salat bei 30 grad (und mehr)

ich habe keine ahnung, wann und woher die kombination aus wassermelone und feta aufgetaucht ist. einer schnellen recherche zufolge muss es sich um einen griechischen klassiker handeln. wenn ich das vor zwei jahren gewusst hätte, hätte ich den folgenden salat wohl nie probiert.

ich konnte mir aber auch ohne meine vorurteile zu füttern nur schwer vorstellen, wie das schmecken soll. beissen sich die zwei nicht? hilft die minze, die in rezepten für diesen salat meistens unter den zutaten zu finden ist, bei der vermählung des wässrig-süssen mit dem fettig-salzigen?

wir bekamen jedenfalls eine version davon vor gut zwei jahren von unserem freund w. in dessen zauberhaftem garten serviert. er, sowieso ein meisterlicher koch, hat noch tiefgestapelt, dass das ja nur eine kleine erfrischung vorab sei und ausserdem habe er so viel rucola im garten und minze und überhaupt, der junge weisse vom benachbarten winzer (wir reden von der thermenregion) passe ganz besonders gut dazu. natürlich hat er sich dafür nicht an irgendein rezept gehalten, sondern frei kombiniert, mit reichlich frisch geriebenem ingwer zum beispiel, was das ganze schon in gedanken zu einer sagenhaft schrägen kombination machte.

vor dem ersten bissen war ich also immer noch skeptisch. währenddessen nicht mehr und seither haben wir die eine oder andere schnelle variante eines wassermelonen-feta-salates gemacht, aber immer nur dann, wenn es mindestens 30 oder mehr grad aussentemperatur hatte. geschätzte 25 grad sind schon zu kühl dafür, dann schmeckt der salat substanz- und sinnlos.

aber morgen oder übermorgen zum beispiel, da könnten ideale bedingungen dafür herrschen, vorausgesetzt, man hat folgendes zuhause:

reife wassermelone, unbedingt im kühlschrank gelagert
guten feta (schön fett und fest, damit er nicht beim schneiden in hunderttausend brösel zerfällt)
reichlich würzigen rucola
duftende minze, gerne eine sorte, die niemand kennt, gerne viel davon (wir hatten letzte woche eine wahnsinnsminze aus dem webmeisterelterlichen garten, leider habe ich keine ahnung, was das für eine war)
evtl. frischen ingwer
weissen balsamico oder weissweinessig oder rotweinessig
zitrone oder limette
olivenöl (wichtig: mildes, fruchtiges öl, z. b. kalamata oder das „weiße“ noan, kein zu scharfes, grasiges, denn der ingwer bringt ordentlich schärfe in den salat)
schwarzen pfeffer aus der mühle
evtl. salz
evtl. pinienkerne

dazu frisches fladen- oder anderes weiches weissbrot. ich habe noch nicht darüber nachgedacht, warum ich zu diesem salat komischerweise kein knuspriges weissbrot mag. wahrscheinlich war es zu heiss dafür.

am tag der hitze muss es dann schnell gehen:

  1. zuerst den rucola waschen, trockenschleudern, in kleine stücke reissen oder schneiden
  2. die minze waschen und in feinste streifen schneiden
  3. den feta in kleine würferl schneiden, zusammen mit rucola und minze in eine grosse schüssel geben
  4. evtl. pinienkerne trocken rösten, bis sie gebräunt sind und duften, und auf einem flachen teller überkühlen lassen
  5. evtl. frischen ingwer schälen und auf einer reibe etwas davon auf die feta-rucola-minz-mischung reiben (der saft reicht)
  6. weissen balsamico (oder anderen weinessig), frischen zitronen- oder limettensaft und olivenöl nach geschmack darübergiessen, ordentlich schwarzen pfeffer aus der mühle draufmahlen und vorsichtig umrühren, evtl. pinienkerne reinwerfen
  7. aufdecken, das brot bereitstellen und evtl. den „jungen weissen“ einschenken
  8. erst jetzt, und das meine ich ernst, die melone aus dem kühlschrank holen, von der schale und in kleine würfel schneiden, rasch mit dem restlichen salat vorsichtig mischen, abschmecken (wir brauchen dafür meist kein salz, hängt aber vom feta ab) und sofort! servieren

noch ein paar anmerkungen dazu:

