something old, something new: die zeitlose erdäpfelwiege meiner oma

als meine oma im märz 2007 starb und wir ihren hausstand im oberösterreichischen traunviertel auflösten, übersiedelten ein paar wenige ihrer dinge zu mir. ihr silberbesteck hatte sie mir schon lange davor zu lebzeiten vererbt, weil sie wusste, dass ich es eher als sie verwenden würde. ihr augarten-porzellan, das sie sich als junge frau selbst nach und nach in wien gekauft hatte, kam zuerst zu meiner mama, die es mir aber schon zu meinem 40er vererbt hatte – aus dem gleichen grund wie meine oma mir das silber. jetzt kommt beides bei schönen anlässen wieder gemeinsam auf den tisch.

das hölzerne brettchen in schweinderlform war schon als kind mein liebstes jausenbrettchen bei meiner oma, ich wollte nur speck oder schweinsbraten darauf jausnen – jetzt steht es für den gleichen streng reglementierten verwendungszweck bei mir in unserer schönen neuen küche im wiener altbau und ich schmunzle, wenn ich an seine geschichte denke. der pyrex-bräter aus bräunlichem glas, den ich mir nie kaufen würde, war schon bei meiner oma das bevorzugte gefäß fürs bratl. ihre uralten großen besteckmesser und -gabeln, die schon bei ihr nur in der küche dienen durften (für den esstisch waren sie zu wenig fein) sind auch meine liebsten „bastardln“ in der küche. und längst auch bei tisch, weil ich sie wunderschön finde.

und ihre erdäpfelwiege (oder -presse) aus aluminium war für mich das selbstverständlichste ding auf der welt, es war völlig klar, dass ich die weiterverwenden würde. ich konnte (und kann) nicht verstehen, wie man gern eine kartoffelpresse mit dieser dreieckig geformten kleinen kammer und griffen zum zusammendrücken verwendet, dieses unpraktische ungetüm, schwer zu bedienen, mühsam zu reinigen und überhaupt. denn es gab sie ja, die erdäpfelwiege. dachte ich. denn eigentlich gab es sie schon lange nicht mehr im handel, erst seit 2012 hat sie das niederösterreichische familienunternehmen riess unter der marke kelomat wieder im angebot. mit einer schönen geschichte, die mir friedrich riess erzählte: die gmunder köchin ingrid pernkopf kam mit dem begehr zu ihm. sie hatte so eine presse gesehen (hatte aber selbst keine) und wollte diese für ihre kochschule haben, weil die anderen pressen seien ja nicht zu gebrauchen (wir kannten uns nicht, aber offenbar war sie in diesen dingen eine oberösterreichische schwester im geiste von mir). friedrich riess erinnerte sich an diese presse von seiner oma, mit der nicht nur erdäpfel und obst oder gemüse für kindernahrung zerkleinert wurden, sondern auch gorgonzola mit butter zu unwiderstehlichen girlanden (mein wording, nicht seines). die war aber aus aluminium, ein wie wir heute wissen nicht so gescheites material für küchenwerkzeug. also baute er ein werkzeug, mit dem er die presse, deren ursprünge nicht zu rekonstruieren sind, wieder herstellen lassen konnte. seit 2012 gibt es sie also wieder zu kaufen, endlich in edelstahl. und ab sofort auch hier bei mir auf esskultur im shop.

das wusste ich bis vor einigen jahren nicht, weil ich ja meine original (natürlich ist die aus aluminium, was mir eh nicht passte) erdäpfelwiege meiner oma hatte – und zwar sehr häufig in verwendung: für erdäpfelwuzerl (schupfnudeln) oder mohnnudeln, für püree, gnocchi, powidltascherln u.a.

da ich nicht wusste, dass es diese presse schon lang nicht mehr zu kaufen gab, hatte ich sie eifrig empfohlen und mich gewundert, wenn man mir berichtete, das ding sei nicht aufzutreiben.

denn: die klassische, wahnsinnig unpraktische kartoffelpresse mit der kammer und den griffen muss man a) immer wieder mit nur wenigen erdäpfelstücken nachfüllen, b) die griffe mit akrobatischen einlagen zusammenbekommen (ich habe schon in kochsendungen gesehen, wie sich die köchin oder der koch halb auf den oberen griff legt, während der untere irgendwo aufgebockerlt ist, nur um dem blöden trumm irgendwie frau oder herr zu werden), c) mit viel kraftaufwand zusammendrücken, gegen ende bleibt dann trotzdem eine platte zusammengepresste erdäpfel in der presse, die man wieder herausschaben muss, d) braucht man eine abwasch voll wasser, um das große sperrige ding einzuweichen und e) muss man es auseinander- und zusammenbauen.

