die pyramiden vom dürrnberg

mein faible für salz wurde mir von meiner mama vererbt. ich kann also nix für meine diesbezügliche schlagseite, manche würden mich sogar als ausgeprägten salznerd bezeichnen, ein doserl salz habe ich nämlich auch immer im handtaschl mit. als mich letztes jahr meine kollegin nicole klauß für einen artikel über salz interviewte und mich nach meinem salz-bestand fragte, machte ich inventur: rund 30 sorten haben wir in küche und speis, zwischenzeitlich kam wieder eins dazu. die meisten davon pur, salze von überall, keines davon jodiert (siehe *anmerkung 1 ganz unten), keines mit rieselhilfen. bei allen geht es mir um konsistenz und geschmack, bei keinem davon um einen eventuellen „gesundheitsnutzen“. salz ist die wichtigste zutat in der küche, ohne salz wird nix was, kein tag ohne salz, kein kochen ohne griff ins salzglas (feines und grobes sind in jenen alten quadratischen haas-backpulver-gläsern, in denen sie auch meine oma schon aufbewahrt hatte).

wir salzen zu wenig

in meinem ersten buch „immer schon vegan“ (jetzt ganz neu in der 10. auflage!) habe ich „salzig“ ein eigenes porträt gewidmet, es beginnt mit der aussage „wir salzen zu wenig.“ zu dieser kleinen provokation stehe ich noch immer. weil oft einfach nur die prise salz bei frisch gekochten gerichten, die richtige menge salz in einem backwerk den unterschied macht, ob es eh gut oder außerordentlich köstlich schmeckt. da können wir von der gastro noch was lernen (beim einsatz von fett auch, bei der zutatenqualität dafür die gastro von uns).

es gibt für mich zwei komplett unterschiedliche einsatzgebiete von salz in der küche: 1. das geschmack geben und konsistenz verändern im koch- und backprozess durch frühes oder späteres salzen. dafür verwende ich grobes meersalz und vermehrt deutsches stein-/natursalz und für präzisere einsätze feines deutsches und neuerdings auch wieder feines österreichisches stein-/natursalz. ich erkläre gleich, warum. und dann gibt es 2. das am ende des kochprozesses beim anrichten, fertigstellen und servieren mit salz konsistenz und salzige nuancen geben (ähnlich wie der einsatz von kräutern oder zitrus), entweder obenauf (kann auch vor dem backen sein, z.b. bei einem cookie) oder bei tisch. das ist ein großes sensorisches vergnügen und dafür verwende ich alle arten von salzflocken, fleur de sel, pyramidensalz, für manche gerichte auch feines (österreichisches) steinsalz. da probiere ich länder, herkünfte, flockengrößen, konsistenzen, farben etc. das passiert intuitiv und spielerisch, dafür ist die sammlung perfekt geeignet, weil schlecht kann salz bekanntlich nicht werden.

von meersalz und steinsalz

viele jahre lang habe ich ausschließlich meersalz verwendet, weil normales siedesalz (das ist steinsalz aus nassem abbau), egal ob aus österreich oder deutschland, ein hoch verarbeitetes, mir nicht sympathisches produkt ist. ich habe so ein siedesalz (das übliche tafelsalz, wie es vermutlich in fast jedem haushalt steht) noch nie gekauft, mag weder seinen herstellungsprozess, noch seine konsistenz oder seinen geschmack. sondern eben meersalz, dessen weg vom meerwasser zum salz keine chemischen hilfsmittel braucht und leichter nachvollziehbar ist. am liebsten das von den salinen in secovlje bei portoroz/piran in slowenien, die wir vor vielen jahren auch besucht hatten, weil es das uns nächste meersalz ist und weil es in einem naturpark gewonnen wird (es gibt ja auch probleme mit schwermetallen bei meersalz und ich finde es darüber hinaus absurd, das so schwere, meist per se nicht teure salz um die welt zu schippern – es kommt also aus mehreren gründen sehr wohl drauf an, wo das salz abgebaut wird). ich halte das grobe und feine meersalz und die „salzblume“ oder „salzblüten“, geläufiger unter dem französischen begriff „fleur de sel“ (das auf slowenisch „solni cvet“ heißt) aus slowenien nach wie vor für das beste mir bekannte universell einsetzbare meersalz. auch in sizilien, frankreich, spanien und portugal gibt es gute meersalze, aber das ist halt schon wieder ein eck weiter.

