ganzjahresallwetterkeks

subversiv wie gerne gibt’s auf esskultur keksrezepte erst nach weihnachten – diese keks haben es nicht verdient, auf einem bunten keksteller, der, wenn ein paar tage mit folie drüber gelagert, eine jämmerliche melange der ursprünglichen einzelgeschmäcker ergibt, durch ihre dezente erscheinung und vornehme nicht-verzierung unterzugehen.

das sind anlassfreie ganzjahresallwetterkeks. sie heißen nervenkeks nach hildegard von bingen und wie „authentisch“ sie sind, ist mir völlig wurscht, weil sie schmecken. ich (mein dritter vorname ist hildegard) kenne sie, seit ich denken kann. meine oma (hildegard) hat sie gebacken, meist aber eine meiner vier tanten (von denen nur eine eine echte war). die echte tante erna hat die dicksten gemacht, die sie uns gemeinsam mit kärntner würsteln, speck, reindling und manchmal sogar mit frischen kasnudeln per packerl nach oberösterreich geschickt hat. dicke nervenkeks schmecken suboptimal, außerdem hat sie zu wenig zucker genommen (so, wie es im originalrezept steht), aber die sympathie für meine kärntner tante erna samt würsteln, speck etc. haben mich über diese brummer großzügig hinwegsehen lassen. tante herta (apfelschlangerlclubmitglieder, aufgepasst!) hat hingegen die besten nervenkeks gemacht, hauchdünn, sehr knusprig, genau richtig süß, warm-würzig, zum dumm und deppert fressen, hätte ich bloß genug davon bekommen. habe ich nicht. habe ich nie. weil: diese keks enthalten eine menge gewürze, nämlich sehr viel muskatnuss und zimt und etwas weniger gewürznelken. muss ich noch mehr sagen? ja: diesmal keinen teig naschen, oder nur ganz wenig, und den kekskonsum bitte pro tag auf wenige stück (eine handvoll?) beschränken. wenn euch meine tante erna erscheint, oder ihre schwester, meine oma, dann habt ihr schon zu viele gegessen.

weil esskultur-leserin cheps bei der kulinarischen notiz the famous five über meine imbiss-kocherei um barmherzigkeit samt nervenkeks-rezept gebeten hat, fühlte ich mich unter zugzwang. hier ist es, das originalrezept in einer bearbeitung von tante herta, interpretiert von mir.

nervenkeks nach tante herta und dr. hertzka

zutaten für ca. 12 blech à 30 nervenkeks, d. h. für ca. 360 oder mehr keks

  • 1 kg weizenmehl (original: dinkelmehl – ich mag keinen dinkel)
  • 50 g bio-nervenkekspulver (bestellmöglichkeit für das „gewürzkekspulver“, wie es offiziell heißt, für österreich bei antonius drogerie seiser bzw. für deutschland bei herbosan, beides bleibt in der familie, und nur dieses nervenkekspulver schmeckt so, wie es soll, weil es stets frisch aus bio-muskatnuss, bio-ceylon-zimt und bio-gewürznelken gemischt wird)
  • 2 packerl weinsteinbackpulver
  • 600 g staubzucker (original: 300 g rohrohrstaubzucker; beim nächsten mal werde ich 500 g staubzucker inkl. vanillezucker verwenden)
  • 2 gute esslöffel vanillezucker (meiner ist selbstgemacht – oder 1 packerl echten vanillezucker)
  • 1/2 bis 1 teelöffel feines salz (ich gehöre zu den mürbteigextremsalzerinnen, aber leider kann ich mich nicht erinnern, wieviel ich wirklich reingegeben habe, als ich die nervenkeks vor 14 tagen gemacht habe*)
  • 500 g butter
  • 3 mittelgroße eier (oder 2 sehr große)
  • 3 esslöffel flüssiges obers (süße sahne)
  • fein abgeriebene schale einer zitrone

das folgende, nicht jugendfreie bild zeigt des web- und sängermeisters rückansicht im glauben, er hätte seine schürze an. dass dem nicht so ist, ist allerdings meine schuld, weil ich die ja zu meinem auswärtskochspiel entführt hatte und sie zum zeitpunkt des nervenkeksteigausrollens noch in der wäsche war, was der web- und sängermeister aber offensichtlich nicht bemerkt hat.