  • wir geben weder zwiebel noch schalotten in den salat. steht in manchen rezepten, passt aber nicht dazu – finde ich.
  • ich mag den salat am liebsten so wie auf dem foto: klein und gleichmässig geschnitten. ich finde, dass die aromen nur so zueinander finden. bei grossen stücken ist der salat ein uninspiriertes nebeneinander. natürlich schaut er schöner aus, wenn man ihn auf einer platte schichtet und dann mit dressing beträufelt, aber leider, leider schmeckt er dann nicht so gut.
  • der grosse nachteil von klein geschnittener melone: sie blutet sofort aus, lässt wasser, verliert ihre struktur. deshalb: gut kühlen, erst am schluss schneiden und untermischen und dann sofort servieren.
  • manche geben basilikum statt oder zusätzlich zur minze in den salat. ich finde, das passt überhaupt nicht, es schmeckt dann irgendwie belanglos, keine ahnung, was da aromatechnisch abläuft.

ps: nigella lawson hat einen salat dieser art mit oliven in einem ihrer kochbücher, jamie oliver eine thai-version mit radieschen, ingwer und sesamöl. offenbar hat unser freund w. seine eigene mischkulanz kreiert. und ich kann’s nur nochmal betonen: der versuch mit dem ingwer erfordert ein wenig mut, aber er lohnt sich. zumindest, wenn es über 30 grad hat.

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kommentare

19 kommentare zu “salat bei 30 grad (und mehr)”

  1. lamiacucina sagt:

    Danke für den tipp. Heute solls wieder über 30°C werden und der Laden mit den kleinen 1 kg Wassermelonen ist nahe.

  2. seitdem ich mal entsetzlich krank von spanischen Wassermelonen war, kaufe ich die nur noch bio und kann es nur empfehlen, da die Spanier die Teile mit Wasser vollspritzen….

    Schöner Salat!! Leider habe ich nur chèvre aber keinen Feta im Haus….Warm ist es hier seit Tagen.

  3. Barbara sagt:

    Das Rezept geistert wirklich schon länger rum, ich hab’s mal mit Spinat gegessen, irgendwo im Ausland (nicht Griechenland), war sehr gut und erfrischend.

    Hier mangelt es an der Wärme, den Salat wollte ich nämlich auch schon ewig mal machen. Danke für die Erinnerung!

  4. uli sagt:

    a propos minze:
    habe vor ein paar jahren ein frisches stämmchen wilde (pfeffer?)minze aus dem wald mitgebracht und sie weitab von der(den) anderen zur freundlichen vermehrung gebracht, die sich ja unglaublich schnell auswildernd mischen, und nun erfreut sie nicht nur als getränk sondern auch als zutat zu anderen minz-würzungen unsern gaumen:)
    simpel,aber empfehlenswert!

  5. Angela sagt:

    die Idee mit dem Rucula werde ich mal aufgreifen, obwohl ich mir vostellen kann, daß sie dem Minzgeschmack etwas an kraft nimmt.
    habe so was ähnliches letztes Jahr mal gemacht, als es hier in Teneriffa ein Kalima hatte, der gar grauslig war (45 Grad noch am frühen abend)
    http://koch-doch.blogspot.com/2008/05/melonen-feta-salat.html

    Grüße A.

  6. katha sagt:

    und? ergebnisse? schmeckt der salat?

  7. Tine sagt:

    also das wetter war zwar nicht wirklich 30 grad aber der salat war klasse. wirklich ungewöhnlich. ganz besonders gut ist der ingwer da drin. minze hatte ich wohl zuwenig genommen, die hat nicht so sehr rausgeschmeckt.

    es wird also verbesserungen an dem salat geben, aber er wird auf jeden fall wieder auf den tisch komen.

    gruss, Tine.