der haken: mikroplastik

aber wie jedes meersalz hat es in den letzten jahren einen kleinen haken bekommen. dafür können die salinen bei piran nichts, sondern wir alle: es ist mit mikroplastik verschmutzt, weil die weltmeere mit plastik verschmutzt sind. jedes meersalz enthält mikroplastik. noch gibt es keine standards/grenzwerte dafür. (und leider enthalten auch viele steinsalze mikroplastik, das offenbar durch den verarbeitsprozess als abrieb hineingelangt, allerdings deutlich weniger als bei meersalz. hier eine aktuelle meldung vom umweltbundesamt dazu.) da ich aber viel und gerne salz verwende, möchte ich nicht zusätzlich zu unvermeidlichen umweltbelastungen (inkl. mikroplastik) vermeidbare mikroplastikdepots in meinem körper anlegen. wir wissen einfach nicht, was das für auswirkungen haben wird. die entscheidung, von generell meersalz auf generell steinsalz in meiner/unserer küche zu switchen, fiel und fällt mir nicht leicht, weil ich eigentlich überhaupt nichts aus „gesundheitlichen gründen“ nicht esse, sondern nur, weil ich das jeweilige lebensmittel entweder nicht mag oder einfach ein schlechtes produkt finde. ich finde meersalz in allen ausprägungen aber per se kein schlechtes produkt und ich mag es sehr. das heißt: natürlich werde ich nach und nach all die salzschätze in meinem gewürzschrank und in der speis aufbrauchen, der vorrat reicht noch für viele jahre. es kann sogar sein, dass ich auf reisen wieder aus salzneugier ein doserl mitnehme, zuletzt im juni zartrosa fleur de sel aus der camargue. aber den salzlöwenanteil, also jenen fürs kochwasser und fürs tägliche salzen in der küche, stelle ich auf steinsalz um. schon klar, dass das auch einmal meersalz war, aber lange vor plastik und anderer menschengemachter umweltverschmutzung. da es in deutschland weit größere und „reinere“ salzvorkommen für den natursalzabbau (den trockenen abbau von steinsalz) gibt, ist es sehr viel günstiger (und auch in österreich leicht zu bekommen, und zwar in jedem bioladen/biosupermarkt, z.b. das ursalz von erntesegen aus norddeutschland, das müsste dem von saldoro entsprechen, nehme an, es ist das gleiche; oder das alpensalz von rapunzel aus bayern) als das sehr rare österreichische. das ist auch der grund, warum ich für die küche deutsches steinsalz kaufe, nur für tisch auch das feine österreichische (das es seit sommer 2021 endlich wieder gibt, wenn auch zu einem echten liebhaberinnenpreis, weil das nach jahrelangem suchen gefundene vorkommen wieder nur sehr gering ist). bis dato gab es fürs salzen bei tisch jedoch keine alternative zu den unverzichtbaren knusprigen, pyramidenförmigen meersalzflocken (jetzt wird es aber wirklich zeit für ein kleines salz-glossar, siehe *anmerkung 2 ganz unten) aus england, ein kübel maldon steht daher selbstverständlich in unserer speis und wird alle paar wochen ins salzfässchen für den tisch nachgefüllt. jetzt aber, und das ist der eigentliche anlass für diese rare kulinarische notiz, gibt es tatsächlich pyramidensalzflocken aus naturbelassener österreichischer steinsalzsole. und das kam so:

wie schmecken 250 millionen jahre?