zubereitung

  1. in einer großen schüssel (bei mir: kenwood-rührschüssel) staub- und vanillezucker mit eiern schaumig schlagen.
  2. in einer weiteren schüssel mehl, nervenkekspulver, backpulver und salz mit einer grobzinkigen gabel gut mischen.
  3. die butter mit der groben reibe eines vierkant-reibeisens oder einer rohkostraffel auf die mehlmischung reiben.
  4. mit den händen abbröseln.
  5. „streusel“ zu den eiern geben, obers und zitronenschale dazu.
  6. mit dem k-werkzeug (! das hat sich für mürbteige besser bewährt als der knethaken, danke an t., von der ich diesen trick habe) der küchenmaschine kurz zu einem glatten teig kneten. das geht schnell und problemlos.
  7. achtung, und das meine ich ernst: nicht vom teig naschen, zumindest nicht mehr als ein teelöfferl voll! (muskatnussdosis!)
  8. teig mit den händen auf der arbeitsfläche kurz zusammenkneten, er sollte sich gut und ohne mehl verarbeiten lassen.
  9. teig vierteln, jedes viertel rund schleifen, etwas flach drücken und gut in frischhaltefolie wickeln.
  10. im kühlschrank mindestens 1 stunde rasten lassen, besser 2 oder über nacht. (der teig kann tagelang im kühlschrank warten, dann aber bitte zusätzlich in gut verschlossene sackerl oder behälter geben, damit der teig keinen fremdgeschmack annimmt.)
  11. teig viertelweise aus dem kühlschrank nehmen, auf etwas mehl oder zwischen folie sehr dünn ausrollen.
  12. beliebig ausstechen oder ausschneiden.
  13. bei 190 grad ca. 8-12 minuten backen (hängt vom herd und der keksdicke ab). sie sollen leicht gebräunt sein, aber bloß nicht zu dunkel werden, weil sie wegen des hohen gewürzanteiles sonst bitter schmecken.
  14. keks auf einem gitter auskühlen lassen.
  15. in großen schraub- oder bügelgläsern (vorbildlich) oder blechdosen (auch okay) lagern, auf gar keinen fall in plastik (das ist nicht nur stil- und geschmacklos, sondern würde ich wegen des hohen ätherisch-öl-gehaltes zur sicherheit auch nicht empfehlen).
  16. die nervenkeks halten wochen-, bei rigoroser keksausgabe auch monatelang.

verwendung

tägliche einnahme
täglich oder bei lust und laune ein paar keks essen. aber bitte nicht zu viele. kleine kinder kriegen keine. größere kinder maximal 3 (so war’s auch bei mir früher).
hildegard von bingen soll dazu gesagt haben: „iss diese oft und alle bitternis deines herzens und deiner gedanken weiten sich, dein denken wird froh, deine stimme rein, alle schadhaften säfte in dir minderer, es gibt guten saft deinem blut und macht dich stark.“

rosmarin-bratapferl mit dirndlpüree und nervenkeks
das war meine nachspeise beim imbiss des club of plenty, und ich war erstaunt, wie gut (wie ausgezeichnet) die kombination funktioniert hat.
für die bratäpfel säuerliche, auf keinen fall mehlige, sondern saftig-knackige äpfel vierteln, das kerngehäuse entfernen (geht am besten mit einem parisienne-ausstecher, genau, der für die kugerl), schale dran lassen. eine rein oder auflaufform buttern, alle apfelviertel sollen nebeneinander platz haben. äpfel in die form schlichten. butterflöckchen auf jedes apfelvierterl geben (deshalb ist der parisienne-ausstecher ideal, weil jetzt eine schöne kuhle im apfelvierterl ist), rosmarinzweige über die äpfel legen – nicht zu viele, pro (ganzem) apfel einen kleinen zweig. mit einem guten schuss apfelsaft (naturtrüb, schön aromatisch) untergießen. das verhindert zum einen das anbrennen der äpfel, zum anderen bleiben sie durch den sich entwickelnden dampf schön saftig und trocknen nicht aus. bei ca. 180 grad 20-30 minuten backen, bis die vierterl weich sind. (die rosmarin-idee stammt von den obauers, gemeinsam mit bitterschokolade ergibt das unseren bratapfel-klassiker.)

