beeilung bitte: pfirsich-paradeiser-salat

es gibt gerichte, die haben ein im kulinarischen sinne winziges zeitfenster von bestenfalls ein paar wochen. dieser salat gehört dazu. ohne reife fleischparadeiser und ohne reife pfirsiche braucht man nämlich gar nicht erst damit anfangen.

als ich letztes jahr in der effilee das rezept für den tomaten-nektarinensalat gelesen hatte, konnte ich mich nicht so recht mit der idee anfreunden: die ohnehin zum wässrig sein tendierenden nektarinen, kombiniert mit fast immer zu saftigen und gleichzeitig geschmacklosen paradeisern, dazu hüttenkäse (den ich für einen großen irrtum der milchwirtschaft halte) und basilikum – aber gleichzeitig war das rezept doch von stevan paul, furchtbar konnte es also nicht sein.

letztes wochenende haben wir beim marktstand vom biohof adamah so derart aromatische niederösterreichische pfirsiche bekommen, außerdem ochsenherz-paradeiser aus unserer ernteanteilskiste und ricotta al forno sowie wie immer eine handvoll ziegenfrischkäse von helwin hinke. da fiel mir das rezept wieder ein. bloß hatte ich den bubikopfbasilikum am vortag kahlgeschnitten, also musste estragon herhalten, was sich als grandiose idee erwiesen hat (eigenlob stinkt in diesem fall nicht, sondern schmeckt so gut, dass die kombination unter die leut‘ muss). und statt weißweinessig nahm ich wie fast immer den vollmundigeren zweigelt-rotweinessig vom meinklang. der salat schmeckte fantastisch.

vorgestern – eine woche nach der pfirsich-paradeiser-salat-premiere – gingen wir in der hoffnung auf kiloweise pfirsiche der sorte red haven (wie adamah mir auf nachfrage mitteilte) sehr beschwingt und siegessicher auf den karmelitermarkt. als ich beim adamah keinen einzigen pfirsich finden konnte, war ich vor wut und fassungslosigkeit den tränen nahe. wie konnten die mir das antun? ich habe diese pfirsiche doch über den grünen estragon hinaus per mail gelobt und dann haben die einfach keine mit? ich nahm’s persönlich, der web- und sängermeister behielt die fassung und beschloss, nach einem stummen marktfrühstück mit mieselsüchtiger frau esskultur selbige quer über den markt auf der suche nach heimischen, reifen pfirsichen zu ziehen – schieben – schleifen. er hatte natürlich recht mit seinem optimismus, es ist ja grade pfirsichhochsaison. wir bekamen sogar red haven (halt nicht bio). dazu diesmal paradeiser vom biohof rapf, die um diese jahreszeit zig verschiedene sorten auf dem karmelitermarkt anbieten.

gestern nahmen wir dann feta statt ricotta al forno und basilikum statt estragon. und wieder hat der salat fantastisch geschmeckt.

pfirsich-paradeiser-salat
für 2 hungrige

zutaten

  • 1 großer, reifer ochsenherz- oder anderer fleischparadeiser (etwa 1/2 kilo)
  • 1-2 sehr aromatische, saftige pfirsiche
  • feta oder ricotta al forno oder anderer frischkäse, der ruhig trocken und bröselig und salzig sein darf, menge nach geschmack, 15-20 dag dürfen’s schon sein
  • basilikum oder estragon (natürlich französischer)

vinaigrette

  • 1 el rotweinessig
  • 1-2 tl flüssiger honig (z. b. akazienhonig), menge hängt von der süße der paradeiser und des pfirsichs ab
  • salz, je nach käse nicht zu wenig
  • großzügig schwarzer pfeffer
  • 4 el nicht zu vorlautes olivenöl (bei mir: griechisches kalamata)

zubereitung

  1. paradeiser je nach hautzustand und vorliebe abziehen. in schmale speigerln schneiden, auf großen flachen tellern verteilen.
  2. pfirsich abziehen, in ähnlich große speigerln schneiden und zu den paradeisern gesellen.
  3. käse mit den fingern über die früchte bröseln.
  4. basilikum je nach blattgröße zerzupfen oder in feine streifen schneiden, estragon von den stielen zupfen. kräuter über den käse streuen.
  5. vinaigrette verrühren und über den salat träufeln.

weißbrot (am besten das brot) mit knuspriger kruste und viel weicher krume zum auftunken passt gut dazu.

wein
beim 1. mal (ricotta al forno/estragon) gab’s dazu den sauvignon blanc 2009 vom weingut nigl (senftenberg, kremstal), von dem wir letztes jahr ein paar flaschen ab hof mitgenommen hatten. wir kamen aus dem staunen nicht mehr heraus, wie gut sich der salat mit diesem wein vertrug.
beim 2. mal (feta/basilikum) war’s dann der rote veltliner 2008 vom demeter-weingut wimmer-czerny (fels am wagram), der mit seiner fülle und restsüße genauso super passte.