für unser „salzkammergut – das kochbuch“ wollte ich schon von beginn an die natursalzproduktion (trocken und händisch abgebautes steinsalz) der salinen austria besuchen. ich war sehr lästig und insistierte immer wieder via lukas nagl (der großartige koch und küchenchef im bootshaus in traunkirchen, von dem die rezepte im buch sind) nach einem termin. wir wurden immer wieder vertröstet und ich langsam misstrauisch. warum wollte man uns den natursalzabbau nicht zeigen? was war da dahinter? ich ließ nicht locker, ein buch übers salzkammergut ohne reportage übers salz aus dem salzkammergut hielt ich für undenkbar. das normale siedesalz (das wohl weit über 99 % des salzvolumens der salinen austria ausmacht) interessierte mich nicht. überraschend war dann im herbst 2019 doch ein termin möglich. wir – lukas nagl (am bild unten links), fotograf thomas apolt (unten rechts) und ich – durften ins aktive (!) bergwerk in altaussee. mein traum wurde wahr (was für eine abgedroschene formulierung und wie richtig sie für manche momente sein kann). wir standen also in mehreren kilometern tiefe im berg in jenem salzdom, in dem bis kurz davor natursalz trocken und von hand in großen brocken abgebaut wurde. die reportage dazu ist die allererste im salzkammergut-kochbuch, mehr verrate ich jetzt nicht. ich lebe ja bekanntlich vom schreiben übers essen ;-). damals wurde jedenfalls bereits fieberhaft nach einem neuen salzvorkommen mit der nötigen salzkonzentration für den trockenen abbau gesucht. und nicht und nicht gefunden. man stelle sich einmal ein salzbergwerk vor, das über jahrtausende mit schächten durchzogen wurde und in dem großteils nass abgebaut wird (sprich: es wird wasser eingeleitet und sole ausgeleitet, dementsprechend muss das unter tage auch alles abgesichert sein). hier eine „ader“ zu finden, hat die salinen austria letztendlich mehrere jahre bohrlochsondierungen gekostet. eine scheibe von so einer sondierungsbohrung durfte ich dort unten direkt bei den arbeiten in die hand nehmen und – ich konnte mich nicht halten, habe aber gefragt, ob ich darf! – abschlecken. 250 millionen jahre altes salz. dafür zahlt sich die viele arbeit an einem kochbuch auch aus, für solche momente. die scheibe durfte ich mitnehmen, manchen gästen zeige ich sie, drüberschlecken darf (und will?) natürlich niemand.

die quadratur der pyramide

schon vor unserem besuch im salzbergwerk lag ich lukas immer wieder in den ohren mit einer idee, die ich den salinen gerne vorschlagen wollte. warum man denn nicht salzflocken aus steinsalz(sole) machen könne, weil sole sei sole, das könnten doch nicht nur die briten mit meerwasser zsambringen (bringen eh nicht nur die briten zsam und war offenbar nicht meine idee, sondern wird tatsächlich schon in binnen-salinen aus urmeersalz aka steinsalz auch z.b. in deutschland, spanien und australien gemacht). jedenfalls lag das offenbar in der salzigen luft, denn beim ausfahren aus dem stollen nahm ich endlich meinen mut zusammen und fragte die für natursalz zuständige mitarbeiterin der salinen austria, claudia apfelböck-hagen, was sie denn von der idee hielte, eine art maldon aus heimischer sole zu machen. sie antwortete ganz trocken „ich kann dir gern erste muster zum probieren mitgeben“. und tatsächlich, ein paar minuten später (ich hatte erwartet: jahre) gab mir claudia aus dem kofferraum vier nummerierte, aber sonst unbeschriftete kleine bügelverschlussgläser mit. ich konnte es kaum erwarten, die salze zu probieren. allesamt waren sie gut, aber zu grob, zu derb, eher wie fleur de sel, das ja auch meist eine sehr inhomogene konsistenz hat, kein vergleich zu meinen geliebten pyramidenförmigen maldon meersalzflocken. eine der vier proben war feiner und zarter, aber trotzdem. mein feedback wurde stoisch zur kenntnis genommen. in der zwischenzeit entdeckte ich das sogenannte „salzburger natursalz“, das natursole von den salinen kauft und vor ort in hallein in handgeschöpftes siedesalz verarbeitet. ich kaufte mir euphorisch ein großes packerl davon, nur um festzustellen, dass auch das zwar gut war, aber ebenfalls von der konsistenz nicht annähernd mit maldon mithalten konnte. im frühjahr 2020, mitten im ersten lockdown, erschien dann endlich unser salzkammergut-kochbuch. ohne präsentation, etwas, das mir immer noch fehlt und mich traurig macht. als wäre das projekt nicht standesgemäß abgeschlossen, würde noch irgendwo unfertig herummäandern. trotzdem konnten wir heuer schon die 2. auflage drucken! ich bedankte mich also schriftlich statt persönlich auch nochmal bei den salinen dafür, dass wir den trockenen natursalzabbau erleben durften und fragte neugierig, ob schon eine neue abbaustelle dafür gefunden wurde. wurde sie leider noch immer nicht (mittlerweile mit stand sommer 2021 schon, aber das ist wieder eine andere geschichte), aber es gäbe im sommer 2020 neuigkeiten. die waren: die salinen austria hatten ihre hausaufgaben gemacht und direkt bei den salzwelten in bad dürrnberg bei hallein (das ist eine knappe halbe stunde südlich der stadt salzburg) eine salzmanufaktur errichtet, in der sie nun salzflocken produzierten. ich war gespannt wie ein zwirnsfaden, denn die muster vom vergangenn herbst hatten sehr viel spielraum nach oben, aber die eröffnung musste coronabedingt abgesagt werden.

