salzburg kulinarisch

update vom jänner 2013
die tipps und links sind aktualisiert – die riedenburg gibt’s nicht mehr, dafür steht jetzt endlich der weiserhof in der liste.

update vom jänner 2012
alle tipps sind nach wie vor gültig – außer nr. 7, dort steht auch, warum.

wo muss man in salzburg unbedingt hingehen? fragte mich gestern unsere freundin martina aus ulm. leicht panisch dachte ich kurz nach, ob mir denn überhaupt irgendwelche sehenswürdigkeiten einfallen würden, die nicht platt, aber trotzdem interessant sind. zum glück habe ich nachgefragt: meinst du anschauen oder essen? essen natürlich! damit kann ich dienen. acht jahre habe ich in der rechten altstadt gewohnt und dort gegessen und studiert. also studiert und auch gegessen. acht jahre lang? studiert, gearbeitet und gegessen. nein, bleiben wir bei der wahrheit: gegessen, studiert und gearbeitet.

salzburg_altstadt

die früchte meiner arbeit, also meines essens, nein, meines kulinarischen salzburg-studiums:

1. trink im café bazar gleich neben der staatsbrücke an der salzach einen hauskaffee (der einzige getreidekaffee, den ich mag – mit schlagobers obenauf) und überleg dir währenddessen, was du tun möchtest. das bazar war zu schulzeiten (als ich noch nicht in der altstadt wohnte) mein echtes wohnzimmer. ich war ein bisserl früh dran mit zeitungen lesen (damals mussten es süddeutsche, spiegel, nzz, profil und manchmal, aber nicht so gerne, auch die faz sein – ich war 16), espresso trinken und gscheit daherreden. mein lieblingsober, der herr wolfgang, ist seit wenigen monaten in pension und seit der übernahme durch familie brandstätter ist es auch nicht mehr das alte bazar, aber trotzdem würde ich mir zuallererst im bazar einen termin mit freundinnen und freunden ausmachen. der raum ist noch immer wunderschön, der kaffee (illy) schmeckt und für ein kaffehaus isst man hier aussergewöhnlich gut. hervorragendes frühstück – aber nur, wenn du nichts mehr mittagessen willst – was schade wäre!

2. wenn du am donnerstag vormittag in salzburg bist: ein besuch auf der schranne – dem wöchentlichen bauernmarkt vor der andräkirche – muss sein. grosses gedränge, viele lokale produkte (auch käse, speck, brot, fisch), schwere säcke, arme bis auf den boden und ein überfüllter kühlschrank. schlecht, wenn du im hotel wohnst. gegenüber vor dem schloss mirabell sind die bio-stände zu finden. unbedingt beim käsestand in die schlange einreihen und wenn sie haben, schichtkäse kaufen.

3. zur stärkung ein imbiss im nettesten feinkostladen der stadt, beim kölbl in der theatergasse, direkt an der bushaltestelle. sehr klein, extrem freundlich und höflich, sehr gute spezialitäten. wenn du wenig zeit, aber hunger hast, probier‘ ein kölbl-semmerl oder einen der salate. schaut vielleicht aus wie in einem anderen laden auch, schmeckt aber viel besser. joghurtfans lassen sich das hausgemachte fruchtjoghurt mit einem schuss rum niemals entgehen – und sind ang’fressen, wenn es schon aus ist.

4. wenn du hervorragend, aber preiswert mittagessen möchtest, nütze das mittagsmenü in der riedenburg wenige minuten vom neutor stadtauswärts. hat ein paar hauben und auch sonst so manche auszeichnung, aber lass dich davon nicht abschrecken. das mittagsmenü ist so günstig, dass du dir ungläubig die augen (und den bauch) reiben wirst. die riedenburg hat geschlossen. dafür fehlte in den versionen 1.0 und 2.0 dieser liste der gasthof weiserhof von roland essl, den ich dir wegen seiner außergewöhnlichen salzburger spezialitäten, oft bäuerlicher herkunft, die hier wirklich noch hausgemacht sind, unbedingt empfehle. allerdings nur wochentags, sa und so geschlossen! wenn’s germknödel (bild in dieser kulinarischen notiz) gibt, essen!