für das dirndlpüree entweder in unserem buch oder unserer app so schmecken wildpflanzen nachschlagen (oder kaufen…) und das dirndlpüree daraus zubereiten. wer keine dirndln eingefroren hat (vermutlich alle), kann entweder gekauftes (gibt’s in ostösterreich in gut sortierten feinkostläden) oder anderes herb-süßes fruchtpüree verwenden, evtl. auch preiselbeerkompott durchpassiert. es soll nicht zu süß sein und eine schöne säure haben. himbeeren gehen vielleicht auch, ich hab’s nicht probiert.
die bratäpfel mit dirndlpüree und nervenkeks servieren. ein paar wenige (jetzt knusprige) rosmarinnadeln können ruhig mitgegessen werden.

nervenkeks-crostata
es ist viel teig. und wer nicht alles zu keks verarbeiten möchte, kann auch eine crostata daraus backen. d. h. teig ausrollen, in eine tarte- oder tortenform geben, wenige cm rand hochziehen, säuerliche marmelade (oder marmeladenmischung, auf dem bild dirndl-, hagebutten-, holler- und waldbeerenmarmelade, ist wunderbar geeignet zum aufbrauchen von inhalten offener marmeladegläser: einfach alle vorhandenen durch ein sieb passieren und mischen; da sträubt sich die puristin, der purist in euch? mir egal) einfüllen, evtl. mit einem gitter aus nervenkeksteig bedecken und bei ca. 180 grad gut eine halbe stunde oder je nach teigdicke auch länger backen. aus bekannten gründen nicht mehr als ein stückerl pro tag essen oder eine (spätestens danach) lustige runde einladen. die crostata kann locker ein paar tage stehen, vielleicht wird sie auch – wie eine linzer torte – nur noch besser dadurch. wissen tue ich’s (noch) nicht, weil die crostata auf dem bild erst gestern abend aus dem ofen kam.

(*was das abändern von rezepten und nicht sofortige notieren der änderungen betrifft, bin ich nicht allein. in einer kurzen twitter-diskussion haben mir post(?)wendend die damen @foolforfood_de (fool for food), @ishtar_ (foodfreak), @cosycooking (cosycooking) und @kuechenlatein (küchenlatein) beistand geleistet und mit mir über die salzmenge gerätselt, die ich – wie immer, ohne zu messen – in den teig gegeben hatte. zuerst meinte ich mich an einen halben teelöffel zu erinnern, kam mir aber auch irgendwie zu wenig vor, frau küchenlatein und frau fool for food meinten, es wird wohl mehr gewesen sein, der teelöffel dürfte also hinkommen.)

kommentare

37 kommentare zu “ganzjahresallwetterkeks”

  1. Sebastian sagt:

    Nicht jugendfrei? Dann sind die Abdrücke nicht von ihm selbst?

  2. katha sagt:

    gute frage, sebastian, weil: ich habe nicht gesehen, wie sie draufgekommen sind, bloß fotografiert. meine hände sind’s jedenfalls nicht gewesen. die nagende ungewissheit…

  3. Hier! Die Ausnahme von „alle“ meldet sich zum Dienst. Ich hab Dirndlsoße immer daheim. Wie tät ich denn sonst über den Winter kommen, ohne meine Bratäpfel mit Dirndlsoße. o.o

    Hildegard von Bingen-Rezepte sind teilweise wirklich toll. Ich hab dieses Jahr eine Quittenmarmelade nach einem Rezept von ihr eingekocht. Und diese Kekse liebe ich sowieso. Allerdings hab ich die noch nie gebacken, sondern immer gekauft.

  4. Ich besitze zwar Dein super Wildpflanzenbuch, aber das habe ich hier im Tessin nicht dabei. So musste ich erstmal bei google nachschauen, was Dirndln sind, das muss ich bei Dir überlesen haben.

    Ich wünsche Dir und dem Herrn mit der bepuderten Rückansicht einen guten Start in ein tolles Neues Jahr 2012.

    Liebe Grüße
    Sabine

  5. Micha sagt:

    Ich nehme dann die Rückenansicht, äh, ich meine ein Stück von der Crostata :)!

