„and you’re so good at it!“

in dem film julie & julia (trailer im original) werden zwei (wahre) geschichten von zwei amerikanerinnen gegengeschnitten:

julie ist knapp 30, lebt mit ihrem mann eric in new york und ist unzufrieden mit ihrem leben als callcenter-mitarbeiterin. sie beschliesst, sich durch julia childs mastering the art of french cooking zu kochen und darüber ein blog zu schreiben: 524 rezepte in 365 tagen. julie powell macht später das buch julie & julia daraus (auf dem der film basiert). (hier geht’s zum buch auf deutsch, aber wer halbwegs gut englisch lesen kann und mag, ist mit dem original besser bedient.)

julia ist amerikanerin, diplomatengattin und ab 1948 mit ihrem mann paul in paris. dort verfällt sie der französischen küche, beginnt an der berühmten kochschule cordon bleu kochen zu lernen und gemeinsam mit zwei französinnen ein buch zu schreiben. nach zehn jahren und vielen änderungen findet mastering the art of french cooking von julia child endlich einen verlag in amerika. (hier endet der film.) das buch hat (angeblich) sehr viele amerikanerinnen und amerikaner beeinflusst. die exaltierte julia child kocht im fernsehen, schreibt weitere bücher und stirbt 2004 zwei tage vor ihrem 92. geburtstag.

es ist völlig wurscht, ob man julie powells blog oder buch gelesen hat oder julia childs kochbücher oder tv-sendungen kennt: der film macht so eine lust auf essen und kochen wie schon lange kein film mehr (für mich in dieser beziehung unerreicht: eat drink man woman – den grossartigen trailer gibt’s hier zu sehen – von ang lee). meryl streep und stanley tucci sind ein hinreissendes ehepaar child, zum abbusseln. auch amy adams und chris messina spielen das heutige amerikanische paar viel besser, als ich es nach den ersten kritiken befürchtet hatte. julie & julia ist eine komödie, eine sehr fröhliche (manchmal könnte man auch ein bisschen weinen müssen, aber nur ganz kurz), eine überbordende, leidenschaftliche, satte, bunte. und meryl streep als julia child im profi-kurs (man achte auch auf die szene mit den karotten) von cordon bleu ist so fantastisch komisch, dass ich mir den film alleine deshalb nochmal anschauen muss. unbedingt in der originalversion oder zumindest im original mit untertiteln! (es kommt so gut wie kein französisch vor, keine sorge.)

ganz wichtig: entweder vor dem film was gutes (und nicht zu wenig) essen oder für danach einen tisch reservieren, nicht irgendwo, sondern dort, wo frisch und gut gekocht wird.

was mich nach dem film aber noch beschäftigt hat: ausser cordon bleu und cia (culinary institute of america) fallen mir keine ähnlich renommierten kochschulen ein. schlimmer noch: in österreich gibt’s keine institution, die kochen auf höchstem niveau lehrt. ja, es gibt ein paar gute kochschulen für laien wie die von gisela bliem, aber keine von profis für profis oder solche, die es werden wollen. ist das nicht ein jammer – und eine riesige marktlücke?

kommentare

11 kommentare zu “kochen im kino: julie & julia”

  1. Eline sagt:

    Keine Kochschule in Österreich – ist wirklich ein Jammer und eine Marktlücke. Wenn ich nicht schon ein bis zwei Berufe hätte, wäre sowas auf die Beine zu stellen, eine interessante Herausforderung …
    Die Kritiken zu J & J haben mich nicht so animiert. Nach deiner Beschreibung kann ich mir jetzt eher vorstellen, doch ins Kino zu gehen. DasBlog-Projekt des Nachkochens aller Julia Child-Rezepte finde ich ja langweilig (ebenso das der Achatz-Nachkocherin). eat drink man woman ist auch für mich ein unerreichtes Meisterwerk.

  2. duni sagt:

    International ist wohl noch die Kochschule von Alain Ducasse zu erwähnen, die in erster Linie sich an Profis wendet, aber auch wohl den einen oder andren Kurs für Amateure anbietet.
    Bis vor wenigen Jahren wurde Kochen noch als Wahlfach in der Schule angeboten,auch Volkshochschulen haben derartige Kurse im Programm. Viele Köche bieten ja auch mittlerweile Kochkurse an, meist aber nur tageweise. Ich bekam zum 30. Geburtstag vor ein paar Jahren einen deratrigen Kurs bei Hans Haas vom Münchner Tantris geschenkt.

  3. katha sagt:

    mich würde das ja auch reizen, eline, vielleicht in ein paar jahren (und mit potenten finanziers…).
    die tageweisen kurse in restaurants von (spitzen)köch/inn/en kenne ich, duni, die finde ich auch gut (und meistens zu teuer), aber das ist viel zu wenig im vergleich zu dem, was eine systematisierte, fundierte ausbildung leisten muss. in welchem schultyp war kochen wahlfach und ist es nicht mehr?

