1,5 jahre altes joghurt [video]

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beitrag zur diskussion über lebensmittelverschwendung

verkostung eines 1,5 jahre alten joghurts:

bio-fruchtjoghurt
titania johannisbeere (ja! natürlich)
zutaten: bio-naturjoghurt 1% fett, bio-johannisbeeren 13%, bio-rübenzucker, pektin (stabilisator), bio-johannisbrotkernmehl (stabilisator)

mhd 17. 11. 2011

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verkostet am 21. 4. 2013

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zeitspanne: 1 jahr und 5 monate oder umgerechnet 520 tage nach ablauf des mhd, das heißt, das joghurt dürfte zum zeitpunkt der verkostung etwa 1,5 jahre alt gewesen sein (anmerkung: das joghurt war ab dem kauf ohne unterbrechung in meinem kühlschrank)

verkostungsnotizen: im video

interpretation: bewusst keine (bis auf meinen stehsatz zum thema: das produkt in der verpackung kann nicht lesen, was außen auf der verpackung für ein datum geschrieben steht)

warum erst 1 jahr nach der aufnahme? weil jetzt sicher ist, dass ich den selbsversuch überlebt habe weil ich drauf vergessen hatte und weil das video dilettantisch gemacht ist. das wissen wir, aber darum geht es nicht. (meine einzige ausrede dafür: ich bin printjournalistin!)

kommentare

19 kommentare zu “1,5 jahre altes joghurt [video]”

  1. Großartig, einfach großartig, diese Demonstration! :-)

  2. kelef sagt:

    ach, das ist aber nix neues ..

    ernsthaft: ich hab ja mal in so einem kleinen pharmazeutischen unternehmen gearbeitet, da war natürlich auch ein labor. der geschäftsführer – chemiker – hat immer lustige experimente bzg. haltbarkeit gemacht.

    sein credo war kwasi: was nicht zurückredet, unserienmässig blau oder grün ist, davonläuft, stinkt oder sich sonstwie anders als gewohnt verhält, kann man noch essen.

    wie alle guten chemiker war er auch ein guter koch.

    das langlebigste joghurt hatte, glaube ich, über zwei jahre auf dem buckel, und schmeckte tadellos – war aber reines jughurt ohne früchte.

    er meinte, wenn in der produktion sauber gearbeitet wird, dann muss das auch so sein, wenn die kühlkette eingehalten wird. ein lebensmittelchemiker hat mir das dann jahrzehnte später bestätigt.

    allerdings soll es auch schon z.b. joghurts gegeben haben, die sich lange vor dem mhd-datum, obwohl im winter (also nix mit auf dem transport in der sonne gestanden) als unter der dichten alufolie grünschimmelig oder gelblich präsentierten. seit ich das alles mehrfach erlebt und getestet habe: einfach schauen, wenn alles ok aussieht, vorsichtig kosten: darf nicht bitter schmecken. das gleiche gilt auch für sauerrahm & verwandtschaft, topfen, kaffee- und schlagobers, etc., und so ziemlich alle vakuumierten käsesorten. oder vakuumiertes selchgift (das wird u.u. sogar besser, weil es nachreift). bei geselchten würsteln im vakuumpack liegt meine persönliche erfahrung bei über zwei jahren: und die würstl waren vom bauernhof, und bio, und im kühlschrank, und: tadellos.

    auch bei den meisten konserven gilt ähnliches. die hysterie, die manche leute haben: „oh, gestern abgelaufen, heute giftig“ ist mehr als unangebracht.

    nicht, dass es nicht trotzdem sachen gibt die verderben. aber gesunder menschenverstand ist schon auch was wert.

    aber wenn ich sowas sag, dann schauen mich die leut immmer an als ob ich von einem anderen stern käme. so auch z.b., wenn ich das gute brot in den kühlschrank lege: da hält sich anständiges brot zwei wochen lang, und anderes als anständiges brot ess‘ ich eh nicht. und ich HASSE ES lebensmittel wegzuwerfen.

  3. Micha sagt:

    Sehr erheiternd, wie vorsichtig du dich ranpirscht. Merke: lieber ein Mal mehr gut umrühren ;)

    Aber den Fingerweis habe ich wohl verstanden…

  4. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Buttermilch und Ricotta halten sich auch (in unbeschädigter Packung) viele Monate über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus.