  6. Thea sagt:

    Nun will ich aber auch einen Sexy-Hexi-Sängermeister-Keks von Kathas Hand geformt… Für solche Mengen ist meine Single-Küche einfach zu winzig.

  7. Thea sagt:

    Hab ich ganz vergessen: Ich geh jetzt los und kaufe die Zutaten für den unsichtbaren Wintersalat. Danke nochmal für die Rezeptur!

  8. bushcook sagt:

    Da fühle ich mich ja gleich verpflichtet die Kekse nachzubacken. Zweiter Vorname: Hildegard :-)

  9. Ulrike sagt:

    Ganzjahresallwetterkekse habe ich noch nicht im Programm, wird aber wohl Zeit ;-)

  10. katha sagt:

    die ausnahmeturbohausfrau, genau! so ein glück, dass wir die dirndln ohne strafandrohung mit n schreiben dürfen, gell? dass auch du die dirndln zu bratäpfeln servierst, hatte ich völlig vergessen, ist wohl eine klassische win-win-kombi. hier geht’s zu deiner super dirndlkochanleitung, für alle, die’s noch nicht kennen. ich habe sie übrigens im handumdrehen im pürieraufsatz der kenwood püriert und nach dem erneuten aufkochen nochmal durch ein haarsieb.

    die gekauften nervenkeks mag ich nicht. aber das war vermutlich eh klar, bei meiner nervenkeksvergangenheit.

    danke, liebe sabine! cornus mas, kornelkirsche.

    die hälfte ist noch da, micha, von der crostata natürlich ;-)

    nanana, keine ausreden, thea, such dir einen berliner meister mit großer küche! und du kannst als eine der wenigen wohl die zutaten für den unsichtbaren salat wirklich auswendig, stimmt’s? danke fürs danke!

    du hast keine andere wahl, frau hildegard bushcook! (man sollte allerdings stark gewürzte kekse mögen…)

    davon passen wahrscheinlich sogar zwei übereinander in dein tassenkeksfach, ulrike.

  11. Birgit sagt:

    Jetzt habe ich seit ich-weiss-nicht-wie-lange wieder mal mein Hildegard von Bingen Kochbuch hervorgekramt. Ich werde deine Kekse aber jenen aus dem Buch vorziehen und nur das Nervenkekspulvergemisch von dort übernehmen – sind feiner in der Zusammenstellung.
    Bist du eine rigorose Keksausgeberin? Klingt a bizzele streng;)

  12. katha sagt:

    welches buch ist’s, birgit? ich gebe die rezeptur fürs nervenkekspulver absichtlich nicht an, weil die kekse wirklich nur dann schmecken, wenn man ceylon-zimt (und nicht cassia) und superfrische, aromatische gewürze verwendet. und unbedingt in bio-qualität. bei der menge möchte ich keinen dreck in den keks haben. du verwendest sowieso nur bio-produkte, da kannst dir das natürlich selbst mischen, aber die meisten haben vermutlich gar keinen zugang zu (frischen!) bio-gewürzen in der qualität. wie unterscheidet sich das rezept? wahrscheinlich weniger zucker, aber sonst? nein, ich bin nicht streng in der keksausgabe, bloß von meiner oma in bezug auf nervenkeks so erzogen ;-)

  13. Pürieraufsatz der Kenwood – so neumodisches Zeugs hab ich nicht. Aber vielleicht sollte ich mir vor der nächsten Dirndlsaison so etwas zulegen, bevor ich wieder anfange zu schimpfen wie ein Rohrspatz.

    Mit den Kernen hast du die Dirndln da reingeschmissen?

  14. katha sagt:

    also bitte, turbohausfrau, da borgst dir einfach meine aus, das kriegen wir schon hin – es sei denn, du suchst einen grund für so eine anschaffung: falls ja, dann muss natürlich eine kenwood ins haus!
    ja, mit den kernen. geht 1a, natürlich bleiben auch da flunsen (fasern, fruchtfleisch) an den kernen dran, aber das püree ist nicht zu flüssig (3 teile dirndl, 1 teil zucker), sonder schön sämig und sehr aromatisch.