salzflocken von freaks für freaks

dann kam irgendwann im herbst/winter ein gläschen „salzzart“ ins haus geflattert. die neuen, am dürrnberg aus dürrnberger natursole in handarbeit hergestellten salzflocken. und nun hatten sie es offensichtlich – denn die flocken sahen komplett anders aus als die ersten muster vom vorjahr – geschafft: mit vereinter manpower aus technik-, physik-, maschinenbau- und kulinarikfreaks hatten es die salinen gemeinsam mit den salzwelten tatsächlich geschafft, pyramidenförmige salzflocken aus österreichischer natursole herzustellen. fürs erste kosten musste ich mich an unsere küchenbudel setzen, so aufgeregt war ich. die flocken wirken auf den ersten blick groß und ein bisschen weißer als maldon, maldon hat einen transparenteren und damit zarteren eindruck (zum vergleich maldon vs. salzzart siehe auch *anmerkung 3 ganz unten). aber dann: mit den fingerspitzen ein paar flocken geschnappt und auf die zunge gelegt. augen zu. zunge an den gaumen. bist du deppert wie zart und mürb das knuspert! und wie mild und harmonisch das ist! es ist der salzstein der weisen, es ist perfekt, und ich bin so wahnsinnig happy mit diesem neuen salz, obwohl es so sauteuer ist.

steinsalzflocken aus österreichischer natursole

heuer, im frühjahr 2021, ein jahr nach der publikumslosen eröffnung, frage ich nochmal nach, ob ich denn die manufaktur besuchen dürfe. perfektes timing, denn kurz drauf kommen neue termine für die besichtigung der salzmanufaktur am dürrnberg in die mailbox. ich will das unbedingt sehen, kann noch immer nicht glauben, dass diese pyramidensalzflocken, die ich nun zur unterscheidung von meersalzflocken (wie maldon) einfach steinsalzflocken nennen werde, tatsächlich am ursprung der sole hergestellt werden. im juli 2021, am montag nach dem verheerenden hochwasser, dessen folgen durchs zusammenhelfen der örtlichen bevölkerung zumindest fürs erste unglaublich schnell beseitigt waren, fahre ich mit dem zug nach hallein. und dann auf den dürrnberg. für die salzwelten habe ich diesmal gar keine zeit, nur augen für die manufaktur. pfannenmeister basilio (unten im bild rechts, einer von einer handvoll dort, die das beherrschen) erklärt uns jeden schritt, er brennt dafür, schwärmt von allen details und eröffnet mir persönlich neue salzwelten, denn wie so oft an einem punkt in meinem leben, an dem ich denke, ich habe ein bisschen ahnung von was (kulinarischem), merke ich: ich weiß eigentlich gar nichts – nach dem tag aber ein bisschen mehr. meine mama (unten im bild links) – und hier schließt sich der salzkreis/die salzpyramide – holt mich dann vom dürrnberg ab, und weil alle meine persönliche salz-liebesgeschichte kennen, erfährt auch sie noch einmal im schnelldurchlauf von basilio, wie die steinsalzflocken gemacht werden.

vielleicht schreibe ich hier oder anderswo noch eine geschichte über den genauen ablauf der produktion, aber für heute habt ihr (und habe ich ;-)) lange genug durchgehalten. drum hier nur die information und gewissheit aus meiner eigenen erfahrung: die „salzzart“-steinsalzflocken werden tatsächlich aus der natursole aus dem dürrnberg vor ort gemacht, sprich: in edelstahlbecken erhitzt, nach vielen stunden die sich bildenden pyramidenförmigen salzkristalle sehr vorsichtig abgeschöpft, langsam getrocknet und abgefüllt.

herkunft, machart, konsistenz und geschmack sind die gründe, warum es die salzzart-steinsalzflocken jetzt auch ganz neu im esskultur-shop gibt – passend zu meinem 5-länder-pfeffer. ich hoffe sehr, dass sie euch genauso begeistern werden wie mich (und meinen mann, der mir beim frühstück und weiteren fadenscheinig zu passenden gelegenheiten deklarierten mahlzeiten neuerdings das halbe glasl wegknuspert).

