gehet hin und kaufet zucchini

wer mich ein bisserl besser kennt, wird sich jetzt fragen: was hat sie genommen? nein, ich habe mich nicht bei der hanfplantage am ring in der wiener innenstadt bedient (obwohl ich urban und guerilla gardening unterstützenswert finde). ich habe eine gemüse-ernteanteilskiste.

von vorne: gegrillte zucchini esse ich wegen „gegrillte“, zucchini mit minze wegen der minze, (süßen) zucchinikuchen – ihr könnt es euch schon denken. ich habe nie verstanden, warum italienische kochbücher diesem unnötigen gemüse ganze kapitel widmen. bis vorgestern. in unserem kühlschrank saß ein großer runder zucchino, schon eine oder zwei wochen, er wollte einfach nicht schlecht werden (was die verwertung in form von biomüll erleichtert hätte). der web- und sängermeister zirpte mir im pianissimo „gefüllte zucchini?“ ins ohr. und irgendwie tat er mir auch leid, der zucchino. weil er nicht von irgendwo herkam, sondern aus unserer ernteanteilskiste vom gärtnerhof ochsenherz. ich habe vor einem halben jahr eine geschichte im rondo über dieses projekt geschrieben. weil wir schon viele jahre ochsenherz-gemüse aus demeter-anbau kauften (ich kenne kein geschmackvolleres), haben wir uns auch zu einer ernteanteilskiste entschieden. mit ein paar kleinen schlanken zucchini werde ich fertig. die kommen in scheiberln bei ordentlicher flamme in die pfanne, werden braun gebraten, mit ein bisserl minze, weinessig und olivenöl verspeist. aber da war dieser große, über ein dreiviertel kilo schwere, hellgrüne (ich glaube, es war ein tondo di toscana).

vorgestern fing ich mit schlechtem gewissen (biomüll…) und neugier (immerhin ist er vom lassnig, so schlimm kann er gar nicht sein) zum rezepte suchen an. gefüllte zucchini esse ich nicht einmal wegen der fülle. vor meiner geschmackserinnerung schwebte ein teller mit einer art hellem faschiertem ragout mit zucchini vorbei, also ohne paradeiser, aber irgendwie orientalisch gewürzt. die werten twitterati haben mich tatkräftig unterstützt, aber nix hat mich wirklich angesprochen.

ein bisschen frustriert und in der leisen hoffnung, doch noch den biomüll… überflog ich die neuen beiträge in meinem feedreader. ein erst vor kurzem entdecktes blog von einer wienerin, frau am köcheln, die noch dazu im selben bezirk wie ich wohnt, schreibt agratt an diesem tag über einen zucchinikuchen aus „la cucina verde„. das buch habe ich doch! auch katharina höhnk von valentinas-kochbuch.de hat diesen kuchen schon gebacken. arthurs tochter detto.

wir haben das rezept dann ein bisserl abgewandelt und zusätzlich schafkäse (vom nuart) hinein- und mandelblättchen obenauf gegeben. dass es ganz und gar köstlich geschmeckt hat, könnt ihr euch längst denken. der zucchino war knackig und keine spur schwammig, er hat beim anschneiden intensiv nach garten und würzigen kräutern gerochen.

torta di zucchine (zucchinikuchen)
nach la cucina verde von carlo bernasconi (jacoby & stuart 2010)

750 g zucchini (im buch stehen 500 g)
50 g butter
4 eier
250 g ricotta
100 g fein geriebener parmesan (grana oder pecorino kann ich mir genauso vorstellen)
100 g nicht zu salziger, schnittfester schaffrischkäse (der steht nicht im buch, aber genau der hat die frische, leicht säuerliche note gegeben)
2 el gehackte petersilie (darf auch mehr sein)
1 el frischer thymian (wir haben ihn auch gehackt, das tue ich trotz der kleinen blättchen fast immer, weil es sein aroma besser verteilen hilft)
salz
schwarzer pfeffer
muskatnuss (steht nicht im buch, aber die musste sein)
olivenöl für die form
semmelbrösel für die form
evtl. pinienkerne oder mandelblättchen zum bestreuen