  15. Birgit sagt:

    Es heisst „Einfach leben“ und ist von Pregenzer/Schmidle, zwei Vorarlbergerinnen. Rezept besteht aus Dinkelmehl (warum magst du das nicht?), Butter (weniger), Rohrohrzucker (auch weniger), gemahlenen Mandeln, Salz, Backpulver, Gewürzmischung, Eier und Milch.
    Bei deinem Rezept gefallen mir Zitronenschale, Obers und Vanille. Die gemahlenen Mandeln könnte ich beibehalten…

  16. katha sagt:

    ist mir zu gesund, birgit ;-) im ernst: mochte geschmack und krume von backwerk mit dinkelmehl noch nie, bei keksen wie diesen würde es gehen, weil eh der gewürzgeschmack überwiegt.

    ja, die zitrone ist von meiner tante herta, die hatte schon immer guten geschmack. was die mandeln betrifft: warum nicht, kenne auch rezepte damit. das würde auch das weniger butter wieder ein bisserl wettmachen. unsere waren halt immer ohne.

  17. Grandios. Alles! Gerade auch der Mürbteig…!

  18. Frau Ziii sagt:

    Das sind mit Abstand die schönsten Kekse, die ich in und um die Weihnachtszeit heuer in Foodblogs gesehen habe, auch wenn sie subversis weihnachtlich sind.

  19. Eline sagt:

    Irgendwie straeubt sich in mir was, wenn ich „subversiv“ und Hildegard von Bingen in Zusammenhang gebracht sehe. Nix fuer ungut, liebe Katha, aufgrund deiner Verwandtschaft verstehe ich ja die Affinitaet. ;-)
    Ernst gemeinte Frage: warum soll man vom Teig wegen Muskatnuss nicht naschen, von den Keksen aber schon? Ist die Muskatnuss roh wirksamer als in den gebackenen Keksen?

  20. katha sagt:

    mürbteige und germteige sind meine lieblinge, extraprimagood, aber das hast du wahrscheinlich schon bemerkt. danke!

    wieso denn das, frau ziii? danke! aber sie sind nackert, unspektakulär und optisch zurückhaltend… oder ist ihr geschmack gar zwischen den zeilen zu erahnen?

    nanana, eline, das hast du in zusammenhang gebracht, nicht ich! subversiv bezieht sich auf das nachweihnachtliche datum. und kritik wie deiner habe ich vorgebaut, indem ich auf geschmack und konsistenz der keks unabhängig von ihrer entstehungsgeschichte verwiesen habe.

    was die muskatnuss betrifft: in hohen dosen wirkt sie halluzinogen (und führt zu vergiftungen). wer rohen teig isst, isst ja meist nicht nur rohen teig, sondern dann auch noch keks, d. h. die gesamtmenge wird automatisch höher, als wenn du nur keks essen würdest. deshalb empfehle ich, nicht schon zu viel teig zu essen (weil ich das sonst bei mürbteigen auch selbst gerne mache). ob die wirkung roh oder erhitzt unterschiedlich ist, weiß ich nicht, da bräuchten wir jemanden, die/der sich mit pharmakologie auskennt. ausreizen würde ich’s so oder so nicht und meine „warnhinweise“ sind eine reine vorsichtsmaßnahme.

  21. Frau Ziii sagt:

    Nein, ich mein`s ernst! Ich mag die Reduktion und ich liebe den Minimalismus, vor allem wahrscheinlich, weil ich ihn selbst so überhaupt nicht beherrsche und schon gar nicht an Weihnachten, obwohl ich mich so sehr bemühe. Irgendwie landet dann doch wieder ein Zimtstangerl oder ein Lorbeerblatterl oder zu Weihnachten gar ein Golddrahterl auf meinem Essen. Und frag‘ bitte nicht, was auf meinem Christbaum hängt. Ich steh‘ auf deine Keks, weil sie so herrlich unprätentiös sind und die Ischler-Oblatendose bin ich Dir sowieso voll neidig.

