sonntagssinnessammlung kw 26/27

lieblingsbild

wien, 29. juni 2012, auf unserem esstisch
die hälfte meiner viele jahre alten messer, frisch vom schleifen

feiner geruch

  • ringelblumengrün an den fingern – für mich einer der besten düfte der ganzen weiten welt
  • dieses eau de cologne, von dem ich hier vor kurzem schon mal geschrieben hatte – schon lange nicht mehr so viel freude mit einem duftenden, im prinzip völlig unnötigen produkt gehabt
  • die jede woche mindestens 7 oder 8 frischen kräuter von unserem ernteanteil am gärtnerhof ochsenherz, in wilden varietäten, die lust, einfach in den kühlschrank zu gehen (jaja, so heißt das hier) und die hände ins sackerl mit den kräutern zu stecken und dann an den fingern zu riechen

bleibender geschmack

  • dieser aus dem ärmel geschüttelte freestyle-schokokuchen, der sich als der beste seit jahren herausgestellt hat. aus drei verschiedenen schokoladen. muss ihn noch mit etwas vereinfachten zutaten nachbauen, dann folgt das rezept.
  • lauwarmes bohnenpüree mit pfefferoni, nach „österreich vegetarisch“, pur, mit dem löffel gegessen, zu bio-lammkoteletts oder auf weißbrot

  • weichselkompott (aus sehr superen bio-weichseln von klaus rapf aus dem burgenland) mit minze und muskateller, wieder so eine geniale kombination des meisterkochs, auch dieses rezept steht in „österreich vegetarisch“ (wie übrigens ein haufen kompotte…)
  • gerade vorhin eine art fool (den unterschied zwischen trifle und fool habe ich noch immer nicht ohne nachschauen parat) aus zerbröseltem shortbread, roter grütze, frischen, saftigen, weichen pfirsichspeigerln, nicht zu wenig sherry, vanilleobers und blättrig geschnittenen haselnüssen. wenn ich’s dawartet hätte, bis sie durchgekühlt ist, wäre diese zufalls-liebelei noch besser gewesen, als sie eh schon war. wird wieder gemacht! (ich mache das übrigens oft aus nackertem biskuit, sandkuchen oder keksresten, mit sherry tränken, frische, möglichst ideal reife, saftige früchte, irgendein (hausgemachtes, logisch) fruchtpüree, obers oder mascarpone, leicht gesüßt und gewürzt und irgendwelche jeweils zu den früchten passenden nüsse, geröstet oder nicht, jedenfalls grob gehackt, gestiftelt oder geblattelt – und wie gesagt, wenn man’s dawarten kann, schmeckt’s nach ein paar stunden durchgekühlt noch viel besser…)
  • gelber muskateller 2009 von nigl, bin immer wieder überrascht, wie blitzblanksauber nigls weine sind (gut, das könnte man ihnen auch als nachteil auslegen, weil gefällig, aber das weingut nigl war halt vor mehr als 20 jahren meine wein-initialzündung, eigentlich meine erste bewusste wein-erfahrung, damals noch im pfefferschiff, dem bleibe ich treu)
  • der erste marillenkuchen des jahres, jedes jahr wieder
  • gebratene bio-kalbsleber mit apfelspeigerln, portweinglace, erdäpfelpüree – bei ungefähr 35 grad, aber das war’s wert
  • die ersten pfirsiche, noch aus italien, aber bio und erstaunlicherweise mit ziemlich viel geschmack, nektarinen detto
  • zucchinipuffer mit hardcore-dill-anteil, nach dem türkei-kochbuch von gu, dazu dieser feine feta-dip, jedes jahr wieder ein vergnügen, bevor uns die zucchini bei den ohren rauswachsen
  • kir rural, gestern erfunden: sortenreiner haber (ich kann das jetzt nicht übersetzen, sorry) apfelmost, meiner war aus brünnerling, gemischt mit einem schuss schwarze-ribisel-sirup – löscht hitze und durst, schmeckt nach land und kindheit und ich frage mich, warum ich fast 38 werden musste, um auf diese kombi zu kommen (aperol und hugo, ihr könnt mir gerne gestohlen bleiben)

wohliges gefühl

  • frisch geschliffene messer, warum habe ich’s so lange hinausgezögert? (die zweite hälfte bekomme ich am freitag zurück)
  • dank unseres ernteanteils (gemüse, salate, kräuter) wirklich im kulinarischen jetzt zu leben, alles andere richtet sich nach dem inhalt der gemüselade
  • diese spontanen kochereien, die alle so gut gelingen, das hat irgendwas mit dem gemüse und den kräutern und dem sommer zu tun
  • gepaart mit wehmut: florian holzer über christoph wagner auf speising.net, dessen todestag sich schon zum zweiten mal gejährt hat und der noch immer fehlt – oder immer mehr
  • die wahnsinnstextur von dem besagten schokokuchen
  • die intensive arbeit am manuskript gemeinsam mit meiner lektorin und die vorfreude auf den 1. umbruch
  • im morgenlicht zu gast bei einem bio-schweinzüchter sein, der mir für eine reportage seinen betrieb zeigt (wie dankbar bin ich für meinen job, jede woche wieder!)
  • gefühlte unter 20 grad wassertemperatur in bad fischau – eine wonne!