*anmerkung 1
jodmangel war früher ein riesenthema und ist es in manchen alpinen gegenden immer noch (stichwort: kropf und schlimmeres), deshalb wird salz in österreich gesetzlich vorgeschrieben jodiert. heißt aber nicht, dass man nur jodiertes salz kaufen kann. ich bin der meinung, dass ich über außer-haus-essen (wo sowieso fast überall jodiertes salz verwendet wird) und vor allem auch über meinen immer-wieder-mal-konsum von algen (kombu, nori u.a.) und seltener meeresfisch meine depots füllen kann. das muss aber bitte jede/r für sich entscheiden.

*anmerkung 2
kleines salz-glossar
siedesalz/tafelsalz – das in binnenländern übliche salz, ein industrieprodukt, aus steinsalzvorkommen nass abgebaut, die sole chemisch gereinigt und durch vakuumverdampfung zur kristallisation gebracht; oft auch als tafelsalz bezeichnet, wobei darunter in anderen ländern (jenen mit küsten und eigener salzerzeugung) auch meersalz verstanden werden kann
meersalz – theoretisch ist jedes salz meersalz, aber unter dem begriff wird üblicherweise das an küsten durch verschiedene verfahren gewonnene salz verstanden
steinsalz/natursalz – obwohl auch siedesalz aus steinsalz gewonnen wird, versteht man unter steinsalz (synonym wird häufig natursalz verwendet, aber leider oft auch in einem esoterisch-gesundheitlichen kontext) trocken abgebautes steinsalz aus binnensalzvorkommen/dem urmeer (üblicherweise rund 250 millionen jahre alt)
salzflocken/fingersalz – meint gröberes, aber nicht hartes, sondern leichtes, zart knusperndes und kostbares salz, es gibt verschiedene methoden, es zu gewinnen, alle basieren auf sole (im trockensalzabbau ist es unmöglich, salzflocken zu erzeugen), alle brauchen zeit, deshalb sind salzflocken teurer als normales meer- oder steinsalz; weder grobes meersalz noch grobes steinsalz gelten als salzflocken; wenn in einem rezept steht „salzflocken“, kann man diese nicht durch grobes salz ersetzen (könnte zu zahnärztlichen notfällen führen …); wird auch oft als fingersalz bezeichnet, weil es niemals ins kochwasser o.ä. kommt, sondern mit den fingern zum vollenen verwendet wird (ob in der küche oder bei tisch)
fleur de sel/salzblüten/salzblume – darunter meint man meist durch natürliche verdunstung entstandene und behutsam in aufwändiger handarbeit gewonnene salzflocken aus meersalz, das einen durchaus größeren anteil an schön auskristallisierten pyramiden enthalten kann, aber nicht muss, meist ist es aber inhomogen, es kann auch härtere körnchen und ganz feine kristalle enthalten
pfannensalz – meint die gewinnung von durch offenes „kochen“ (die temperatur ist eigentlich geringer) von sole in „pfannen“ gewonnenes salz, so wurde früher siedesalz generell gewonnen und so werden heute salzflocken erzeugt, d.h. die technik sagt noch nichts über die konsistenz/qualität und das einsatzgebiet des fertigen salzes aus
kristallsalz – sagt eigentlich gar nix aus, wird aber manchmal für hochwertigeres natursalz (trocken abgebaut oder als pfannensalz) zur unterscheidung von gewöhnlichem siedesalz einerseits und fleur de sel aus meersalz andererseits verwendet – ich würde den begriff nicht verwenden, weil er zu unklar ist und eher aus dem marketing kommt
pyramidensalz(flocken) – die königsklasse, denn für die herstellung von pyramidensalzflocken braucht es viel wissen und erfahrung; es handelt sich immer um ein pfannensalz, sprich sole (ob aus meerwasser oder steinsalzsole), die offen durch temperatur und zeit in möglichst große, zarte, gleichmäßige pyramiden kristallisieren soll, sowohl maldon-meersalzflocken als auch salzzart-steinsalzflocken zählen zu den pyramidensalzen