  22. excellensa sagt:

    Klingt mal wieder richtig toll. Als Apfelschlangerlclubmitglied ist mein Vertrauen in deinen Mürbteigsachverstand grenzenlos. Werd also mal Herbosan anschreiben und um Gewürzkekspulver bitten. Bin sehr gespannt, weil sich unsere Keksvorlieben dann doch unterscheiden (ich liebe gutes Spritzgebäck mit einem Überzug von dunkler Schokolade an den Enden). Ich habe aber auch noch den unsichtbaren Salat (Zutaten mobil abgespeichert) und die buttermilk pancakes auf der Liste. Ich werde berichten.
    Einstweilen Dir und dem Web- und Sängermeister einen guten Rutsch und ein phantastisches 2012!
    excellensa

  23. Rosmarin zu Bratäpfel klingen gut – hab leider meine Lederäpfel daheim vergessen – jetzt muss ich derweil ohne Sie in Wien darben.
    Dirndln mag ich wirklich, aber leider hab ich verabsäumt mir eine Quelle zu suchen – nächstes Jahr.

  24. katha sagt:

    ein geständnis, frau ziii, ich kann auch nicht anders. dabei hätte ich manchmal gerne das golddrahthändchen, eher das silberdrahthändchen, aber egal. das mit der dose hat mich grade leicht ratlos werden lassen, weil ich an hellseherische fähigkeiten glaubte, bis ich auf dem foto gesehen habe, dass ja der schriftzug grade noch zu lesen ist ;-) (die dosen gibt’s immer noch – ein kleiner ausflug nach ischl zur überprüfung vielleicht? http://www.zauner2.at/deutsch/oblaten.html)

    wenn du spritzgebäck magst, werte excellensa, dann können wir kekstechnisch wahrlich weiter auseinander nicht sein. da beidelt’s mich schon beim gedanken daran. deshalb rate ich dir auf jeden fall zu den pancakes, die sind großartig und perfekt neujahrstauglich – der unsichtbare salat sowieso (bitte ein sternderl aufs iphone picken – für braves befolgen aller salatregeln!).

    sei versichert, weltbeobachterin, das geht auch mit anderen säuerlichen äpfeln. deine familie könnte ja evtl. auch einen dirndlstrauch pflanzen?

  25. Penelope sagt:

    *~*Zum Nachtisch hätt ich heute noch Nervenkekse!
    Danke Dir herzlich für das Zertifikat:

    katharina seiser
    @katha_esskultur katharina seiser
    @PenelopeNr21 perfekt. ceylon-zimt? alle frisch? mustergültig in gläsern! güldenes sternderl von mir draufpicken, sehr brav!

  26. Hamleys sagt:

    Konnte dem Ganzjahresallwetterkeks nicht widerstehen, obwohl’s zu Weihnachten mehr als genug Kekse gab, und habe heute aus einem Viertel der leicht abgewandelten Version des Rezeptes (1 ganzes Ei statt 3/4 Ei + 3/4 EL Obers; weniger Backpulver – nur 1 TL auf 250g Mehl, übrigens Bio-Dinkelmehl Type 630; 50g Mandeln zusätzlich) genau 56 kreisrunde Nervenkeks gebacken, von denen schon 4 dran glauben mußten, weil sie sooo gut sind. Ab morgen halte ich mich an die 3er-Vorgabe, dann halten sie länger und helfen hoffentlich, die langen dunklen Abende etwas heller zu machen.

  27. Lemon sagt:

    Also, ich ess‘ selbstgebackene Kekse auch das ganze Jahr über sehr gerne, und sobald die Weihnachtsdose leer ist, wäre dies eine gute Anregung, neue Kekse zu backen, lecker sehn sie aus.

  28. cafetin sagt:

    das mit der muskatnuss lies mir nun doch keine ruhe, da dies eines meiner lieblingsgewürze ist. und was heisst schon in grösseren dosen?????
    ich habe mal bei: drugcom.de, ist ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nachgeschaut.
    grössere dosen sind 5 – 30 gr, nach meiner waage und durchschnittlich grossen muskatnüssen wiegt eine nuss ca. 7 gr.
    ich glaube, für den normalwürzenden koch ist hier entwarnung angesagt, oder???

  29. Ellja sagt:

    ich gebe der crostat jetzt mal rein optisch den vorzug. Mit der dunklen marmalad schaut das sooooo gut aus! Mich interessiert nun, ob sie wie die Linzer besser wird mit der Zeit?

