süsse gerüchteküche

wenn es wahr ist, dann öffnet in den nächsten tagen – rund 15 monate nach den ersten medialen gerüchten – die sicher kleinste und wahrscheinlich beste konditorei wiens ihre schmale pforte.

das „süsse kameel“ – wie es in der gerüchteküche seither immer wieder genannt wird, soll der französischen patisserie huldigen, strudel und andere wiener mehlspeisen wird es demnach keine geben. es ist eine dependence des legendären schwarzen kameel in der bognergasse, eine hausnummer weiter richtung freyung, direkt am hof.

kameel-patron peter friese hat sich von neugierigen gästen in den letzten monaten immerhin soviel entlocken lassen: es soll die von pierre hermé (mehr über hermé und seine kreationen hier, hier und hier) zur perfektion getriebenen verrines (bei ihm „emotion“ genannt) geben, in gläser (zum mitnehmen) geschichtete desserts, die man mit dem löffel vertikal (wie bei einer probebohrung) isst, damit man von allen schichten auf einmal etwas zu schmecken bekommt. ausserdem macarons, die besser als die legendären von sprüngli in zürich sein sollen (und diese – luxemburgerli genannt – sind wahrlich nicht zu verachten, obwohl meine lieblinge von sprüngli am paradeplatz die visitandines, das bircher müesli mit rahm und – in diesem zusammenhang unpassend – das club sandwich waren) und ähnliche in österreich bis dato kaum bekannte köstlichkeiten.

pierre hermé hätte laut friese sogar anlässlich der eröffnung einer wiener innenstadt-boutique im kameel vorbeikommen sollen, um das team vor ort zu schulen – ob das dann tatsächlich der fall war, weiss ich nicht.

ausserdem wollte friese seine patisserie-leute nach luzern in eine fachschule für konditorei (war es richemont?) zur perfektion schicken.

das unternehmen wurde jedenfalls generalstabsmässig geplant und der chef wollte erst dann aufsperren, wenn alles seinen vorstellungen entsprechend perfekt sei.

wenn man die spärlichen informationen zusammenfügt, könnte mit dem süssen kameel ein neuer massstab in der österreichischen konditorskunst gesetzt werden. denn: was gibt es in wien diesbezüglich schon wirklich sensationelles? mich hat bisher keine der üblicherweise von wiener/inne/n als grossartig gepriesenen konditoreien überzeugt: weder sluka noch demel noch oberlaa noch landtmann noch gerstner noch fercher. fruth hat mich noch am ehesten angesprochen, weil auch er in die französische richtung geht.

sie alle sind langweilig und brav, keine davon traut sich wirklich neues oder auch nur eine sanfte, aber erfrischende modernisierung der heimischen konditorei-vitrinen-klassiker. entweder kommen die österreichischen kuchen, torten, gebäcke und desserts schwerfällig, fett und schlecht gemacht oder gelatinelastig, frei von geschmack und uninspiriert, dafür mit reichlich exotischen früchten aufgehübscht, daher.

aber: ratzka in salzburg (imbergstrasse 45, 5020 salzburg, telefon +43 662 640024, di-fr 8.30-12.30, 13.30-18, sa 8-12.30, 13.30-17 uhr) spielt nach wie vor in einer anderen liga, da kommt in wien (und ganz österreich) bisher niemand mit. tut mir leid. zur verifizierung empfohlen: rudolfstorte (nur samstags!), himbeer-trüffel-torte, orange-trüffel-torte, mokka-orange-torte, vogelbeertorte, brombeer-walnuss-schnitten, kaffee-makronen (unter der budel!).

ich bin neugierig, ob das süsse kameel endlich eine alternative in wien sein wird. es soll ja auch noch andere leute geben, denen süss und hübsch allein zu wenig ist.

kommentare

11 kommentare zu “süsse gerüchteküche”

  1. sisko sagt:

    Und während der Dauer der Salzburger Festspiele gibt es noch mehr Ratzka: Montag (!) bis Freitag 8.00 bis 18.00 und Samstag 8.00 bis 17.00 Uhr, d. h. keine Mittagsruhe.

  2. sisko sagt:

    PS: Die Rudolfstorte ist eine Geschmacks- bzw. Glaubens- und somit Streitfrage. Einmal probiert – nicht in Erinnerung geblieben.

