paris im dutzend 3: sadaharu aoki


zurück von einem pressetrip in spanien über paris weiterzuschreiben, fällt mir nicht leicht. schon gar nicht, weil’s schon wieder um süßes geht. und bekanntlich bin ich keine süße (so oder so nicht). aber nachdem ich diese verkostungsnotizen über die pâtisserie sadaharu aoki in paris gelesen und vor allem gesehen hatte, wusste ich, wo ich zu allererst hin musste. vor hermé. und so war es dann auch am sonntag, keine 24 stunden nach unserer ankunft in paris. eine filiale von aoki liegt nämlich ums eck vom marché bio raspail.


es ist unfair, es ist ungerecht, es zeugt von einer ausgewachsenen saturiertheit und überhaupt, aber: schön langsam beginnen mich diese boutique-juwelier-artigen schoko- und süßgeschäfte zu nerven. ja, eh schön, ja, das bild hinter der verkäuferin eh beeindruckend, ja, eigentlich mag ich das reduzierte. ja, ich erwarte viel zu viel: dass mich jeder dieser läden umhaut, dass ich staune und juchze wie ein kleines kind, das eine entdeckung gemacht hat (die die großen sowieso nicht verstehen), dass ich gerührt (oder berührt) bin, dass es sich ganz anders anfühlt, als erwartet, und dass es halt ein moment ist, der in meiner erinnerung bleibt. bei aoki bleibt in erinnerung: “no photos please”. wenn mir bitte jemand endlich erklären könnte, was es mit diesem fotografierverbot auf sich hat, wäre ich dankbar. ich würde es gerne verstehen. (btw: ich fotografiere nie mit blitz, frage so gut wie immer zumindest mit blicken und einer geste, ob das fotografieren okay sei, bitte nie um posing fürs foto, frage nie nach irgendwelchen fototauglichen handgriffen oder veränderungen und stehe nie im weg herum. okay, letzteres kommt vor.)


die macarons von aoki sind interessant, weil einige davon nicht den gängigen kombinationen (auch nicht den recht gewagten von hermé), dafür aber typisch japanischen geschmacksvorlieben entsprechen. ich muss mich korrigieren: in erinnerung bleibt nämlich auch eine sorte macarons, umeboshi. das sind salzig eingelegte japanische mini-ringlotten, auch einen essig gibt’s davon. der geschmack in form eines macarons, das gefällt mir. yuzu und sesam ebenso. die matcha-financiers waren mir dagegen zu süß.


wir hatten eigentlich geplant, am mittwoch kurz vor der abreise nochmal zu aoki zu schauen, um ein paar der desserts (matcha!) mitzunehmen, und diese deshalb am sonntag gar nicht erst probiert. aber zu wenig zeit und zu viel hitze ließen uns das wieder verwerfen. so werden die fantastisch aussehenden schnittchen (vor dem ausgesprochenen fotografierverbot fotografiert) eben beim nächsten mal verkostet. denn obwohl der besuch in dieser einen filiale etwas ernüchternd für mich (und meine erwartungen) war: ich will wissen, ob die kunstwerke so gut schmecken wie die umeboshi-macarons.

kommentare

11 kommentare zu “paris im dutzend 3: sadaharu aoki”

  1. Tina sagt:

    Ein paar der Matcha Desserts bzw. Kuchen durfte ich in Tokyo probieren – bzw. mich in den kompletten Store verlieben – dort gab es auch die für mich bisher weltbeste Schokoladentorte.
    Und wenn ich so auf die Preisschilder schaue- stell ich mit entsetzten fest, dass Tokyo günstiger gewesen ist – ein Grund nochmals hinzufahren ;)

  2. Tina sagt:

    Noch ein Nachtrag zu dem “boutique-juwelier-artigen schoko- und süßgeschäfte” – ich finde das ist typisch für Japan. Dort sind die meisten Geschäfte, Ecken der Filialen in den Japanischen KaDeWe’s oder Harrods Foodabteilung eben so, entspricht lt. meiner Verwandschaft dem “thats how we expect it to be” japan einkaufsgefühl (dass Land das auch Obstpakete im Wert von 250-300 € im Supermarkt anbietet).

