ochsenherz zum tierfreitag #2

ochsenherz

aus meiner woche in berlin, über die es noch einiges zu erzählen gibt oder gäbe (chronologisch: hashi! markthalle neun! brioche! glut und späne! berlinale street food! berlinale kulinarisches kino! cordobar! wurst & bier! slow food berlin! wurstsack hendrik haase! mogg & melzer! weltpremiere food chains! wiener brot! dudu! vietnamesischer espresso! weinbar rutz! banh mi!), habe ich eine typische festivalkrankheit als souvenir mitgebracht: einen ausgewachsenen grippalen infekt.

deshalb noch kein großes update zum tierfreitag, außer: danke, dass so viele schon beim ersten mal letzte woche dabei waren, dass ihr den begriff, das wort, den ball aufnehmt, damit weiterspielt, auch diese woche.

wer mich kennt, weiß: mir geht es nie um einen kurzfristigen effekt, sondern möglichst um alles (größenwahn? im zweifelsfall schieben wir’s aufs fieber). ich glaube, dass in diesem wort viel (potential) steckt und ich freue mich sehr aufs weitere ergründen.

weil ich glaube, dass es gerade am anfang hilfreich sein könnte, herauszufinden, was andere zum tierfreitag schreiben oder tun, bin ich dabei, eine art virtuelle tierfreitag-sammelstelle zu gründen. wenn die bösen bazillen wieder von mir abgelassen haben, geht’s weiter. im besten fall kann ich euch schon kommenden freitag mehr zeigen. schön, wenn bis dahin gleich der nächste schwung appetitanregender pflanzlicher winterrezepte oder auch die ersten weit vorausschauenden tierhaltungsprojekte auf eurem radar (und in euren blogs) zu finden sind.

heute ist wieder einmal der tag, an dem sich mein geruchssinn verabschiedet hat. hoffentlich wie immer nur für ganz kurz. heute hat mich das erste mal statt ärger und selbstmitleid die demut dabei gepackt. wann sonst habe ich die gelegenheit, einem gemüse wie dieser rohen demeter-karotte der sorte „ochsenherz“ vom ochsenherz gärtnerhof, unserem csa-betrieb, eine ganz andere als nur eine kurzfristige wertschätzung zuteil werden zu lassen? (und gleichzeitig unendlich dankbar zu sein, dass diese tage eine ausnahme sind und hoffentlich immer eine bleiben werden?)

wie schmeckt eine karotte, wenn sie nicht riecht? welchen biss hat sie? wie saftig ist sie? bei welcher temperatur? welche konsistenz hat sie? welche textur? wie süß ist sie? und wie bitter?

diese erfahrung lässt sich niemals simulieren, denn selbst wenn man sich beim abbeißen oder kauen die nase zuhält, beim schlucken nimmt man durch retronasales riechen doch wieder aromen wahr.

eigentlich eine große chance: was ist vom charakter von gemüse, von obst, von körnern, nüssen, samen, von teigen, cremen, flüssigkeiten, von ölen übrig, wenn sie nicht riechen? interessant, dass mir dabei auch der vegane selbstversuch wieder einfällt. an dem „schokobiskuit“ hat mich ja nicht der schlechte geschmack, sondern der nicht-geschmack entsetzt. also das fehlen komplexer aromen. auch bei margarine ist es so. vielleicht ist das eine mögliche erklärung, warum ich so wenig damit anfangen kann: vegan gebackenes schmeckt für mich, wenn nicht mit anderen zutaten wie früchten, viel schokolade, nüssen etc. kaschiert, wie mit schnupfen gegessen. leer, sinn-los. es gibt bestimmt feine rein pflanzliche kuchen, kekse etc. da draußen. überzeugen tun sie mich erst, wenn sie ohne maskierung, in ihrer reinsten form, schmecken – wie ein biskuit, oder ein mürbteig, aus genau dem richtigen verhältnis mehl, butter, zucker und salz.

ich glaube schon, dass ich heute trotz fehlenden geruchssinns problemlos einen apfel, einen kohlrabi, eine karotte und einen zeller unterscheiden könnte. vielleicht lasse ich’s morgen auf den blindversuch drauf ankommen. wenn der geruchssinn dann noch immer auf reisen sein sollte.

ps: für die wiener/innen unter euch: roman steger stellt in seinem lokal „speisekammer“ kochbücher vor. am dienstag, 25. und am mittwoch, 26. februar gibt’s das match „österreich vegetarisch vs. deutschland vegetarisch“ – die jungs planen und kochen ein menü aus beiden kochbüchern (das wird richtig spannend), ich darf gescheit daherreden. für den 26. sind noch ein paar wenige plätze frei!

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