  • das neue kleine schälmesser, zum beispiel für pfirsichspeigerln – wieso habe ich die 40 euro nicht schon vor 15 jahren für diese messerform investiert?
  • die urkunde über den „genussschein“ (anteil am weideschlachthaus-projekt von labonca) in händen halten

  • geheime marillenknödel in der konditorei fercher, es gibt sie nur noch diese woche dienstag, mittwoch, donnerstag zu mittag, und nur auf reservierung, das café hat nämlich seit längerem geschlossen, aber für diese marillenknödel kommen eingeschworene gruppen jedes jahr und werden verköstigt – einzelne gewöhnlich gut informierte gäste können sich da dranhängen, aber wie gesagt, nur auf reservierung

angenehmer klang

  • grillenzirpen
  • das klimagerät, das wir entstaubt und so installiert haben, dass es die mittlerweile 10 tropennächte hier im zentrum wiens halbwegs erträglich macht – vor dem schlafen, denn währenddessen brauch‘ ich das nicht.
kommentare

19 kommentare zu “sonntagssinnessammlung kw 26/27”

  1. Lena sagt:

    Ich habe gerade auch ein ganz tolles Messer zum Geburtstag bekommen und bin auch ganz begeistert.

    Auch so ein Zwillingstück. Einfach toll, dass ich jetzt Tomaten in hauchdünne Scheibchen schneiden kann ;).

    LG Lena

  2. duni sagt:

    schleifst du nicht selber?

  3. Anna sagt:

    zu dem Messern: ich habe sozusagen zum Glück einen Messerschleifer geheiratet :-), du hast aber wirklich schöne Messer Katharina !!
    zu den Kirschen: mein liebster bringt mir jeden Sommer die Kirschen tonnenweise ins haus, in der Hoffnung, dass er irgendwann den Kirschtommerl seiner Kindheitserinnerungen bekommt. ich suche noch das optimale, ultimative, unverwechselbare Rezept, vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen??
    Grüße aus der Ferne von Anna

  4. katha sagt:

    scharfe messer sind immer eine freude, lena.

    nein, duni, schärfen mit einschränkungen, aber nicht schleifen. habe mir ein paar klingen fast ruiniert, sowohl mit schleifstein (in den ich’s geschafft habe, ein „x“ zu schleifen), als auch mit dem vulkanus. das ist nicht umsonst ein früher angesehener beruf gewesen. die wilden geschichten mit dem topfboden und so weiter, geht alles, aber so ist es mir lieber. schleifst du selbst? wie bzw. womit?

    im ernst, anna? habt ihr dann immer sehr scharfe oder sehr stumpfe messer (soll’s ja auch geben, dass der eigene beruf sich nicht ins private zieht) in der küche? zum kindheits-kirschtommerl braucht’s neben dem rezept wahrscheinlich das richtige geschirr, den richtigen tisch und die richtige oma ;-)

  5. Anna sagt:

    Nein Katharina, er ist kein echter Messerschleifer, er ist Tischler. Aber er hasst unscharfe Messer, also ist bei uns immer alles sehr scharf ;-). Auf die Finger aufpassen, heisst es bei uns!!!
    Dann muss ich halt ein Tommerlrezept erfinden, bin ja selber Oma ;-) Das letzte hat schon ein leichtes Lächeln auf des Liebsten Gesicht gezaubert :-)

  6. duni sagt:

    ich schaerfe meine messer selbst, auf einem kombistein. habe allerdings einen schaerfkurs bei der messerfirma dick (www.dick.biz ) mitgemacht und schon als junges maedchen gedengelt. messer schaerfen ist nicht schwer oder kompliziert, es braucht nur ein bisschen uebung und man muss es mal richtig gezeigt bekommen haben.

  7. Eline sagt:

    duni,
    ich schärfe auch mit einem japanischen Kombistein, Graphitpaste und einem Lederriemen.
    Ich freu mich sehr, wenn eine Frau ihre Messer selbst schleift! Denn in meinem Freundeskreis schleifen immer nur die Männer, machen ein grosses Brimborium, wie schwer das nicht sei – fast wie beim Grillen ;-)
    Dabei ist Messerschleifen mit ein bisschen Übung keine Hexerei und macht auch noch Spass. Sensen-Dengeln hat mir meine Oma beigebracht, das müsste ich aber wieder neu lernen – bin aus der Übung!

    katha,
    zum Schälmesser: ich habe mir meines auch erst vor ein paar Jahren gekauft und mich geärgert, dass ich so spät erst in sowas Geniales investiert habe – jetzt hab ich zwei,auch eines für die Sommerfrische.