  3. katha sagt:

    was japan betrifft, fehlt mir leider noch die erfahrung, tina. aber diese art von geschäft gibt’s so doch auch in paris, gerade eben in barcelona erlebt, und auch in wien haben wir ein paar vertreter davon. mir ist das ganze irgendwie zu unterkühlt, zu wenig lebendig. es ist eben nicht schmuckes beiwerk, sondern – wenn auch ein stark verändertes – lebensmittel, das da feilgeboten wird.

  4. Tina sagt:

    Eindeutig vorteil Landleben für mich dann, hier in Süd-West hält es sich noch in Grenzen, selbst in London habe ich bislang kein solches Geschäft entdeckt.

    Nachdem Aoki aus Japan kommt, dachte ich dass vielleicht auch von dort die Art der präsentation her stammt und für mich hat es dann auch in den Japan Rahmen perfekt gepasst.

    Persönlich ist mir die italienische Art dann auch lieber ;)

  5. Foodfreak sagt:

    Fotografierverbote irritieren mich auch jedes Mal – etwa in einem Ketten-Coffeeshop,dessen Design weder besonders originär ist noch sonst irgendwie nachvollziehbar, ich meine: wenn Touristen sich per Foto an eine kulinarische Location erinnern und diese andren zeigen möchten, wo ist das Problem? Erst recht bei Multiplikatoren wie Bloggern und Journalisten? Eine von mir ansonsten durchaus geschätzte Kaffeerösterei hat mich mit einem barsch geäußerten “Keine Fotos” mal aks Kunden verloren…

    Die Boutique-Juwelen-Shop-Sache scheint mir in der tat eher asiatisch geprägt zu sein, etwas teuer und kostbar zu präsentieren ist oft wichtiger als der Inhalt.

    Umeboshi und Ume-su sind schon recht gewönungsbedürftig, die Kombination mit Süßem finde ich zumindest spannend :-)

  6. ich habe Verständnis für das Photographievernot, haben wir auch un unseren laden, und zwar deswegen, weil wir alle hier tagein tagaus von tausenden von Tourischaren belagert werden, die reinkommen, noch nicht mal fragen, ob sie ein Photo machen können und dann photographieren, das stört auf die Dauer sehr!

    Im übrigen gilt hier, wenn man fragt, gibt’s trotz Verbot ein Ja zum Photo….

  7. eline sagt:

    Ich finde es interessant, deinen süssen Paris-Bericht mit dem von la cuisine blanche zu Vergleichen:
    http://lacuisineblanche.blogspot.com/2011/03/paris-report-patisseries.html

    Auf mich üben Schokoladeboutiquen und Patisserien wenig Faszination aus. Ich frage mich auch beim Anblick der – zugegeben sehr schön designten – Teilchen von sadaharu aioki, ob da nicht ein extensiver Einsatz von Gelatine, Agar und Co in den Cremes und Schäumen stattfindet, damit alles so exakt geschnitten werden kann und gar nichts verrutscht oder gar wackelt.

  8. Bei uns in München gibt es auch solch ein Laden, es gab mal zwei, aber der eine hat es nicht überlebt. Aber essen ist ein Genuss und wie schon bekannt ist das Auge ißt mit. Foto Verbot ist mir bekannt, da es schnell billige Nachmacher gibt und die im Laden ja nicht wissen wer Du bist tina. Auf Foodmessen ist es auch untersagt.

  9. katha sagt:

    die würden dir taugen, die ume-macarons, foodfreak!

    ach, ich weiß nicht, bolli, in einem geschäft würde ich schon fragen und ich fotografiere ja auch nicht ungefragt leute, sondern vor allem dinge. wo ist das problem? und die nachmacher, küchen münchen, die finden immer ihren weg, das ist doch eher kurzsichtig zu glauben, ein fotografierverbot würde das verhindern.

    mir fehlt einfach noch immer der japan-vergleich, eline, und dort möchte ich schon so lange hin. aber ob das in nächster zeite eine so gute idee ist?

TRACKBACKS
  1. [...] nach aoki mussten (innerer zwang) wir weiter zu pierre hermé. und dort habe ich drei dinge [...]

  2. [...] Auf der Île de Ré ist diese Frage von Leichtigkeit geprägt. 100%. Das von Katharina auf Esskultur beschriebene, in Paris offensichtlich vorherrschende Fotografierverbot ist auf der kleinen Insel [...]



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