  30. katha sagt:

    verdient, peneolope!

    die helfen ganz bestimmt, hamleys, das weiß ich aus jahrzehntelanger erfahrung. das erste, was ich gestern abend nach der rückkehr von diesem wahnwitzigen kurztrip nach china gemacht habe, war ein nervenkeks zu essen. schön, dass du sie gleich erfolg- und geschmacksreich nachgebacken hast!

    mach das, lemon, wenn du gerne intensive gewürze schmeckst, werden sie dir taugen.

    danke fürs erneute aufgreifen des themas, cafetin. im originalrezept würde bereits ein achtel der kekse den 5 g muskatnuss entsprechen, bei meinem rezept ist’s ein viertel. auch wenn ich es selbst nie schaffen würde, so viele kekse zu essen: es gibt auch leute, die essen eine tafel schokolade auf einen sitz (was ich auch nicht zusammenbringen würde, aber ich bin eben keine „süße“). wenn also jemand wirklich zig dieser kekse essen würde, ist es nicht so unwahrscheinlich, nicht unbedingt angenehme oder harmlose muskatnussauswirkungen zu spüren. und da ich grundsätzlich und auch von berufs wegen nicht fahrlässig handeln will und kann, soll der warnhinweis genauo so verstanden werden. denn wer definiert „normal würzend“? ich liebe den geschmack von muskatnuss und macis auch sehr und tendiere dazu, viel davon zu verwenden. aber gewürze sind nicht per se „harmlos“ (ganz im gegenteil, sie sind in geringen dosen hoch wirksam, deshalb schmecken sie ja auch so intensiv), es hängt wie bei allen stoffen von der dosierung ab.

    du bist ja nicht so ein linzer fan, gell, ellja? die versuchsreihe endete bereits nach drei tagen mangels weiterer versuchsobjektsteilstücke. sie gewinnt sehr beim ziehen, wirklich wie linzer. allerdings finde ich, dass auch die gewürze, offenbar durch die feuchtigkeit der mamalad, nochmal zulegen und fast ein wenig heftig, tendenz scharf schmecken. wichtig ist, für die crostata den teig sehr dünn auszurollen und wirklich eine säuerliche marmelade zu verwenden, sonst ist’s ein geschmacklicher overkill.

  31. Anne sagt:

    Die merk‘ ich mir und backe sie baldigst- das 2012er hat nervlich bestimmt die ein oder andere Attacke in petto. Zu Hildegard als Zweit- oder Drittnamen hat es bei mir nicht gereicht, Anne und basta wird meine Mutter zitiert :)

  32. Penelope sagt:

    Liebe Katha, deine Bratapferl – unser heutiges Sonntagssüß *~*, einfach köstlich!
    http://skizzenblockg.blogspot.com/2012/01/i-rosmarin-bratapferl.html

  33. Hesting sagt:

    Es beruhigt mich, daß ich nicht die einzige bin, die sich nach Weihnachten der Keksbäckerei gewidmet hat. Und (hier darf ich es ja schreiben ;)) ich bin auch geneigt, die Friesenkekse mit Zitronenschale aufzupeppen. Vermutlich sind es dann schon fast „Alfajores de Limon“, aber Hauptsache, es schmeckt. :)

  34. katha sagt:

    vermutlich erst, wenn du mit den schokolädchen durch bist, anne, stimmt’s?

    schön, wenn’s gefällt, penelope. wir haben das restliche dirndlpüree gestern auf panna cotta serviert.

    musste eben sehr lachen, hesting. hoffen wir, dass frau küchenlatein hier ausnahmsweise nicht mitliest, sonst kriegen wir schimpf.

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  1. […] sitze hier und knabbere sie. Katha von Esskultur.at ist schuld dran. Naja nicht wirklich, ich backe diese Kekse schon seit Ewigkeiten und erfreue damit […]

  2. […] (von denen ein deutlicher schwund in der küche zu verzeichnen war – ich fürchte, das rezept wird bald fällig)+++powered by cool & the ma’am v.l.n.r. ray, tom, ehschowissn, philipp, […]

  3. […] das nicht, aber man hätte sie auch einfach Gewürzkekse nennen können, oder ganzjahresallwetterkekse. Mit einem Hauch […]



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