  1. zucchini grob raffeln und mit der butter und wenig salz in einer weiten pfanne 10 min bei niedriger hitze garen. in ein sieb geben. (der web- und sängermeister hat hier folgende anregung: den sehr buttrigen zucchinisud unbedingt aufheben und für die nächste suppe oder pastasauce aufheben.) mit einem löffel gut ausdrücken.
  2. ofen auf 180 grad vorheizen.
  3. in einer großen schüssel eier mit ricotta, parmesan, schafkäse (mit derselben reibe wie die zucchini grob gerieben), zucchini und kräutern verrühren, vorsichtig salzen (käse!), mit schwarzem pfeffer und muskatnuss abschmecken.
  4. eine flache form (im buch steht eine „backform durchmesser 26 cm“) – wir haben unsere porzellanerne genommen – mit olivenöl ausstreichen, gleich darauf mit semmelbröseln ausstreuen.
  5. die masse einfüllen, evtl. mit pinienkernen oder mandelblättchen bestreuen und ca. 35 minuten backen.

bei uns gab’s dazu blattsalate (genau, aus dem kistl, mit portulak) mit einem frischen, nicht zu schweren dressing.

den pinot noir rosé (das hier war das noagerl vom herrenhof) habe ich vergessen (wie mittags meistens) und zwei stunden später getrunken. hat in der erinnerung immer noch gut gepasst.

abgesehen davon, dass diese torta wunderschön ausschaut, hat sie eine konsistenz, die an irgendwas zwischen flan und frittata erinnert. mir gefällt, dass sie eben keinen teigboden hat und keine zwiebeln enthält. obwohl man sie bestimmt in diese richtung abwandeln kann (wir haben ja feinste frische weiße und rote zwiebeln, ebenso wie den besten knoblauch der welt in unserer ernteanteilskiste…). außerdem würde ich das nächste mal vielleicht auch die kräuter ein wenig variieren: minze, basilikum, estragon,…

das buch ist klein, mit 188 seiten überschaubar und hat statt aufgemopster gemüse-ist-das-neue-fleisch-fotografie ganz bezaubernde illustrationen von larissa bertonasco, die die jeweilige kapitelfarbe aufnehmen. 18 kapitel sind es, und jedes widmet sich ausführlich einer gemüsesorte mit jeweils mindestens 6 rezepten, für zucchini gibt’s sogar 7 (dass ich das mal betonen würde!). alle rezepte sind erstaunlich simpel, sie stammen aus dem familienfundus von carlo bernasconi. hervorragende produktqualität ist bei rezepten, die mit wenigen zutaten auskommen, das um und auf. mit letscherten glashauszucchini wird das nix. ich habe noch nichts anderes aus diesem buch probiert, aber bin mir sicher: gehet hin und kaufet zucchini und dieses buch und ihr werden glücklich eure bäuche halten.

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kommentare

26 kommentare zu “gehet hin und kaufet zucchini”

  1. queenofsoup sagt:

    die ernteanteilskiste! mich frisst der neid. aber egal wie ich es auch drehe, ich bin in den erntemonaten mai, juni, juli, august, september, jedes jahr mindestens zwei drittel der zeit unterwegs. seufz. dabei finde ich konzept & produkte soooo unwiderstehlich. und das buch, das soll man sich besorgen? muss ich demnächst mal reinschauen, in der buchhandlung des vertrauens. danke fürn tipp!

  2. Eline sagt:

    ueber den charme der illustrationen dieses omnipraesenten buechleins koennte man streiten – ueber das rezept nicht. ich glaub auch, dass der schafskaes eine notwendige ergaenzung ist, sonst waere mir die masse ein bisschen zu fad. das ist das stichwort zu „agratt zucchini“. die mag ich nur als gefuellte blueten oder ganz mini unbedingt braun gebraten. oder als levantinische puffer mit minzejoghurtsauce. manchmal verwende ich die dunkelgruene schale als chlorophyllspender fuer gruene saucen (und muss dann zur restlverwertung zucchini-sformatino machen. dann naehere ich mich wieder deinem rezept.