dieser salat hat mich doppelt belehrt: zum einen passen paradeiser zu pfirsichen, wenn beide reif sind (das liest sich banal, ist aber die große hürde bei diesem rezept). zum zweiten kann ich mich ruhig auf meine intuition verlassen, wenn’s um den passenden wein selbst zu schwierigen gerichten geht (paradeiser, säure, salziger käse). beide erkenntnisse werde ich heuer zur sicherheit noch ein 3. mal überprüfen müssen – wenn das zeitfenster nach einer kurzen sommerfrische ende august noch offen ist.

39 Gedanken zu „beeilung bitte: pfirsich-paradeiser-salat“

  1. Das liest sich spannend, ich bin bisher nie auf die Idee gekommen das Tomate mit Pfirsiche harmoniert, das werde ich ausprobieren, danke für das Rezept.

    Gruß Wolfgang

  2. Liebe Katha, genau diesen Salat wollte ich letztes Wochenende zubereiten, und was glaubst Du, woran es gescheitert ist? Ich hatte ein ähnliches Problem wie Du: die Pfirsiche waren es! Daher kann ich Dich sooo gut verstehen. Doch mich hat niemand bei einem Marktfrühstück getröstet ;-) Jetzt dümpeln noch immer ein paar geschmacklose Pfirsiche in meiner Küche herum. Dafür habe ich vorhin – noch bevor ich diesen Post von Dir gelesen habe – den Teig für das No-Knead-Bred, das bei mir nur noch das KNKB-Brot = Katha-No-Knead-Bred heisst, angesetzt, wohlwissend, dass bei dieser Bezeichnung des Brot „doppel-gemoppelt“ ist, aber mir gefällt einfach der Ausdruck KNKB-Brot besser als z.b. knetfreies Brot oder sonstige Bezeichnungen.

  3. willkommen, wolfgang, ich wurde ja auch eines (sehr viel) besseren belehrt.

    synchronizität, ti saluto ticino, sowas gefällt mir immer. ich wünsch‘ dir gleich morgen einen aromatisch-saftigen pfirsichfund.

  4. Du gehst auch am Karmelitermarkt einkaufen? Da sind wir uns sicher schon einige Male über den Weg g’rennt! Nächsten Samstag ist übrigens von Slow Food ein Artischocken-Stand auf dem Karmelitermarkt. Leider hab ich keine Zeit, aber der Turbohausmann hat sich schon bereit erklärt, dort einen gröberen Einkauf zu starten.

  5. servus, turbohausfrau, dann sind wir offenbar nachbarinnen! ja, die theuringers sind am 20. august noch einmal mit ihren artischocken auf dem karmelitermarkt – aber ich nicht. stichwort: sommerfrische. lasst’s euch das wunderbare gemüse gut schmecken. ich habe mir vorgenommen, endlich mal ab hof welche zu kaufen.

  6. Mal sehen, ob uns das Glück wohl gesinnt ist, und uns gute, saftige Pfirsiche finden lässt. Bei keiner andern Frucht kaufe ich so oft schön aussehende Exemplare ein, die sich zu Hause als Blendwerk herausstellen.

  7. Mal schauen, ob ich wenn ich wieder darf noch reife Pfirsiche finde, dann steht der Salat ganz oben auf meiner Liste.
    Sonst geht es mir wie Robert, bei Pfirsichen falle ich so auf rein, Weinbergpfirsiche halten da eher was ihr aussehen verspricht.

  8. Dieser Salat ist der Hit! Ein Mal gegessen, muß der alsbald wieder auf den Tisch! Für uns allerdings orginal mit Nektarine.

  9. Hallo Katha,

    ich will mich für deinen tollen no-knead-bread-Zeitplan bedanken, den ich eben entdeckt habe. Der ist wirklich super, ich habe ihm entnommen, dass ich, um morgen abend das Brot essen zu können, morgen um 15 Uhr die Arbeit Arbeit sein lassen muss.
    Ich werd´s auch im Creuset backen, dem hab ich nämlich vor einigen Wochen einen neuen Deckelknopf (jetzt Edelstahl und nicht mehr Plastik) geschenkt. Danke!

  10. robert, das ist komischerweise beim gesamten steinobst so: gute marillen muss man selbst in ö lange suchen, pfirsiche sowieso und eine ordentliche nektarine (mit geschmack und nicht mehlig) ist mangelware.

    ich hab‘ auch schon mehlige, fade weinbergpfirsiche gehabt, tina, deshalb würde ich die auch nicht uneingeschränkt empfehlen.

    gute nektarinen sind meiner erfahrung nach noch schwieriger aufzutreiben als gute pfirsiche, micha.

    dass dir der zeitplan taugt, küchenschabe, freut mich sehr – danke für dein feedback dazu. ich fand das damals so naheliegend, einen zu machen – und nütze ihn selbst nach wie vor jedes mal (zuletzt voriges wochenende).