  8. Hannah_wolja sagt:

    Wassermelone salzig? Finde ich super! Mit Tomate und mozzarella oder auch als Gazpacho mit gegrillten Scampis. Und natürlich pur! Schön, das du dich so ausführlich mit dem Thema beschäftigt hast. Ich mag deinen Schreibstil.

  9. Mischa Reska sagt:

    Arabisch: Wassermelone in 2-3 cm Würfel schneiden, auf einen flachen Teller legen, darauf jeweils ein Stück Schaf- oder Ziegenkäse (optimal noch ein wenig weicher als Feta), darauf je ein Minzeblatt. Hab ich in der Provence gelernt, aber auch so schon in einem arab. Kochbuch gesehen.

  10. katha sagt:

    uijegerl, da sind mir zwei kommentare aus dem jahr 2009 unbeantwortet durch die lappen gegangen, sorry, falls ihr das noch jemals lest!

    danke für die rückmeldung, tine, der ingwer kann wirklich was da drin. minze ist wohl sortenabhängig.

    hannah, genau, als gazpacho, da gibt’s ein sehr superes rezept von witzigmann/biolek.

    mischa, frisst du dich durchs archiv? dein tipp ist die einfachste variante, da müssen aber alle faktoren passen: reife, kühle wassermelone, eben nicht zu fester und nicht zu salziger käse, duftende marokkanische minze – sicher fein!

  11. Mischa Reska sagt:

    Nie zweitklassige Qualität – dann lieber nichts Essen und mich stattdessen durch Dein Archiv fressen – und wenn ich fertig bin fange ich von vorne an.

  12. bibib sagt:

    WOW – ich hab’s mir nicht wirklich vorstellen können, aber der Salat hat mich gerade vom Sessel gehaut :-) Unglaublich, wie das harmoniert.
    Habe Apfelminze genommen und dazu noch ein Blättchen Borretsch reingeschnippelt. Mit dem Rezept freut man sich direkt auf die nächste Hitzewelle!

  13. katha sagt:

    das kann ich gut nachvollziehen, bibib, mir ging’s ja genauso ;-) freut mich, dass er von nun an in der ersten hitzeliga mitspielt!

TRACKBACKS
  1. […] den Hund die Wassermelone bin ich durch diesen Salat gekommen. Auch sehr fein und definitiv was […]

  2. […] 1 EL Zitronensaft, 1 EL weisser Balsamico, 4 EL Olivenöl, 1 Prise Salz, einige grob zerdrückte schwarze Pfefferkörner und 1 Zweig sehr fein geschnittene Minzeblättchen zu einem Dressing mischen. 1/2 Baby-Wassermelone rüsten und in mundgerechte Stücke schneiden. 320 g Melonenstücke, 2 Handvoll grob geschnittener Rucola (ca. 45 g) und 100 g grob zerkrümelter Feta mit dem Dressing mischen und auf 2 Tellern anrichten. Quelle: esskultur […]

  3. […] 1 EL Zitronensaft, 1 EL weisser Balsamico, 4 EL Olivenöl, 1 Prise Salz, einige grob zerdrückte schwarze Pfefferkörner und 1 Zweig sehr fein geschnittene Minzeblättchen zu einem Dressing mischen. 1/2 Baby-Wassermelone rüsten und in mundgerechte Stücke schneiden. 320 g Melonenstücke, 2 Handvoll grob geschnittener Rucola (ca. 45 g) und 100 g grob zerkrümelter Feta mit dem Dressing mischen und auf 2 Tellern anrichten. Quelle: esskultur […]

  4. […] habe ich mich an diesem Rezept von esskultur, im Gegensatz zur Verfasserin bin ich nicht ganz so streng was Außentemperatur und […]

  5. […] wassermelonensalat mit feta, rucola, minze und ingwer (esskultur-rezept) […]

  6. […] Salat gönnen. Wir haben uns letztes Jahr in eine recht exotische Kombination verliebt. Ja, die Katharina Seiser ist (wieder mal) ursprünglich schuld, aber ihr Rezept ist ein bisschen […]



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