  3. lamiacucina sagt:

    das ist eines der lohnenswertesten Kochbücher, das mir seit Jahren untergekommen ist. Einfache Alltagsküche, schmackhaft.

  4. das rezept wird sofort probiert – wie du vielleicht bei mir gelesen hast, hab ich heuer ein viel-zuviel-zucchini-problem. ich hab schon wieder fünf stück in der küche liegen – und wieder hab ich´s übersehen und sie sind schon jenseits von zart und fein. da eignet sich das rezept sehr gut!

  5. zorra sagt:

    Ich muss zum Glück keine Zucchini kaufen, sondern kann nur kurz in den Garten stechen. ;-) Deshalb war ich überigens kürzlich auch auf der Suche nach Zucchetti-Rezepten und es ist eine schöne Sammlung zusammengekommen – http://kochtopf.twoday.net/stories/eure-lieblings-zucchini-rezepte-finale-liste/.

  6. katha sagt:

    die frage ist, wen mehr der neid frisst, queenofsoup, wir werden uns demnächst bestimmt einmal über die jeweiligen vor- und nachteile austauschen. falls du mal wieder in wien sein solltest. irgendwann.

    ach, ich mag illustrierte bücher so gut wie nie, eline, meist erschließen sich mir illustrationen gar nicht. hier sind sie stimmig und eigenwillig, nicht unbedingt schön, aber passend. genau, zucchiniblüten! aber auch die müssen für mich nicht gefüllt werden, einfach so in butter gebraten, perfekt. und weil du mich dran erinnerst, genau solche puffer hatten wir vor kurzem gemacht, aus der türkischen küche von gut, und – ich muss es verdrängt haben – auch die haben mir geschmeckt.

    so klingen die meisten rezepte, robert, und das eine war die bestätigung für die vorahnung (mir geht’s bei kochbüchern fast immer so, dass ich eigentlich gar nix draus kochen muss, um zu wissen, ob sie was taugen).

    wenn du irgendwoher so eine art schafkäse (aber kein gupferl, ist zu feucht) bekommst, dann nimm den wirklich dazu, küchenschabe. ich finde, den braucht’s, wie auch eline angemerkt hat.

    obwohl das von der gesamten anmutung her eher ein feines, elegantes, gar nicht lautes gericht ist – trotz der käsemengen. drum war ich so verblüfft, dass diese torta so gut schmeckte. weil fein und elegant mit einem dreiviertel kilo zucchini eben nicht zwangsweise fad und wässrig heißen muss.

    ich werde das rezept übrigens ganz gewiss auch mit kürbis probieren. evtl. mit etwas altem gouda und ziegenkäse…

    danke, zorra, für die liste, die torta darf ich nun wohl nicht mehr nachreichen ;-)

    und falls hier jemand kommentiert hat, aber ihren/seinen kommentar nicht sieht, bitte um entschuldigung, der ist im spam gelandet und den habe ich vorhin gelöscht. erst während des löschens sah ich, dass da ein „guter“ ins netz ging. bitte erneut kommentieren!

  7. Penelope sagt:

    Na gut, versuch ichs nochmal, bitte nicht löschen!
    Am besten gefällt mir „Gehet hin…“, klingt so biblisch. Man könnte auch sagen: Geh jetzt zum Kühlschrank und rette den armen Zucchino vor dem Biomüll! – Hört sich aber nicht so gut an.
    Ich jedenfalls gehe jetzt hin – durch den Berliner Regen – kaufe Zucchini und mache daraus diese wundervolle torta di zucchine!

  8. Ach da ist sie nun, die hochgelobte Zucchini-Tarte…
    Nachdem ich neulich eine leckere Tomatentarte gemacht hatte, muss ich erst mal paar Tage in’s Land gehen lassen, bevor ich mal wieder was Käse-lastigeres machen darf ;-).
    Aber auf der Nachkochliste steht die torta di zucchine bereits.