  11. Hach, weil’s mir gestern beim Nachhausekommen zu spät war für geschmälzte Maultaschen mit viel Salat, habe ich „effiliert/stevanpaulisiert“, weiße Pfirsiche und weiße Nekatrinen gemischt und Hüttenkäse genommen. Den kaufe ich sonst nie, aber für Stevan Pauls Insalata immer wieder gerne…

  12. hüttenkäse. geht überhaupt nicht, das bobalade, geschmacklose zeug. ansonsten scheint genau die richtige zeit für diesen salat zu sein, thea, sag‘ ich doch!

  13. Heute gleich ausprobiert (mit Nektarinen und Ricotta al forno – eh alles bio): Super(spät)sommersalat, wird es in den nächsten Wochen noch häufiger geben!

  14. Bei mir daheim sitzen im Moment auch 2 weisse, mehlig-matschige Pfirsiche in der Obstschale und schmollen, weil sie niemand essen mag.

  15. habe noch weisse Bio-Pfirsiche vom Kurzurlaub in Südtirol vorrätig und deshalb heute abend gleich mit Fleischtomaten aus dem eigenen Garten ausprobiert (bei uns in Vbg. sagt frau/man halt Tomaten anstatt Paradeiser :)), als Variante der Käsesorten kann ich frischen Montafoner Sura-Käs empfehlen – ein Gedicht!

  16. Das erinnert mich an die großartige kalte Tomaten-Pfirsich-Suppe, die man mir mal in Dresden servierte, und die ich mir seinerzeit vornahm nachzukochen. Werde ich nach diesem Hinweis um Estragon erweitern.

  17. cottage cheese – wurde mir schon als teenager als bestandteil diverser diaetplaene meiner schwester verleidet. tomaten und pfirsiche kann ich mir sehr gut als harmonisches paar vorstellen. etwas schaerfe (dein schwarzer pfeffer oder ev. gelbe chilies?), um die suesse zu konterkarieren, auch. honig in der marinade waere mir zu reifen fruechten schon zu viel suesse. ich bekomme derzeit keine sehr guten pfirsische mehr. weisse nektarinen waeren aber ein akzeptabler ersatz, denk ich.

  18. Sg Fr. Katharina Seiser
    Habe gestern vom Biohof Adamah von Ihrem Artikel über unsere BIO-Pfirsiche erfahren.

    Es würde uns freuen wenn Sie nächstes Jahr unsere Marillen, Pfirsiche in der Zeit vom ca 20 Juli – 10 August direkt bei uns ordern.
    (ab 10 Kg Zustellung möglich)

    In der Herbstzeit bieten wir Produkte aus unsern Pfirsichen zb: Pfirsichnektar
    und Fruchtkonfitüre an, diese Produkte können auch über die Fa. Adamah bezogen werden.

    Tel 0650 4105529
    Frischobsthof Brunner
    Josef Seitz-Strasse 6
    2242 Prottes

  19. das einfache ist halt wie immer das am leichtesten zugängliche, folglich am schnellsten ausprobierte. geht mir genauso. die vorstellung, dass ihr das rezept frei interpretiert und dann vergnügt vor euren tellern sitzt, macht mir freude und ist bestätigung dafür, dass bloggen bei weitem nicht bloß mitteilungsbedürfnis, sondern virtueller austausch ist.

    die lese ich nicht regelmäßig, qos, daher ist mir wohl auch deren variante entgangen.

    ich mag kontrapunkte auch gern, eline, manchmal braucht’s aber gar keine zusätzlichen. hier süße und säure, viel duftiges aroma, salz und kräuter, schwarzer pfeffer ist eh dabei. ich hätte mir auch gedacht, dass der honig zu viel des guten ist, aber die fruchtsäure der beiden protagonisten ist stark genug.

    mein pfirsichheld! danke, lieber herr brunner, mitte juli 2012 ist bereits im kalender eingetragen. ich melde mich.

  20. endlich hat es geklappt, gute pfirsiche, gute paradiesische paradeiser… der salat ist einfach göttlich :-)…und heute gleich nochmal…
    grüße aus der ferne Anna

  21. da bist du mir schon einmal voraus, anna, wir haben’s nur ein einziges mal heuer geschafft – die pfirsichsaison war zu kurz.

  22. das rezept war eine tolle inspiration für meinen Marillen-Feta-Salat mit Rukola und Basilikum, geht aber nur mit sonnengereiften marillen aus dem garten oder aus der wachau ;)

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