  5. Bei „nackerten“ (Bio-)Joghurts hatte ich – nach entsprechend positiver Erfahrung – nie Bedenken, die auch nach ein, zwei Monaten über MHD zu essen.

  6. Sandra sagt:

    Ich schließe mich der Meinung von Kelef an.
    Damals als ich in der Nahrungsmittelindustrie (Produktentwicklung Fruchtzubereitungen für Joghurts) arbeitete war es gang und gäbe, das wir Referenzmuster mit bist zu einem halben Jahr über der MHD verkosteten. Es haben alle überlebt. Ob es einen Gesundheitswert hat beziehungsweise der langfristigen Gesundheit der EsserInnen zuträglich ist, ist eine andere Geschichte.
    In dieser Firma in der Steiermark gab es einen Verkäufer der freute sich immer besonders, wenn er die uralten Joghurts (über ein halbes Jahr, für die sonst kaum jemand zu begeistern war) verspeisen durfte.

    Mir geht es so das ich staune wenn Menschen auf die MHD von Milchprodukten schauen, feststellen 1-2 Wochen abgelaufen, und es ungeöffnet wegwerfen. Wichtig ist festzustellen, ob es nicht bombiert ist (gewölbter Deckel vom Milchprodukt) ob kein Schimmel sichtbar ist und ob es den aktuellen Geschmacksbedürfnissen entspricht.

    Was passiert denn mit Fruchtzubereitungen (FZ), die von den Molkereien an den FZ Hersteller zurückgeschickt werden, da Container MHD abgelaufen? Hat das jemand hinterfragt?
    Dasselbe was wir tun: Passen die Containerdruckwerte? (entspricht Bombagekontrolle), Mikrobiologische Laboruntersuchung (Schimmelkontrolle), Geruchs- und Geschmacksprobe. Wenn okay dann ab damit in die neue FZ. Verschnittware heißt die alte abgelaufene FZ die in eine neu gekochte FZ hineingemischt wird und dann wieder zur Molkerei geht.

    … wäre viel Geld das in den Kanal geschüttet wird
    …. große Zuckerkonzerne denken laut meiner Lebenserfahrung ökonomisch
    … ich hab natürlich keine Freud wenn unser Kind ein möglicherweise Uraltfruchtjogurt vom Gschäft möchte. So mache das von Mama mit Mamalad (mit viel Liebe drinnen ist ja das Wort Mama in der Mamalad enthalten) Jogurt und Amaranthpopkorn gemixte Fruchtjoghurt unserem Kinde schmackhaft.

    In diesem Sinne Mahlzeit und danke für deine Inspirationen aus der aktuellen Servus Gute Küche!

  7. claudia sagt:

    Ich habe neulich auch einen Joghurt im Kühlschrank gefunden. Vor einem Jahr abgelaufen. War ein Ziegenmilchjoghurt im Glas, frz. Hersteller. Weil ich das Glas aufheben wollte, habe ich den Joghurt geöffnet. Und dran gerochen. Kein Schimmel, kein ungewöhnlicher Geruch. Joghurt halt. Habe ihn dann aber doch nicht probiert. Bin mir sicher, dass ich auch nicht dran gestorben wäre, wie Dein Selbstversuch gezeigt hat.

  8. richard sagt:

    mir dilettanten erscheint das schlüssig.
    das joghurt kommt gewissermaßen schon als kaputte milch in den becher, das ist ja der witz an dem produkt an sich.
    zucker, schwarze ribisel und pektin ergeben marmelade, die hält sich ewig und drei tag.
    könnte allenfalls das johannisbrotkernmehl schlecht werden.
    (gut, ich weiß, dass das joghurt dann den konservierenden zucker in der marmelade verdünnt, sich die konservierkonzepte insofern aufheben könnten.)

    anderes thema: wichtiger beitrag, die alte tugend des nix wegwerfens mag zwar aus der not entstanden sein, das tut der tugendhaftigkeit aber keinen abbruch. konsequent umgesetzt wirkt sie in einer wohlstandsgesellschaft allerdings oft skurril. meine freundin nennt mich z.b. gerne „die oma!“, wenn ich aus den ausgelösten hendlknochen suppe koche. nicht, weil sie das (noch) seltsam fände, aber weil in diese generation tatsächlich typischer passt als in unsere.

