wer braucht nestlé?

nestlé-geschäftsführer und -verwaltungsratspräsident peter brabeck-lethmathe ist chef des grössten lebensmittelkonzerns der welt und gebürtiger kärntner. wenn er seine meinung kundtut, kommt man aus dem staunen nicht heraus.

seine vermutlich ehrlich gemeinten aussagen entbehren nicht eines gepflegten (unbewussten?) zynismus, wie auch in erwin wagenhofers film we feed the world am beispiel marktwert von wasser (nestlé hat 2006 fast 10 milliarden schweizer franken umsatz durch den verkauf von wasser erzielt) nachvollzogen werden kann.

jetzt hat er der financial times gesagt, dass lebensmittel teurer würden.

drei anmerkungen dazu:

1. dass lebensmittel teurer werden müssen, war absehbar. sie sind sowieso zu billig. agrarsubventionen (auch an nestlé) kann man sinnvoll oder notwendig finden (muss man aber nicht), sie verzerren jedenfalls den preis und machen es für konsument/inn/en unmöglich, den tatsächlichen wert der lebensmittel zu erfahren.

2. wenn lebensmittel teurer werden, schauen wir uns vermutlich genauer an, was wir uns ins wagerl und später in den bauch laden. das kann nicht schaden, denn

3. nestlé hat 2006 weltweit mit produkten, die man für gute und gesunde ernährung nicht braucht, einen umsatz von knapp 98,5 milliarden schweizer franken ( das sind gut 59 milliarden euro) und einen reingewinn von gut 9 milliarden schweizer franken (rund 5,5 millarden euro) erzielt, und zwar mit marken wie: nescafé, nespresso (mit über einer milliarde schweizer franken umsatz 2006), nesquick, nestea, buitoni und maggi. auch after eight, alete, baci, beba, cailler, caro, herta, kitkat, lc1, lion, mövenpick, perrier, san pellegrino, schöller, smarties, thomy, vittel, wagner und einige tierfuttermarken (purina mit felix, friskies, matzinger, one, pro plan) gehören zum konzern (wenn auch nicht alle zu 100 prozent).

ich wage zu behaupten, dass in meinem haushalt kein einziges produkt des weltgrössten lebensmittelkonzerns zu finden ist, auch wenn mir nestlé folgende verheissungsvolle botschaft auf der website übermittelt:

The Company’s priority is to bring the best and most relevant products to people, wherever they are, whatever their needs, throughout their lives.

eines ist nämlich gewiss: die besten produkte kommen garantiert nicht von nestlé.

von saisonalen lebensmitteln aus der region, ökologie, nachhaltigkeit, fairen preisen oder verteilungsgerechtigkeit war im zusammenhang mit nestlé hier noch gar nicht die rede.

kommentare

ein kommentar zu “wer braucht nestlé?”

  1. sisko sagt:

    Naja, in den vergangenen Wochen war in den Medien von angekündigten bzw. tatsächlich erfolgten Preiserhöhungen von Lebensmitteln zu lesen bzw. zu hören. Auch Politiker kleinerer EU-Mitgliedstaaaten (z. B. Österreich) sahen sich bemüßigt, ihren Senf beizusteuern – und das bei den exorbitanten Weltmarktpreisen für dieses Gewürz (wie war das mit der Diskussion über Politikereinkommen?).

    Nestlé-CEO Peter Brabeck-Letmathe traue ich – zumindest – einen größeren Einfluss auf Lebens- bzw. Nahrungsmittelpreise zu als so manch einer Staatsregierung . . .

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