  3. tigerkater sagt:

    laut den neuesten gerüchten sollte das süsse kameel am 23. oder am 24. august 2007 aufsperren…
    es bleibt spannend!

  4. katha sagt:

    @ sisko

    danke für den hinweis mit den festspiel-öffnungszeiten. ich beneide euch im westen!
    was die rudolfstorte betrifft: vielleicht sollte ich einmal erklären, worum es sich handelt. blätterteig (aber was für einer!), orangencreme auf obers-basis, orangenmarmelade (vermutlich hausgemacht), darauf wieder der blätterteig und geröstete mandelstifterl. eine perfekte kombination aus knusprig und weich, süss und herb-bitter, neutral-buttrig und frisch-säuerlich. nachteil? schon am samstag abend beginnt sie durchzuweichen und knusprigkeit einzubüssen. bis sonntag darf man sie folglich nicht aufheben – was man bei ratzka auch nicht müde wird zu betonen.

    @ tigerkater

    das sind ja good news! wenn es auch noch ein paar tage länger dauert, als ich gehofft hatte.

  5. ratzkafan sagt:

    Nicht unerwähnt bleiben sollten Ratzkas Mohntorten (Graumohn und Weißmohn)!!

    Zum Mitnehmen: Käsegebäck, das auch noch zu Hause etwas Ratzka-Feeling zurück bringt!

  6. tom sagt:

    meiner meinung nach kann die konditorei fercher in wien absolut mithalten. klassiker in bester qualität haben genauso ihre berechtigung wie neue kreationen. meinen gaumen haben die feinen köstlichkeiten jedenfalls verzaubert!!! vielleicht nicht kreativ beim sortiment, aber die qualität ist unglaublich…! schön, dass es solche kleinen familienbetriebe noch gibt! wir sollten uns glücklich schätzen über ein solches juwel in der welt der massenproduktion…

  7. katha sagt:

    ja, fercher ist ok, allerdings leider auch nicht in derselben liga wie ratzka. aber es stimmt schon, die alteingesessene konditorei ist eine der besseren wiens, und es stimmt auch, dass sie nicht kreativ sind. wobei die kreativität ratzkas irgendwie was selbstverständliches hat, eine ständige weiterentwicklung, sie ist nie aufgesetzt, wie bei den meisten „modernen“ konditoreien. ich war übrigens auch überrascht von manch einer aida-mehlspeise, ich dachte immer, die könnte man keinesfalls essen. stimmt aber nicht (stichwort: punschkrapferl). noch was zu fercher: angeblich sollen die hausgemachten germknödel legendär sein, das habe ich immer noch nicht geschafft. sein rigo jancsi schmeckt jedenfalls gut, noch besser war aber immer der vom goldenen hirschen in salzburg…

  8. leibspeiser sagt:

    …….meine grösste Sorge ist ein jedesmal, wenn ich von München nach Salzburg komme –
    hoffentlich hat der Ratzka heut grad nicht seinen Ruhetag.
    Abenteuerlich genial und in seiner Dimension einfach(!) der beste Konditor den es gibt! Wenn ihr mal in München Seid gehts bitte zum Rottenhöffer gegenüber der Residenz – die Bavesen vormittags um 10, sind ofenwarm und als kleiner süsser Schmaus unübertroffen……Grüsse nach Salzburg……morgen kommen wir wieder!

  9. katha sagt:

    ratzka hat montags ruhetag – aber die grundsätzliche sorge kenne ich, leibspeiser! heidi ratzka hat übrigens schon vor vielen jahrn von ihrem vater übernommen. danke für den münchen-tipp, pofesen gab’s in meiner kindheit öfter – mit powidl. wäre jetzt ein gutes frühstück…

  10. uli sagt:

    pofesen ist gut, aber am besten mit hirn!
    nur nicht in der suppe essen, wie übrigens alle gebackenen einlagen, die knusprig und tocken viel besser schmecken (mir zumindest) ;)

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  1. […] konditorei der stadt ist. sie ist ausserdem die beste konditorei des landes und darüber hinaus die beste ganz österreichs. sie ist winzig, man würde sie nie finden und sie ist es wert, bei ausnahmslos jedem […]



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