  9. katha sagt:

    danke, christoph.

    d’accord, kelef, mit allem, außer: brot in den kühlschrank. geht gar nicht. trocknet viel schneller aus, schmeckt nicht mehr so aromatisch. und vor allem: wozu?

    erheiternd, micha, soso ;-)
    das mit dem umrühren hatte aber bitte einen anderen grund! davor war ein schnitt und ich wollte sichergehen, dass glaubhaft ist und bleibt, dass ich aus diesem joghurt probiere, deshalb habe ich nochmal eingetaucht.

    eben, petra.

    sehr gut, christoph.

    danke, sandra, für die vielen hintergrundinfos, sehr spannend! was mich interessiert: wieso hat sich der eine besagte verkäufer über die alten joghurts gefreut?
    und danke fürs servus-gute-küche-lob!

    siehst du, claudia, gar kein problem.

    das stimmt nur bedingt, richard, joghurt als „kaputte milch“ zu bezeichnen finde ich ein bisserl übertrieben, obwohl ich kein joghurtfan bin. da wäre käse ja noch viel kaputtere milch ;-). außerdem war es ein joghurt, in dem fruchtzubereitung und neutrales joghurt übereinander (nicht vermischt) geschichtet waren.
    ich glaube, „die oma“ ist gerade dabei, wieder salonfähig zu werden. du bist also voll im trend ;-)

  10. Engerl sagt:

    Lebensmittelverschwendung? Ja, genau – wenn man ein seit kurzem abgelaufenes Joghurt dann noch fast 1.5 Jahre lagert, nur um den Verfallsprozess zu beobachten und zu schauen, ob man den Genuss „noch überlebt“… Und ohne es ganz aufzuessen..

    Katha, diesmal bin ich enttäuscht von Deinen Argumenten… Der richtige Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung hat Dich, so scheint es, selbst zur Verschwenderin werden lassen… Sorry, wenn ich hier klar spreche.

    Das Engerl

  11. Thomas Bretterbauer sagt:

    Hallo!
    Die Frage, ob ein Produkt noch nach Ablauf des MHD genussvoll ist, müsste man sich erst gar nicht stellen, wenn man bewusster einkauft. Damit meine ich, dass wir Konsumenten nur die Menge einkaufen sollten, die unserer Haushaltsgröße (Single, Kleinfamilie, Großfamilie) entspricht. Ich bin der Meinung, dass viele Lebensmittel nur weggeschmissen werden, weil es Konsumenten gibt, die jeder Mengenaktion (1+1 Gratis, Nimm 5 zahl 4 usw.) im Supermarkt nachlaufen und vorher gar nicht nachdenken, ob sie das Produkt bzw. die Menge überhaupt aufbrauchen können. Ich bin der Meinung, dass sich Haushalte in Zeiten der flächendeckenden Nahversorgung auch nicht mehr eindecken müssen. Ebenso bin ich der Meinung, dass man auch nicht mehr „zugreifen“ muss, wenn es billiger ist. Der Preiskampf zwischen den Big-Playern im Lebensmittelhandel wird immer stärker, d.h. die stärker nachgefragten Produkte sind sowieso ständig in Aktion.

  12. kelef sagt:

    @katha: brot im kühlschrank (in einem luftdicht verschlossenen tiefkühlsackerl): das kommt daher, dass ich weder frisches brot noch körndlbrot vertrage, aber leidenschaftlich gerne esse. auf ersteres verzichte ich eben, aber auf zweiteres sehr ungern. ich habe einen ein-personen-haushalt. mehr als zwei dünne stück brot „gutes“ brot an einem tag, dann zwei tage pause, mehr geht nicht. ich kauf also das brot gerne „abgelaufen (=50% verbilligt), lass es noch ein bisserl atmen, und dann ab in den kühlschrank. kein brotkistl/-sackerl/was auch immer hält so lange frisch, bis ich mit einem halben kilo brot fertig bin. einfrieren ist auch so eine sache: geschnitten und dann aufgetaut muss ich auf ein stück brot ganz schön lange warten.

    @sandra: eben.