salzburg_ratzka

5. die süsse frage ist keine glaubensfrage. ich weiss, welche die beste konditorei der stadt ist. sie ist ausserdem die beste konditorei des landes und darüber hinaus die beste ganz österreichs. sie ist winzig, man würde sie nie finden und sie ist es wert, bei ausnahmslos jedem salzburgbesuch aufgesucht zu werden. heidi ratzka hat nicht nur die konditorei nahe der nonntaler brücke und dem unfallkrankenhaus, sondern auch das talent von ihrem vater übernommen. es gibt vier winzige tischlein und eine vitrine, in der eine mehlspeise besser als die andere ist. wenn du wissen willst, was ich dort essen würde: himbeer-trüffel-torte. himbeer-trüffel-torte. orange-trüffel-torte. kaffee-makron-schnitten (sind unter der budel. frag‘ danach!). rudolfstorte (die gibt’s nur samstags. blätterteig, orange, mandeln. mehr sage ich lieber nicht.). mokka-orange-torte. topfentorte. bunki (jaja! frag‘ danach!). brombeer-walnuss-schnitten. wein-apfel-torte. vogelbeer-torte. und alle anderen. das käsegebäck ist eine gefährliche droge. habe ich himbeer-trüffel-torte schon gesagt? ja, dort bin ich bekannt. nein, ich habe keinen schlechten ruf. im gegenteil. sehnsuchtsvolle grüsse in die imbergstrasse! ich habe nach sechs zehn jahren in wien noch immer keinen ersatz gefunden.

6. wenn ratzka zu hat (kommt vor, gewiss an montagen), dann kannst du auch zu schatz gehen, idyllisch, altmodisch, hervorragende qualität, in einem getreidegassen-durchhaus (rigo jancsi! cremeschnitte!). oder du gehst zu fingerlos. der gilt vielen als bester konditor salzburgs. seine torten und petit fours sind schön anzusehen, das lokal ist immer bummvoll. aber: ratzka spielt in einer anderen liga.

salzburg_plainlinde

7. schon pläne fürs abendessen? salzburg ist nach wien die kulinarisch interessanteste stadt österreichs. es wird also gar nicht so einfach. wenn du ins beste lokal gehen willst, nimm die plainlinde oder das pfefferschiff. die plainlinde ist jung und unkompliziert, küche, keller und service ein wahnsinn – das ist eine leider viel zu seltene kombination! so oft, wie ich sie empfehle, müsste ich dort schon auf lebenszeit eine fixe bank haben. das pfefferschiff gibt’s schon länger, ist gediegener, romantisch im landhausstil eingerichtet, hat den freundlichsten und bestgeschulten service, den ich kenne. und klaus fleischhaker ist noch immer einer der besten köche österreichs. update vom jänner 2012: die plainlinde ist seit sommer 2011 geschichte. und das pfefferschiff wurde im frühjahr 2010 an den ehemaligen souschef jürgen vigne und seine frau iris übergeben. da ich seither aber nicht mehr dort essen war, kann ich nichts zur küche sagen – obwohl ich annehme, dass sie nach wie vor empfehlenswert sein wird.

8. du willst kein chichi, sondern unkompliziert, aber trotzdem frisch und gut essen? geh‘ ins café cult im künstlerhaus direkt an der salzach (gläserne terrasse im sommer), richte peter luritzhofer, dem chef, liebe grüsse von mir aus und lass dich von ihm bekochen. er ist ein tiefstapler, aber ein sehr sympathischer. iss unbedingt einen salat dazu, das dressing muss ihm erst mal wer nachmachen! und wenn frischer kuchen da ist: nehmen! wenn peter mit frau und kind nach wien ziehen würde, würde ich noch diese woche ein lokal mit ihm aufsperren. zur not im eigenen wohnzimmer. woher ich das so genau weiss? weil ich im cult ein halbes jahr lang zweimal pro woche abends kochen durfte. aber das ist eine andere geschichte.

9. ethnoküche ist in salzburg nie wirklich auf die füsse gekommen. ausnahme 1: das pomodoro als bester italiener der stadt – und das schon seit jahrzehnten. richte herrn tomassetti und frau lercher liebe grüsse aus und iss un-be-dingt alles, was am antipasti-buffet zu finden ist, auf jeden fall die peperonata! und fisch! und die zuppa inglese! und denk‘ bitte dabei kurz an mich. sowas gibt’s in wien nämlich nicht. ausnahme 2: das bangkok als bester thai sehr weit und breit. schaut nicht so aus, schmeckt aber hervorragend.