  4. duni sagt:

    Da Deutschland ein föderales Schulsystem hat, gibts da natürlich Unterschiede, aber in der Volksschule und Realschule gabs bestimmte „Ausbildungszweige“,in denen es Pflichtfach war, an anderen Schulen wars zumindest als Wahlfach möglich. Heute spielt das wohl keine große Rolle mehr, die Kinder sollen lieber Chinesisch oder 17 verschiedene Programmiersprachen stucken.
    Ich hatte es nicht in der Schule, da mir schon Handarbeiten, Werken etc. wegen des Bierernstes, mit dem sie unterrichtet wurden, ein Graus waren.

  5. Eline sagt:

    Ganz selten gibt es in Ö mal Hauswirtschafts- oder gar BerufschullehrerInnen, die den Schülern neben handwerklichen Grundlagen auch Freude am Kochen vermitteln. Gleich ums Eck bei mir gibt es eine Hauswirtschaftsschule und ich kann die stolz in einem Schaukasten präsentierten Elaborate bewundern – dagegen sind die Rezepturen der Julia Child geradezu modernistisch. Ich habe auch einigen Kontakt mit Praktikanten in Restaurants – es ist erschütternd, wie wenig Ahnung von zeitgemässer Küche die oft haben, weil ihre Lehrer so verzopft und inkompetent sind.

  6. entegut sagt:

    Wie macht dein Bericht doch gerade Lust etwas Feines zu kochen oder in der Schmalhans-Küchenmeister-Version sich diesen Film anzusehen.
    Danke für den Tipp, da geh ich hin!

    Eine Kochschule für Profis. Ich beschäftige mich damit zu wenig, um beurteilen zu können, ob der Mangel wirklich eine Lücke für österr. Köche und Köchinnen darstellt.

  7. Nicky sagt:

    Liebe Katha,
    nochmal zum Buch von Julia Child (zu den Kommentaren bei Nutriculinary):
    Ich persönliche halte ihr „Mastering the Art of French Cooking“ für eine Regal-Leiche, das Buch mag zwar in vielen amerikanischen Haushalten stehen, aber wenn ich mir unsere eigenen Freunde in USA so ansehe (viele davon sind wirklich kochbegeistert und kochen gut), dann hab ich noch nie erlebt, dass wir von ihnen französische Küche vorgesetzt bekamen. Da derzeit ja in vielen Beiträgen zum Film steht, das Julia Child mit diesem Buch den Amis die französische Küche nahe gebracht hat, bin ich erst recht neugierig geworden und werde sie alle bei Gelegenheit mal löchern, ob sie (oder ihre Eltern) das Buch tatsächlich besitzen und schon mal daraus gekocht haben… Ich selbst nehme das Buch bei jeder Gelegenheit (Buchladen, Freunde) in die Hand, aber bisher gab’s diesen „Haben-Will-Moment“ einfach noch nicht ;)

  8. katha sagt:

    danke nicky, so ähnlich habe ich mir das gedacht. als wir in kalifornien bei einem befreundeten paar (er amerikaner, sie österreicherin) waren, wurde bevorzugt nach den chez-panisse-büchern gekocht. bei denen ist der „haben-will-reflex“ – zumindest bei mir – immer sehr schnell da. das neueste buch von alice waters finde ich im übrigen grossartig: the art of simple food. das ist nicht retro, sondern sehr zeitgemäss.

  9. Nicky sagt:

    Da sind wir uns ja einig… dieses welches steht auch in meinem Regal ;)

  10. kaltmamsell sagt:

    Ich fand den Film ebenfalls herzerfrischend (mochte schon das Buch sehr gerne) – hier geht es endlich mal so richtig um Essen und Kochen. In der New York Times eine schöne Geschichte über die Foodstylisten am Set:
    http://bit.ly/2c2U6F
    „It gets into the celluloid when you have a director who loves food and chefs on the set.“ Und Nora Ephron ist laut dem Artikel „an accomplished cook“.

  11. duni sagt:

    Mittlerweile war ich auch im Kino und hab ihn angeguckt-eine nette Komödie, witzige Einfälle wie die Geschichte mit dem lobster (bei Julie) oder dem Berg Probezwiebelringe ( bei Julia). Welchen Einfluss JC auf die Koch-und Ernährungsgewohnheiten in den USA hatte, vermag ich nicht zu beurteilen. In einem Artikel über JC ,der vor Jahren mal im FEINSCHMECKER war, las ich, ihre große Zeit war während der Kennedy-Regierung, als Jackie einen französischen Koch für Weisse Haus anheuerte und somit französische Tafelkultur zum gesellschaftlichen Thema wurde.

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