*anmerkung 3
weil ich das nun dauernd gefragt werde: maldon und salzzart sind ähnlich, beide bestehen zum überwiegenden teil aus zart knuspernden pyramiden, maldon wird aus meerwasser, salzzart aus natursole aus dem urmeer (250 millionen jahre altes steinsalz) in einem ähnlichen verfahren hergestellt. im direkten vergleich ist maldon vielleicht etwas hübscher (weil es transparenter/leichter wirkt), das kann aber auch die reine gewohnheit durch langjährigen gebrauch sein. für meinen geschmack knuspert salzzart aber noch zarter und mürber und vor allem schmeckt es milder, weniger spitz-scharf. bitte richtig verstehen: ich liebe maldon schon sehr lange und es ist deutlich günstiger als salzzart. aber es könnte sein, dass salzzart tatsächlich noch eine spur harmonischer und feiner ist. wer noch nie pyramidensalz verwendet hat und aufs geld schauen muss, wird mit maldon super happy sein. wer neugierig ist und sich lebensmittel wie andere leute mode, schmuck oder kosmetik kauft, also aus reinem vergnügen, könnte mit salzzart aus den oben genannten gründen (steinsalz, produktion aus ö natursole in ö, konsistenz, geschmack) eine ziemliche freude haben. es gibt bis dato null offizielle vergleichsverkostungen oder sonst irgendwelche aussagen von erfahrenen salz-fans (außer mir), daher ist das hier auch so zu verstehen: als meine persönlichen kulinarischen notizen zu einem ganz neuen produkt.

ps: erst nach dem schreiben dieser kulinarischen notiz habe ich gesehen, dass der österreichische verein „land schafft leben“ ziemlich viel wissenswertes über salz auf seiner website veröffentlicht hat. z.b. über den abbau von steinsalz (noch stand sommer 2021, als noch keine neue abbaustätte gefunden worden war, was, wie ich oben geschrieben habe, mittlerweile ja wieder anders ist), die gewinnung von siedesalz und die gewinnung von meersalz. einiges davon auch in form von infografiken und guten videos aufbereitet. vorbeischauen zahlt sich also aus.

8 Gedanken zu „die pyramiden vom dürrnberg“

  1. wow – das ist jamal ein pfund; habe noch nie so profundes über salz gelesen. besten dank für diese hervorragende wissensvermittlung, liebe salzbaronin seiser!

  2. Grandioser Artikel. DANKE herzlichst. Bin ja selber so ein Salzfreak, nur mit wenig echtem Wissen dafür viel Schmecken. So kommt das Wissen dazu und ein herrliches Salz aus meiner Nachbarschaft lockt.

  3. Hoch interessante und – what else – großartig geschriebene und zu lesende Geschichte!

    Ein Rätsel bleibt: „die „salzzart“-steinsalzflocken werden tatsächlich aus der natursole aus dem dürrnberg vor ort gemacht“ – Warum im Himmels Willen heißen die dann Bad Ischler? Ist das eine Marke der Salinen Austria? Ich mein‘, der Dürrnberg ist – auch dank der Kelten – weltweit gut bekannt.

  4. Eins gleich noch vorweg:

    >> „wir salzen zu wenig.“ zu dieser kleinen provokation stehe ich noch immer. weil oft einfach nur die prise salz bei frisch gekochten gerichten, die richtige menge salz in einem backwerk den unterschied macht, ob es eh gut oder außerordentlich köstlich schmeckt. da können wir von der gastro noch was lernen (beim einsatz von fett auch, bei der zutatenqualität dafür die gastro von uns). <<

    Kann ich das verstehen als "gezielter salzen"? (ja, auch nicht neben den Topf)
    Das viele Salz, wovor die Ärzt:innen ja warnen ist vmtl. eh mehr in Fertiggerichten, Chips und so Sachen drin.

  5. danke, lieber gerald, für das lob aus dem norden!

    freut mich, maria, hast lieblinge?

    genau so ist es, christoph, es ist einfach die marke „bad ischler“ (ich finde das persönlich aus mehreren gründen auch nicht so gescheit, aber not my call), und danke fürs lob!

    danke, werner, für den hinweis auf die buchreihe (da würde das thema tatsächlich gut passen) und genau, so ist das gemeint: denn der häufig kritisierte zu hohe salzkonsum bezieht sich immer auf fertiggerichte, darum gehe ich darauf gar nicht ein, ich halte ihn für mich und meine ernährungsgewohnheiten für nicht relevant. aber aus sorge vor dem bösen salz trauen sich viele in ihren eigenen küchen ihr eigenes essen nicht genug zu salzen. dabei würde vorsichtiges heranschmecken und nachwürzen die sache recht rasch klären. (andererseits: versalzenes ist in aller regel nicht mehr zu retten, daher immer langsam vorgehen und nicht in großspuriger geste – wie man das auch manchmal auf social media sieht – salzen. dazu ist das essen – und das salz – zu kostbar.)

  6. Viel dazu gelernt, danke! Soeben bestellt und jetzt bin ich sowas von gespannt auf dieses Salz. (Pfeffer mitbestellt, aber den kenne und liebe ich schon.)

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