    @alle: ich hab den test von katha so verstanden, dass die vielfach auftretende hysterie bzgl. „abgelaufener“ lebensmittel einfach nix als hysterie ist, und keinerlei echte fachliche oder qualitative begründung hat. dass ein extremfall zum beweis herangezogen wurde, ist also völlig normal. drei tage hätten niemanden beeindruckt.

    alles, was man lagert, verändert sich im laufe der zeit ein wenig. auch reis wird irgendwann einmal muffig, bananen kriegen flecken, etc., aber deshalb muss man nicht immer mit hysterischem blick auf das mhd lebensmittel entsorgen. ich kauf auch schon lange mozarella, quargeln etc. nur wenn sie „abgelaufen“ sind, weil: die grösste käsefetischistin hier im hause ist der hund, und die kann nicht lesen, also ist es ihr völlig egal. als ordentliche tierliebhaberin koste ich aber immer vor, keine sorge, und es ist uns beiden noch nie schlecht geworden. ihren quargel nimmt sie übrigens am liebsten mit ordentlich kernöl, und ein oder zwei kleinen, süssen paradeisern, und weissbrot dazu.

    es geht ja nicht darum, eine wette zu gewinnen wer das älteste joghurt im kühlschrank findet, isst und es überlebt, und ob das dann noch gesundheitswert hat oder nicht, sondern darum, dass wir mit unseren lebensmitteln einfach sorgsamer umgehen, und uns nicht ins bockshorn jagen lassen sollen.

    mhd heisst mindesthaltbarkeitsdauer, und ist so zu verstehen dass der hersteller bei sachgemässer lagerung garantiert, dass das produkt bis zu diesem zeitpunkt unverändert aussieht, riecht, schmeckt und sich überhaupt verhält wie am tag der herstellung. mhd sagt also nicht das geringste darüber aus, wie lange das produkt noch tadellos ist.

    exp.d./abl.d. hingegen heisst expiry date/ablaufdatum, und das heisst dass das produkt sich ab diesem zeitpunkt möglicherweise verändert, und daher nicht mehr verwendet werden darf, weil sonst sonstwas passieren kann.

    das alles gilt sinngemäss auch für technische artikel, medikamente, verschiedene materialien, etc..

    kurzum: man sollte diese beiden dinge einfach nicht verwechseln.

  13. katha sagt:

    meine ehrlichkeit lässt mich gut schlafen, auch wenn sie anonymen moral“engerl„n vielleicht nicht so gut gefällt. damit müssen wir beide leben.

    auch ein wichtiges thema, thomas. bei mir z. b. keine gefahr, weil ich in meinem leben noch nie lebensmittel wegen des (billigen) preises eingekauft habe.

    eh, kelef, genau so ist es gedacht. danke.

  14. Adnan sagt:

    Hey Katharina,

    glaubst du ein selbstgemachter Joghurt würde in der selben Verpackung auch 520 Tage halten? Welche Technologien zur Haltbarkeit da ja! Natürlich oder der Produzent sonst noch einsetzt weiß ich nicht.

    Ist natürlich nicht so smart einen selbstgemachten Joghurt mit einem Supermarkt Industrie Produkt zu vergleichen, aber das Recht nimm ich mir mal raus wenn man „natürlich… biologische Landwirtschaft…. bio-naturjoghurt“ draufschreibt :).

    Lg Adnan

  15. Anita sagt:

    Ich musste so lachen! Bei mir sieht das immer genauso aus wenn ich mich abgelaufenen Milchprodukten wie Joghurt, Sauerrahm etc. nähere :)
    Ich bin immer wieder überrascht/schockiert/erfreut wie tadellos solche Produkte noch nach dem Ablaufdatum aussehen und schmecken.

  16. katha sagt:

    natürlich nicht, adnan, das hat schon was mit den produktionsbedingungen zu tun.

    mit ordentlich respekt, gell, anita?

  17. Ein schöner Bericht – und Beitrag gegen die „Wegwerfkultur“!

  18. Nina sagt:

    Wuha!! Ganz ehrlich, das sind Sachen, die will ich gar nicht sehe *gg*

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  1. […] Gut gereift: Katha­rina von Ess­kul­tur pro­biert einen Joghurt aus ihrem Kühl­schrank, des­sen Min­dest­halt­bar­keits­da­tum seit einem Jahr und fünf Mona­ten abge­lau­fen ist. Die Ver­kos­tung hält sie im Video fest und kommt zu dem Schluss: „Das Joghurt hat über­haupt nichts.„ Ess­kul­tur […]



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