10. du willst was mit nachhause nehmen? schau nochmal bei ratzka vorbei. oder bei kölbl. oder geh‘ ins magazin. das ist ein sehr schicker, sehr moderner laden, der ein wenig versteckt auf der rückseite des mönchsberges zu finden ist. dort gibt’s nicht nur ein verblüffend gutes weinsortiment, sondern auch feinste lebensmittel (auch aus der eigenen küche), blumen, accessoires und natürlich ein restaurant, in dem du dich nochmal stärken kannst, wenn du magst. wenn du gerne brot isst, dann nimm dir noch einen laib „petererbrot“ von der stiftsbäckerei st. peter hinter dem dom mit. es ist sehr dicht, schwer und auch nach tagen noch eine duftende erinnerung an salzburg.

kommentare

27 kommentare zu “salzburg kulinarisch”

  1. katha sagt:

    na von mir natürlich!

  2. Regina sagt:

    Bereits beim Durchlesen läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Wie wird es erst sein, wenn all diese Köstlichkeiten auf dem Teller liegen? Wir freuen uns auf unseren Urlaub in Salzburg. Etwas besseres kann einem nicht passieren, als sich kulinarisch und kulturell verwöhnen zu lassen. Zwischen den Jahren.

    PS: Gerne richten wir die Grüsse aus. Von wem denn?

  3. Claudio sagt:

    Dieses Bild! Was ist das? Hackbällchen auf Erdäpfelpüree mit Schalottenkonfit? Ich wills haben!

  4. katha sagt:

    ja, lieber claudio, ich hätte es jetzt sofort und auf der stelle auch gerne wieder. es waren reh(!)fleischlaibchen! erdäpfelpüree und knusprige röstzwiebelchen (ob schalotten oder zwiebel kann ich nicht mehr sagen). wie es sich auf erdäpfelpüree halt gehört – nur sind’s normalerweise ringerl und nicht so schön geschnittene würferl. und es war in der plainlinde.

  5. johanna sagt:

    in die plainlinde hab ich mich auch verliebt, zu fleischhackers haben wir’s angesichts der festspiele nicht geschafft. aber dankbar fuer deine tipps bin ich allemal, schliesslich haben wir ja im sommer hoffentlich wieder 4-5 wochen in salzburg… mit konditoreien hatte ich so meine liebe not bisher!!!

  6. Nein! Warum habe ich das nicht früher gelesen! Jetzt ist der freie Nachmittag in unserem durchorganisierten Salzburgwochenende vorbei und wir müssen nehmen was kommt – was aber auch noch gut sein könnte… Aber alleine fürs Ratzka muss ich wohl noch mal kommen.

  7. paul Ege sagt:

    betr. Konditorei Ratzka, Salzburg
    genau so ist es. Besser kann man es nicht formulieren.
    Kenne in Österreich, schon gar nicht in Deutschland, wo ich wohne, nur annähernd eine bessere Konditorei.
    Nur die meisten Salzburger wissen das gar nicht und reden nur von Fingerlos. Aber dazwischen sind Welten. Fahre nun morgen wieder nach Salzburg und „muß“ 2-3 mal zu Ratzka. Das ist Pflicht!!!
    Mit freundlichem Gruß
    Paul Ege

  8. sisko sagt:

    @ paul ege: volle Zustimmung. Bin Salzburger und weiß – auch dank Katha/Esskultur -, dass über Ratzka nichts kommt – schon gar nicht Fingerlos! Da wären vorher noch Schatz, Fürst und z. B. auch die Patisserie des Café Bazar.