  9. katha sagt:

    hach, penelope, ich freue mich und bin erleichtert. willkommen! falls das schon öfter passiert ist, sorry. eigentlich kommen „zweifelhafte“ (obwohl ich berlin jetzt nicht grundsätzlich so bezeichnen würde ;-)) kommentare zur freigabe, aber der letzte war ohne vorwarnung im spam gelandet. jetzt werd‘ ich drauf achten. möge die torta zur ausgleichenden gerechtigkeit gleich doppelt so gut schmecken!

  10. beate sagt:

    Ich gehör ja zu denen die Zucchini tatsächlich freiwillig und gerne essen, zuletzt die gegrillten, mit gerösteten Haselnüssen, Basilikum und Parmesan aus dem Ottolenghi Buch.
    Meine Mutter macht aus den selbst angebauten immer ein Zucchini Chutney, wenn die Ernte zu mächtig wird.
    Dein Rezept kommt ganz oben auf die Liste, morgen bekomm ich Zucchini Nachschub aus dem Garten.
    Das erste Buch von Larissa Bertonasco ‚La Nonna la Cucina la Vita ‚ mochte ich auch schon sehr gerne, auch wenn die Rezepte eher die italienischen Standards waren. Aber die kleinen Geschichten von der Nonna zeigen eben auch, dass Essen nicht nur mit den besten Zutaten und Zubereitungen zu tun hat sondern auch mit den Erinnerungen und dem Leben drumherum.

  11. katha sagt:

    käselastiges darf man immer machen, multikulinaria, wenn der käse bzw. die milch dafür von anständig gehaltenen viechern kommt. oder hast du das irgendwie anders gemeint?…

  12. heute kam ich endlich dazu den Ricotta zu besorgen – freu mich jetzt schon aufs nachbacken!

  13. zorra sagt:

    Katha, nachreichen geht nicht mehr, aber ich hab sie vorhin in meinem Post erwähnt. ;-)

  14. kaltmamsell sagt:

    Wunderbar, sehr gut, köstlich (vor allem, wenn man länger als 10 Minuten nach dem Backen mit dem Essen zu warten und sich nicht die Gosch verbrennt). Bin hingegangen und habe gemacht. Nächster Schritt: Buch kaufen.

  15. katha sagt:

    sehr löblich, werte frau kaltmamsell, und dass du dir gosch verbrannt hast, hat damit zu tun, dass du aufs fotografieren vergessen hast. seit ich das immer mache, wird mir (und dem web- und sängermeister) das essen lau und sowas kann nicht mehr passieren. diese biblischen sprüche haben einfach was zeitlos-zwingendes…

  16. Buchfink sagt:

    Ich fand es auch köstlich, habe statt Schafsfrischkäse aber denselbigen von der Ziege genommen, weil gerade vorhanden. Außerdem noch mit Espelette gewürzt. Ja doch, mach ich wieder, ist ja eine einfache Angelegenheit und der Mitesser war auch angetan.

  17. mila sagt:

    super idee und gut schauts aus! ich hab dieses jahr selbst zucchini gepflanzt und auch geerntet :)

  18. katha sagt:

    genau, buchfink, einfach, aber köstlich. zwei eigenschaften, die leider nicht immer unmittelbar zusammenhängen.

    willkommen, mila, hast die torta schon mit den eigenbauzucchini probiert?

  19. diediedaist sagt:

    Dank der Erinnerung des Sommerdanks habe ich diesen Zuchinikuchen diesen Sommer auch schon zweimal gebacken- das Rezept ist herrlich vielseitig – funktioniert auch ohne andünsten der Zuchiniraspeln – oder mit Schmand statt Ricotta (allerdings weniger) und besonders gut finde ich passt etwas abgeriebene Zitronenschale dazu und Walnüsse statt Pinienkerne

  20. Valeska sagt:

    Heute vom solawi-Ernteanteil gemacht und mit lieben Kolleginnen in der Mittagspause geteilt. Alle fandens lecker, das mach ich noch mal.

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