  8. mischa reska sagt:

    Ober, einen Kir Rural bitte!
    Wenns so leicht wäre (siehe: bitter…)
    Wo bekomme ich denn in Wien oder Salzburg einen guten Most???
    Und wie mache ich den schwarze Ribisl Sirup? Meine Oma hat ganz tollen gemacht und in Flaschen mit Gummikapperl abgefüllt, aber das Rezept ist vor 25 Jahren mit ihr verschwunden…

  9. duni sagt:

    da in meinem haushalt keine maenner leben , haett ich nur stumpfe klingen, wuerd ich nicht selbst schaerfen! aber es gehoert wirklich zu jenen dingen, die einem um so leichter fallen, je oefter man sie macht. und natuerlich waechst mit der uebung auch das gespuer, wann ein messer wieder scharf ist und wann es wieder abgezogen werden muss.

  10. chezuli sagt:

    Scharfe Messer sind schon was Feines. Aber die japanischen Teile kann man trotz Schleifstein schon ruinieren. Das habe ich mangels Geduld auch aufgegeben.Wir geben die inzwischen auch regelmäßig zum Profi.Aber der Diamant-Wetzstein ist dauernd im Einsatz. Und dann mit einem schrafen Messer die erstenj Pfirsische teilen ….ohhhhhh

  11. scharfe Messer sind für mich das um und auf
    ich sollte sie auch wieder mal zum Schleifen bringen. Auch wenn ich sie selber wetze (Messer gegen Messer) Die klassischen Tafelmesser machen mich nervös, selbst für ein Butterbrot zum bestreichen sind mir meine „schwarzen Messer“ lieber.

  12. katha sagt:

    scharfe messer sind bekanntlich eh weniger gefährlich als stumpfe, anna, also alles bestens.

    schleiche schon lange um so einen kurs rum, duni, muss wohl endlich sein. obwohl: ich glaube, ich vertraue trotzdem lieber den profis.

    der einzige nachteil an dem winzmesser, eline, ist, dass es mit dem biomüll verschwinden könnte, wie es auch bei sparschälern manchmal passiert.

    das mit dem most, mischa, sollte über bioläden, die schranne o. ä. gar kein problem sein. und wirklich anständigen bio-schwarze-ribisel-sirup gibt’s von ja! natürlich. mit dem habe ich’s auch gemacht (mein most war allerdings aus oö, vom riethalerhof).

    jetzt mit den frisch geschliffenen habe ich eh vor, wieder regelmäßig abzuziehen, duni, und das ist auch keine kunst. ich finde, es ist einfacher, sehr scharfe messer anständig scharf zu halten als stumpfe wieder hinzukriegen.

    mir geht’s immer so mit den paradeisern, chezuli, was für eine wonne!
    ich halte es auch so: meine geduld damit ist enden wollend, und ich kenne so viele profiköche, die ihre messer zum schleifen bringen, da bin ich (ausnahmsweise) emotionslos und gar nicht ehrgeizig. ist eigentlich gelogen: was meine alten messer betrifft, hege ich große emotionen für sie. und scharf müssen sie auch sein. ich brauche sehr selten neue. mein ältestes (nicht auf dem bild) ist ein langes kochmesser von ikea, hatte damals wohl glück mit der stahlqualität, ich verwende es immer noch gerne.

    habe deine beiden kommentare zusammengefügt, weltbeobachterin. im ernst, du streichst ein butterbrot mit einem spitzen kochmesser? ich mag die sogenannten „bastardmesser“, die in der küche neben dem herd stehen, am liebsten für sowas. irgendwelche alten messer, die zu keinem set mehr gehören.

  13. mit schwarzen Messer mein ich die „Jausenmesser“ keine Küchenmesser, die Schneid haben – wirken für viele wie küchenmesser, ich nehme sie gerne auch zum kochen.

  14. katha sagt:

    achso, also vorne eh rund, nehme ich an. ich würde sonst emmentalerbrot (mit löchern) produzieren.

  15. katha sagt:

    jetzt hammas. solche jausenbestecke besitze ich nicht, finde sie aber (vor allem mit holzgriff) immer schön, wenn ich sie wo in händen halte. ist die schneid so gut, dass sie steaktauglich ist?

  16. uli sagt:

    zum kir rural:

    der arme kanonikus rotiert sicher schon in seinem grab, was aus seinem lieblingsgetränk aus burgundischem alligote (gleichgepresster, dh. weißer wein aus roten trauben) mit cassis alles wird! – geschmeckt hätt es ihm sicher;)

    deshalb und wegen der leichten rosafärbung meines pfefferminzsaftes und wegen der provenienz der weine (normale weiße) nenn ich meine aperitivkreation steiner rose;)!
    prosit!

  17. katha sagt:

    das glaube ich nicht, uli, ich habe nämlich schon extra aligoté aus frongreisch dafür importiert und weiß das „original“ (das übrigens nur kir heißt, denn kir royal wird’s erst mit champagne) zu schätzen. haben wir nicht schon mal über die alternativen zum aligoté hier diskutiert?!
    steiner rosé mit anschließendem schwumm stelle ich mir aber noch viel attraktiver als alle kirs zusammen vor!

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