  9. julia sagt:

    hallo, eine tolle salzburg-sammlung!!! leider kenn ich ratzka noch nicht, will aber das nächste mal unbedingt hin…
    darf ich auch was empfehlen?
    scio’s specereyen http://www.venusbruestchen.at
    und
    feinkost reichl http://www.feinkost-reichl.at
    den laden mag ich auch wahnsinnig gern, klein und vollgestopft, aber irrsinnig nett und superleckere frische nudeln und so.
    schöne grüße von einer salzburg-begeisterten

  10. elia sagt:

    super tippsammlung, alle total verlässlich, leider nur wenn man nicht an einem Montag im Februar in salzburg ist. (alle haben zu oder betriebsferien)
    aber sonst einer der differenziertesten tipps zum kulinarischen salzburg

  11. fressack sagt:

    Ich hoffe, es gibt den Mostwastl noch, darussen in Grödig.
    Das war einmal ein Tip von einem Ladenbesitzer in der Altstadt so ca. 1993. Bis vor vier Jahren sind wir dort immer hin. Zwischen Mittags- und Abendservice wird alles gewogen über die Theke verkauft.
    Und dazu einen herben Most aks Äppelwoi.
    Hach, Salzburg…

  12. katha sagt:

    wenn ich mir diesen evergreen-artikel so ansehe, muss ich ihn wohl endlich mal aktualisieren. und der web- und sängermeister drängt mich schon lange, sowas auch für wien zu schreiben.

  13. Liebe Katha,

    danke für den Tipp mit dem Ratzka. Da werde ich bestimmt vorbeischauen, wenn ich das nächste mal in Salzburg bin.

    Es grüßt aus München

    Martin

  14. mischa sagt:

    Sehr gute Zusammenfassung – viel mehr gibts nämlich nicht dazu zu sagen – auch 2012 nicht. Wenn man nur manchmal Lust auf Cafe und Süßes hat kann man (speziell nach 21h) mit gewissen Ansprüchen leicht verhungern. Wenns die Schranne nicht gebe würde ich an meiner Heimatstadt kulinarisch verzweifeln.

  15. bissfest sagt:

    wenn ich auch etwas empfehlen darf:

    Wohlfühlen Marcela Strapkova
    Maxglaner Hauptstr 2A
    5020 Salzburg

    der „wohlfühlladen“ in maxglan, sehr kompetente und persönliche beratung, seit vielen jahren mein persönlicher favorite :)

  16. Sílvia sagt:

    Gestern – Donnerstag – in Salzburg! Zu den in Jahrzehnten liebgewordenen Fixpunkten – 2. Frühstück im Bazar mit Hauskaffee auf der Terrasse und Esterhazyschnitte bei Schatz am Nachmittag – nun auch der wunderbare Grünmarkt bei der Andräkirche (Eierschwammerl 10 € das Kilo!) und ein Laib Peterlebrot und Brioche in St.Peter! Ratzka kommt das nächste Mal dazu. Vielen Dank, Katha!

  17. katha sagt:

    das klingt nach einem vernünftigen plan, silvia. was ich nicht wusste, ist, dass die peterer auch brioche machen. muss ich wohl beim nächsten mal in der heimat sofort holen gehen.

  18. Nicole sagt:

    Hallo Katha,

    ich fahre Anfang Februar nach Salzburg und bin dir sehr dankbar für deine interessanten Tipps. Viele deiner Links funktionieren jedoch leider nicht mehr, so dass ich gerade beim Riedenburg sehr unsicher bin, ob ich überhaupt das richtige gefunden habe?

    In welcher Strasse ist denn die Riedenburg?

    lg Nicole

  19. katha sagt:

    du hast recht, nicole, ich muss die links wieder checken, weil diese kulinarische notiz so häufig gelesen wird. die riedenburg ist geschlossen! schau dir die website vom magazin an, vielleicht sagt dir das zu. und unbedingt zum weiserhof, tolle traditionelle salzburger küche abseits der üblichen verdächtigen.

  20. Nicole sagt:

    Vielen lieben Dank für den Tipp und lieben Gruß aus Graz

    Nicole

  21. katha sagt:

    die tipps und vor allem links sind nun (endlich) wieder aktuell.

  22. entegut sagt:

    Deinen Spuren gefolgt:
    Riedenburg hat geöffnet. Mittagsmenü war hervorragend!
    Als jourdoux Tante bei Ratzka Himbeernougat- und Zitronenoberstorte gegessen und noch zwei im Bschorrpackl mitgenommen. Liebe Grüße aus der noch tourismusfreien Stadt!
    Jetzt geht’s!

  23. katha sagt:

    das freut mich, entegut, dass du auch in der riedenburg glück hattest (ich letztes jahr unter neuem pächter nämlich nicht) – beim ratzka hatte ich da eh keine zweifel ;-)

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