mit dieser neuen alten wiegepresse geht das alles sehr viel einfacher und praktischer: man legt die geschälten je nach rezept warmen oder ausgekühlten erdäpfel auf die saubere arbeitsfläche (oder ein brett, aber das ist mühsamer zu reinigen als die arbeitsfläche) und presst die erdäpfel von oben durch leichten druck auf die beiden griffe völlig mühelos von unten nach oben in die presse. von dort nimmt man den „erdäpfelschnee“ (so hat ihn meine oma genannt) mit einer teigkarte in einer einzigen leichten bewegung ab, um ihn entweder für püree in den topf mit der heißen milch oder dem heißen obers zu transferieren (wohin man übrigens mit der wiegepresse als erdäpfelschneetransportmittel auch gehen kann, sehr praktisch) oder mit mehl, grieß, eiern oder was auch immer zu teig zu verarbeiten. man kann auch anderes weich gegartes gemüse wie z.b. kürbis oder auch maroni damit zerkleinern.

ps: fast ein jahr gab es hier nichts zu lesen.
obwohl 2020 sogar zwei neue bücher mit mir (salzkammergut – das kochbuch mit dem großartigen lukas nagl im frühling 2020) und von mir (die fortsetzung von immer schon vegan: immer wieder vegan ende 2020, die 2. auflage ist schon im februar 2021 herausgekommen) erschienen sind. „immer wieder vegan“ hat mich fast das ganze letzte jahr intensiv beschäftigt, corona hin oder her, und das war wohl auch der hauptgrund, warum esskultur mehr archiv denn aktuell war. beide bücher sind längst flügge geworden und bewähren sich auch ohne buchpräsentationen, aber diese feiern zum abschluss der langen arbeit in auch menschlich so tollen teams gehen mir trotzdem sehr ab.
und obwohl sich der esskultur-shop klammheimlich vergrößert und verändert hat. es gibt jetzt nämlich neben allen meinen büchern auch langlebiges, sinnvolles und wohlgeformtes küchenwerkzeug wie eben diese wiegepresse, wunderschöne messlöffel mit holzgriffen und praktische messlöffel mit pp-griffen. und gewürze: den sagenhaften 5-länder-pfeffer, den meine mama für mich „erfunden“ hat und mein kletzenbrotgewürz, das sich wunderbar auch für andere süße zubereitungen eignet. klammheimlich stimmt eh nicht, denn sehr viele von euch/ihnen haben die schätze im shop längst entdeckt. bitte gern weiterhin nützen und weitersagen!
danke fürs mir und meiner arbeit die treue halten – und für die vielen, vielen, vielen erfolgsnachrichten während und zwischen der lockdowns. es freut mich so, dass meine rezepte und bücher so viel freude machen und so gut funktionieren. dafür mache ich das!

4 Gedanken zu „something old, something new: die zeitlose erdäpfelwiege meiner oma“

  1. Was passiert jetzt mit der Traunviertler Aluminiumwiege? Ruhestand? Ehrenplatz? Sonderverwendung?

  2. Lustig, ich wollte mir so eine klassische Erdäpfelpresse kaufen, einfach weil sie noch vorteilhafter ist, wie das Billigtrum, welches ich jetzt noch habe. Riess ist sowieso super. Es ist sogar ein Familienausflug nach Ybbsitz zum Werk geplant. Dann werde ich nicht nur ein Erdäpfeldämpfhefn kaufen, sondern auch diese Wiege und eine Viereckrein. Dann habe ich das beste Werkzeug für Mühlviertler Speckknödel.

  3. christoph, die bleibt auf ewig in meinem küchenkabinettskastlkuriosakuddelmuddel. ich habe ja schon lang eine aus edelstahl (vermute ca. seit 2012, kann mich aber nicht erinnern ;-)), seither ist omas wiegepresse nur mehr für repräsentationszwecke im einsatz.

    erdäpfeldämpfhefn, weltbeobachterin, unsere sprache ist schon schön ;-) mit viereckrein meinst die quadratische ohne henkel? die habe ich auch noch nicht. eine rechteckige mit henkeln natürlich schon, obwohl eben das bratl bei meiner oma immer im pyrex glasbräter gemacht wurde …

  4. Genau, die quadratische bzw. Auch die rechteckige. Ich habe sogar eine minivariante davon. Ich bin ein Riess Fan. Oder die Emailschüsseln 😍.
    Mama habe ich bereits von der Erdäpfelwiege überzeugt.

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